Erscheinungsjahr: 2013
Gelesen im Oktober 2013
Herkunft: Gewonnen
Verlag: Klett-Cotta
Autorenseite

Das Zwei-Ringe-Land befindet sich im Wandel, die Magie scheint diese Welt verlassen zu haben und der neue Kaiser sorgt für Unruhen im Reich. Die Geschichte beginnt mit der Begegnung der fast siebenjährigen April, die sich fragt warum sie die Einzige in ihrem Dorf ist, die die Magie so hell wie eine Sonne in der Nacht sehen kann, und dem Zauberer Sarik, der aus langem Schlaf erwacht ist und seinen Weg verloren hat. Ihre Schicksale verbinden sich mit denen weiterer Figuren wie etwa dem des Fealvs Janner, der eigentlich auf der Suche nach seinem Vater ist, dabei aber von einem Schlamassel ins nächste stolpert.

Bereits nach dem ersten Kapitel hatte mich das Buch „am Haken“, neben der fesselnden Atmosphäre und dem wunderbar poetischem Schreibstil lag das auch an meinem direkten Zugang zu April und Sarik. Ich hatte also nicht nur von der ersten Seite an Kopfkino, sondern war auch gleich emotional angekommen.
Die vielen kleinen und größeren sich verknüpfenden Geschichten, die da vor uns ausgebreitet werden, sind sicherlich nicht etwas für jeden, aber mir hat die dadurch entstehende Tiefe sehr gefallen. „Das Licht hinter den Wolken“ ist – glücklicherweise – wieder ein Roman für aufmerksame Leser, die Freude daran haben, auch etwas gefordert zu werden.

Es gibt nicht nur mehrere Handlungsstränge, sondern auch damit verbundene alte Erzählungen und Aufzeichnungen. Gut gefallen hat mir dabei auch, wie sehr sich der Erzählstil den Figuren/Handlungen anpasst. Es gibt Szenen, bei denen ich mich in einen guten Western versetzt fühlte. Rätselhafte Szenen, die zum wilden Spekulieren verleiten. Bedrückende, tragische, liebevolle Szenen, die mein Herz berührt haben. Unheimliche Szenen, die mich trotzdem faszinierten. Und poetische Szenen, die mich an alte Sagen erinnert haben.

Ich hatte zu allen Figuren einen guten Zugang, allerdings habe ich ein paar von ihnen ganz besonders ins Herz geschlossen. Da sind natürlich April und Sarik, aber auch noch andere, über die ich hier gar nicht viel erzählen möchte, um nicht zuviel zu verraten.
Sehr fasziniert haben mich auch einige der Hintergrundgeschichten, weil sie oft noch eine zusätzliche Ebene erschaffen haben und ich zu gerne noch etwas dort geblieben wäre. Die Magie reizt mich da natürlich besonders, aber auch eine Nebenfigur und die verschiedenen Völker. Es gibt also viele Dinge, die mich da noch nicht loslassen.

Dazu gehören auch die Hauptfiguren, ihre Entscheidungen und Entwicklungen. Der Gedanke, was es bedeutet, sich – aus welchen Gründen auch immer – starr auf ein Ziel zu fixieren und diesem alles zu opfern. Was passiert, wenn man nicht von diesem Weg abweicht? Und was, wenn man offen für das Leben bleibt und seine Ziele anpasst?

„Das Licht hinter den Wolken“ war für mich eine abwechslungsreiche und wunderbar tiefe Geschichte mit überraschenden Entwicklungen, die bei mir sehr viele intensive Eindrücke und Bilder hinterlässt. Ein emotionaler und einfach „runder“ Roman, auch was die Schicksale der Figuren betrifft. Dazu ein mit dem Anfang verbundenes Ende, das bei mir den Wunsch weckt, die Geschichte gleich noch einmal zu lesen …