Nur negative Rezensionen sind ehrliche Rezensionen?

Auf diesen Gedanken könnte man kommen, wenn man die vielen Diskussionen betrachtet, die es seit längerem zu dem Thema Rezensionen gibt. Positive Rezensionen werden gerne als „gekauft“ und „unehrlich“ eingestuft. Und warum? Nur weil es einige Autoren gibt, die sich selbst positive Rezensionen schreiben oder welche kaufen. Für mich ist das unfassbar und auch sehr kurzsichtig, weil sowas natürlich oft auffliegt – wir Leser sind ja auch nicht ganz blöde. Trotzdem finde ich es schade, dass da gerne pauschalisiert wird und die eigene Meinung mittlerweile so leicht als „unecht“ eingestuft wird.

Ich schreibe keine Verrisse und mir ist ganz generell ein respektvoller Umgangston wichtig. In einem Buch steckt viel Arbeit und Herzblut – ganz unabhängig davon, was ich von der Geschichte halten mag. Das heißt jedoch nicht, dass mir alles gefällt oder ich keine Kritik ausübe. Ich tue dies nur in einem höflichen Tonfall. Muss ich mich dafür schämen? Die Art meiner Rezensionen entsprechen meiner Person: Ich bin zurückhaltend, aber ich habe eine Meinung, die ich auch äußere. Und wer meine Rezensionen liest und nicht nur auf den Tonfall achtet, wird diese auch sehen.

Dass die gekauften Rezensionen verunsichern und man sich als Leser verschaukelt fühlt, kann ich gut nachvollziehen. Allerdings habe ich dazu eine etwas positivere Einstellung, weil ich diese Fälle als schwarze Schafe sehe, die es überall gibt. Natürlich kann man diese nicht immer auf den ersten Blick erkennen, was dazu führt, dass Rezensionen und Rezensenten skeptischer betrachtet werden – aber man muss es ja nicht übertreiben.

Und es gibt ja Möglichkeiten, wie man die Gefahr, auf so ein schwarzes Schaf hereinzufallen, minimieren kann. Beispielsweise bieten da Blogs, Portale, Foren und andere Communities viele Vorteile, weil man da ein persönlicheres Bild des Rezensenten erhält und Meinungen besser einordnen kann. Nicht nur, was die Glaubwürdigkeit betrifft, sondern auch was die Deckung mit dem eigenen Geschmack angeht. Das Schöne daran ist auch, dass sich so Bekanntschaften und Freundschaften entwickeln können. :)

5 Comments

  1. Das hast du schön formuliert, wie immer den Nagel auf den Kopf getroffen. :-) Was mir noch dazu einfällt, ist: ich stelle fest, dass ich gar nicht mehr so viele Buchflops erlebe und daher gar nicht viel Kritik an Büchern übe. Das liegt daran, dass ich im Laufe der Jahre meine Buchgeschmack in eine bestimmte Richtung entwickelt habe und bei den meisten Büchern schon von vornherein einschätzen kann, ob sie mir gefallen werden oder nicht. Dabei spielen Genre, Klappentext, Cover und der/die Autor/in eine Rolle, aber auch die Buchempfehlungen von den Leuten, deren Geschmack sich oft mit meinem deckt. Also lese ich fast nur noch Bücher, die mir dann auch gefallen. Ist doch prima! :-)

  2. Positive Rezensionen stehen a priori in vielerlei Verdacht: Gekauft, von einem Fanboy oder einem Rezensenten mit geringem Anspruch geschrieben. Kritische Rezensionen bieten zumindest die Möglichkeit, das betreffende Produkt anhand der Kritikpunkte zu überprüfen, sofern jene begründet und ausgearbeitet sind. Die Rezension enthält dadurch mehr Substanz. Natürlich kann man auch eine positive Bewertung mit ausgearbeiteten Kritikpunkten versehen – und trotz berechtigter Kritik zu einem guten Fazit kommen.

    Für die Kaufentscheidung spielt das aber eigentlich kaum eine Rolle, da ist der Mittelwert möglichst vieler Rezensenten nämlich viel entscheidender. Und für den einzelnen Rezensenten sollte das auch keine Rolle spielen, denn niemandem wäre es anzuraten, seinen Bewertungsstil zu ändern, nur weil er für einzelne Leser nicht ideal sein mag.

  3. Hallo Marny,

    das hast du aber toll geschrieben. Ja, mir geht es auch immer so, dass ich schon befürchte, ich werde als „gekauft“ dargestellt, weil ich positive Rezensionen schreibe. Es ist nicht immer alles ganz leicht im Netz. Ich hoffe, dass sich das wieder etwas legen wird und die Leute wieder normal werden. Was soll es auch bringen, wenn man seine Rezensionen kauft. Die Leser kommen eh dahinter. Ich finde es nur schade für den Autoren, der das meistens gar nicht nötig hat.

    Lg Mel

  4. Ich schließe mich Deiner Meinung an — was mich momentan ärgert, sind negative Bewertungen auf amazon-Rezensionen, die scheinbar dann gern verteilt werden, wenn man ein populäres Buch nicht so gut bewertet …

  5. @Miramis
    Danke! Das geht mir ähnlich, man kann mit der Zeit einfach besser einschätzen, was einem gefallen könnte, weil einem bewusster ist, wie man tickt. Ich schaue mir ja auch gerne Leseproben an, weil man dann schon mal sieht, wie der Schreibstil gefällt. Und ein paar Leute können meinen Geschmack gut einschätzen und mich sogar auf Bücher neugierig machen, die jetzt nicht unbedingt in mein Beuteschema fallen. Flopps gibt es trotzdem, aber nur selten, worüber ich doch froh bin. Wenn es gar nicht geht, breche ich auch ein Buch ab (und rezensiere das in der Regel nicht), dieses Jahr ist mir das aber erst einmal passiert. Also ein guter Schnitt!

    @Sven
    Meine Kaufentscheidung wird ja meistens aufgrund des Klappentextes und ggf. der Leseprobe getroffen – oder eben nicht. Mir ist es relativ egal, wie der Titel im Durchschnitt bewertet wurde, ich gehe da nach meinem persönlichen Geschmack oder/und Buchtipps von Leuten, die meinen Geschmack gut einschätzen können.
    An der Art, wie ich rezensiere, werde ich nichts ändern, denn ich tue das auf meine ganz individuelle Art oder gar nicht. Dazwischen gibt es für mich nichts. Und jedem kann und muss man es sowieso nicht recht machen. ;)

    @Mel
    Dankeschön! Ja, ich hoffe auch, dass sich das mal wieder beruhigt und positive Rezensionen dann nicht mehr ganz so skeptisch beäugt werden. Vor allem schaden sich die betreffenden Autoren durch so etwas ja nur selbst, denn ich würde so ein Buch dann nicht mehr lesen wollen, auch wenn mich der Inhalt anspricht.

    @Darkstar
    Das Abwerten von Amazon-Rezensionen scheint ja auch immer beliebter zu werden – und viele kommen wohl leider nicht damit klar, wenn der eigene Eindruck mit dem des Rezensenten kollidiert oder die betreffende Rezi einfach nur von der „Masse“ abweicht. Schade!

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