Erik Kellen – Yuna & der Hüter der Wolken

Erscheinungsjahr: 2020
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Verlag: Wild Way Books

Man erzählt sich, dass der 18. Kaiser von Hiron die Götter verbannte, als seine geliebte Frau starb und er daran zerbrach. Er hörte auf die Worte einer alten Zauberin und sorgte dafür, dass die Götter kein Heim auf Erden mehr hatten. Daraufhin erhielt er von ihr ein Samenkorn eines Nebelbaumes …

Die Geschichte spielt in einem asiatischen Setting, wir befinden uns im Kaiserreich Hiron. Yuna vom Volk der Ni’Vey lebt auf der Insel Wu, in einem Baumhaus auf einem der Baumriesen. Ihre Mutter war der festen Überzeugung, dass der Wind ein meisterhafter Geschichtenerzähler ist – und ihr Vater liebt das Meer.

Shai, die Prinzessin von Hiron, lebt auf dem Festland in der Hauptstadt. Allerdings sieht sie von dieser kaum etwas, da ihr Leben für sehr lange Zeit auf drei Zimmer beschränkt ist. Ihr Vater ist mehr wie ein unbekannter Schatten, der ihr Leben bestimmt und in seinen guten Momenten heimlich Geschenke hinterlässt.

Du warst noch ein Säugling, als Zuhan diese seltsame Zauberin traf und die Götter verstieß. Ich habe wirklich versucht, ihn zur Vernunft zu bringen, doch sein Herz war über den Tod deiner Mutter gebrochen. Ich weiß, dass er sie mehr geliebt hatte als sich selbst. Er hätte ohne mit der Wimper zu zucken den Thron geräumt, wenn er sie damit hätte beschützen können. Du hast die beiden ja nie erlebt. Sie waren für einander geschaffen, eine Seele, verteilt auf zwei verschiedene Menschen.

Erik Kellen – Yuna & der Hüter der Wolken

Die beiden Mädchen mussten viel durchmachen, sind daran aber nicht zerbrochen, sondern stark und mutig geworden. Das hat mich beeindruckt, auch weil sie ihre ganz unterschiedlichen „Anker“ und Ziele hatten. Was mich wiederum zu der Frage geführt hat, was mich bei Verlusten und schwierigen Zeiten nicht aufgeben, sondern kämpfen lässt. Und das passt einfach ziemlich gut zur momentanen Situation …

Das Thema Seelen zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte, dabei geht es nicht nur um eine finstere Bedrohung, sondern auch um die Frage, wohin das Licht eines Menschen nach seinem Tod geht. Natürlich habe ich mich da auch mit meiner eigenen Vorstellung dazu beschäftigt, vielleicht bewusster als je zuvor.

© Erik Kellen

Ich hatte so einige Lieblingsfiguren und lange Zeit dachte ich, dass es unter ihnen keinen speziellen Favoriten gibt. Sie haben mich alle in ihren Bann gezogen und auch die beiden Erzählstränge fesselten mich gleichermaßen. Und dann, als ich schon gar nicht mehr damit rechnete, tauchte eine Figur auf, die mich eines Besseren belehrt hat. Tragischer Held mit (für mich) umwerfender Ausstrahlung trifft es schon ganz gut … Ich vermisse ihn gerade sehr!

Sehr begeistert hat mich aber auch die gelungene maritime Atmosphäre. Die Beschreibung über und unter Wasser, die verschiedenen Schiffe und Manöver, die Schönheit und Gefahr des Meeres. Dazu kommt noch der magische Teil der Weitwelt, in dem auch ganz besondere Orte zu finden sind.

Das Meer wogte in ihre Augen, wie ein lebendiges Wesen, berauschend und ungezähmt. Denn dies war die andere Seite des Lebens. Ihr zu Hause waren Erde, Wurzeln und Rinde. Nun fegten Ewigkeit, Tiefe und Sehnsucht in ihre Adern.

Erik Kellen – Yuna & der Hüter der Wolken

Der für den Autor typische Humor hat mich wieder zu so einigen Lachanfällen verleitet und bei bestimmten Wörtern muss ich jetzt immer grinsen. Das war auch ein schöner Ausgleich zu den traurigen und manchmal sogar unheimlichen Szenen.

„Yuna & der Hüter der Wolken“ ist für mich ein sehr besonderes Buch, da es eine Sichtweise auf die Frage bietet, was nach dem Tod ist – in Form eines Märchens. Es handelt von Trauer und Verlust, bietet aber auch einen Weg zurück ins Leben. Eine Geschichte, die mich tief berührt hat, und dazu verleitet, sich mit den eigenen Werten und Vorstellungen auseinanderzusetzen. Facettenreich, mit überraschenden Wendungen und wunderbaren Ideen. Magisch, mit intensiven Bildern und einem Ende, das einen hoffnungsvoll zurücklässt …

One comment

  1. Hallo liebe Marny,

    sicherlich eine interessante Vorstellung sich in dieser Weise mit diesem Thema zu beschäftigen.
    Aber z.Z. nicht so Meins…

    Egal ……liebe Marny Rebellin..ich bleibe Deinem Blog treu…augenzwickern…

    LG..Karin..

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