Vor zwei Jahren erschien mit „Herbstlande“ von Fabienne Siegmund, Stephanie Kempin, Vanessa Kaiser & Thomas Lohwasser ein märchenhafter Roman, der uns von Wünschen und dem, was wirklich wichtig ist, erzählt. Wir begleiten Scarlett bei ihrer Reise durch die Herbstlande und begegnen dabei allerhand phantastischen Wesen. Die Kürbiskönigin ist die Königin der Wünsche und nachdem sie die zerstörerische Macht von Wünschen erlebt hat, veränderte sich das Land – es entstanden Grenzen und die Herbstlande wurden in September, Oktober und November getrennt. Meine Rezension dazu findet ihr hier.

Mit der Anthologie „Geschichten aus den Herbstlanden“ (Erscheinungsdatum: 28.09.2018) können wir diese Reise nun fortsetzen:

Die Herbstlande – ein magischer Ort zwischen Laubrascheln und Herbstwindflüstern, wo wundersame Wesen durch die Wälder streifen und es mehr Geschichten gibt, als jemals Blätter von den Bäumen der Länder September, Oktober und November fallen können.
Mehr als 30 Autoren haben sich auf den Weg in die Herbstlande gemacht, um einige dieser Geschichten ans Licht zu bringen und viele, bisher noch nie gesehene Wesen in Goldland, Rotland und Grauland zu entdecken.
Folgen Sie Stefanie Altmeyer, Anja Bagus, Katrin Bohnen, Thilo Corzilius, Lena Falkenhagen, Robin Gates, Christian Handel, Markus Heitkamp, Ann-Kathrin Karschnick, Diana Kinne, Stephan Lössl, Christoph Marzi, Diana Menschig, Christin Mittler, Christina und Jörg Neuburg, Hanna Nolden, Silvia Orgel, T.S. Orgel, Bernd Perplies, Oliver Plaschka, Jana Damaris Rech, Alessandra Reß, Heike Schrapper, Fräulein Spiegel, Carsten Steenbergen, Isa Theobald, Martin Ulmer, Melanie Vogltanz, Christian von Aster, Annika Sylvia Weber und den vier Herbstlande-Entdeckern Fabienne Siegmund, Stephanie Kempin, Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser in die drei Länder und entdecken Sie Blattgoldbären, Mandarinenfeen, Kastanienkönige und sogar geheime Monate.
Mit einem Vorwort von Natalja Schmidt.

Mit Illustrationen von Jana Damaris Rech und Nina Schellenbach.Fabienne Siegmund, Stephanie Kempin, Vanessa Kaiser & Thomas Lohwasser - Geschichten aus den Herbstlanden: Klappentext

Ich bin schon unheimlich neugierig auf die Geschichten und freue mich darauf, die Herbstlande weiter zu entdecken! Die Premierenlesung findet übrigens am 28.09.2018 im Drachenwinkel (Saarland) statt.
Ist für mich leider zu weit weg, aber immerhin kann ich mich ein klitzekleines bisschen damit trösten, dass ich ein Interview mit Oliver Plaschka zu seiner Herbstlande-Geschichte führen durfte!

Oliver Plaschka, geboren 1975 in Speyer, studierte Ethnologie und Anglistik an der Universität Heidelberg und schloss sein Studium 2009 mit einer literaturwissenschaftlichen Promotion ab. Heute arbeitet er als freier Autor und Übersetzer — gerne, aber nicht nur im Bereich der fantastischen Literatur. Daneben nimmt er in unregelmäßigen Abständen die Gelegenheit wahr, in Seminärsälen und anderswo seine Liebe zu interessanten Büchern zu teilen.Vita von Oliver Plaschka

Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?

Im Gegensatz zu anscheinend 90% meiner Kollegen würde ich mich eigentlich eher als Sommertyp bezeichnen. Ich bin trotzdem froh, bei der Herbstlande-Anthologie dabei zu sein.

Was ist Dir beim Schreiben wichtig? Was möchtest Du dem Leser vermitteln?

Meistens habe ich eine spezielle Stimmung im Kopf, mit der ich den Leser am Ende einer Geschichte zurücklassen will. Manchmal sind es auch bestimmte Gedankenspiele.

Dein schönstes Erlebnis als Autor?

Wenn man einen Menschen findet, der in einer Geschichte wirklich das Gleiche sieht wie man selbst, von den Stärken bis zu den Schwächen. Das ist immer etwas Besonderes.

Was verbindest Du mit dem Herbst?

In meiner Kindheit sind wir immer Pilze und Kastanien sammeln gegangen. Und auf dem Rückweg haben wir häufig Zwiebelkuchen und neuen Wein gekauft. Heute ist der Herbst für mich vor allem das Ende des Sommers. Der erste Tag, an dem man die Heizung andrehen muss, macht mich meistens ziemlich schwermütig.

Du bist der Einladung der Herbstlande-Schöpfer gefolgt und hast Dich in ihre Welt begeben. Wie war das für Dich?

Wenn man sich in die Welt eines anderen begibt, muss man sich natürlich erst einmal einarbeiten, um die Fakten zu lernen und den richtigen Ton zu treffen. Ich kenne das von meiner Arbeit am „Narnia“-Rollenspiel oder für „Perry Rhodan NEO“. Sehr hilfreich war dabei das kleine „Reisejournal“ – dann habe ich Fabienne noch mit Fragen gelöchert.

Deine Geschichte spielt im November, von wo aus wir einen Blick in die Gefilde des Winters werfen. Wie kam es dazu?

Ehrlich gesagt über ein Missverständnis. Jemand erzählte auf Twitter über seine liebsten „Winteralben“ und meinte damit Musik-CDs. Aber ich hatte auf einmal dieses Wort im Kopf …

„Novembermädchen und Winteralb“ beginnt zur Zeit der Eisigen Stille. Was für eine Zeit ist das genau?

Die Eisige Stille markiert das Ende des Herbstes. Es ist dieser mystische Moment, in dem alles stirbt und von vorne beginnt. Die Herbstlande sind ein sehr märchenhaftes Reich, in dem Zeit und Raum nicht klar voneinander getrennt sind, und in dem alles einem großen Zyklus unterworfen ist. Deshalb fällt es auch schwer, klare Antworten auf solche Fragen zu finden. Für einen neugierigen Rollenspieler sind die Herbstlande eine schwer fassbare Welt. Für einen Geschichtenerzähler sind sie die ideale Spielwiese. Ich sehe mich ein bisschen als beides.

© Verlag Torsten Low

Erzähle uns doch bitte etwas über Ria, die Hauptfigur der Geschichte.

Sie ist ein junges Mädchen, das sich die alte Frage nach dem „Mehr“ stellt. Es reicht ihr nicht, nur den November zu kennen, und sie fragt sich, was jenseits der Eisigen Stille liegt. Sie hat auch Angst davor, kann aber nicht von ihren Fragen lassen.

Es geht um die Suche nach Antworten – um den Tod und was danach kommt. Was glaubst Du?

Wenn du mich persönlich nach meinen religiösen Überzeugungen fragst, lautet die Antwort, dass ich frei davon bin. Der Tod ist das Ende unserer Lebensspanne. Danach geht die Welt weiter – aber eben ohne uns.

Welche Stimmung verbindest Du mit der Geschichte?

„Novembermädchen und Winteralb“ ist einer der Texte, in dem ich mich um einen betont fabelartigen, fast biblischen Stil bemüht habe. Zugegeben eifere ich dabei dem großen irischen Stilisten Lord Dunsany nach, dem man natürlich niemals das Wasser reichen kann – aber dieser Modus hilft mir, mich auf die emotionale Kraft einer rational schwer greifbaren Geschichte zu konzentrieren. Solche Passagen finden sich immer wieder in meinen Büchern, zum Beispiel im „Licht hinter den Wolken“: „Die Geschichte von der Prinzessin, die töten sollte“ oder „Von Iladas, dem Phereniden, und dem Fall der Eolyn Lyora“.

3 Dinge, die man im Herbst nicht versäumen sollte?

Kastanien, Zwiebelkuchen und neuen Wein habe ich heute noch gerne. Pilze hat die Atomkraft hier im Süden leider ruiniert.

Ich habe den Eindruck, dass Anthologien auf Conventions präsent sind, sonst aber eher untergehen. Wie siehst Du den Kurzgeschichtenmarkt?

Die letzten zwanzig Jahre hat sich hier leider nicht viel getan. Es gibt höchstens zwei oder drei deutsche Autoren im Bereich SF&F, die halbwegs Chancen hätten, einem Publikumsverlag eine Kurzgeschichtensammlung anzudrehen. Gelegentlich gibt es auch mal eine „All Star“-Anthologie zu Weihnachten oder etwas in der Art. Aber Autoren wie ich haben da kaum Chancen.

Welche Bücher, in denen der Herbst oder Winter eine Rolle spielt, kannst Du empfehlen?

„Neverness“ von David Zindell ist ein sehr ausgefallener, leicht esoterisch angehauchter Science-Fiction-Schmöker, der als „Dune, nur mit Schnee“ beworben wurde. Das trifft die Sache überhaupt nicht, aber die Stadt Neverness mit ihren eisglitzernden Straßen ist atemberaubend schön, und der Stil des Buches ist schillernder als die gewöhnliche SF&F-Kost.

Welches Buch liegt aktuell auf Deinem Nachttisch?

„The 13 Clocks“ von James Thurber – eines der Bücher, die Peter S. Beagle oft als Ideengeber für „Das Letzte Einhorn“ nennt. Ich lese zur Zeit nur im Schneckentempo, und da ist dieses etwas zu lang geratene Märchen (?) genau richtig, weil in jedem Satz mehr Witz steckt als in anderen Büchern auf der ganzen Seite.

Herzlichen Dank für das Interview!

Ich danke!