Erscheinungsjahr: 2016
Gelesen im August 2018
Herkunft: Gekauft
Verlag: Edel Germany

In dieser Autobiografie geht es um die frühen Tage von a-ha, aber auch um die Kindheit und Schulzeit von Morten Harket. Eine lose Sammlung von Erinnerungen, die mit dem „Rock in Rio“-Konzert im Januar 1991 enden. Mit einem Blick darauf, was einen Menschen ausmacht und was mit einem passiert, wenn man über Nacht berühmt wird.

Um dieses Buch bin ich über zwei Jahre herumgeschlichen, obwohl ich seit den 80ern ein großer Fan bin. Biografien traue ich mir nicht so zu und die wenigen, die ich bisher gelesen habe, waren für mich zwar streckenweise spannend, überwiegend aber doch eher zäh – ich brauchte Durchhaltevermögen. Mit „My take on me“ musste ich es aber einfach probieren, auch weil mir die Musik sehr viel bedeutet. Ich war neugierig darauf, einen Blick unter die Oberfläche zu werfen.

Die erste Überraschung war für mich, wie sehr mich dieses Buch gefesselt hat – durchgängig. Das hat sicher etwas mit meiner Sympathie für den Autor zu tun, aber auch mit dem Stil, in dem die Erinnerungen geschildert werden, und mit der Mischung, die einen hier erwartet. Mir gefällt der durchgehend respektvolle Ton und wie reflektiert die Ereignisse beleuchtet werden. Es geht also nicht nur um die Erinnerungen an sich, sondern auch darum, was sie in einem auslösen.

Beispielsweise finden sich auf Seite 22 früheste Kindheits-Erinnerungen, die der Grundstein des tiefen Respekts sind, den er für die Kraft der Natur empfindet. Ergänzt um die Auswirkungen, die diese Erlebnisse mit sich brachten. Als Maßstab für jegliches sinnliche Empfinden – und als Auslöser für die Einstellung, dass nichts ihn daran hindern wird, die Dinge selbst zu entdecken. Zu diesem Zeitpunkt habe ich auch über mich selbst nachgedacht, und es war während dieser Lektüre nicht das letzte Mal.

Es gibt eine große Bandbreite an Themen, die aufgrund der Hochs und Tiefs natürlich auch ganz unterschiedliche Emotionen bei mir ausgelöst haben. Ich habe oft mitgelitten, gerade bei den Themen Mobbing, Presse, Fans und der fehlenden Privatsphäre. Die Reaktionen vieler Fans habe ich schon früher nicht verstanden, weil da einfach eine Grenze deutlich überschritten wird, die auch etwas mit Respekt zu tun hat. Und wie kann man vor Künstlern, dessen Arbeit man schätzt, keinen Respekt haben? Das wird mir wohl immer fremd bleiben, aber immerhin kann ich mich nun damit trösten, dass es hinter all dem Lärm auch immer Menschen gibt, die so sind wie ich.

Die Vorstellung, dass man (über Nacht) seine Privatsphäre verliert, fand ich schon immer bedrückend. Noch greifbarer wird das jedoch, wenn man liest, wie jemand damit umgeht und welche Folgen das hat. Über Einschränkungen, Strategien und Stress bis hin zu den Auswirkungen auf die Gesundheit.

Es gibt in dem Buch aber auch viele schöne Stellen, die mich zum Lächeln und Grinsen gebracht haben. Einen ganz besonderen Moment hat mir das Kapitel über „Scoundrel Days“ beschert. Es ist das zweite Album – und unter den älteren Alben ganz eindeutig mein Liebling, auch weil es mich viel tiefer berührt. Leider bekam und bekommt es nicht soviel Aufmerksamkeit, was mich immer ein wenig traurig gemacht hat. Aber es ist wohl auch das Album, das hingebungsvolle Fans, die tief in die Musik von a-ha eintauchen, am meisten lieben. Und diese Aussage hat mich ziemlich glücklich gemacht …

Besonders berührt haben mich die Stellen, in denen es um die Natur ging und um sein Verständnis davon, wie gute Musik sein sollte – was sie ausmacht und wie sie wirkt. Aber auch die über Familie und Freunde, die voller Liebe und Achtung sind. Und ich mag das Ende, das einen Wendepunkt markiert – den Beginn einer Reise zu sich selbst, die auch zu einer stärkeren Verwurzelung in der Welt führte.

Beeindruckt haben mich aber vor allem die klugen Betrachtungen, aus denen man viel für sich mitnehmen kann. Und in denen es auch um die Verantwortung jedes einzelnen geht – für die Umwelt, für sich selbst und für die Gesellschaft, in der wir leben wollen. Bei vielen Stellen musste ich daher auch einfach mich selbst reflektieren, zu ganz unterschiedlichen Dingen. Daher war das Buch für mich „doppelt“ intensiv, was man auch an den zig markierten Stellen sieht …

Als Fan von a-ha wird man ja gerne in die verschiedensten Schubladen gesteckt – früher genauso wie heute. Mit meinen 44 Jahren kommt da auch öfter die Frage, ob ich nicht endlich mal erwachsen werden will. Erwachsen zu sein bedeutet für mich aber nicht, mich anzupassen, sondern zu mir selbst zu stehen. Zu dem, was für mich echt ist und mich ausmacht. Mich glücklich macht. Und das passt irgendwie perfekt zum Ende der Autobiografie, also war jetzt vielleicht einfach der richtige Zeitpunkt, um sie zu lesen.

© Edel Germany

Nach dem Erlebnis auf der Blumenwiese vor dem Haus meiner Eltern hätte ich nie gedacht, dass ich noch einmal einen ähnlichen Bewusstseinszustand erreichen würde. Aber auf den Malediven fühlte ich mich großartig – ich sah auch großartig aus, mückenzerstochen und sonnenverbrannt, in zerrissener Kleidung und mit wildem Herzen.Morten Harket - My take on me (Seite 211)