Es gibt Geschichten, die einen nicht loslassen und zu denen man gedanklich immer wieder zurückkehrt. Bücher, die einen auch noch Jahre später beschäftigen und bei denen man erst mit der Zeit merkt, wie sehr sie einen geprägt haben. „Fairwater“ von Oliver Plaschka ist für mich so eine Geschichte. Darum habe ich mich auch riesig über die überarbeitete Ausgabe gefreut, die im April 2018 bei Knaur erschienen ist.

Aber wann begann die Reise nach Fairwater?

© Knaur

Manche Orte lassen einen nicht los.
Fairwater ist ein solcher Ort.
Die erste Fassung dieses Buches entstand kurz nach der Jahrtausendwende, als ich für ein halbes Jahr nach England ging und dort ein altes Hobby wieder aufnahm: das Schreiben. Die Geschichte, mit der alles begann, war Die Prinzessin von Shedir, und die seltsamen Mitglieder ihres Hofstaates ließen mich nicht mehr los: Mandelblum. Lucia. Marvin. Ich beschloss, dass sie ihre eigenen Geschichten und eine Heimat benötigten. So entstand die Stadt Fairwater, in der jeder ein Geheimnis barg und niemand nur das war, was er oder sie vorgab zu sein.
Ich skizzierte sieben Kapitel, anfangs nicht mehr als Notizen zu Figuren und Stimmung. Stil und Genre waren bunt gemischt: von Märchen über Mystery bis zu Theater- und postmoderner Tagebuchform. Mittlerweile war ich wieder in Deutschland, aber im Geiste lebte ich in jener anderen Welt.Beginn des Vorworts zur überarbeiteten Fairwater-Ausgabe von Oliver Plaschka

Für mich begann die Reise im März 2008 mit der autorenbegleiteten Leserunde auf Leserunden.de. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich die richtige Leserin für die so ungewöhnlich klingende Geschichte war, aber auch unheimlich neugierig auf die Atmosphäre. Außerdem lockten mich Wörter wie Träume und Rätsel.

© Oliver Plaschka

Die Geschichte hatte mich schnell gefesselt, auch wenn der Anfang überraschenderweise eine Mischung aus Roadmovie und Krimi war. Aber bald überwogen die Geheimnisse und unerklärbaren Ereignisse – meine grauen Zellen begannen zu rotieren. Das Aufsammeln der Puzzleteile und das Spekulieren hat mir sehr viel Spaß bereitet. „Fairwater“ war für mich das erste Buch, bei dem ich auf diese Art gefordert wurde, in so einem Umfang. In dem mir als Leser zugetraut wurde, mir Dinge zu erarbeiten, und nicht fast alles erklärt wurde.

Meine Rezension findet ihr hier. Sie ist natürlich schon 10 Jahre alt und daher noch ein wenig anders, als ich jetzt schreibe … Aber genau darum interessiert mich auch, wie es für einen Autor ist, den eigenen Text nach noch längerer Zeit zu lesen.

Als ich mit dem Abstand von fast fünfzehn Jahren wieder in diesen Text eintauchte, sah ich nicht mehr viel von der Magie, die ich beim Schreiben einst hineinprojiziert hatte. Stattdessen sah ich: falsch benutzte Begriffe, fragwürdige Grammatik, eine Flut von Füllwörtern und unverständliche autobiographische Bezüge. Und ich sah mich selbst zu dieser Zeit: einen jungen, völlig überforderten Autor, der mit viel Rauch und Spiegeln seine eigene Unsicherheit zu kaschieren versuchte …Vorwort zur überarbeiteten Fairwater-Ausgabe von Oliver Plaschka

Und in welcher Hinsicht unterscheidet sich die neue Ausgabe von der aus 2007?

– Der Roman erscheint in aktueller deutscher Rechtschreibung (2006).
– Neu sind ein Vorwort und ein überarbeitetes Figurenverzeichnis.
– Der Haupttext wurde komplett und auf Wortebene überarbeitet. Es gibt keine Seite des Buchs, auf der es nicht zu Änderungen gekommen wäre. Die meisten dieser Änderungen sind stilistischer Natur. Andere betreffen auch Figuren, ihre Charakterisierung und plotrelevante Zusammenhänge.
– Teilweise wurden Abschnitte entfernt oder umgestellt. Einige für die Printausgabe gekürzte Szenen im dritten Kapitel wurden wieder ausgebaut.
– Der neue Text ist insgesamt ca. 27.000 Zeichen kürzer als der alte. Ursächlich hierfür ist in erster Linie die stilistische Überarbeitung.Blogbeitrag 'Mein sechstes Buch ist mein erstes Buch' von Oliver Plaschka

Und weil ein Bild mehr als tausend Worte sagt:

© Oliver Plaschka

Den zitierten Blogbeitrag findet ihr hier. Und in diesem gibt es noch ein ganz konkretes Beispiel.

Als letztes muss ich euch dann einfach noch den Trailer aus 2007 zeigen, der für mich perfekt zu der Geschichte passt. Von der Atmosphäre her, aber auch durch die vielen Fragen, tollen Illustrationen und die wunderbare Musik … Die Melodie mag ich wirklich sehr.