Erscheinungsjahr: 2017
Gelesen im Februar 2018
Herkunft: Gekauft
Autorenseite
Verlag: Drachenmond

Muireann und Rose arbeiten unter den Decknamen Schneeweißchen und Rosenrot als Dämonenjägerinnen. Seit vier Jahren ziehen die beiden gemeinsam durch die Lande und bekämpfen Trolle, retten Jungfrauen vor Wassermännern und vertreiben Kobolde aus Mühlen oder Bauernhäusern. Von den Bewohnern eines kleinen Dorfs erhalten sie nun den Auftrag, den spukenden Geist einer Hexe unschädlich zu machen, wegen dem die Reise durch einen tiefen Wald nicht mehr sicher ist. Dieser Fall führt sie nicht nur an ihre Grenzen, er bringt auch ein Geheimnis ans Licht, das eine von ihnen gern für immer vor der anderen verborgen hätte …

Das ist eine der wenigen Geschichten, die mich von der ersten Zeile an völlig eingefangen haben. Der Schreibstil lässt nicht nur eine dichte Atmosphäre und großartige Bilder entstehen, er berührt auch sehr intensiv. So als ob er einen direkten Weg in mein Herz kennt und genau meinen Geschmack trifft – gleichzeitig hatte ich aber noch immer Bammel davor, dass es im Hexenwald zu düster für mich wird …

Immerhin geht es ja um den rastlosen Geist einer Hexe, die in einer verborgenen Hütte mitten im Wald gelebt und kleine Kinder in die Falle gelockt hatte. Niemand, der nach ihrer Hütte suchte, konnte sie finden. Niemand außer Muireann und Rose, die von Geisterkindern zur Hütte der Hexe geführt wurden. Es wird unheimlich und schaurig, bei einigen Szenen hatte ich sogar eine Gänsehaut. Aber es wurde nie so detailliert oder blutig, dass es mich verschreckt hätte.

Die Geschichte ist aber nicht nur unheimlich, es gibt beispielsweise auch mystische und sogar romantische Szenen. Denn Liebe spielt in diesem Roman auch eine Rolle. Sie wird nicht in den Mittelpunkt gerückt, taucht aber immer wieder auf und ist auch emotional sehr präsent. Überhaupt waren mir die Figuren äußerst nah – es fiel mir leicht, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen und sie in mein Herz zu lassen. Ganz besonders gilt das allerdings für Muireann, die mich durch ihr Wesen und ihren Hintergrund verzaubert hat.

So wie man nach und nach Puzzleteile zur Geschichte von Muireann und Rose erhält, erfährt man auch stückchenweise mehr über die Hexe und die Dinge, die sie getan hat. Auf ganz unterschiedliche Weise, was die Spannung nochmal erhöht und mit dafür gesorgt hat, dass mich die Geschichte so gefesselt hat. Mir hat auch gefallen, dass die Magie hier trotz böser Hexe nicht nur düster und unheimlich dargestellt wurde, sondern die Ausrichtung vom „Benutzer“ abhängt. Und da gab es ein paar Szenen, die mich (positiv) fasziniert haben.

„Rosen & Knochen“ war für mich eine intensive, stimmungsvolle und durchgehend spannende Lektüre, die sowohl düstere als auch mystische Anteile hat. Ein dunkles Märchen oder auch eine Spukgeschichte, bei der ich wild spekulieren konnte und doch öfter überrascht wurde. Ich mag das Ende sehr, sogar in mehrfacher Hinsicht. Und bin schon unheimlich neugierig, wie es weitergeht!

Außerdem gibt es noch märchenhaftes Bonusmaterial:

  • Nachwort
  • Eine Kurzgeschichte aus der Welt der Hexenwald-Chroniken
  • Grimmige Märchen

Geisterkinder führten uns zum Haus der Hexe. Wie Irrlichter blühten sie als durchsichtige Schemen im Wald auf, schweigend und eine Handbreit über dem Boden schwebend. Sie markierten einen Weg, dem wir offensichtlich folgen sollten, über Baumwurzeln und unwegsames Gelände hinweg. Jedes Kind wies mit einer Hand in die Richtung, in welche wir uns durchs Unterholz schlagen sollten – bis zu der Stelle, an der wir den nächsten Geist trafen.
Christian Handel: Rosen & Knochen (Seite 5)