Von Blogs, Professionalisierung und Geschäftsmodellen …

Wisst ihr, was mich in letzter Zeit nervt? Veranstaltungen über Buchblogs und Buchblogger, bei denen nur in den seltensten Fällen Blogger zu den Vortragenden gehören. Verlagsmenschen, die den Bloggern erzählen, wie viel sie für sie tun und wie Blogs auszusehen haben. Dass und wie sie sich professionalisieren müssen.

Nicht, dass ich etwas gegen Professionalisierung hätte, ganz im Gegenteil. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden – auch, was er darunter versteht. Für mich ist das nicht automatisch eine große Reichweite und Monetarisierung, sondern beispielsweise Dinge wie Impressum, die Gestaltung, die Lesbarkeit und Qualität der Texte. Etwas, was sich im Lauf der Zeit entwickelt. Man lernt beständig dazu und stößt auf neue Themen, ich habe da auch noch ein paar Baustellen.

Es gibt „den Blogger“ einfach nicht! Wir haben ganz unterschiedliche Ziele, Ansprüche, Vorlieben, Schwerpunkte und Zielgruppen. Der eine mag es flauschiger, der andere nüchterner. Der eine schreibt emotional, der andere sachlicher. Der eine orientiert sich an den Neuerscheinungen der großen Verlage, der andere findet seine Buchschätze bei den Kleinverlagen oder Indies. Für den einen ist sein Blog ein reines Hobby, der andere möchte damit auch Geld verdienen. Dazwischen gibt es noch so viele Abstufungen, Überschneidungen, Verbindungen – und genau diese zeigen, wie unterschiedlich wir Blogger sind.

https://pixabay.com Pixabay, Lizenz: CC0 Public Domain
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Die Verlage erzählen uns Bloggern ja auch nicht, was sie alles für uns tun und sich von uns wünschen, weil sie so nett sind. Die müssen unternehmerisch denken und zeigen Möglichkeiten auf, durch die sie dann herausfiltern können, welche Blogs die größte Reichweite haben. Wo sich eine Zusammenarbeit am meisten lohnt. Ich möchte eine Zusammenarbeit keineswegs schlecht reden, aber überlegt einfach, wofür ihr euch instrumentalisieren lassen möchtet und wofür nicht. Bei dem großen Anklang so mancher Aktion kann ich nur verwundert den Kopf schütteln …

Und seid vorsichtig bei bezahlten Werbeartikeln zu einem vorgegebenem Thema: Der Kunde (eine Agentur oder ein großer Verlag) möchte nicht, dass es nach Werbung aussieht, obwohl es eine ist und allein rein rechtlich auch als solche kenntlich gemacht werden muss. Deutlich. Mit Blog-Kategorien wie „Sponsored Post“ oder dem Hinweis, dass etwas „mit freundlicher Unterstützung von …“ geschrieben wurde, bewegt man sich da auf Glatteis. Mal ganz davon abgesehen, dass man nicht ganz ehrlich zu seinen Lesern ist. Einen interessanten Beitrag dazu findet ihr hier. Bei bezahlten Beiträgen schreie ich nicht auf, aber sie müssen deutlich als Werbung gekennzeichnet sein und mich davon überzeugen, authentisch zu sein.

Verlage müssen Blogs rein wirtschaftlich betrachten, aber jeder von uns kann selbst entscheiden, ob sein Blog ein Geschäftsmodell werden soll – ob man das eigentlich möchte oder doch etwas ganz anderes. Wir sind frei in unserer Entscheidung, denn wer sollte uns da etwas vorschreiben? Veränderungen gehören dazu, aber nur die, die ihr selbst wollt.

https://pixabay.com Pixabay, Lizenz: CC0 Public Domain
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Mein Blog ist für mich mehr als ein Hobby – aber dennoch soll es kein Geschäftsmodell werden, auch wenn mir Professionalisierung, so wie ich sie verstehe, wichtig ist. Einfach weil es sich für mich anders anfühlen würde und ich dann so einige meiner Lesevorlieben opfern müsste. Ich mag aber gerade die bunte Mischung und dass ich euch oft Bücher vorstellen kann, die noch relativ unbekannt sind. Egal ob großer Verlag, Kleinverlag oder Indie. Mein Blog hat also auch einen unterstützenden Charakter. Und auch wenn sich manches als schwieriger als gedacht erweist, macht es mir genau so Spaß. Seit fast 8 Jahren jetzt schon – und das soll auch so bleiben. Außerdem stecke ich die Zeit, die ich erübrigen kann, eben viel lieber in meine eigenen Ideen und Beiträge.

Ganz wichtig finde ich aber den Punkt Selbstbewusstsein! Ich bin ja schrecklich schüchtern, aber ich springe öfter über meinen Schatten, wenn mich etwas nur genug reizt – und inzwischen fällt mir das auch sehr viel leichter (große Treffen ausgenommen *g*). Die Dinge, die ich gerne auf meinem Blog hätte, probiere ich inzwischen einfach aus. Es klappt natürlich nicht alles und manches ist auch ganz schön mühsam, aber es bewegt sich etwas. Und ich habe nicht mehr so große Hemmungen wegen meinem „Nischenblog“! Jetzt müsste ich es nur noch schaffen, auch mal eine Anfrage wegen einem Taschenbuch zum Verlosen zu stellen – da habe ich irgendwie noch Skrupel vor … Aber was ich damit eigentlich sagen wollte: Seid selbstbewusst genug, euren eigenen Weg zu finden. Seid euch bewusst, wie wertvoll ihr seid! Und habt den Mut zur Individualität.

https://pixabay.com Pixabay, Lizenz: CC0 Public Domain
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Da ich mich mal wieder nicht anpassen mag und es sich für mich so richtig anfühlt, bleibt es hier wohl „nur“ beim Modell Herzblut. Ich habe auch schon wieder viel mehr Ideen als Zeit. Also mal sehen, wohin mich mein Weg noch führt. Habt Spaß beim Bloggen, denn darauf kommt es an! :)

12 Comments

  1. Guten Abend,
    ein toller Beitrag, dessen Thema man nicht hätte besser in Worte fassen können. Ich wünsche auch weiterhin so viel Spaß wie bisher in den letzten 8 Jahren :-) .
    Man sollte sich defintiv immer selbst treu bleiben, egal in welcher Hinsicht, damit man auch am nächsten Morgen noch ohne Reue in den Spiegel schauen kann. ;-) :-)

    Liebe Grüße und einen guten Start morgen in die neue kurze Woche
    Amelie S.

    • Hallo Amelie,

      lieben Dank – und wenn ich mir auch weiterhin selbst treu bliebe, werde ich sicher auch in Zukunft Spaß beim Bloggen haben. :)

      Komm gut ins Wochenende,
      Marny

      • Hallo Marny :-),

        Genau! :-)
        Der Meinung bin ich auch.

        Komm auch Du gut ins Wochenende und ich hoffe, dass Dich gestern Niemand in den April geschickt hat…. obwohl das ja schon das Wetter erledigt hat mit dem Schnee ;-).

        Liebe Grüße
        Amelie S.

  2. Huhu, Marny

    bin da jetzt schon länger als „nur“ Leserin unterwegs im Netz.

    Und ich muss sagen, was es da für Konkurrenz und Neidaktionen gibt ist manchmal nur schwer ertragbar…da werden Rezi abgeschrieben „auf Teufel komm heraus“, mit Links auf Facebook gelockt.

    Sich mit Reziexsemplaren gebrüstet, jede Menge Gewinnspiele veranstaltet. usw.
    Auf der anderen Seite wieder gestöhnt, dass man mit dem Rezi schreiben nicht hinterher kommt.

    Deshalb bin ich persönlich froh, dass Du liebe Marny da immer noch den Mut zur Lücke hast und tapfer gegen den Mainstream schwimmst.

    Danke und mach Dir keinen Kopf….bloggen muss Spaß machen und das sollte einer der Hauptgründe immer noch sein. ….

    LG…Karin…

    • Huhu Karin,

      das glaub ich gern, den Neid und die Selbstdarstellung einiger Blogger finde ich auch nervig. Aber glücklicherweise muss man ja nicht alles mitmachen ;) und so wusele ich mich so durch, wie es für mich und zu mir passt.

      Liebe Grüße & schon mal ein schönes Wochenende,
      Marny

  3. Unterschreibe ich so. Was mich nur wundert, warum sich plötzlich so viele Leute darum Gedanken machen, also jetzt und nicht schon früher (oder später). Nicht, dass ich nicht schon ewig daraufhinweise *hüstel* aber ist etwas Bestimmtes vorgefallen?

    • Huhu@Soleil,

      nun weil es zur Zeit eine Diskussion darüber gibt das man bei den Schönheitsblogs wohl gutes Geld verdienen kann und wieso das im Bereich “ Bücher und Lesen “ nicht möglich ist…oder sein kann…..

      LG…Karin…

      • Wo denn? Nicht nur die, übrigens. Es gibt eine Menge Blogs, auch für eher männliche Zielgruppe, die gutes Geld machen.

        • Hallo Soleil,

          nun ich werde jetzt hier keine Schleichwerbung machen, sorry.
          Aber ich habe, dass auch als ganz normale Leserin entdeckt…bin keine Bloggerin oder habe sonst eine aktive Plattform und deshalb denke ich mir , Du als Bloggerin findest das sicherlich auch…augenzwickern..

          Also bitte nicht böse sein..O.K…LG…Karin…

          • Soleil, hauptsächlich wohl wegen einer Veranstaltung bei den Blogger Sessions der Leipziger Buchmesse.

            LG
            Marny

  4. Sehr schöner und angenehm unaufgeregter Beitrag zum Thema!
    Ich bin da ziemlich genau deiner Meinung.

    • Lieben Dank! Und ich freue mich, dass ich mit der Meinung nicht die einzige bin. ;)

      Liebe Grüße,
      Marny

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