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... in meiner ganz persönlichen Bücherwelt! Mein Schwerpunkt liegt bei deutschen Fantasy-Autoren, weil mich ihre Bücher begeistern und ich finde, dass sie nicht genug Aufmerksamkeit erhalten.

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Einträge mit dem Schlagwort Nordische Mythologie

Astrid Rauner – Anation. Wodans Lebenshauch (Von keltischer Götterdämmerung 1)

Erscheinungsjahr: 2011
Gelesen im Februar 2016
Verlag: Acabus
Autorenseite

Rezension

Im 2. Jahrhundert v. Chr. im Land der Kelten: Der 19-jährige Aigonn wird in seiner ersten Schlacht von einer jungen Frau gerettet, die von den Toten auferstanden ist. Sie erkennt in ihm einen Seher und vertraut Aigonn an, dass in ihr eine alte Seele zurückgekehrt ist. Zusammen versuchen sie herauszufinden, warum das so ist und was es mit den rätselhaften Selbstmorden auf sich hat, die zur Zeit passieren. Dabei muss sich Aigonn nicht nur seiner Vergangenheit und seiner Gabe stellen, die Suche führt ihn auch auf den Weg eines neuen Gottes, der seine Macht erst noch zeigen wird …

Im Prolog ist der 10-jährige Aigonn auf der Suche nach dem verlorenen Jagdmesser seines Vaters und begegnet dabei einer Nebelfrau, einem aus Nebel geborenem Geist. Seitdem sucht sie ihn manchmal auf und spricht zu ihm, wenn auch selten. Die Geschichte beginnt also sehr mystisch und hat mich auch durch die stimmungsvollen Bilder schnell eingefangen.

Aigonn hat dem Schamanen Rowilan nie etwas von der Nebelfrau erzählt, weil er ihm seit dem Tod seiner Schwester misstraut. Doch der Schamane ist ein guter Beobachter und glaubt, dass Aigonn eine herausragende Fähigkeit besitzt, mit der Geisterwelt zu kommunizieren. Dieser Verdacht erhärtet sich, als die junge Frau ausgerechnet in seiner Anwesenheit von den Toten aufersteht.

Mir hat gefallen, dass der Grund für dieses Misstrauen so detailliert ausgearbeitet wurde, mehrere Blickwinkel erhielt und mich durch die Geschichte begleitet hat. Die Entwicklung der Beziehung zwischen Aigonn und Rowilan war für mich eins der wichtigen Themen dieses Romans. Meine Sicht auf den Schamanen hat sich nicht nur geändert, er ist mir auch ziemlich ans Herz gewachsen.

Die Mischung der historischen und phantastischen Anteile in dieser Geschichte fand ich sehr stimmig, da wirkte nichts aufgesetzt oder wie schmückendes Beiwerk. Natürlich sind die Überlieferungen aus jener Zeit sehr lückenhaft, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Menschen so gelebt haben. Die mystische Seite hat mich ebenfalls überzeugt, die Beschreibungen wirkten sehr intensiv auf mich – facettenreich, mit vielen Details und dem besonderen Zauber.

„Anation“ war für mich eine berührende, magische und sehr fesselnde Lektüre, mit der ich mich einfach wohl gefühlt habe. Ich mochte die dichte Atmosphäre, die Figuren, die historisch-phantastische Welt und die verschiedenen Themen, mit denen Spannung aufgebaut wurde. Ganz besonders hat mich allerdings die vielseitige mystische Ebene dieser Geschichte fasziniert. Ich bin schon gespannt, wie es mit dieser Reihe weitergeht und möchte auf jeden Fall mehr von der Autorin lesen …

Reihenfolge:

  1. Anation. Wodans Lebenshauch
  2. Völva. Wodans Seherinnen

Erik Kellen – Das Lied von Schnee & Liebe (The Empires of Stones 2)

Erscheinungsjahr: 2014
Gelesen im Juni 2014
Autorenseite
The Empires of Stones
Qindie

Rezension

In New York begegnet Anevay dem Gangsterboss Leonardo Szuda, der die Kämpferin in ihr erkennt und noch Großes mit ihr vorhat. Bei der Suche nach ihrem Vater gelangt ein Kompass des Nordischen Feuerbundes in ihre Hände, der eines Nachts zum Leben erwacht.
In Hammaburg arbeitet Robert weiter an der Kriegsmaschine des Kronprinzen, gleichzeitig erschafft er eine neue Identität, ein zweites Ich – den Night Captain! Dieser begibt sich auf Spurensuche, als immer deutlicher wird, dass etwas Dunkles im Feuerbund seine Kreise zieht …

Der zweite Teil der TEOS-Saga beginnt mit dem König von Brooklyn, Leonardo Szuda. Im ersten Moment war ich davon überrascht, auf keine der beiden Hauptfiguren zu stoßen, gleichzeitig hatte diese neue Figur aber auch etwas, was mich neugierig gemacht hat – und Ausstrahlung! An dem Gangsterboss hat mir auch gefallen, dass er nicht einfach „böse“ dargestellt wurde, sondern wunderbar undurchsichtig. Am Ende des Kapitels trifft er auf Anevay und ihre Begegnung hat mir das erste intensive Kopfkino dieses Romans beschert. Aber noch lange nicht das letzte …

Schnell war ich tief in der Geschichte versunken und völlig fasziniert von der bunten Mischung, die da vor uns ausgebreitet wird. Magie, Tragik, Intrigen, der Kampf ums Überleben, die verschiedenen Kulturen, Leid, Zusammenhalt, Geheimnisse, Gewalt – das alles wurde miteinander verwoben und zu einer abwechslungsreichen Geschichte verknüpft. Dazu gibt es noch viele wunderbare Details und Ereignisse, bei denen ich aus dem Staunen nicht mehr raus gekommen bin und völlig gebannt vor meinem Reader saß.

Die eingearbeitete nordische Mythologie hat mich oft dazu gebracht, glücklich vor mich hin zu grinsen, weil es einfach großartig ist, wenn eine Geschichte von einem Thema, das einen begeistert, so durchdrungen ist. Ich liebe die Beschreibungen von Hammaburg und die für mich sehr besondere, magische Verbindung zwischen Anevay und Robert. Ein wärmendes Licht inmitten einer Welt voller Misstrauen und Einsamkeit, weit entfernt – dafür aber sehr intensiv. Die beiden mag ich einzeln schon sehr, aber zusammen ist das einfach … magisch. Das toppt sogar noch meine Begeisterung für den Night Captain, und die ist nun wirklich nicht zu unterschätzen.

Natürlich haben sich auch die Clangeister in mein Herz geschlichen, alle drei. Denn auch wenn Poe die Nasenspitze vorn hat, reizen mich die anderen nicht weniger, jeder auf seine ganz eigene Weise. Auch die ein oder andere Nebenfigur hat mich erwischt und ist nah bei mir – so wie ich es mag. ;) Genau wie im ersten Band hat es mir hier auch wieder Famke besonders angetan, ich bin ja so gespannt, ob wir irgendwann mehr über sie erfahren werden. Meine Daumen sind gedrückt!

„Das Lied von Schnee & Liebe“ war für mich eine mitreißende, überraschende und magische Geschichte mit facettenreichen Figuren und einer dichten Atmosphäre. Ein komplexer und für mich sehr emotionaler Roman, der kleine Schock-Momente aber auch wunderbar poetische Beschreibungen bereit hält. Und ein Ende, das extrem neugierig auf den nächsten Band macht! Allerdings muss ich auch warnen: Es könnte nämlich passieren, dass man nicht nur alles um sich herum vergisst, sondern plötzlich auch anfängt, mit nordischen Götternamen zu fluchen. Uuups. Aber immerhin lerne ich wenigstens ein klein wenig das Fluchen, auch wenn ich ja immer noch rot werde, wenn mir mein Lieblingsfluch laut herausrutscht …

Reihenfolge

  1. Das Lied von Anevay & Robert
  2. Das Lied von Schnee & Liebe

Erik Kellen – Das Lied von Anevay & Robert (The Empires of Stones 1)

Erscheinungsjahr: 2013
Gelesen im August 2013
Autorenseite
The Empires of Stones
Qindie

Rezension

In New York wird die sechzehnjährige Indianerin Anevay in das Gefängnis „Fallen Angels“ gebracht, weil man glaubt, dass sie eine „Wild One“ sein könnte – eine Zauberin der Stämme. Kann Anevay dem Martyrium, das sie dort erwartet, entkommen?
In London bricht Lord Robert Humberstone zu einer Reise nach Hammaburg auf, wo er im Auftrag der Königin und des Nordischen Feuerbundes eine Kriegsmaschine bauen soll. Aber will er seine Begabung wirklich dafür einsetzen und so weiteres Blutvergießen fördern? Kann er den politischen Machtspielen entkommen?

Diese Steamfantasy-Geschichte wird überwiegend aus der Sicht von Anevay und Robert erzählt. Es gibt noch weitere Handlungsstränge, die jedoch nur eingeführt wurden und für mich einen Ausblick auf den nächsten Band darstellen. Die verschiedenen Erzählperspektiven haben ganz unterschiedliche Stimmungen, am ungewöhnlichsten waren für mich die Kapitel aus der Sicht von Anevay, auch weil ich anfangs nicht einordnen konnte, in welche Richtung sich das entwickelt.

Der Hintergrund der Reihe „The Empires of Stones“ (Die Imperien der Steine) hat mich fasziniert, weil die Welt unserer gleicht und doch ganz anders ist. Germanien und Britannien sind nicht nur Verbündete, ihre Reiche sind auch durch eine riesige Brücke verbunden. Außerdem bilden sie zusammen mit Schweden, Norwegen, Island, Dänemark und den Niederlanden den Nordischen Feuerbund, wo der alte Glaube an die nordischen Götter herrscht. Über die vielen eingeflochtenen Details und Andeutungen dazu habe ich mich wahnsinnig gefreut! Nicht nur, weil es ein Lieblingsthema von mir ist, sondern auch, weil es so wunderbar umgesetzt wurde. Und ich hoffe sehr, mehr von den Odinstöchtern lesen zu dürfen, weil ich sonst wahrscheinlich vor Neugier eingehe. ;)

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht, weil es so spannend losgeht, dass man direkt in die Handlung „geworfen“ wird, und weil die Figuren gleich so präsent sind. Zu allen habe ich eine Verbindung gespürt, mal mehr und mal weniger intensiv. Die beiden Hauptcharaktere wirken sehr unterschiedlich auf mich, was sicherlich auch an dem Tempo und den Emotionen der jeweiligen Kapitel liegt. Bei Anevay gibt es sehr viel Leid und Verzweiflung, eine Szene musste ich auch erstmal verdauen. Robert hat mich nicht nur gleich „erwischt“, ich habe mich bei seinen Kapiteln auch einfach wohl gefühlt und es sehr genossen, durch die vielen Facetten, Geheimnisse und Erfindungen tief in diese Welt abzutauchen.

Die Beschreibungen von Hammaburg waren für mich ein weiteres Highlight, weil sie eine so dichte Atmosphäre besaßen und mir nicht nur Bilder, sondern auch Gerüche und Stimmungen sehr direkt vermittelten. Zum Teil liegt das sicher daran, dass ich dafür als bekennender Hamburg-Fan einfach empfänglicher bin. Man spürt jedoch auch sehr deutlich die Liebe des Autors zu dieser Stadt.

An einer Stelle hätte ich mir etwas mehr Innenschau gewünscht, weil ich es nicht ganz nachvollziehen kann, dass diese Entwicklung einfach hingenommen wird – ohne Gedanken dazu, ohne zu hinterfragen oder diese zu verarbeiten. Möglicherweise wird mir ja im nächsten Band klar, warum das so war. Und vielleicht werden dort dann auch ein paar der vielen offenen Fragen beantwortet – sicherlich kommen aber auch neue hinzu. Ich störe mich nicht daran, weil ich Geschichten mag, die mich auch abseits der Lesezeit beschäftigen und mich zum Spekulieren bringen. Für jeden Leser ist das aber sicherlich nichts.

„Das Lied von Anevay & Robert“ ist nicht nur ein wunderbar gestaltetes Buch, es bietet auch einfach einen schönen Schreibstil, an dem mir der Umgang mit der Sprache gefällt. Es werden intensive Bilder und Eindrücke vermittelt, die auch dazu beigetragen haben, dass dieser Roman bei mir noch nachwirkt und mich beschäftigt. Eine facettenreiche, magische, bewegende und tiefe Geschichte, die mich nicht nur beeindruckt sondern auch neugierig zurücklässt …

Selma J. Spieweg – Rattenauge

Erscheinungsjahr: 2013
Gelesen im Mai 2013
Autorenseite
Qindie

Rezension

Patrik sitzt im Rollstuhl und lebt in einer verlassenen Fabrik. Bei ihm sind 9 Mädchen, die sich ähneln wie Spiegelbilder und eines Tages einfach auftauchten. Er weiß nicht, woher sie kamen und fürchtet den Tag, an dem sie ihm weggenommen werden. Als eins der Kinder verschwindet, versuchen die restlichen Mädchen, es vor ihm zu verheimlichen.
Der Wissenschaftler Viktor Winter findet in seinem Büro eine Kinderleiche, welche ihn an 9 Mädchen erinnert, die ihm ihre Existenz aber auch ihren Tod zu verdanken hatten.

An dieser Geschichte hat mir als erstes die dichte und wechselhafte Atmosphäre gefallen, die mich auf eine leise Art fasziniert hat. Die Sprache ist manchmal poetisch und transportiert viele Dinge. Bilder, Gefühle, Stimmungen. Auf eine ganz eigene Art und Weise, sehr intensiv.

Es gibt unzählige Realitäten, die sich verändern und überschneiden. In diesem Ausmaß war das eine neue Erfahrung für mich, sowohl von der Anzahl als auch den unterschiedlichsten Sichtweisen her. Eine Erfahrung, die mir sehr gefallen hat, auch weil mein Kopf schön beschäftigt war und ich einfach in ganz unterschiedliche Richtungen denken konnte.

Wo es so viele verschiedene Realitäten gibt, sind natürlich auch einige Figuren zu finden. Anfangs musste ich da schon ein wenig aufpassen, um auch alle zuordnen zu können. Aber da jede ihre ganz eigene Geschichte, individuelle Gedanken und Gefühle hatte, klappte das recht gut. Da gab es zu jeder Figur eine Verbindung, keine war mir gleichgültig.

Später wechselt die Erzählperspektive dann auch öfter mal absatzweise, womit sicher nicht jeder klar kommt. Mir hat gefallen, dass dem Leser dort auch etwas zugetraut wird – und es hat Spaß gemacht, die Perspektiven so „ungeordnet“ zu wechseln und manche Szenen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erleben.

In dem Roman gibt es auch viele Verbindungen und Hinweise auf Märchen. Die eingestreuten Märchen-Aspekte sind ein fester Bestandteil und tragen zum besonderen Charme dieser Geschichte bei. Dabei geht es nicht nur um den Rattenfänger, der auf der Suche nach den Kindern ist. Es geht um viele Märchen und jeder entdeckt da wohl ganz unterschiedliche Hinweise. Auch aus der nordischen Mythologie taucht eine Figur auf, diese war mir zwar etwas zu weit weg, aber ich habe die Andeutungen doch sehr genossen.

Im Verlauf der Geschichte fragt man sich immer öfter, was real und was Einbildung, Wahn oder Märchen ist. Die Grenzen verschwimmen, alles verbindet sich und wird miteinander verwoben, um es später wieder zu trennen. Das Ende kam für mich gefühlt plötzlich, aber nachdem sich mein Kopf eingeschaltet hatte und etwas sortiert hat, wirkt es auf mich dann doch rund. Nur wegen einer Figur grübele ich noch etwas…

„Rattenauge“ ist sicherlich keine Geschichte für jeden, aber alle, die tiefe Geschichten mit verschiedensten Realitäten, Märchenmotiven und einem gewissen Anspruch mögen, sollten es sich auf keinen Fall entgehen lassen! Ein spannender phantastischer Roman, der mich nicht nur fasziniert sondern auch noch länger beschäftigt hat.

Susanne Gerdom – Projekt Armageddon

Erscheinungsjahr: 2012
Gelesen im Juli 2012

An dem letzten gemeinsamen Abend, den Ash und ihr Ex-Freund Ravi miteinander verbringen, sterben die beiden bei einem Motorradunfall. Aber es gibt ein Leben nach dem Tod, denn sie landen im Limbus – einem Schlachtfeld der Dämonen und Himmlischen Heerscharen, auf dem für den Weltuntergang trainiert wird. Ash hat die Erinnerung an ihr früheres Leben verloren, aber sie gibt nicht auf, weil sie deutlich spürt, dass dort noch etwas wichtiges auf sie wartet. Kann eine Liebe stärker als der Tod sein? Kann eine große Aufgabe sie selbst bis in den Tod verfolgen? Kann beides ihr Schicksal sein?

Und dann ist da Odin, der einsame Wanderer und Anführer des Göttergeschlechts der Asen aus der nordischen Mythologie. Dieser verzweifelt, weil er seine geliebte Enkelin nicht mehr aufspüren kann – jemand hat sie ihm genommen, ihre Verbindung durchtrennt. Dieser jemand kann nach all der Zeit nur Ragnarök im Sinn haben – den Untergang der alten Welt. Armageddon. Aber warum, wo doch die meisten Götter durch den Verlust von Iduns goldenen Äpfeln, die ihnen Unsterblichkeit verleihen, verschwunden sind?

Ich habe es sehr genossen, so tief in meine Lieblings-Mythologie entführt zu werden. Da gab es nicht nur unzählige Andeutungen und Verbindungen, über die ich hier und da schonmal etwas gelesen hatte, sondern auch wundervoll dargestellte Figuren. Bei Odin war ich ja vorbelastet, weil er mich einfach sehr fasziniert. Von Loki kann man das aber ganz bestimmt nicht sagen – und doch war er mir hier sehr nah, ich habe andere Seiten von ihm kennengelernt. Auch wenn ich ihm immer noch nicht ganz traue, sind die Dinge, die mich normalerweise einen großen Bogen um ihn schlagen lassen, hier immer mehr in den Hintergrund gerückt.

Da ich so auf diese Mythologie anspringe, hat es mich nicht wirklich überrascht, dass ich mich in der Nebenhandlung am wohlsten gefühlt habe. Das bedeutet aber nicht, dass ich mit der Haupthandlung nichts anfangen konnte. Ganz im Gegenteil! Sie hat mich vielleicht nicht ganz so intensiv erwischt, aber es gab nur sehr wenige Momente, wo ich nicht tief in der Geschichte versunken war. Zu Ash hatte mir am Anfang der richtige Zugang gefehlt, obwohl ich sie gleich mochte und als einen spannenden Charakter empfand. Dies wurde aber bald besser – mit jedem gelesenen Kapitel spürte ich eine größere Nähe, auch wenn sie nicht zu meiner Lieblingsfigur wurde.

Die Geschichte wirkt „erwachsener“ auf mich, sie ist sehr komplex und sorgt für Verwirrung – bei dem einen eher, bei dem anderen später. Aber ich mag es, wenn ich da gefordert werde und mich auch dadurch so intensiv mit einem Buch auseinandersetzen kann. Außerdem ist sie ein wenig schräg und oft sehr humorvoll – beides Dinge, mit denen ich meinen Lesegeschmack jetzt nicht unbedingt beschreiben würde. Vorsichtig formuliert. Ganz im Gegensatz zu der mythologischen Seite, damit „kriegt“ man mich ja immer. Aber selten habe ich da etwas gelesen, was mich so intensiv erwischt und solche Begeisterung bei mir ausgelöst hat!

Außerdem gibt es so viele wundervolle Stellen und poetische Beschreibungen, die zu der für mich ganz besonderen Atmosphäre beigetragen haben. Die Szenen mit Odin und Jörd liebe ich, da ist mir einfach immer das Herz aufgegangen. Wegen der mythologischen Stimmung, der Herzenswärme, dem milden liebevollem Spott und ihrem Miteinander. So schön! Die Sprache hat mir sehr gefallen, auch wenn diese manchmal ungewohnt ist – sie passt ganz wunderbar zu der mythologischen Seite und „klingt“. Ich habe mich auf sie eingestimmt, ohne es so richtig zu bemerken – das kam erst, als das Buch ausgelesen war und mir danach so einiges fehlte…

Die Mischung aus all den verschiedenen Elementen macht das Ungewöhnliche und Besondere dieser vielschichtigen Geschichte aus, die meinen Geschmack voll getroffen hat. So sehr, dass „Projekt Armageddon“ ganz eindeutig zu meinem Lieblingsbuch von Susanne Gerdom geworden ist. Ich musste oft in mich hineingrinsen und zum Schrecken meiner Katzen auch öfter kichern. Oder glücklich vor mich hinseufzen, wenn ich mal wieder eine besonders schöne Szene mehrfach las. Oft war ich aber auch einfach nur still und klebte förmlich an den Seiten – dann hatte ich meist Kopfkino. Richtiges Kopfkino mit ganzen Filmen! Dabei habe ich manchmal sogar vergessen, mich um meine Lieblingsfiguren zu sorgen…

Projekt Armageddon

[alte Schätze] Viola Alvarez – Die Nebel des Morgens

Bei den “alten Schätzen” handelt es sich um Bücher, die ich vor meiner Blog-Zeit gelesen und rezensiert habe. Vieles traue ich mich nicht zu posten (und bin mehr als froh über meine Entwicklung), aber einige meiner alten Meinungen sind dann doch vorzeigbar. Und es gibt darunter ein paar Bücher, die mir sehr gefallen und einen starken Eindruck hinterlassen haben – das sind die “alten Schätze”! In leicht veränderter Form…

Im späten fünften Jahrhundert wird ein nordländischer Skalde von zwei Soldaten aus Island entführt und zu einem machtgierigen aber minderen Burgunderkönig an den Rhein gebracht. Für diesen ist der seit zwei Jahren verstummte Mann wertvoller als pures Gold, denn es handelt sich bei ihm um Bryndt Högnisson, dem einzigen Kind der längst verstorbenen Königin Brynhild und ihres Liebhabers Hagen von Tronje. Und dem Einzigen, der die Wahrheit über den durch eine verbotene Liebe ausgelösten Untergang der Nibelungen kennt…

Diese Geschichte war mein erster Roman von Viola Alvarez, ich hatte schon viel gutes über sie gehört – und doch hat mich ihr besonderer Stil überrascht. Ich fühlte mich nicht wie in einem Buch, sondern eher wie an einem Lagerfeuer, an dem ich den mündlichen Überlieferungen eines Skalden lauschte. Dieser Eindruck entstand auch durch eine persönliche Ansprache, die zu Beginn erfolgte Vorstellung der Ahnenreihen und eine beständige leicht melancholische Atmosphäre.

Die Autorin beherrscht die Kunst, manche Figuren nur durch ein paar Sätze lebendig werden zu lassen. Dazu kommt der augenzwinkernde Humor, der mich oft zum Grinsen gebracht hat – beispielsweise bei der Beschreibung der Gründe, für die ein Mann im Christentum verehrt wurde. Die Charaktere wurden sehr vielschichtig und menschlich dargestellt, gerade dadurch hatte ich auch so einen guten Zugang zu ihnen, konnte mitfiebern und mitleiden.

Es gab viele emotionale Szenen, bei denen mir das Herz aufging – und die mich gleichzeitig zum Weinen brachten. Außerdem waren da eine Menge toller Beschreibungen, die ich mehrfach lesen musste, um sie so richtig genießen und auf mich wirken lassen zu können. Weise und einfühlsame Momente genauso wie traurige Stellen, die mich sehr berührt haben. Zu dieser Geschichte gehört einfach ein tragisches Ende, das mich allerdings nicht davor bewahrt hat, mein Herz an die Figuren zu hängen – daher musste ich da auch ziemlich leiden.

Eine besonders dichte und intensive Atmosphäre hatten für mich die Szenen, in denen Bryndt im Vordergrund stand und von seiner Vergangenheit erzählte. Dabei habe ich auch seine Ausdrucksweise sehr genossen – diese besondere Art, in der er beispielsweise seinen Bezug zum Wind beschreibt. Und er hinterlässt der Welt ein großes letztes Wort – und ein Vermächtnis, welches mich zum Nachdenken gebracht hat.

Eine wunderschöne, melancholische, emotionale und tragische Geschichte, an die ich immer wieder gerne zurück denke. Ein sehr stimmungsvoller Roman, der mein Herz berührt und meinen Kopf beschäftigt hat. Und eins der beiden Bücher, die an meiner etwas anderen Sicht auf Hagen Schuld sind! :)

Ulrich Drees – Das Spiel des Asen

Erscheinungsjahr: 2009
Gelesen im August 2009
Verlag: Feder & Schwert

Rezension

Auerochsen durchstreifen die Wälder Südniedersachsens. Im Spreewald und in Berlin machen slawische Fabelwesen Jagd auf Zuhälter. Uralte Geheimbünde versuchen, die himmlischen Heerscharen auf den Plan zu rufen. Anzeichen für einen aufkommenden Sturm …

Drei sehr unterschiedliche Männer geraten in den Mittelpunkt dieser Entwicklungen:
Ronny von Freiseneck, von Beruf Sohn und Lebenskünstler, der sich plötzlich in einer ebenso faszinierenden wie tödlichen Parallelgesellschaft zurechtfinden muß.
Thor Bronski, Berliner Privatdetektiv, der eigentlich nur einen weiteren Adelssproß in den Schoß seiner Familie zurückbringen wollte, sich aber unerwartet mit einem Magier anlegen muß.
Hermann Braun, Oberst einer Bundeswehr-Spezialeinheit und Mitglied des Deutschen Ordens, der nie damit gerechnet hätte, einmal keinem Geringeren als einem Gott entgegentreten zu müssen.

Sie alle sind Teil eines Spiels, das im Konstantinopel der Kreuzfahrer seinen Anfang nimmt – und dessen geheimnisvolle Drahtzieher beschlossen haben, es in den ersten Tagen des neuen Millenniums zu Ende zu bringen … so oder so.

Jedes Kapitel beginnt mit einem passenden Auszug aus den verschiedensten Quellen (Zeitung, Buch, Internet oder Akte). Danach kommt der Ase zu Wort, den man durch seine Gedankengänge im Verlauf der Geschichte besser kennenlernt. Und erst dann schreitet die Handlung voran, was meine Geduld manchmal schon arg strapaziert hat – allerdings war ich auch immer neugierig, welche Informationen uns wohl als nächstes erwarten.

Die drei Hauptfiguren Ronny von Freiseneck, Hermann Braun und Thor Bronski werden unabhängig voneinander detailliert eingeführt. Man fragt sich, ob und wo es Verbindungen zwischen ihnen gibt. Diese enthüllen sich mit der Zeit, anfangs konzentrieren sich die Schilderungen aber hauptsächlich auf die einzelnen Charaktere.
Zu Beginn hatte ich ein wenig Probleme mit der zeitlichen Einordnung der Ereignisse – aber irgendwann wurde auch mir klar, dass sie nicht linear erzählt werden und es auch den einen oder anderen Hinweis darauf gibt.

Wir treffen auf Wesen aus der nordischen, slawischen und irischen Mythologie, die auf mich sehr real wirkten. Das Rätseln, um welche Figur es sich jeweils handelt, hat mir sehr viel Spaß bereitet und auch zum intensiven Lesegenuss beigetragen. Es wäre sicher hilfreich vor allem von der nordischen Mythologie schon einmal grob etwas gehört zu haben, ansonsten könnten die vielen Andeutungen verwirren.
Gut gefallen hat mir auch die Darstellung des Äthers und die esoterische Note, die das Buch durch Leo und ihre Tante erhalten hat.

Einige Dinge wurden nicht aufgelöst oder zu Ende erzählt, aber der Schluss hinterlässt bei mir trotzdem einen runden Eindruck. Und, wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann ja doch eine lose Fortsetzung? Ich würde es mir zumindest wünschen …

(Klick auf das Cover führt zu Amazon.)

Stephan Grundy – Wodans Fluch

Erscheinungsjahr: 1996
Gelesen im Juni 2008

Rezension

Als Fünfzehnjähriger kommt Hagan, der burgundische Königssohn, als Bündnisgeisel an Attilas Hof. In der Völkerwanderungszeit des 5. Jahrhunderts n. Chr. ist dieser Hof der Nabel der Welt. Die Herrscher kämpfen um Macht, Menschen und Magie. Götterglaube, Schamanismus und das erstarkende Christentum wetteifern um die Gläubigen. Der düstere einzelgängerische Hagan wird in diesen Strudel hineingerissen. Sein Schicksal ist es, der Beschützer einer großen Liebe zu werden…

Die erzählte Handlung spielt etwa zwischen 415 und 417 nach Christus. Hagan (Hagen von Tronje) wird als Friedgeisel an Attilas Hof geschickt, um den Frieden zwischen Burgundern und Hunnen zu bekunden. Dort wird er als eine Art Pflegesohn aufgenommen, lernt ihre Lebensart kennen und übt sich im Kampf, er erregt aber auch das Interesse des Gyula, dem Schamanen der Hunnen. So wird er sowohl kämpferisch als auch geistig ausgebildet – und erlernt so das Wissen, welches er später in Burgund benötigen wird.

Hagan dient den alten Göttern und da besonders Wodan, er kann seinem Glauben bei den Hunnen auch treu bleiben, da Attila keinen Gott verbietet. Die alte Religion nimmt in diesem Buch viel Platz ein, die Rituale und schamanischen Reisen werden detailliert beschrieben. Ich habe mich damit sehr wohl gefühlt, diese Momente hatten für mich immer etwas ganz besonderes.

Die Hauptfigur stand mir schnell nah, sie ist sehr tief und vielschichtig angelegt. Aber auch die anderen Personen gefielen mir, sie wirkten immer menschlich und lebensnah. Attila wird zum Beispiel nicht als blutrünstiger Hunne, sondern zerrissen zwischen dem Wunsch nach Macht und seiner Hilflosigkeit aufgrund einer nicht erwiderten Liebe dargestellt.

Hagan ist eher ein Einzelgänger, der treu zu seinen Prinzipien und Göttern steht. Dass er auch zu einer tiefen Freundschaft fähig ist, sieht man an seiner Beziehung zu Waldhari (Walter/Waltharius von Aquitanien). Bald verbindet sie trotz der großen Unterschiede etwas besonderes, das auch ihre unterschiedliche Religion nicht berühren kann – sie akzeptieren sich so, wie sie sind.

Dieses Buch ist eine Hommage an die alten Götter, die langsam aber stetig vom Christentum verdrängt werden. Es herrscht eine leicht melancholische Grundstimmung, und der Spannungsbogen ist zum Ende hin kaum noch auszuhalten. Es geht aber auch um die aussichtslos erscheinende Liebe zwischen Waldhari und Hildegund, die Hagan beschützt und ihn später zu einer Entscheidung zwingt.
Das Ende der Geschichte hat mich sehr traurig gemacht, aber auch bewegt. Nicht so sehr der bereits aus dem Nibelungenlied bekannte und hier nur kurz zusammengefasste Tod von Hagan, sondern Waldharis Gefühle und Gedanken über ihn.

Ich hätte ein kleines Glossar hilfreich gefunden, da viele Namen in einer leicht abgewandelten Form (zu der mir bekannten) auftauchten und ich manche Begriffe auch einfach nicht kannte. Es hat beispielsweise etwas gedauert, bis ich in der Danu die Donau erkannte …

SERAPH - Literaturpreis der Phantastischen Akademie

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