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... in meiner ganz persönlichen Bücherwelt! Mein Schwerpunkt liegt bei deutschen Fantasy-Autoren, weil mich ihre Bücher begeistern und ich finde, dass sie nicht genug Aufmerksamkeit erhalten.

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Einträge mit dem Schlagwort Ju Honisch

[Gastbeitrag] Ju Honisch: Bisse

Heute darf ich euch einen Gastbeitrag präsentieren! Ju Honisch erzählt uns etwas über ihre Kurzgeschichtensammlung Bisse, die nach einem Dasein im Verborgenen nun wiederbelebt wurde. Ungewöhnliche Geschichten mit bizarr-phantastischen Ideen. Und jetzt übergebe ich die Tastatur an Ju!

Gastbeitrag

BISSE – 17 ungewöhnliche Geschichten. Gesammelt habe ich sie über ein paar Jahre. Und irgendwann hat damals ein brandneuer Kleinstverlag sie veröffentlicht und danach leider schnell die Lust verloren. Jahrelang lagen die Bücher in irgendeinem Zimmer, und es rührte sich nichts.

Nichts.

Nichts ist verflixt wenig und überhaupt nicht gut. Und so freue ich mich, dass BISSE nun erfolgreich wiederbelebt wurde. Tatsächlich ist es – eigentlich – neu. Denn vorher lebte es ein Leben im Geheimen. Es war ein wenig wie Schrödingers Katze, verborgen im Nirgendwo, gleichermaßen existent und nicht existent. Niemand kannte es. Niemandem wurde es angeboten. Es fand den Weg zu keiner Con – außer in meinem Gepäck. Gelegentlich fand mal ein persönlicher Bekannter zu dem Buch. Viele waren es nicht.

Damit könnte ich es jetzt „Geheimtipp“ nennen, aber so lustig ist das für eine Autorin gar nicht, wenn es ein Buch von ihr gibt, an das keiner rankommt, von dem tatsächlich nie einer gehört hat.

Doch nun ist alles gut. Hockebooks hat sich der E-Book-Ausgabe angenommen. Und die Rechte für das Druckwerk sind auch zurück, so dass einer Neuerscheinung als gedrucktes Buch irgendwann nichts mehr im Wege steht. Ein Buch, das man dann tatsächlich finden und kaufen kann.

Kaufen kann (und soll!) man es natürlich jetzt auch schon – als E-Book.

BISSE war mein „Erstlingswerk“, lange vor dem ersten Roman angefangen. Übrigens auch lange, bevor es diese Vampirserie mit Bissen zu bestimmten Tageszeiten gab. BISSE hieß schon vorher so. Ich lege tatsächlich Wert darauf, hier nicht als schnöder Nachahmer oder Trendzutodereiter dazustehen.

Die Geschichten in BISSE sind alle ein wenig abstrus. Sie sind gruselig auf sehr eigene Weise, nicht im klassischen Sinn der Lagerfeuer-Geistergeschichte, sondern eben anders. Es mangelt nicht an magischen oder mythischen Wesen, doch vor der dummdreisten Grausamkeit, zu der die so gar nicht mythischen Mitmenschen und lieben Nachbarn fähig sind, verblasst ihr Schrecken.

© Ju Honisch

© Ju Honisch

Was hört man immer, wenn etwas grauenhaft Schreckliches passiert ist? Als unauffällig, freundlich und nett werden dann die Täter beschrieben, die irgendwann losziehen und etwas Furchtbares tun. Der normale Mitbürger trägt den Nukleus der Zerstörung in sich. Vielleicht haben wir ihn alle, vielleicht nur manche. Vielleicht ist die zivilisatorische Schale um unseren bösen Kern verschieden dick – oder es sind die Umstände, die von innen an dieser Schale nagen, bis das Unsägliche hervorbricht.

Es ist nicht neu, wenngleich auch politisch brisant, dass wir als Menschen uns vor dem Unbekanntem fürchten. Als „eine auf Kohlenstoff basierende, zweifüßige, vom Affen abstammende Bioform“ (Zitat: Douglas Adams) mögen wir es „norm-al“. Das heißt, dass aus der üblichen Abfolge von Realitäts-Ritualen möglichst nichts als fremd oder seltsam hervorstechen soll. Denn dann müssten wir neu denken, selbst bewerten, Mut zeigen, aus unseren Starren Strukturen ausbrechen.

Unsere Vorurteile, seien sie positiv oder negativ, stützen uns in der völlig subjektiven Wahrnehmung unseres Lebens. Sie geben uns ein Gerüst – und manchmal hängen wir recht schief darin, wenn es nicht passt.

Die „Helden“ in BISSE passen in ihre Realität. Und dann auch wieder nicht. Gar nicht. Das, was diese Geschichten gruselig macht, ist das Normale. Dieses Durchgenormte, Angepasste, Brave. Denn was lauert in manchen Menschen, vielleicht gar in einem selbst: All das Verborgene, Verdrängte, Gemeine, das aus Irrtum oder Wahn Geborene.

Dass das Böse so nah und vertraut sein kann, das möchten wir nicht wahrhaben. Wir schützen uns vor der Erkenntnis mit Plausibilitätsbekundungen und statistischen Daten, als könnten die Worte „nicht wahrscheinlich“ etwas an der „Tatsächlichkeit“ einer unerwartet neuen Realität ändern.

Die Welt ist anders. Wir sind anders: Wir sind nicht alle nett.

Genau da setzt „BISSE“ mit 17 ungewöhnlichen Geschichten an. Geschichten, die die Norm durchbrechen. Die unbequem sind, aber spannend. Die das Unerwartete bieten, weil sie sich drehen und wenden und dann doch wieder anders sind. Wild. Böse. Fies.

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BISSE – 17 ungewöhnliche Geschichten
Ju Honisch
ISBN: 9783957511119
Leseprobe
Erscheinungsdatum: 30.10.2015
(Erstveröffentlichung: 2007)
Preis: 6,99 €
E-Book-Download: http://www.hockebooks.de/ebook/bisse

 

© Ju Honisch

Ju Honisch – Die Quellen der Malicorn

Erscheinungsjahr: 2013 (Taschenbuch) bzw. 2016 (eBook)
Gelesen im Oktober 2013
Verlag: Heyne (Taschenbuch) bzw. hockebooks (eBook)
Autorenseite

Rezension

In Talunys, der Welt der Einhörner, herrschte lange Zeit Sicherheit und Frieden. Mit dem Auffinden des zerbissenen und angefressenen Leichnams von Edoryas kehrt nicht nur der Tod zurück, sondern auch ein alter Feind – die Uruschge, Kelpies. Kanura, der Prinz des Herrscherclans, wird während eines Kampfes unter Wasser gedrückt und gelangt mit Hilfe einer Nymphenseele in die Welt der Menschen.

Er taucht in der Quelle des heiligen Caolán in Irland auf, wo er auf die 18jährige Una trifft, die ihn verarztet, auch wenn sie ihrem Fluchtreflex zu gern nachgegeben hätte. Als auch dort ein Uruschge auftaucht, zieht Kanura das Menschenmädchen mit unter Wasser und wechselt erneut die Welten. Sie gelangen in einen Teil von Talunys, den Kanura nicht kennt und in dem viele Gefahren auf sie warten.

Diese Geschichte hat mich von der ersten Seite an gefesselt, weil mich die nachdenkliche Stimmung angesprochen hat und ich gleich eine Verbindung zu Kanura hatte. Da waren eindringliche Bilder und Emotionen, die dafür sorgten, dass ich wissen wollte wie es weiter geht. Außerdem mag ich den manchmal poetischen Schreibstil und den Umgang mit der Sprache, den ich zwar nicht als „gehoben“ bezeichnen würde, der aber einfach eine gewisse Qualität hat. Es werden scheinbar so leicht die verschiedensten Stimmungen und Bilder erzeugt.

Die Einhörner in diesem Buch können die Gestalt von Menschen annehmen, in der sie schwächer aber auch wendiger sind. Mir hat dabei auch gefallen, dass sich das Zentrum ihrer Magie dabei ebenfalls wandelt und bei ihnen ist, auch wenn man es nicht sieht. Sie sind nicht rein, edel und gut, sondern haben ihren eigenen Charakter mit all den Ecken und Kanten. Lebendig und facettenreich, daher gibt es bei ihnen Freundschaft und Liebe genauso wie Neid, Missgunst und Intrigen.

Diese Geschichte ist sehr komplex, was nicht nur an den unterschiedlichen Erzählperspektiven und Welten, sondern auch am Aufbau von Talunys liegt. Es gibt verschiedene Völker, Clans und Wesen wie Erdworge, Nymphen, Pelzschrate und Kentauren. Alte Legenden und Gesänge, mit denen sich die Schanchoyi beschäftigen, die zugleich Barden und Historiker sind. Menschen, die zu verschiedensten Zeiten nach Talunys gelangt sind und dort als Traumwerker arbeiten – als Künstler und Kunsthandwerker. Und natürlich die Magie!

Vieles ist miteinander verbunden, mir hat die Auseinandersetzung mit den Andeutungen und Geheimnissen viel Freude bereitet. Die rätselhaften SIE-Kapitel bringen eine ganz neue Ebene in die Geschichte, die bei mir für so einige Spekulationen gesorgt hat. Ich mag es sehr, wenn mich Bücher ein wenig fordern und auch außerhalb der Lesezeit beschäftigen! Es geht um Macht und Magie, Gefahren und Intrigen, Zusammenhalt und Freundschaft, Liebe, Musik – und um lebendig gewordene Mythen, die dann doch etwas anders als erwartet sind.

Gut gefallen haben mir auch die Figuren, sie waren vielschichtig und lebendig. Alle hatten ihre ganz individuellen Beweggründe, nichts passierte „einfach so“, ich konnte es immer nachvollziehen. Das gilt für die Hauptfiguren genauso wie für die Nebenfiguren, und bei beiden „Gruppen“ hatte ich Lieblinge. Beispielsweise mochte ich Unas Mutter sehr, die mich auch mit ihrer Einstellung zur Esoterik beeindruckt hat – für sie existieren die verschiedensten Möglichkeiten theoretisch. Sie hat keine feste Glaubensvorstellung, sondern ist offen und etwas unsicher. Es könnte so oder so oder auch ganz anders sein.

Die Vermarktung oder besser gesagt die Aufmachung des Romans finde ich allerdings ungeschickt. Das Taschenbuch-Cover ist sicherlich schön und sorgt für Aufmerksamkeit, aber es passt für mich überhaupt nicht zur Geschichte und zieht so womöglich die falschen Leser an. Die dann vom Buch enttäuscht sind, weil sie aufgrund des Covers etwas völlig anderes erwartet haben. Das eBook-Cover passt für mich allerdings wunderbar zu der Geschichte.

Der Roman bietet – glücklicherweise – keine rosa Glitzerwelt, sondern eine vielschichtige und emotionale Geschichte, die mit trockenem Humor, Überraschungen und vielen Perspektiven glänzen kann. Dazu passt für mich auch das ein wenig offene Ende, in dem es Hoffnung gibt – und viele Möglichkeiten, die Geschichte für sich weiterzuspinnen. Daher war „Die Quellen der Malicorn“ für mich ein sehr rundes, emotionales und abwechslungsreiches Buch, dessen starke Bilder und Eindrücke noch immer anhalten!

Blogtour von Ju Honisch zu „Die Quellen der Malicorn“

Anlässlich ihres neuen Romans Die Quellen der Malicorn veranstaltet Ju Honisch eine Blogtour, die heute bei mir hält und etwas über die spirituelle Seite berichtet: Heilige Quellen und Kraftorte – Esoterik und Religion in „Die Quellen der Malicorn“.
Und jetzt übergebe ich an Ju, viel Spaß beim Lesen – lasst euch neugierig machen! :)

Die Quellen der Malicorn

Marny hat mich netterweise auf ihren Blog losgelassen. Vielen Dank für die Gastfreundschaft!

…………..

In – vermutlich – allen Religionen gibt es immer Orte, die eine besondere Bedeutung haben. Pilgerstätten, Plätze, an denen etwas ganz Besonderes geschehen ist, und Orte, die einfach nur so etwas Besonderes sind, weil sie sind, was sie sind. Die Gründe sind unterschiedlich. Die Bekenntnisse auch. Doch die Orte an sich haben ihren eigenen Zauber.

In der Esoterik spricht man von Leylines, Kraftlinien, die die Erde umspannen. Dort wo sie sich kreuzen, entsteht ein Kraftort. An dieser Stelle soll nicht entschieden werden, ob das Wirklichkeit ist oder Wunschdenken – oder welche Glaubensvorstellung recht hat oder nicht recht hat. Wer bin ich, dass ich das entscheiden wollte? Ich bin Schriftstellerin und verwende Mythen. Es ist dabei unerheblich, ob ich an sie glaube oder nicht.

In „Die Quellen der Malicorn“ gibt es diese Kraftorte in unserer Welt. Dabei definiert der Roman weder ihre Herkunft, noch ihre Anordnung. Aber es gibt sie – vereinzelt, verborgen und weitgehend unerkannt. Die große Mehrzahl der Menschen ist in ihrem hochtechnisierten Leben gefangen, in dem eine solche Mystik wenig Platz hat. Auch würde es wohl schon eines entsprechend begabten Menschen bedürfen, um wahrzunehmen, was weder messbar, noch beweisbar ist. Und „messbar und beweisbar“ sind die Kriterien, nach denen wir uns seit der Aufklärung richten.

Das ist absolut nicht falsch. Es setzt aber voraus, dass wir zu Messungen und Beweisen jeder Art auch fähig sind. Die Tatsache, dass wir etwas nicht messen oder beweisen können, beweist nicht automatisch seine Nichtexistenz, sonst hätte es vor Herrn Röntgen keine entsprechende Strahlung gegeben und vor Herrn Newton keine Schwerkraft.

Kings of tara

Kings of tara

„Die Quellen der Malicorn“ spielt auf zwei Welten, hier bei uns und in Talunys, einem anderweltlichen Reich, in dem die Einhörner herrschen. Talunys ist eine Welt voller Zauber. Die Welt selbst ist der Kraftort, vollständig und unerklärlich. Eine Welt der Magie, die den magisch begabten Einhörnern, die Kraft gibt, das zu sein, was sie sind. Es ist nicht die einzige Quelle, aus der sie ihre Kraft schöpfen können, doch es ist die größte und stets verfügbar.

Unserer Welt hingegen mangelt es an Zauber – in jeder Hinsicht. Irene, die Mutter der verschollenen Heldin, Una, beschäftigt sich mit Esoterik. Sie hat bisweilen eine andere Sicht auf manche Dinge, wobei sie sich nie sicher ist, ob sie recht hat oder nicht. Im Gegensatz zu einem Glaubensbekenntis, bekennt sich Irene zur theoretischen Existenz von unterschiedlichen Möglichkeiten: es könnte so sein – oder anders – oder ganz anders. Ihre Einstellung ist undogmatisch.

Einhornwald

Einhornwald

Tatsächlich findet Irene einen Kraftort. Sie hat ihn nicht gesucht, und sie erkennt ihn nicht als solchen. Es handelt sich um eine „Heilige Quelle“. Irland hat viele dieser Heiligen Quellen. Das Christentum hat sie sich einverleibt, wie es das gern mit Dingen tat, die sich sonst nicht ausmerzen ließen. Das Land ist voll von ihnen, und doch sind sie fast nie eine Touristenattraktion. Sie sind zu versteckt. Keine Schilder führen großflächig zu ihnen hin, kein Andenkenhändler ist jemals in der Nähe.

Die Quellen haben seit der Christianisierung Irlands jeweils einen Schutzheiligen zugeordnet bekommen. Jedes Jahr pilgern Katholiken am Namenstag dieses Heiligen an jene verborgenen Quellen, zu denen es die Touristen gemeinhin nicht schaffen. Etwas für Einheimische, nicht für Urlauber. Etwas, das den Nimbus des Geheimnisses trägt, unausgebeutet von Bord Fáilte, dem irischen Fremdenverkehrsamt. Ein katholischer Ritus für die, die schon immer da waren und mit dem Land verwurzelt sind.

Doch die Quellen – und auch ihre Bedeutung – sind älter. Sie waren schon lange vor dem Christentum etwas Besonderes, wurden gehegt und gepflegt – nicht nur weil Wasser zu jeder Zeit Überleben bedeutete, sondern auch weil diese ausgesuchten, besonderen Quellen in der keltischen Zeit als mögliche Übergänge in die Anderwelt gedeutet wurden. – Und dies war ein Aspekt, der mir gefiel.

St. Mobhis Well

St. Mobhis Well

Man stelle sich vor, magische Wesen kommen in unsere magielose Welt: Was geschieht mit ihnen? Müssen sie energetisch verhungern?

Man stelle sich vor, die Tore zur Anderwelt gingen wirklich durch jene Quellen, die Kraftorte sind: Müsste man in ihnen nicht ertrinken?

Man stelle sich vor, die undogmatische Irene fände etwas, an das sie bei aller Weltoffenheit nie geglaubt hat: wäre sie nicht besser beraten, ganz schnell wegzulaufen?

„Die Quellen der Malicorn“ gibt keine allgemeingültigen Antworten. Der Roman erzählt nur eine Geschichte und bekennt sich in seiner Handlung, wie Irene, zur theoretischen Existenz von unterschiedlichen Möglichkeiten: es könnte so sein – oder anders – oder ganz, ganz anders.

Ju Honisch
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Baum-Labyrinth

Baum-Labyrinth

Die bisherigen Stationen der Blogtour:

Auf der Fantastischen Bücherwelt rezensierte Bücher von Ju Honisch:

Ju Honisch – Salzträume (Band 2)

Erscheinungsjahr: 2009
Gelesen im August 2010
Verlag: Feder & Schwert
Autorenseite

Rezension

Im Toten Gebirge jenseits der idyllischen Seen des Salzkammerguts lauern Gefahr und Tod. Charlotte ist in einem Höhlensystem eingesperrt – mit einem Mann, dem Blut lieber ist als Wasser. Delacroix und McMullen irren ausweglos durch den Berg und wecken etwas, das besser weitergeschlummert hätte. Drei Frauen, getrieben durch die Liebe zu ihren Männern, verlassen sich blind auf die Hilfe dreier Kreaturen, von denen sie weder Ziele noch Hintergedanken kennen. Leutnant Asko von Orven fällt eine folgenschwere Entscheidung, die er noch bereuen wird, und für alle gibt es nur einen einzigen Ausweg – und der führt direkt in die mörderischen Hände der Verschwörer. Der Tod indes wird eine greifbare Größe und sucht sich gnadenlos seine Opfer.

Auf den ersten Seiten findet sich neben einer Übersicht der handelnden Personen auch eine zweiseitige Zusammenfassung des ersten Bandes – was ich besonders hilfreich finde, wenn die Lektüre schon etwas her ist. Die Geschichte wird nahtlos weitergeführt und entwickelt einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Bereits nach wenigen Sätzen war ich wieder mittendrin, hoffte und bangte mit „meinen“ Figuren. Dabei kehrten schnell auch wieder all die Emotionen zurück, die mir der erste Teil beschert hatte.

Die Spannung nimmt mit jeder Seite zu, bei jedem der parallel erzählten Handlungsstränge. Da war nicht einer dabei, den ich im Vergleich zu den anderen als unspektakulär empfunden hätte. Jede Figur hatte innere und/oder äußere Kämpfe zu bestehen, durch die man auch einen noch tieferen Einblick in ihr Wesen erhält. So ist es auch kein Wunder, das mir selbst Graf Arpad nach der Lektüre ein ganz klein wenig gefehlt hat. Oder genauer gesagt seine philosophische Seite und die Diskussionen mit Charly. Wie auch immer, am Ende hat er mich also doch noch „erwischt“ – auch wenn ich gewisse andere Figuren immer noch bevorzuge.

Die Atmosphäre wird im Verlauf der Geschichte immer düsterer, so dass ich mich zwischendrin schon manchmal gefragt habe, wie das alles auch nur ansatzweise gut zu Ende gehen soll. Aber ich habe der Versuchung widerstanden, etwas vorzublättern – worauf ich ziemlich stolz bin, weil es einfach extrem spannend war. Mich erwarteten daher auch einige gelungene Überraschungen und Entwicklungen, die mich erstmal sprachlos gemacht haben. Natürlich flossen bei mir auch wieder so einige Tränen, aus den unterschiedlichsten Gründen – nicht zuletzt weil mich der Roman mit seinen Figuren, Verwicklungen und auch dem Ende sehr berührt hat.

Ju Honisch – Salzträume (Band 1)

Erscheinungsjahr: 2009
Gelesen im Februar 2010
Verlag: Feder & Schwert
Autorenseite

Rezension

Wir schreiben das Jahr 1865. Im Ausseer Land, einem österreichischen Landstrich von mystischer Schönheit, entwickelt ein skrupelloser Erfinder mit Unterstützung eines mächtigen Magiers eine schreckliche Waffe. Die Maschine soll Magie in militärische Zerstörungskraft umwandeln und die Lebenskraft der Fey soll der Waffe dazu die Energie liefern! Die junge Charlotte von Sandling stellt sich unwissentlich diesen finsteren Plänen in den Weg, als sie einen der Fey aus der Gefangenschaft befreit.
Doch der Gerettete erweist sich weniger als Verbündeter denn als gefährlicher Freund. Als zur selben Zeit ein junger Mann spurlos verschwindet und kurz darauf der britische Ex-Agent Delacroix und der Magier McMullen, die auf seiner Spur waren, wie vom Erdboden verschluckt sind, mehren sich die Anzeichen, dass sowohl Menschen wie Fey in Gefahr sind! Nur gemeinsam kann es gelingen, das Unheil abzuwenden…

In ”Salzträume“ gibt es ein Wiedersehen mit einigen Figuren aus „Das Obsidianherz“, dabei handelt es sich aber nicht um eine Fortsetzung im eigentlichen Sinn. Es ist einfach nur so, dass wir in dieser neuen Geschichte auch auf alte Bekannte treffen und so bereits etwas über ihre Hintergründe und das Auftauchen von Fabelwesen, die hier Feyon oder Sí genannt werden, wissen. Aber auch die neuen Charaktere konnten mich schnell überzeugen, besonders Charly habe ich da ins Herz geschlossen.

Die Handlung spielt diesmal im Ausseer Land, dem von Bergen und Seen geprägten südöstlichstem Teil des Salzkammergutes. Diese Gegend war mir völlig unbekannt, durch die detaillierten Beschreibungen hatte ich aber recht schnell ein klares Bild vor Augen. Dazu passte auch die abwechslungsreiche Atmosphäre, die manchmal wechselhaft wie das Wetter war. Es konnte durchaus passieren, dass die Stimmung schnell umschlug und man beispielsweise statt trockenem Humor plötzlich Verzweiflung spürte.

Diese phantastisch-historische Geschichte teilt sich in mehrere Handlungsstränge auf und wird aus den verschiedensten Blickwinkeln erzählt. Dabei war für mich keine Seite „weniger“ interessant, ich hatte jedoch eine kurze Phase, in der es mir zuviel um Graf Arpad ging – das liegt aber definitiv an mir.

Das Buch gewinnt mit jeder gelesenen Seite an Spannung, so dass man es nur schwer aus der Hand legen kann. Die Mischung aus Leben und Tod, den unterschiedlichen Fey, die Macht der Berge, trockenem Humor, Magie, ein wenig Romantik und vielen Emotionen hat mir sehr gefallen und mich mehr als neugierig auf den zweiten Teil gemacht.

Ju Honisch – Das Obsidianherz

Erscheinungsjahr: 2008
Gelesen im August 2008
Verlag: Feder & Schwert
Autorenseite

Rezension

München 1865. Ein magisches Manuskript, dessen Inhalt in den falschen Händen von ultimativer Zerstörungskraft sein kann, ist verschwunden. Der britische Agent Delacroix erhält den Auftrag, die Schrift aufzuspüren und zurückzubringen, wobei ihm zwei junge bayerische Offiziere sowie ein Magiewissenschaftler hilfreich zur Seite stehen. Doch auch das Böse trachtet in mannigfaltiger Form nach der Macht des Manuskripts, um die Welt in ein Abbild seiner eigenen grausamen Phantasien umzuwandeln. Nichts von all dem ahnt Miss Corrisande Jarrencourt, eine junge Dame, die in München nur einen wohlsituierten Ehemann sucht. Ins Geschehen hineingezogen muss sie feststellen, daß es auf dieser Welt Dinge gibt, von deren Existenz sie bis dahin nichts ahnte…

Das Buch wurde liebevoll ausgestattet, die kleinen Tintenklecks-Bilder am Anfang jedes Kapitels finde ich sehr individuell – sie gefallen mir nicht nur, sondern laden auch ein wenig zum Träumen ein. “Das Obsidianherz” lässt sich genremäßig in keine Schublade quetschen, sondern besteht aus den verschiedensten Elementen. Für mich ist es eine Mischung aus phantastischem und historischem Roman, gut gewürzt mit einer “schaurigen” Atmosphäre und einem Schuss Romantik.

Durch die gelungene Einleitung wird gleich klar, dass das München dieser Geschichte zwar einige historische Personen bietet, aber durch Magie und Fabelwesen (die dort Fey und Sí genannt werden) auch anders ist. Meine Befürchtung, dass mir das ganze Drumherum zu bayerisch werden könnte, hat sich glücklicherweise nicht erfüllt. Es gab nur ein paar kleine regionale Eigenheiten, da hatte ich mit den vielen französischen Ausdrücken doch deutlich mehr Gewöhnungsschwierigkeiten. Die Handlung spielt größtenteils in einem Hotel, was ich bei der abwechslungsreichen Handlung aber gar nicht richtig wahrgenommen habe. Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, diese Welt und die vielen interessanten Figuren kennen zu lernen.

Die Erzählperspektive ändert sich oft, die Übergänge sind dabei aber immer fließend. Sie behindern sich nicht, sondern ergänzen – und manche Szenen erlebt man so aus der Sicht von mehreren Personen. Es gab die unterschiedlichsten Charaktere, sowohl geradlinige und leichter einzuschätzende als auch Figuren mit Widersprüchen und einigen Überraschungen. Ein großer Vorteil waren meiner Meinung nach auch die vielen Rückblenden, durch die man fast alle Personen und ihren Hintergrund näher kennen lernen und einen Bezug aufbauen konnte.

Der manchmal auch schwarze Humor und die ironischen Anspielungen haben genau meinen Geschmack getroffen, vieles wurde mit einem Augenzwinkern beschrieben – und das war für mich der perfekte Ausgleich zu den eher “schaurigen” Szenen. Momente, so unterschiedlich wie das Wetter – und durchbrochen von Emotionen, von der wunderbaren Romantik zum Ende hin mal ganz zu schweigen …

SERAPH - Literaturpreis der Phantastischen Akademie

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