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... in meiner ganz persönlichen Bücherwelt! Mein Schwerpunkt liegt bei deutschen Fantasy-Autoren, weil mich ihre Bücher begeistern und ich finde, dass sie nicht genug Aufmerksamkeit erhalten.

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Einträge mit dem Schlagwort Interview

Interview mit Manuel Charisius

Dieses Interview habe ich für die dritte Ausgabe des Qindie-Magazins geführt, darf es aber auch hier auf dem Blog veröffentlichen. Das Magazin gibt es als Download in den Formaten ePub, Mobi & PDF, man kann es aber auch online lesen. Wer zukünftige Qindie-Aktionen unterstützen möchte, kann das Magazin aber auch für einen Obolus von 1,99 Euro bei Amazon kaufen oder über Kindle-Unlimited ausleihen.


© Manuel Charisius

© Manuel Charisius

 
 
Manuel Charisius, 1979 in Stuttgart geboren, liest und schreibt seit seiner Jugend phantastische Geschichten, bevorzugt mit Mischwesen und Gestaltwandlern in den Hauptrollen. Er studierte Anglistik und Germanistik in Heidelberg und Auckland, Neuseeland.

Manuel Charisius arbeitet hauptberuflich als Autor und Texter in Heidelberg.
 

Neben dem Schreiben macht er Musik und liebt lange Fahrradtouren und Wanderungen, bei denen ihn meist ein lauffreudiger Schlittenhund begleitet. Ab und zu bastelt er auch gerne mit Software und Elektronikkram herum oder spielt Videospiele, die heutzutage als »Retro« bezeichnet werden.

Nie anzutreffen ohne: meinen Hausschlüssel
Besondere Kennzeichen: Pferdeschwanz
Motto: Was ich nicht selber kann, kann ich mir selber beibringen.
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Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?

Kind der neunziger Jahre mit unstillbarem Hunger nach guten Geschichten und schönen Liedern. Ohne großes politisches Interesse, aber als Wähler definitiv im links-grünen Spektrum zu verorten. Überzeugter Agnostiker und Skeptiker. Seit jeher Einzelkämpfer. Kein Überflieger, aber ein Pedant.

Wie sieht für Dich ein „normaler“ Tag aus?

Die Sonne geht auf, ich werde viel zu spät wach, begebe mich über diverse Zwischenstopps in Bad und Küche an den Schreibtisch, surfe viel zu lange im Internet und wundere mich über viel zu viele Dinge, die es eigentlich gar nicht wert sind. Ich bemühe mich um ein ausgewogenes Mittagessen, vertrete meine Eltern in puncto Hundebetreuung, gehe meinen Hobbies nach und produziere alles in allem viel zu wenig Text.
Aber zur Abwechslung gibt es ja immer mal wieder auch diese gewissen »unnormalen« Tage …

Herrscht auf Deinem Schreibtisch eher Chaos oder Ordnung?

Ich sage mal – kontrolliertes Chaos. Mein Arbeitsplatz ist vielleicht nicht penibel geordnet, aber auch nicht mit überflüssigem Kram beladen. Was ich nicht brauche, wird meistens gleich weggeräumt, ich muss also nie irgend etwas suchen.

Während Deines Studiums warst Du auch in Neuseeland, welche Auswirkungen hatte die Zeit in Auckland auf Dich?

Neuseeland vereint nicht nur alle Naturschönheiten, die man sonst von den verschiedensten Teilen der Welt her kennt, auf kaum mehr als zwei größeren Inseln, sondern hat mit der University of Auckland auch eine der besten und renommiertesten Bildungsstätten auf der Südhalbkugel anzubieten. Nicht zuletzt begegnen sich im »Land der langen weißen Wolke« viele Kulturen, vor allem aber die polynesische, die asiatische und die europäische. Gerade Auckland ist eine unglaublich weltoffene, internationale Stadt. Mit anderen Worten, Auckland war von Anfang an mein absolutes Traumziel, dicht gefolgt von Kanada und Südafrika. Das Bewerbungsgespräch verlief eher unglücklich, und umso überraschter und himmelhochjauchzend war ich, als ich das Stipendium erhielt. Ich verbrachte zwei Semester »down under«, und ich kostete jede Sekunde voll aus. Ohne Übertreibung kann ich heute sagen, die Zeit in Auckland war die beste Zeit meines Lebens.

Leider war sie auch die schrecklichste. Ich war noch vollständig sozial eingebettet und keineswegs bereit für eine Rückkehr, da erreichte mich die Nachricht aus der alten Heimat, dass meine ältere Schwester nach einer plötzlichen, schweren Erkrankung im Sterben läge. Natürlich buchte ich meinen Rückflug sofort um. Zwei Tage später war ich wieder zu Hause.
Seither bin ich ein anderer Mensch – zumindest fühle ich mich so. Falls ich eines Tages nach Auckland zurückkehren werde, so wird dies mit großen Schmerzen und noch größeren Ängsten verbunden sein. Also rechne ich nie mehr damit – so sehr ich mich auch nach Neuseeland zurück sehne …

© Manuel Charisius

© Manuel Charisius

Du spielst Flöte, Klavier und Gitarre – wann greifst Du zu welchem Instrument? Und wie unterschiedlich wirkt die Musik auf Dich?

Die Blockflöte war das erste Instrument, das ich überhaupt erlernt habe. Dank privatem Flötenkreis habe ich es bis in die späte Pubertät hinein auch regelmäßig gespielt, zumeist die Tenor- oder Bassstimme. Bis heute besitze ich aus jeder der fünf wichtigen Lagen ein Instrument, nur die Bassflöte fehlt. Allerdings habe ich erst in den letzten Jahren wieder öfter mal Blockflöte gespielt, meist zusammen mit Gitarren- oder Klavierbegleitung. Wie fast alle Blasinstrumente erlaubt es auch die Flöte ihrem Spieler, quasi einen großen Anteil seiner Persönlichkeit in den Klang hineinzuweben. Du gibst deinen Atem, und das Instrument wandelt ihn in Töne um. So lässt sich allein durch die Atmung eine unendliche Fülle von klanglichen Nuancen erzielen, die im Grunde nur noch von Sängern übertroffen wird.

Das Klavier kam dann gegen Ende der Grundschulzeit hinzu. An den Tasten habe ich wohl die meiste Übungspraxis. Unzählige Vorspielabende und Wettbewerbe wie Jugend Musiziert haben wir, d. h. Freunde und ich, im Zusammenspiel (Klavier vierhändig, zwei Klaviere, Klavier und Cello/Geige etc.) bestritten. Auch heute noch spiele ich regelmäßig, um meine Fingerfertigkeit weitgehend zu erhalten. Schmerzlich vermisse ich das gemeinsame Musizieren im Duo oder Trio, nachdem meine damaligen Spielpartner längst in aller Welt verstreut sind. Das Klavier ist für mich eine Art musikalisches Zuhause. Hier fühle ich mich wohl, hier kann ich mich voll entfalten. Und es ist dasjenige Instrument, bei dem ich auch heute noch den meisten Ehrgeiz verspüre. Wenn mir schon die Nachbarn beim Üben zuhören müssen, so sollen sie zumindest auch keine dilettantische Klimperei ertragen müssen.

Die Gitarre kam als letztes hinzu – autodidaktisch und ohne große Ansprüche. Ein paar Lieder begleiten zu können oder mal rasch ein paar neue Akkordfolgen auszudenken, das reicht mir schon. An der Gitarre kann ich entspannen, es ist für mich sozusagen ein reines Chill-out-Instrument. Um keine Gitarristen vor den Kopf zu stoßen: Mir ist natürlich voll bewusst, dass es jede Menge Literatur für die Gitarre gibt, darunter auch hochvirtuose Werke aller möglichen Länder und Epochen. Aber ich habe nicht den Anspruch an mich selber, diese einzustudieren – zumal ich derzeit leider nicht einmal ein eigenes Instrument besitze.

Gibt es ein Instrument, das Du gern noch spielen können würdest?

Neben der Querflöte, die mich schon als Jugendlicher gereizt hat – meine Mutter behauptete allerdings immer, dass sie den Klang nicht mag, also bekam ich auch keinen Unterricht –, würde mich prinzipiell mal ein Streichinstrument tieferer Lage interessieren, z. B. Cello oder Bratsche, zumal das Repertoire an Orchester- und kammermusikalischer Literatur ja ganze Bibliotheken füllt. Und dann ist da natürlich die »Königin der Instrumente«, die Orgel, für die man als Pianist die besten Voraussetzungen mitbringt. Vor vielen Jahren habe ich mich mal daran versucht, fühlte mich durch das zusätzliche Pedal jedoch recht schnell überfordert.

© Manuel Charisius

© Manuel Charisius

Welche Rolle spielt Musik in Deinem Leben?

Sie hat mich seit frühester Kindheit begleitet und geprägt. Sie ist nichts weniger als lebenswichtig für mich.

Welche Musik hörst Du gern?

Am liebsten höre ich Musik, die mir auf schwer beschreibbare Weise Horizonte eröffnet – allermeistens ist das klassische Musik, aber nicht nur. Am besten rede ich nicht lange drum herum und gebe stattdessen ein paar Beispiele: Bach (z. B. h-Moll-Messe), Mozart (Klavierkonzerte, Jupiter-Sinfonie), Beethovens gesamtes Klavierwerk, fast alles aus der Romantik (Chopin, Rachmaninow, Borodin, Ravel, Schumann, Clara Schumann geb. Wieck, Mendelssohn-Bartholdy, Debussy, Brahms, Grieg usw.), des weiteren Mel Bonis (Mélanie Bonis), Darius Milhaud, Jean Sibelius, Paul Hindemith, Erwin Schulhoff, Scott Joplin, George Gershwin, Andrew Lloyd Webber, die Beatles, Peter, Paul and Mary, Simon & Garfunkel, Irisches und (pseudo-)Keltisches aller Art, Erich W. Korngold, Bert Kaempfert, Vangelis, alle mögliche Filmmusik bzw. Soundtracks … um nur einige zu nennen.

Was hat Dich zu „Weltenlied“ inspiriert bzw. kannst Du Dich noch an Deine ersten Ideen dazu erinnern? War der hohe Stellenwert der Musik von Anfang an geplant?

Die allererste Idee war die: Ein Junge verwandelt sich in einen Löwen. Sie ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Da war ich gerade 16 Jahre alt. Um ganz ehrlich zu sein, habe ich diese Idee vor Weltenlied schon einmal als erzählte Geschichte zu verarbeiten versucht; und in der Rückschau bin ich daran gescheitert. Die Musik spielte bereits in der ersten Fassung eine Rolle, allerdings wurde mir erst bei der Planung von Weltenlied der wahre Stellenwert bewusst, den die Flöte und ihre Macht in Bezug auf den Plot haben würden (und seit jeher hatten).

Nachdem sich Léun vor meinem inneren Auge erst einmal manifestiert hatte, ging mir auch seine Geschichte nicht mehr aus dem Kopf. Ich wusste, dass seine Geschichte die Geschichte ist, die ich erzählen muss, koste es, was es wolle. Und mir war klar, dass mein erster Versuch misslungen war. Diese Gewisssheit war ungelogen so schmerzhaft, dass sie mir Alpträume bescherte. Also beschloss ich noch vor dem Erscheinen von Streuner – und entgegen dem Rat meines damaligen Agenten – Léuns Geschichte erneut, das heißt, von Grund auf neu zu erzählen. Für meinen Ex-Agenten wohl ein Desaster, für mich als Autor jedoch eine Art Wiederverpuppung, die mich seither und auch in Zukunft guten Gewissens anstatt Zuckerwasser meine eigene Nektarquelle anfliegen lässt.

Erzähl uns doch bitte etwas über die Welt, in der die Geschichte spielt.

Nýrdan ist eine vermeintlich abgelegene Inselgruppe, in unseren Maßstäben gemessen etwa 2,000 km östlich von Lesh-Tanár gelegen – ja, genau dem Lesh-Tanár, in dem der Streuner Wolf und seine Kumpane ihr Unwesen treiben, wobei die Handlung von Weltenlied wiederum zu einer völlig anderen Zeit spielt …
Wie auch immer – zu Léuns Zeit (und auch lange vor- und nachher) ist Nýrdan eine isolierte Inselwelt, gelegen in einer eher subtropischen Klimazone (daher die Reisfelder und die vergleichsweise milden Winter), mit einem Nachteil: Düsterland, eine wirtschaftlich eher semi-erfolgreiche Region im Südosten, deren dampfmaschinenbasierter technologischer Fortschritt sich nicht jedem erschließt, weshalb die breite Unterstützung seitens der restlichen Bevölkerung auch eher auf sich warten lässt …

Warum Gestaltwandler?

Weil sie mich seit jeher faszinieren.

Es beginnt mit einem Löwen … Was verbindet Dich mit diesen Tieren? Oder hat das rein inhaltliche Gründe?

Kleine und große Katzen, insbesondere Löwen, begleiten und faszinieren mich, solange ich denken kann. Schon als Kind und Jugendlicher sammelte ich alle Bilder und Infos zu Großkatzen, die ich nur bekommen konnte. Das Raubtierhaus in jedem beliebigen Zoo zog mich immer magisch an, trotz des oft genug beißenden Geruchs. Nicht zuletzt wirkte der Disney-Film Der König der Löwen Mitte der neunziger Jahre wie eine Offenbarung auf mich, von C. S. Lewis’ Aslan ganz zu schweigen. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis mich Léuns Geschichte eines Tages treffen würde wie ein Blitz.

Meine Faszination für Großkatzen geht übrigens über Káor und seine Wahrnehmung (bzw. wie er von anderen wahrgenommen wird) weit hinaus: In Weltenlied habe ich eine menschliche Gesellschaft, nämlich die der Steppenläufer, den heutigen Erkenntnissen vom Leben realer Löwenrudel nachgebildet, in denen der Nachwuchs des getöteten Alpha-Männchens vom übernehmenden Männchen getötet wird. Dieser Vorgang, so schrecklich er auch sein mag, findet sich praktisch unverändert (und unhinterfragt, wie in unserer Welt kein Löwe Fragen stellen würde) in der Kultur der Steppenläufer wieder.

© Manuel Charisius

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Wenn Du Dich in ein Tier Deiner Wahl verwandeln könntest, welches würdest Du wählen und warum?

Einen (männlichen) Löwen. Und irgendwie bin ich innerlich von Geburt an einer, auch wenn ich, biologisch gesehen, zu den Trockennasenaffen zähle. Weil ich mich als Löwe geboren fühle.

Gibt es in dem Roman eine Figur, die Dir besonders am Herzen liegt?

Ja: Léun. Er ist ein wesentlicher Teil meines Alter Egos in Weltenlied (lies meinen Vornamen mal rückwärts …). Aber er ist nicht der einzige Teil. Alle Figuren im Roman sind irgendwie mit mir verbunden. Von daher schlägt auch mein Herz nicht nur für Léun, sondern für sie alle.

An welchem Ort in Nýrdan würdest Du Dich gern eine Weile aufhalten? Und warum?

Das ist leicht: Die Stadt Urtán am Großen Salzsee wäre für mich der Ort erster Wahl. Urtán ist in Nýrdan eine Art Weltstadt, ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen, fast wie Auckland in unserer Welt. Davon abgesehen würde ich jederzeit gerne Léuns Heimat Grüntal, die Geisterstadt im Zentrum von Mittwald und natürlich Schloss Larkhâ besuchen – Letzteres ist, wie ich aus sicherer Quelle weiß, für Touristen jederzeit geöffnet (auch wenn das im Roman nicht unbedingt deutlich wird)!

Gibt es Vorbilder für die Musik in „Weltenlied“?

Vorbilder nicht, vielmehr habe ich einige der Musikstücke und Lieder, von denen im Roman die Rede ist, selber auskomponiert.

Was denkst Du über die magische Kraft der Musik?

Deine Frage nimmt meine Antwort schon vorweg: Ich halte Musik – ebenso wie übrigens auch jede Geschichte und jedes Kunstwerk, ob nun mündlich, schriftlich oder bildlich überliefert – für eine real erfahrbare (wenn nicht die einzige!) Form von Magie. Ein Notenblatt mit dem Hauptthema von Smetanas Moldau, eine nordische Saga wie die um Gísli Súrsson, die Höhlenmalereien von Lascaux, ein Ballett wie Tschaikowskis Schwanensee, ein Gemälde wie die Mona Lisa, eine Statue wie Michelangelos David, die Büste der Nofretete, die Venus von Willendorf – all diesen beispielhaft genannten Meisterwerken menschlicher Schöpfungskraft wohnt ein Zauber inne, der sie die Zeiten trotz aller Widrigkeiten hat überdauern lassen. Das ist wahre Magie, finde ich.

© Manuel Charisius

© Manuel Charisius

Auf wie viele Teile ist die „Saga der Zwölf“ angelegt?

Bei der Planung schwebte mir tatsächlich ein monumentales Epos von exakt zwölf Bänden vor – jeweils ein Teilband sollte die Geschichte eines der zwölf Gestaltwandler erzählen, bis sie dann im Finale endlich zusammenfinden. Diese Idee habe ich bereits beim Schreiben von Weltenlied verwerfen müssen, da sich herausstellte, dass die Zwölf viel enger miteinander verbunden sind als gedacht. In Weltenlied kommen ja bereits vier von ihnen vor, von denen zwei mit diesem ersten Band »ihre« Geschichte erleben. Ich gehe davon aus, dass auch in zukünftigen Bänden immer mehr oder weniger kleine Gruppen der zwölf Gestaltwandler zum Zug kommen werden. Band zwei, so viel kann ich schon verraten, wird in der Zeit zurückgehen und sich der recht dramatischen Geschichte um Báss den Schwarzbären und Barúka den Schwertfisch widmen.

Wo schreibst Du am liebsten? Brauchst Du dafür Ruhe oder begleitet Dich Musik?

Der Ort spielt eigentlich keine Rolle. Ob nun am Arbeitsplatz zu Hause in meiner Dachwohnung, am Küchentisch meiner Eltern oder auf dem Balkon – wenn ich schreibe bzw. Texte für andere erstelle, verblasst die Umgebung um mich herum. Als ich noch studiert habe, bin ich öfter mal ins Uni-Rechenzentrum gegangen. Die Arbeitsatmosphäre in den Poolräumen hat mich immer sehr motiviert. Einige Kapitel aus dem vorderen Teil von Streuner sind dort entstanden. Ruhe brauche ich beim Schreiben fast nur im Hinblick auf gesprochene Sprache. Wenn sich Leute in Hörweite unterhalten oder ein Radio vor sich hin quasselt, bringt mich das aus dem Konzept. Einen semantisch neutralen Lärmpegel kann ich zu einem gewissen Grad tolerieren. Dagegen ist Musik für mich stets willkommene Inspiration und Unterstützung, um etwa die emotionale Tragweite einer Szene im Text festzuhalten. Die Stelle in Weltenlied, als Ciára in einer fremden Stadt verkleidet auf Léun wartet – eigentlich sogar fast das ganze Kapitel – ist zu zwei bestimmten Tracks von einer CD mit keltischem Folk entstanden, die in einer Endlosschleife abwechselnd liefen. Auch die Passage auf der Sturmpflug und viele der Kapitel, die aus Ríyuus Perspektive erzählt sind, hatten sozusagen ihren jeweils eigenen »Soundtrack«.

© Manuel Charisius

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Was ist Dir beim Schreiben wichtig? Was möchtest Du dem Leser vermitteln?

In Bezug auf meine eigenen Texte wünsche ich mir, dass sie den Menschen etwas geben. Dass du als Leser nach dem letzten Satz innehältst und das Gefühl hast, etwas mitzunehmen, was dich als Individuum bereichert. Und dass du das Buch irgendwann wieder aufschlägst und es noch einmal von vorne liest. Ich will keine Bücher schreiben, die sich in einer Nacht weglesen lassen und am nächsten Tag vergessen sind (und übrigens kann ich es auch nicht – ich habe es mal versucht und bin nach zwanzig Seiten gescheitert). Was jeder Leser für sich mitnimmt, ist übrigens nicht im Text bewusst oder unbewusst angelegt. Meine Bücher haben keine »Message«. Vielmehr ist es für jeden Menschen verschieden und absolut individuell, was meine Geschichte mit dir macht.

Was war bisher Dein schönstes Erlebnis als Autor?

Hm … schwierig. Klar, es gab ein paar echte Highlights, aber die meisten Dinge, von denen praktisch jeder Autor träumt – mehrere Auflagen, die limitierte Prachtausgabe des Erstlings, ein bedeutender Literaturpreis, die Übersetzung ins Englische — sind für mich bislang Träume geblieben. Eines der schönsten Erlebnisse war sicherlich, auf der Leipziger Buchmesse vor über einhundert Fantasy-Fans aus dem Streuner-Manuskript lesen zu dürfen. Das war im Jahr 2009. Seither sind mir zwei unterzeichnete Verlagsverträge, das Heyne-Paket mit den ersten gedruckten Ausgaben von Streuner sowie jede einzelne lobende Rezension eines meiner Bücher besonders im Gedächtnis geblieben.

Welche Autoren-Macken hast Du?

Wenn ich Bücher signiere, ärgere ich mich immer über meine ungelenke Handschrift und würde das gerade signierte Exemplar am liebsten gar nicht weitergeben.

© Manuel Charisius

© Manuel Charisius

Was macht Dir als Selfpublisher am meisten Freude – und was magst Du nicht so?

Am meisten schätze ich die freie, unbeschränkte Arbeitszeit, die für jedes Projekt zur Verfügung steht. Es macht mir viel Freude, eigene Texte in die Schublade zu legen und erst nach vier Wochen oder noch länger wieder anzuschauen, sie umzuarbeiten und daran zu feilen. Diese Phase der Arbeit, das umfassende Redigieren von vorhandenem Text, ist fast immer die produktivste. Erfahrungsgemäß profitiert das Endprodukt auch am meisten davon. Zudem habe ich großen Spaß an der Gestaltung von Layout und Cover, der Kapiteleinteilung, der Titelfindung, dem Verfassen von Teasern und Klappentexten und so weiter. Weniger gut dagegen bin ich in Sachen Werbung und Marketing. Sehr zurückhaltend bin ich mittlerweile auch, was den direkten Austausch mit anderen »Selfpublishern« (ich mag das Wort nicht) angeht – der immense Bücher-Output, der Eindruck allumfassender Kompetenz, das nach außen hin turmhohe Selbstbewusstsein und noch einiges mehr, was viele Autoren in diesem Bereich auszeichnet, all das wirkt auf mich einschüchternd, weckt meinen Fluchtinstinkt.

Was liest Du selbst gern? Welche Bücher, in denen Musik eine wichtige Rolle spielt, würdest Du empfehlen?

Als Leser bin ich nicht auf ein bestimmtes Genre beschränkt. Früher habe ich viel Fantasy gelesen, mit den meisten zeitgenössischen Vertretern der Sparte kann ich jedoch wenig anfangen. Heute lese ich alles, was mich interessiert, vom literarisch ambitionierten SF-Drama über den Gesellschaftsroman der sechziger Jahre bis hin zum kosmologischen Sachbuch.

Musikalisch inspirierte Bücher, die ich empfehlen würde, sind z. B. Hans Bemmanns Märchenroman Stein und Flöte, in dem ein Mensch die Sprache verliert und sich erst mit Flötenmelodien wieder zu äußern vermag; der erste Band der Narnia-Chroniken von C. S. Lewis, Das Wunder von Narnia, in dem der Löwe Aslan durch seinen Gesang die Welt erschafft; Dietmar Daths preisgekröntes Meisterwerk Die Abschaffung der Arten (der musikalische Bezug ergibt sich erst beim Lesen); Maarten ’t Harts großartige Autofiktion Das Wüten der ganzen Welt, deren halbwüchsiger Ich-Erzähler an einer Stelle angesichts eines wertvollen Klaviers, auf dem er unbedingt spielen will, eine Erektion bekommt; Hella Streichers Höhere Welten, ebenfalls ein autofiktionaler Text, der eine lesbische Liebesbeziehung, die Wende ab 1989, den Wahnsinn sowohl des Alltags der späten achtziger und frühen neunziger Jahre als auch der Lehre Rudolf Steiners, der sogenannten Anthroposophie, zum Thema hat; und nicht zuletzt Lars Vollmers pointierter, witziger Business-Ratgeber Wrong Turn, aus dem mir die Umschreibung »erster Draht, drittes Feld« (gemeint ist der Basston G auf der Gitarre) noch jetzt, nach fast zwei Jahren der Lektüre, im Gedächtnis präsent ist und mich abermals schmunzeln lässt.

Woran arbeitest Du gerade?

Daran, besser zu werden.

Herzlichen Dank für das Interview und Deine Geduld!

Ich habe zu danken!

Interview mit Christoph Marzi

© Christoph Marzi

© Christoph Marzi

Christoph Marzi (geboren 1970 in Mayen und aufgewachsen in Obermendig) lebt heute mit seiner Familie im Saarland und denkt sich dort und woanders Geschichten aus, während der Garten, der das Haus umgibt, immer wilder und seltsamer wird.

 

Nie anzutreffen ohne: Notizbuch
Besondere Kennzeichen: Notizbuch
Motto: Geh nie ohne Notizbuch aus dem Haus.
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Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?

Sich selbst zu beschreiben ist immer ein schwieriges Unterfangen, glaube ich. Das sollten besser andere übernehmen.

Herrscht auf Deinem Schreibtisch eher Chaos oder Ordnung?

Geordnetes Chaos, würde ich sagen. Ich finde mich zurecht. Ob andere das tun würden, weiß ich nicht.

Mit „London“ kehrst Du in die Welt der Uralten Metropole zurück, wie kam es dazu? Und was hat Dich dabei inspiriert?

Der Wunsch, dorthin zurückzukehren, war eigentlich immer da gewesen. Eigentlich wusste ich nach LUMEN, dass ich Emily erneut wieder sehen würde. In SOMNIA tauchte sie nur am Rande auf. Nach London wollte ich aber erst dann zurückkehren, wenn Emily ein wenig älter geworden wäre. Es ist einiges geschehen in der Zwischenzeit. Sie ist kein Kind mehr. Sie ist erwachsen. Zu sehen, was aus ihr geworden war, machte den eigentlichen Reiz für mich aus.

Wie war für Dich die Rückkehr in diese Welt? Und könntest Du Dir vorstellen, das irgendwann noch einmal zu tun?

Es war, als sei ich nie fort gewesen. All diese Orte, sie waren noch genau dort, wo ich sie zurückgelassen hatte. Vielleicht kehre ich eines Tages erneut dorthin zurück. Emily wird sich weiter verändern, so wie wir alle es tun, wenn wir älter werden. Es gibt keine Zufälle.

Wann spielt der Roman und worum geht es?

Der Roman spielt einige Jahre nach LUMEN und ein paar Jahre nach SOMNIA. Emily lebt wieder in London. Sie hat einen Beruf, in dem sie ihre besondere Fähigkeit nutzen kann. Tristan Marlowe ist nicht mehr bei ihr. Nach dem Happy End in LUMEN hat das Leben die beiden eingeholt. Dinge wie diese passieren manchmal (mehr werde ich dazu nicht verraten). Der Roman beginnt in Cambridge. Emily wartet am Bahnsteig auf den Zug und stellt fest, dass der Zug nach London nicht kommen wird, weil es keine Stadt namens London gibt. Und nie gegeben hat. So fängt es an. Ein wenig mysteriös. Natürlich versucht sie herauszufinden, was geschehen ist. Und, soviel kann ich verraten, sie wird nach London zurückkehren. Mit Hilfe zweier alter Damen, die wirklich sehr, sehr seltsam sind.

An welchem Ort würdest Du Dich gerne eine Weile aufhalten? Und warum?

Von den Orten, die ich selbst erfunden habe? Seal`s Head, oben in Maine. Ganz klar. In Brooklyn, irgendwo in der Nachbarschaft von Faye Archer. Und den Leuchtturm, den Colin Darcy besucht, würde ich gerne sehen. In der uralten Metropole würde ich den Buchladen bevorzugen. Die Stadt unter der Stadt wäre mir zu düster und gefährlich.

Gibt es in der Geschichte eine Figur, die Dir besonders am Herzen liegt?

Emily. Wittgenstein. Micklewhite. Aurora. Ich glaube, sie liegen mir alle am Herzen. Sogar die Bösewichte.

Und in welcher Figur erkennst Du Dich am meisten wieder?

Wittgenstein. Wir teilen den Humor, glaube ich.

Die Geschichte beginnt wieder im Winter, magst Du diese Jahreszeit einfach oder hat das noch andere Gründe?

Schnee und Kälte passen zur uralten Metropole. Es ist eine Atmosphäre, die an die Märchen erinnert, die man als Kind gelesen hat. Alles ist geheimnisvoll. So still.

In den Uralte-Metropole-Büchern ging es bisher auch um Heimat und darum, seinen Platz im Leben zu finden. Ist das in „London“ auch so? Und was bedeutet Heimat für Dich?

Emily sucht noch immer ihren Platz im Leben. Den Platz, den sie zu finden geglaubt hatte, gibt es nicht mehr. Ja, es geht irgendwie immer nur darum, seine Heimat zu finden. Emily sehnt sich danach, ein gewöhnliches Leben zu leben. Was Heimat für mich bedeutet? Heimat ist da, wo das Herz schlägt. Mein Herz schlägt für meine Familie. Eine andere Heimat kann ich mir nicht vorstellen.

2004 erschien mit „Lycidas“ Dein erster Uralte-Metropole-Roman, wie sieht Dein Rückblick aus?

Ich mag jedes Buch und jede Geschichte, die ich geschrieben habe. Mit all den Mängeln, die Geschichten haben können, und allen Fehlern, die Autoren machen können. Ich habe immer die Geschichte erzählt, die ich zu eben diesem Zeitpunkt hatte erzählen wollen. Es macht Spaß, sich das alles auszudenken. Und ich bin dankbar, dass ich es tun kann.

Die Welt ist …

… wunderbar. Man muss es nur sehen.

Magst Du Mythen und Märchen allgemein recht gerne oder bevorzugst Du eine bestimmte Richtung? Vielleicht reizen Dich ja auch einzelne Legenden ganz besonders?

Ich versuche, nicht in Genres zu denken. Tatsächlich lese ich alles, was mir in die Finger gerät. Was mich an Märchen und Legenden reizt ist die Tatsache, dass sie sich in vielen Kulturkreisen so ähnlich sind.

In Deinen Geschichten gibt es auch viele literarische Andeutungen, deren eigentliche Quelle in der alten Literatur zu finden ist. Verrätst Du uns die Ursprünge einiger Anspielungen?

Alte englische Literatur. Shakespeare, Dickens, Chaucer. All die anderen auch. Stevenson ist in LONDON vertreten. Die uralte Metropole lebt von Anspielungen, ist also ein sehr postmoderner Ort, könnte man sagen.

Welche Rolle spielt Musik in Deinem Leben?

Musik ist der Herzschlag des Lebens.

Wonach wählst Du die Musik aus, zu der es in Deiner Geschichte eine Andeutung geben wird?

Ich brauche sehr lange, bis ich die passende Musik gefunden habe, die zu der Atmosphäre, die mir für die Geschichte vorschwebt, passt. Wenn es dann soweit ist, läuft alles andere wie von selbst. Die Musik muss emotional eine Bedeutung haben (oder einfach nur lustig sein, wie bei dem Radio-Orakel in FABULA).

Wo schreibst Du am liebsten? Brauchst Du dafür Ruhe oder begleitet Dich Musik?

Gewöhnlich schreibe ich an meinem Schreibtisch. Aber alle anderen Orte sind genauso gut. Ich schreibe normalerweise mit Laptop oder am PC, aber auch in Notizbücher, Hefte, auf Zettel, Bierdeckel, Servietten. Ruhe ist hilfreich, aber Unterbrechungen sind die Regel – und kein Problem. Musik höre ich meistens beim Schreiben. Laut oder Kopfhörer.

Was hältst Du von der stetig wachsenden Zahl an Subgenres, in die Literatur eingeordnet wird?

Ich mag keine Genres. Ich mag keine Subgenres. Das alles ist Marketing und Produktpolitik. Ich mag Geschichten. Ich kenne keine Geschichte, die so klein ist, dass sie Platz in einer Schublade hätte.

Wie sieht für Dich eine ideale Buchhandlung aus?

Klein. Fein. Mit vielen Büchern, die man zufällig entdeckt. Es gibt Tee oder Kaffee. Leise Musik.

Was ist Dir beim Schreiben wichtig? Was möchtest Du dem Leser vermitteln?

Die Geschichte so zu erzählen, wie sie es verdient – ich denke, dass mir das wichtig ist. Der Leser soll in sie eintauchen können und sich bei der Hand nehmen lassen. Ich schreibe niemals mit dem Ziel, eine Botschaft zu vermitteln. Ich erzähle eine Geschichte. Jeder, der sie liest, muss für sich selbst herausfinden, was sie ihm zuflüstert.

Welche Autoren-Macken hast Du?

Die Frage müsste man meiner Frau und meinen Kindern stellen.

Was war bisher Dein schönstes Erlebnis als Autor?

Zu sehen, dass das, was man sich ausdenkt, für jemanden Bedeutung hat.

Wo wird man Dich in nächster Zeit live erleben können?

Die Premierelesung zu LONDON findet im DRACHENWINKEL in Dillingen/Diefflen im Saarland statt.

Was liest Du selbst gern?

Alles, was mir in die Finger kommt. Vorwiegend englische und amerikanische Literatur. Seltsamerweise kaum fantastische Literatur. Viele Sachbücher. Comics. Was immer mich fesselt.

Woran arbeitest Du gerade?

An MITTERNACHT, einer Geistergeschichte. An einem Kinderbuch mit einem Tier. Und einem neuen Jugendbuch.

Herzlichen Dank für das Interview!

Video-Interview mit Bernhard Hennen und Robert Corvus

Als ich die Beschreibung zu „Nordwärts“ las, dem ersten Band der Phileasson-Saga als Romanreihe, hat nicht nur meine Neugier laut HIER gerufen, sondern es entstand auch der Wunsch nach einem Interview. Nachdem mir das Buch wahnsinnig gut gefallen hat, konnte ich gar nicht anders, als meine Zweifel über Bord zu werfen und es einfach mit einer Anfrage zu versuchen. Erfolgreich.

Dem Vorschlag, daraus ein Video-Interview zu machen, konnte ich natürlich nicht widerstehen und so gibt es heute eine Premiere. ;) Also holt euch noch etwas zu trinken, macht es euch gemütlich und lauscht dann den tapferen Recken, wie sie sich fast eine Stunde lang meinen vielen Fragen stellen. Das Ergebnis ist nicht nur sehr unterhaltsam, sondern bietet auch viele neue Eindrücke und Informationen. Äußerst geheimnisvolle Andeutungen dürfen natürlich auch nicht fehlen … Und jetzt: Viel Spaß!

Webpräsenz der Phileasson-Saga mit Zusatzmaterial
Verlagsseite zu „Nordwärts“
Meine Rezension

Blogtour zu „Feuerstimmen“ von Christoph Hardebusch: Interview

Heute begrüße ich euch im Rahmen der Feuerstimmen-Blogtour bei mir! Nachdem es gestern im Filmtheaterlesesaal um Geschlechterrollen in der Fantasyliteratur ging, darf ich nun Christoph Hardebusch ein paar Fragen stellen …

© Casjen Klosterhuis

© Casjen Klosterhuis

Christoph Hardebusch, geboren 1974 in Lüdenscheid, studierte Anglistik und Medienwissenschaft in Marburg und arbeitete anschließend als Texter bei einer Werbeagentur. Sein Interesse an Fantasy und Geschichte führte ihn schließlich zum Schreiben. Seit dem großen Erfolg seines Debüt-Romans „Die Trolle“ ist er als freischaffender Autor tätig. Christoph Hardebusch lebt mit seiner Frau in München.

 


Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?

Als Erzähler. Das ist, was sich wie ein roter Faden durch mein Leben zieht.

Und wie sieht für Dich ein „normaler“ Tag aus?

Nicht sehr aufregend, muss ich gestehen. Aufstehen, Frühstücken, frisch machen, arbeiten. Und auch wenn dabei Phantasiewelten entstehen, von außen ist die Arbeit vor allem vor dem Computer sitzen und in die Tasten hauen.

Herrscht auf Deinem Schreibtisch eher Chaos oder Ordnung?

Da ich ihn mit zwei Katzen teile und dementsprechend wenig Platz ist, eher Ordnung. Das Chaos wandert auf und in Büroschränke, Regale und oft genug den Boden.

Mit „Feuerstimmen“ kehrst Du nach einem Ausflug ins Historische (Die eiserne Krone) wieder zur klassischen Fantasy zurück. Was schätzt Du an dem Genre?

Fantasy ist seit ich lesen kann Teil meines Lebens. Als ich mit dem Schreiben begann, war es nur natürlich, dass ich bei ihr gelandet bin. Sowohl als Leser als auch als Autor schätze ich die Weite, die Offenheit, diese grenzenlose Kreativität, die man in ihr ausleben kann.

Wie ist die Welt, in der Dein neuer Roman spielt, aufgebaut?

Nach Ausflügen in verschiedene andere Gefilde, kehre ich jetzt wieder zur klassischen Fantasy zurück. Eine magische Welt, deren Besonderheit jedoch ihre Verbundenheit mit der Macht der Musik ist. Harmonie spielt in ihr eine große Rolle …

Verrätst Du uns etwas über die Hauptfiguren?

Die Geschichte wird aus der Sicht zweier Figuren erzählt, die sich wie in einem Duett abwechseln. Da wäre der Barde Aidan, der vor einer dunklen Vergangenheit flieht, und die junge Königin Elena, die von großer Sorge um die ihr anvertrauten Menschen umgetrieben wird. Sie sind sehr unterschiedlich, und natürlich macht dies einen Reiz bei ihrem Zusammentreffen aus.

Ein zentrales und für mich sehr reizvolles Thema sind die Barden. Hast Du zu ihnen einen besonderen Bezug oder mussten sie aus Gründen einfach in die Geschichte?

Musik ist in der Fantasy ja durchaus ein klassisches Thema, und durch die Zusammenarbeit mit Van Canto, einer a capella Band, bot es sich an, dieses aufzugreifen und in den Mittelpunkt zu stellen.

Gibt es eine Figur oder Szene, die Dir besonders nah ist?

Natürlich gibt es Szenen, die während des Schreibens sehr intensiv sind. Ich kann allerdings schlecht auf sie verweisen, ohne wichtige Ereignisse vorwegzunehmen. Bei den Figuren ist es einfach: Durch die Konzentration auf Aidan und Elena sind mir die beiden sehr ans Herz gewachsen. Sie sind sehr unterschiedlich, aber natürlich macht gerade das den Reiz aus, und zu erzählen, wie ihre Wege miteinander verflochten sind, war sehr schön.

Von der ersten Idee zum Buch: Wie lange hast Du daran gearbeitet und welche Klippen galt es dabei zu umschiffen?

Irgendwo zwischen anderthalb und zwei Jahren. Da der Roman in der engen Zusammenarbeit mit Van Canto entstanden ist, war vieles für mich, beziehungsweise uns Neuland. Damit meine ich nicht die ganzen Fragen, die hinter den Kulissen geklärt werden mussten, und für die wir zum Glück mit Piper und edel offene und hilfsbereite Partner hatten – das ist ein eigenes Thema! -, sondern in der direkten kreativen Zusammenarbeit. Wir standen durchgehend in regem Austausch, damit dieses Projekt so werden konnte, wie es unseren Visionen entsprach.

War von Anfang an geplant, daraus ein Multimedia-Projekt zu machen?

Ja, das Buch wurde von der ersten Idee an mit Van Canto entwickelt, so wie das Album auch in Zusammenarbeit mit mir entstanden ist. Alles andere hätte für uns keinen Sinn ergeben.

Wie war die Zusammenarbeit mit der Metal-A-Capella-Band Van Canto und inwieweit habt ihr euch gegenseitig inspiriert?

Es war absolut phantastisch. Es klingt so nach Klischee, aber bei der Freisetzung der kreativen Energien ist etwas entstanden, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Wir haben die ganze Zeit bis ins Detail zusammengearbeitet, uns zusammengesetzt und beraten, uns gegenseitig inspirieren und anregen lassen. Ich bin Van Canto sehr dankbar, auch meine eigene Arbeit auf diese Weise neu entdecken zu können.

Was bedeutet Dir Musik? Und welche Vorlieben hast Du da?

Mir persönlich ist Musik sehr wichtig. Auch beim Schreiben läuft eigentlich immer Musik – meist Soundtracks. Mein Musikgeschmack ist sehr breit, und worauf ich Lust habe, hängt immer auch von Augenblick und Stimmung ab. Man findet mich eigentlich in jedem Jahr einige Male in der Oper, aber auch auf Festivals und Konzerten der härteren Gangart. Ähnlich wie bei der Lektüre schränke ich mich ungern ein; wenn mir etwas gefällt, dann gefällt es mir eben, das Genre ist dabei nicht wichtig.

Was war bisher Dein schönstes Erlebnis als Autor?

Da gibt es so viele. Man vergisst manchmal im Schreiballtag, wie großartig der eigene Beruf ist. Wenn man ein neues Buch zum ersten Mal in der Hand hält. Die Stille bei einer Lesung, bevor man den ersten Satz sagt. Ein nettes Wort, eine nette Email.

Welche Autoren-Macken hast Du?

Es gibt eine Handvoll Vertipper, die mir immer wieder unterlaufen. Inzwischen habe ich dafür Autokorrekturen, so weiß mein Rechner, dass ich nicht nciht schreiben wollte …

Gibt es ähnliche Figuren-Typen, die sich durch deine Geschichten ziehen?

Ich versuche eigentlich, Abwechslung in meine Bücher zu bringen. Nicht nur um meiner Leser/innen willen, sondern auch um meinetwillen. Aber ich denke, dass meine Figuren sich allgemein oft im grauen Spektrum des Seins bewegen; wenn ich etwas versuche, dann vielschichtige Charaktere zu schreiben.

Was liebst Du am Schreiben – und was magst Du nicht so?

Die Freiheit. Sowohl im kreativen Sinn, als auch beruflich. Und schwierig ist … die Freiheit. Es fällt mir manchmal schwer, Strukturen zu schaffen, die ein Unterfangen wie ein Fantasyroman aber benötigt.

Schreibst Du inzwischen anders als vor einigen Jahren?

Ich denke schon. Aber ich fürchte, das Urteil darüber liegt bei den Leser/innen.

Was ist Dir beim Schreiben wichtig? Was möchtest Du dem Leser vermitteln?

Ich möchte meine Leser/innen unterhalten. Eine spannende Geschichte erzählen. Natürlich fließt meine Sicht auf die Welt in meine Romane ein, und ebenso natürlich freue ich mich, sollte ich hier und da einen Denkanstoß liefern. Aber ich sehe mich nicht als Lehrer; denken muss jede/r für sich selbst.

Was liest Du selbst gern?

Quer durch den Garten. Fantasy, klar, Science Fiction, generell Phantastik. Aber auch historische Romane, den einen oder anderen Krimi. Ich mag Bücher aus anderen Kulturkreisen, die mir ein kleines Fenster in eine mir fremde Welt öffnen. Und sehr viele Sach- und Fachbücher, das bringt die Recherche mit sich, was aber meinen Interessen sehr entgegen kommt.

Woran arbeitest Du gerade?

Wieder Fantasy, aber etwas umfangreicher als „Feuerstimmen“, vor einem der Antike nachempfundenen Hintergrund. Ein sehr altes Projekt, an dem ich schon vor dem ersten Troll-Band gearbeitet habe, und das sich weiter und weiter entwickelt hat und jetzt endlich in Worte gefasst werden kann.

Herzlichen Dank für das Interview – ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg! :)

Ich habe zu danken!


Gewinnspiel!

Am Ende der Blogtour werden unter allen TeilnehmerInnen 5x je eine Ausgabe von „Feuerstimmen“ verlost. Ab dem 28.03. erfolgt die Auslosung der Gewinner/innen, die per Mail benachrichtigt und auf den teilnehmenden Blogs bekannt gegeben werden.
Um teilzunehmen, beantwortet mir als Kommentar mit Angabe eurer eMail-Adresse folgende Frage:

Welche Rolle spielt Musik in eurem Leben?

Das Kleingedruckte:
Du bist mindestens 18 Jahre alt oder hast das Einverständnis deiner Erziehungsberechtigten. Hinterlasse uns eine Möglichkeit (E-Mail etc.), um Dich nach dem Gewinnspiel zu kontaktieren. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Eine Teilnahme am Gewinnspiel ist nur innerhalb von Deutschland, Österreich und Schweiz möglich. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Wir übernehmen keine Haftung für den Verlust des Gewinns auf dem Postweg.
Das Gewinnspiel endet am 27. März 2016 um 23:59 Uhr.

blogtour-feuerstimmen


Links:

Auf Fantastische Bücherwelt rezensierte Romane von Christoph Hardebusch:

  • Die Werwölfe (Rezi)
  • Feuerstimmen (Rezi)
  • Smart Magic (Rezi)
  • Sturmwelten 1 (Rezi)
  • Sturmwelten 2: Unter schwarzen Segeln (Rezi)
  • Sturmwelten 3: Jenseits der Drachenküste (Rezi)

Die einzelnen Stationen dieser Blogtour findet ihr in der Ankündigung.
Viel Glück bei der Verlosung – und hoffentlich hat euch unsere Reise mit den Feuerstimmen gefallen! Nach der großartigen Lesung auf der Leipziger Buchmesse, über die Susanne von Literaturschock auch hier berichtet hat, muss ich mir ganz unbedingt noch das Hörbuch kaufen. Vor allem wegen der CD mit den Bardenliedern, von denen war ich ja völlig hin und weg …

Ein Interview mit mir: Von Blogger zu Blogger!

Über Christians Anfrage zu einem von-Blogger-zu-Blogger-Interview auf Darkstars Fantasy-News hatte ich mich riesig gefreut, aus zwei Gründen. Zum einen wegen des generellen Interesses an meinem Blog, zum anderen weil ich seinen Blog sehr mag. Und das ist jetzt nicht einfach so daher gesagt, ich hatte die Seite in meiner Anfangszeit als Blogger für mich entdeckt und sie gehört auch heute noch zu den wenigen, die ich regelmäßig gern besuche.

Darkstars Fantasy News

Das Beantworten der tollen Fragen hat mir viel Spaß gemacht, auch wenn ich das eine oder andere Mal ganz schön ins Grübeln gekommen bin. ;) Das Ergebnis kann man jetzt hier nachlesen – ich wünsche euch viel Spaß dabei!

Qinterview: Ein Interview mit mir bei Qindie!

Qindie hat mich interviewt und das Ergebnis ist heute online gegangen!

Qinterview

Ich habe mich über die schönen und abwechslungsreichen Fragen gefreut, vielleicht ist es deshalb auch recht lang geworden. Und ziemlich persönlich, weil ich auch von einigen meiner „Macken“ erzählt habe. Es gibt aber auch einige Buchtipps. Schaut doch mal vorbei! :)

Ein Interview, diesmal mit mir …

Susanne Kasper ist jeden zweiten Sonntag im Gespräch mit … BloggerInnen und stellt diese auf Literaturschock vor. Diesmal durfte ich Fragen beantworten, was mir unheimlich viel Spaß gemacht hat! :)

Ich freu mich riesig, dass ich mit dabei sein durfte – den Beitrag findet ihr hier. Schaut doch mal vorbei … ;)

[HomBuch-Blogtour] Interview mit Ann-Kathrin Karschnick

Anlässlich der in diesem Jahr bereits zum fünften Mal stattfindenden HomBuch wird eine Blogtour veranstaltet, die interessante Artikel rund um die saarländische Buchmesse bietet. Nachdem es in der letzten Station bei Bücher sind fliegende Teppiche ins Reich der Phantasie um Claudia und Stephan Lössl ging, darf ich euch heute Ann-Kathrin Karschnick mit einem Interview vorstellen. Wobei sie meinen regelmäßigen Lesern ja nicht ganz unbekannt sein dürfte, da ich „Die Feuerritter“ und „Phoenix. Tochter der Asche“ mit Begeisterung gelesen habe. ;)

HomBuch

Ann-Kathrin wird am Samstag, 28.03.15, um 15:15 zusammen mit Simon André Kledtke und Martin Ulmer in Saal 2 lesen. Es versammeln sich also die Autoren, die es im Genre Fantasy in die Endrunde des HomBuch-Preises geschafft haben!

© Ann-Kathrin Karschnick

 
 
Ann-Kathrin Karschnick ist 28 Jahre alt lebt im schönen Herzogtum Lauenburg und schreibt Fantasy- als auch Erotikromane. In ihrer Freizeit leitet sie das Jugendrotkreuz in ihrer Heimatstadt. Zudem ist sie leidenschaftlicher Serienjunkie und Geocacherin.

Ann-Kathrin ist häufig auf Buchmessen und Conventions der Fantasybranche zu finden. Wer nach einem grünen Kleid Ausschau hält und laut nach Kuddel ruft, hat gute Chancen ihr zu begegnen und einen Plausch mit ihr zu halten.
 
 
 

Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?

Oh, ich bin eine extrovertierte, durchgeknallte, fröhliche Person, die es liebt, sich mit anderen Menschen zu unterhalten und ihnen zu helfen.

Wie sieht für Dich ein „normaler“ Tag aus?

Ein normaler Tag beginnt bei mir mit einem Grummeln, denn ich bin ein ziemlicher Morgenmuffel. Danach geht es ab ins Auto und in die Bahn, wo ich ca. 1 Stunde Schreibzeit habe, ehe ich zu meinem Brotjob muss. In der Mittagspause mache ich entweder Sport oder spiele mit den Kollegen Tischkicker. Auf der Heimfahrt schreibe ich dann wieder etwa eine Stunde und bin gegen 19 Uhr zu Hause. Dann mache ich es mir entweder mit meinem Männe vor dem Fernseher gemütlich, bin beim DRK oder schreibe am Abend weiter. Irgendwann gegen 23 Uhr geht es dann ins Bett.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Ich habe Hausarrest bekommen und durfte nichts anderes als die Schreibmaschine meiner Mutter benutzen, um ihre Rezepte abzutippen. Da das auf Dauer zu langweilig wurde, habe ich angefangen, mir ein paar Geschichten auszudenken und diese aufgeschrieben. Für die Ausbildung habe ich dann aufgehört und erst bei einem Stromausfall aus Langeweile wieder angefangen. Wenn man es also genau nimmt, hat Langeweile mich zum Schreiben gebracht. :)

Wie viel planst Du, bevor es mit dem eigentlichen Schreiben los geht?

Kommt darauf an. Bei Kurzgeschichten schreib ich einfach drauflos, während ich bei Romanen tatsächlich plane. Die Figuren plane ich vorweg, ebenso wie die Welt und eine grobe Rahmenhandlung, aber vieles passiert unterwegs beim Schreiben dann noch.

Entwickeln sich Deine Figuren auch mal ganz anders als geplant oder nehmen mehr Platz ein?

Meistens bleiben die Figuren in dem Rahmen, in dem ich sie geplant habe, aber in einigen wenigen Fällen brechen die Figuren aus und nehmen mehr Platz ein. Als Beispiel war Eleazar in „Phoenix – Erbe des Feuers“ nur eine kleine Nebenfigur, aber ich mochte die Figur so sehr und er scheinbar die Geschichte, so dass er mehr Raum bekam.

Die Feuerritter

Wie sieht Dein Schreibtisch aus, herrscht da eher Chaos oder Ordnung?

Mein Schreibtisch ist ein absolutes Chaos. Aber ich finde mich darauf absolut zurecht. Mein Vater sagte mal: Jedes Genie braucht sein Chaos. Ich bin zwar kein Genie, aber mein Chaos brauche ich trotzdem. :)

Für „Phoenix. Tochter der Asche“ hast Du letztes Jahr den Deutschen Phantastik Preis erhalten. Hat sich für Dich danach spürbar etwas verändert, beispielsweise was Deinen Bekanntheitsgrad betrifft?

Eine Veränderung? Mhm, schwer zu sagen. Ich werde jetzt öfter mal nach einem Interview gefragt, als früher und auf den Conventions werde ich tatsächlich eher erkannt, aber ansonsten hat sich nicht viel verändert.

Die Geschichte spielt in Hamburg – warum gerade dort?

Ich liebe die Stadt Hamburg. Seinen Aufbau, seine Ausstrahlung, den Hafen. Einfach das Flair des norddeutschen kühlen und gleichzeitig so herzlichen Charmes. Natürlich war es auch praktisch, da ich die Stadt gut kenne und die Geschichte so dort spielen lassen konnte.

War Phoenix von Anfang an als Trilogie geplant? Und schreibst Du lieber Einzelbände oder Reihen?

Phoenix war anfangs nur als Einzelband geplant, aber da das Ende ja doch etwas offen ist und mein Verleger die Idee mochte, haben wir beschlossen eine Trilogie daraus zu machen. Grundsätzlich schreibe ich beides gerne. Einzelbände sind natürlich immer mal schön, wenn man eine Geschichte zu erzählen hat, die nur einmal funktioniert, aber wenn ich eine Idee habe, die sich auf 400 Seiten nicht eindämmen lässt, dann muss ich daraus einfach manchmal eine Reihe machen. :)

Phoenix - Tochter der Asche

Warum hast Du Dich für den Teslapunk entschieden? Und musstest Du dafür viel recherchieren?

Ich habe etwas gesucht, was nicht so alltäglich war. Steampunk war zu der Zeit gerade im Kommen und ich dachte mir, warum nicht mal eine Alternative dazu. Es klang verlockend und ich mag die Gadgets, die man daraus bauen könnte. Tatsächlich habe ich relativ viele Reportagen über Tesla gesehen und mich mit seinen Erfindungen auseinandergesetzt, da ich eigentlich nicht so gut in Physik war früher. ;) Aber man lernt ja nie aus.

Welche Seiten und/oder Bücher kannst du zu dem Thema empfehlen?

Ich finde die Seite http://tesla-punk.blogspot.de/ ganz nett, auch wenn sie nicht mehr so viel Aktuelles enthält. Wikipedia zu dem Thema war auch sehr interessant.

Gab es Reaktionen, über die Du Dich besonders gefreut oder geärgert hast?

Ganz besonders gefreut hat mich die Rückmeldung einer Frau, die zuvor nie Fantasy gelesen hat und mit meinem Buch angefangen hat, weil ich sie auf einer Lesung von dem Buch überzeugen konnte.
Geärgert? Mhm, schwer zu sagen. Wenn eine schlechte Rezension reinkommt, ist man natürlich erst einmal enttäuscht, aber das ist ja das Gute an der Menschheit. Wir sind unterschiedlich und das ist gut so. Jeder hat einen anderen Geschmack. Der eine liebt die Figuren, der andere liebt die Welt, die ich erschaffen habe. So gibt es immer jemanden, der etwas an dem Buch auszusetzen hat und damit kann ich eigentlich ganz gut leben. Nur nicht in den ersten fünf Minuten nach dem Lesen der Rezension. ;)

Im Frühjahr erscheint Dein neues Buch „Sternenpfad“, kannst Du uns darüber schon etwas erzählen?

Sternenpfad ist ein Abenteuerroman mit einigen Nerd-Anspielungen. Wir haben einmal die Bestsellerautorin Stefanie Harnetz auf der einen Seite und Arváriel, eine Elfe aus der Elfenwelt, auf der anderen. Beide müssen verhindern, dass die auf die magielose Erde verbannten Dunkelelfen zurück in die Elfenwelt kommen. Dazu müssen sie das letzte verbliebene Portal schließen und das befindet sich in … nun ja, Berlin. Wo auch sonst? :)

Du bist ja auch auf vielen Cons, was reizt Dich daran?

Oh, ich liebe es, mit Menschen zu reden, zu schnacken und zu schwatzen. Der Fandom der Fantasy und Sci-Fi-Szene ist einfach das, was ich mag. Die Menschen dort haben dieselben Interessen, schauen dieselben Serien und sind genauso verrückt, wenn es um Details in ihren Büchern geht. Außerdem liebe ich den Kontakt mit meinen Lesern. Mal ganz ehrlich: Wo sonst erfährt man hautnah, wie die Leser dein Buch finden, wenn nicht auf einer Lesung? Als Autor vor einem interessierten Publikum zu sitzen und die Lacher oder das leise Schniefen zu hören in den verschiedenen Szenen ist mehr Belohnung, als man erhält, wenn man nur vor dem heimischen PC sitzt.

Was verbindest Du mit der HomBuch?

Meine erste Preisverleihung überhaupt. Wirklich, das war ein einmaliges Erlebnis. Dazu diese familiäre Atmosphäre auf der HomBuch und das wirklich interessierte Publikum ist einfach nur toll.

Dein grünes Kleid ist zu einem Markenzeichen von Dir geworden, wie kam es denn dazu?

Hehe, daran sind ein paar Fans schuld. Ich bin früher viel auf Mittelaltermärkten unterwegs gewesen und wollte mich dem Kleidungsstil anpassen, statt nur in Jeans und T-Shirt zu lesen. Also kaufte ich mir das grüne Kleid. Ich trug es zu jeder Lesung und irgendwann musste es nun mal gewaschen werden. Ich ging also zur nächsten Lesung ohne das Kleid und wurde flugs von einigen darauf angesprochen, wo denn das grüne Kleid sei. Einige meinten sogar (scherzhaft), sie würden mir nicht zuhören, wenn ich das Kleid nicht anhätte. Da war die Idee geboren, das grüne Kleid zu meinem Markenzeichen zu machen. Seither lebt es zusammen mit mir in unserem kleinen Häuschen und wird regelmäßig von mir ausgeführt. :)

Phoenix - Erbe des Feuers

Was ist Dir beim Schreiben wichtig? Was möchtest Du dem Leser vermitteln?

Meinen eigenen Spaß am Schreiben. Und ab und auch ein bisschen Wissen. Im Phoenix gibt es ein paar Erfindungen, die ich ganz nett finde und die den Menschen vielleicht auch ein bisschen Wissen vermitteln. Hauptsächlich aber möchte ich den Lesern ein paar schöne Stunden mit den Charakteren vermitteln, die immer wieder durch meinen Kopf spazieren.

Was liest Du selbst gern?

Im Moment leider viel zu wenig, aber sehr gerne lese ich Fantasy-Krimis und klassische High Fantasy. Eine gut aufgebaute Welt ist so viel wert, dass man sich darin einfach verlieren kann.

Woran arbeitest Du gerade?

Ich habe gerade meine nächste Übersetzung fertiggestellt und habe just heute angefangen Phoenix 3 zu überarbeiten. Ende Februar möchte ich ihn gerne abgeben, damit er dann ins Lektorat gehen kann. Und im Anschluss sind noch ein paar Kurzgeschichten fällig, die ich zu schreiben versprochen habe. :)

Herzlichen Dank für das Interview – ich wünsche Dir viel Erfolg!

Vielen Dank für die Fragen, Marny. :)

HomBuch-Blogtour

Die Blogtour hält als nächstes bei Lu´s Buchgeflüster, wo ihr am 2. März ein Interview mit Jennifer Jager finden werdet! :)

Blogtour zu „Der letzte Drache“ von Aileen P. Roberts

Heute hält die Blogtour zum ersten Teil der Weltenmagie-Trilogie von Aileen P. Roberts bei mir und ich darf ein Interview mit der Autorin führen. Das hatte ich schon länger vor, aber irgendwie ist es nie dazu gekommen. Also ist JETZT wohl einfach der richtige Moment dafür! :) Vielleicht ja auch, weil ich gerade „Der letzte Drache“ lese und schon wieder völlig in der magischen Geschichte abgetaucht bin. Ich liebe ja die Weltennebel-Trilogie, aber die Chancen stehen gut, dass mich auch Weltenmagie begeistert. Vielleicht habe ich ja auch Glück und es überleben ein paar meiner Lieblingsfiguren. *g*

Oooh jeeh, das wird nix!
Meine Güte … Horac, bist du das?
Oooh jeeh, das Augenlicht schwindet auch schon!
Neeein, hier ist es nur dunkel.
Oooh jeeh, kein Geld für Strom … Das wird nix!
Neeein, das ist nur gemütlicher. Schau, da drüben brennt eine Kerze.
Oooh jeeh, eine blaue Kerze? Kein Geld für ordentliche Kerzen … Das wird nix!
Das ist eine blaue Meditationskerze. Hat mir Tagilis letzte Woche gegeben …
Oooh jeeh, nicht nur das Augenlicht schwindet, sondern auch der Geist.
Hmpfn.
Oooh jeeh, gefolgt von der Sprache …
Horac! Ich bin nicht verwirrt!
Oooh jeeh, das sagen sie alle … Das wird nix!
Oooh jeeh! Schnell zum Interview …

© Aileen P. Roberts

 
Ich wurde 1975 in Düsseldorf geboren. Aileen P. Roberts ist mein Pseudonym, in Wirklichkeit heisse ich Claudia Lössl. Nach zahllosen Umwegen und einer abgebrochenen Banklehre (das war wirklich nicht mein Ding!) studierte ich Sozialpädagogik und arbeitete später auch als Reitlehrerin und Reitpädagogin.

Mit 19 Jahren reiste ich zum ersten Mal nach Schottland und entdeckte dort meine keltische Seele. Ich glaube, ich wollte niemals etwas anderes, als mit Pferden umgehen, Bücher schreiben und in Schottland leben – seit Herbst 2013 habe ich mir diesen Traum erfüllt.
 
 

Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?

Humorvoll, chaotisch, fantasievoll, manchmal stur.

Wie sieht für Dich ein „normaler“ Tag aus?

Was bitte ist ein normaler Tag??
Einen „normalen“ oder geregelten Tag gibt es bei mir eigentlich nicht. Kommt immer drauf an, an welchen Tagen die Kleine in den Kindergarten geht (momentan nur 3), an diesen Tagen setze ich mich so bald es geht an den Computer und schreibe, und immer dann wenn sie schläft. Erst eine Tasse Tee, dann einen Kaffee oder umgekehrt  . Entweder ich habe einen ganzen Tag zum Schreiben (selten) oder ich muss nachmittags Reitstunden geben, oder ich muss mich um die Pferde kümmern, unser junges Pferd reite ich gerade selbst ein.
Kind abholen, oder sie war ohnehin schon im Stall dabei. Abendessen (Mittagessen vergesse ich in der Regel *g*). Kleinen Wirbelwind ins Bett bringen, dann lesen oder fernsehen oder wenn mein Mann und ich uns noch aufraffen können, noch ein bisschen schreiben. Wie ihr seht, jeder Tag ist anders … Zwischendrin Leserunden, Facebook etc. – manchmal wünschte ich, der Tage hätte sehr viel mehr als 24 Stunden …

Wenn Du Dir einen perfekten Tag wünschen könntest, wie sähe dieser aus und wo würdest Du ihn verbringen?

Das Töchterlein schläft ausnahmsweise mal bis halb 9, gemütliches Frühstück mit Familie mit Blick aufs Meer in unserem Cottage in Schottland. Ausritt mit einem der Pferde, gegen Mittag anfangen zu schreiben, etwa bis zum späten Nachmittag. Pause und gemütlich Tee oder Cappuccino trinken. Abends kommen dann durch ein magisches Portal ein paar gute Freunde aus Deutschland und unsere supernetten schottischen Nachbarn, wir machen uns einen gemütlichen Abend am Kamin (bei gutem Wetter Lagerfeuer) und beobachten, wie der Mond langsam in Richtung der Äußeren Hebriden wandert … Klingt ziemlich perfekt, oder?

War von Anfang an geplant, die Geschichte Albanys in zwei Trilogien zu erzählen oder ergab sich das erst nach der Veröffentlichung von Weltennebel?

Nein, war es nicht und ich bin eigentlich auch kein großer Fan von Endlosserien, deshalb habe ich bewusst Weltennebel mit „Im Schatten der Dämonen“ abgeschlossen. Nur hatte ich das Gefühl, ich hätte in Albany noch etwas zu erzählen und habe – 3 Bücher später – gemeinsam mit einigen anderen Vorschlägen, dem Goldmann Verlag die Idee für eine Fortsetzung geschickt. Ich habe mich sehr gefreut, dass es ihnen gefallen hat. Ich habe aber bewusst versucht so zu schreiben, dass man grundsätzlich Weltenmagie lesen kann, ohne Weltennebel zu kennen. Wenn jemand wissen möchte wie alles begann, bin ich natürlich auch nicht böse. 

Weltenmagie 1

Wie leicht oder schwer ist Dir die Rückkehr nach Albany gefallen?

Sehr leicht, es war fast wie nach Hause kommen.  Mir fällt es immer sehr schwer, eine von mir entworfene Welt und vor allem die Figuren, mit denen ich viel Zeit verbracht habe, zu verlassen und so habe ich mich sehr darauf gefreut. Da es – das verrate ich jetzt schon mal – im 2. Band in eine ganze andere Welt geht, bin ich um das Schaffen einer neuen Welt jedoch auch nicht herumgekommen.

Gibt es dort eine Figur, die Dir besonders am Herzen liegt?

Schwierige Frage, auch wenn ich nicht immer zu allen nett bin, sind sie mir doch alle wichtig. Wenn ich mich entscheiden müsste, ist es vielleicht Kayne. Der junge Zauberer hat es auf Grund seiner Herkunft nicht leicht und manchmal steht er sich selbst im Weg.

Hat Dich während des Schreibens von „Der letzte Drache“ eine bestimmte Musik begleitet oder brauchst Du dazu eher Ruhe?

Nein, diesmal keine besondere Musik, außer man möchte den schottischen Wintersturm, der mich in Teil 1 begleitet hat, als Musik bezeichnen …

Wie sieht Dein Schreibtisch aus, herrscht da eher Chaos oder Ordnung?

CHAOS *räusper*

Zusammen mit Deinem Mann hast Du ja „Der Kampf der Halblinge“ geschrieben, wie seid Ihr dabei vorgegangen?

Zunächst hatten wir überlegt, dass jeder bestimmte Figuren übernimmt und dann deren Part schreibt. Das hat dann aber nicht so richtig funktioniert. Schließlich sind wir dazu übergegangen, Szenenweise zu schreiben, jeder hat die Teile des anderen gelesen und korrigiert oder ein wenig angeglichen. Natürlich gab es auch Meinungsverschiedenheiten und hin und wieder hat es gekracht, aber wir haben es beide unbeschadet überlebt ;-) und könnten uns auch vorstellen, ein weiteres Buch gemeinsam zu schreiben.

Der Kampf der Halblinge

Entwickeln sich Deine Figuren auch mal ganz anders als geplant oder nehmen mehr Platz ein?

Das passiert fast jedes Mal! Manche Figuren die überleben sollten sterben „aus Versehen“, andere denen ich nur kleine Rollen zugewiesen hatte, möchten auf einmal mehr Beachtung haben. So war es diesmal bei der Dunkelelfe Jel’Akir, sie sollte eigentlich nur eine Nebenrolle bekommen und dann … na lest selbst …

Deine Geschichten spielen oft in Schottland, in ihnen spürt man auch Deine Liebe zu diesem Land. Warum gerade Schottland?

Das weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Seitdem ich mit 19 das erste Mal in den Highlands war, zieht es mich immer wieder dort hin. Ich persönlich glaube ja, dass man nicht nur einmal lebt. Vielleicht war ich in einem früheren Leben schon einmal dort …

Mit „Schatten über Duntulm Castle“ ist Dein erster historischer Roman erschienen. Wie aufwändig war die Recherche? Und könntest Du Dir vorstellen, weitere Bücher in diesem Genre zu schreiben?

Sagen wir mal, der erste rein historische. Bei „Der Feenturm“ stand ja Fantasy auch eher im Hintergrund. Und bei beiden Büchern war die Recherche natürlich aufwendiger als in reinen Fantasybüchern, wobei man in diesem Fall Welten entwerfen muss, was auch nicht gerade wenig Arbeit macht. Aber für Duntulm Castle und auch den Feenturm musste ich viele Fachbücher lesen, größtenteils englisch und ich habe auch die meisten Orte für meine Recherche besucht, was mir viel Spaß gemacht hat.
Für „Schatten über Duntulm Castle“ hatte ich lange Zeit keinen Verlag, deshalb habe ich es mehrfach überarbeitet und hatte so auch mehr Zeit, noch mehr geschichtliche Details zu ergänzen.
Ja, doch, historische Romane machen mir auch sehr Spaß, ich könnte mir vorstellen, wieder einen zu schreiben.

Schatten über Duntulm Castle

Gibt es in der Geschichte Schottlands eine Zeit oder eine Persönlichkeit, die Dich besonders interessiert?

Nach wie vor die Keltenzeit – und über diese Persönlichkeiten ist ja leider nichts bekannt. Ich würde zu gern wissen, wer in der alten Ruine des Brochs gelebt hat, der auf dem Hügel hinter unserem Cottage in Schottland steht. Wie haben sie gelebt, was haben sie schon damals gewusst, und was würden sie über uns denken, wenn sie uns heute sehen würden?
Natürlich gibt es auch sonst noch zahlreiche spannende Figuren, Robert the Bruce, Bonnie Prince Charlie, Maria Stewart, aber ich glaube, es sind eher diejenigen, über die noch niemand geschrieben hat, die mich interessieren.

Was ist Dir beim Schreiben wichtig? Was möchtest Du dem Leser vermitteln?

Ich schreibe Bücher, die ich selbst gern lesen würde, deshalb würde es mir auch sehr schwer fallen, über etwas zu schreiben, nur weil es gerade „in“ ist.
Gerade in meinen Schottlandromanen versuche ich den Lesern zu vermitteln, dass Großbritannien mehr ist als Regen und schlechtes Essen. Beides ist weniger dramatisch als man meinen möchte. Schottland ist ein raues Land, das habe ich selbst schon häufig erlebt, aber wenn die Sonne rauskommt und das Meer zum Strahlen bringt, ist das vergessen. Es hat seine eigene Faszination und ich glaube, entweder man mag es oder eben nicht.
Außerdem glaube ich, dass in Fantasyromanen oft mehr Wahrheit steckt als man glauben möchte. Warum soll es nicht andere Welten oder Wesen geben, die die meisten mit ihren Sinnen nur nicht wahrnehmen können …

Was liest Du selbst gern?

Ich lese selbst gerne Fantasy, ab und zu historische Romane, auch mal einen Thriller oder Krimi zwischendrin.

Woran arbeitest Du gerade?

Lektorat von „Das Vergessene Reich“ und ich schreibe Teil 3 von Weltenmagie.

Herzlichen Dank für das Interview – ich wünsche Dir viel Erfolg!

Vielen Dank für das schöne Interview und euer Interesse!
 


 

GEWINNSPIEL

Im Rahmen der Blogtour könnt ihr eins von drei signierten Print-Exemplaren von „Der letzte Drache“ gewinnen. Dazu müsst ihr bis zum 3. November folgende Frage als Kommentar (mit Angabe eurer eMail-Addy) beantworten:

Was verbindest du mit Schottland?

Die Gewinner werden auf der Blogtouren-Seite bekanntgegeben.
(Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Teilnehmen kann jeder ab 18 Jahren. Bei Betrugsversuchen wird der Teilnehmer disqualifiziert. Der Versand erfolgt nur innerhalb Deutschlands.)

Morgen geht es dann bei Barbara mit den bisherigen Veröffentlichungen weiter! :)

Interview mit Selma J. Spieweg

© Jacqueline Spieweg

Selma J. Spieweg (Jahrgang 1966) ist Grafikerin, Malerin und Autorin. 1986 nahm sie an der Universität der Künste in Berlin das Studium der Visuellen Kommunikation auf. 1992 erwarb sie den Titel „Meisterschülerin“. Als Grafikerin arbeitete sie unter anderem als Art Direktorin des Micky Maus-Magazins.

Mit dem Malen beschäftigte sich Selma J. Spieweg schon bevor sie laufen konnte und sie hat einfach nie aufgehört, Farbe auf weißen Flächen zu verteilen. Mit dem Schreiben wartete sie, bis sie das Alphabet beherrschte.

DPP-Rattenauge

 
Rattenauge ist in der Kategorie „Bestes deutschsprachiges Romandebüt“ für den Deutschen Phantastik Preis nominiert und freut sich über eure Stimme!

Wer den Roman noch nicht kennt, hat jetzt die Möglichkeit das eBook während der gesamten Votingphase, also bis zum 18. Mai, für nur 99 Cent bei Amazon zu kaufen.

 

Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?

Oh je, vor dieser Frage habe ich immer etwas Angst. Alles was man dazu sagen kann klingt immer irgendwie banal oder eingebildet. Einmal sagte eine Freundin zu mir, dass viele mich um meine Kreativität beneiden würden. Das hat mich tief berührt und zugleich erschreckt, denn für mich ist es das Normalste auf der Welt, kreativ zu sein, zu malen oder schreiben.

In Deiner Galerie finden sich YarnArt, Macro Naturstudien, Linoldrucke und Reliefbilder. Machst Du etwas davon besonders gern?

Das wechselt. Ich probiere immer gerne neue Sachen aus oder greife alte Techniken und Themen wieder neu auf, um sie zu vertiefen. Die Reliefbilder mag ich, weil sie mich viele Jahre meines Lebens begleitet haben, bei YarnArt, womit ich im Augenblick arbeite, gibt es für mich viel Neues zu entdecken. Bei den Naturstudien kann man viel über das genaue Hinsehen lernen und über das Verstehen von dem, was man da sieht. Zur Zeit mache ich auch wieder Linoldrucke, ich mag das Handfeste daran, die verfärbten Finger, dass kein Abzug perfekt ist aber spannend mit all seinen Fehlern und einzigartig, dass keiner dem anderem gleicht.

Fühlst Du Dich eher als Grafikerin/Malerin oder Autorin? Gibt es einen Schwerpunkt?

Wenn man mich fragt, sage ich immer, ich bin Grafikerin. Klar, das ist mein Beruf, damit verdiene ich mein Geld und so ist es – auf eine Art – natürlich auch ein Schwerpunkt. Malerin und Autorin klingt für mich so abgehoben. Ich schreibe zwar auf meiner Webseite, ich bin Malerin und Autorin, aber eher um dem ein Etikett aufzukleben, das leicht verständlich ist. Lieber sage ich, ich male und schreibe. Das klingt natürlicher, zu sagen, was ich tue und nicht was ich bin.
Wenn ich zwischen Malen und Schreiben einen Schwerpunkt wählen müsste, dann Malen. Das kam zuerst, doch im Grunde ist beides nur eine Möglichkeit etwas einzufangen, zu erzählen, sei es eine Geschichte, eine Situation, eine Stimmung, oder etwas, was noch tiefer geht, was sich weder in Bildern, noch Worten, noch Klängen einfangen lässt.

Linoldruck © Jacqueline Spieweg

Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Ich muss gestehen, so genau weiß ich das gar nicht mehr. Es gab keinen Punkt, wo ich mich entschieden habe: „So, jetzt schreibe ich.“ Es war wohl ein fließender Übergang, von den Gruselgeschichten, die wir Geschwister uns als Kinder erzählt haben, dazu, diese Geschichten aufzuschreiben. Mit 15 habe ich einen Fantasyroman geschrieben, mit 16 zusammen mit meinem Bruder eine SciFi-Parodie: „Von Fröschen, Schiffen und Planeten!“. Diese Geschichte haben wir zum „Workshop Schreiben“ eingesandt und wurden eingeladen, an diesem einwöchigen Workshop teilzunehmen. Dort habe ich dann eine Menge junge Autoren kennengelernt, und viele Jahre lang war ich Mitglied in zwei Schreibgruppen, die sich regelmäßig trafen.

Letztes Jahr ist Dein Debütroman „Rattenauge“ erschienen. Verrätst Du uns etwas über die Hauptfiguren?

Ich fange mal mit der nebulösesten Figur an, IHM, dem Schwarzen Schatten. Er taucht in einigen meiner Kurzgeschichten auf und in einer langen Fantasysaga (alles unveröffentlicht). Er ist Wotan, und zwar nicht der Allvater, der Oberste der Asen, der er in vorchristlicher Zeit gewesen war, sondern der, der er heute wäre, nach der Götterdämmerung. Er verblasste zu einer Sagengestalt, ist nur noch eine Erinnerung, weder existent, noch nicht-existent. Er ist – das ist wörtlich zu nehmen – nur noch ein Schatten seiner selbst. Einst war er der Gott, der für die Einhaltung der Verträge verantwortlich war, jetzt, als Schatten, wird er davon getrieben, diese Aufgabe zu erfüllen, auch wenn diese Verträge schon lange nicht mehr existieren –oder nie existiert haben, je nachdem, wie man es sehen will.

Die neun Mädchen waren einst seine Walküren, doch ihnen war es im „Vergessen“ zu langweilig. Sie haben sich als Kinder gebären lassen, um „Wirklichkeit“ zu spielen.

Andere Figuren haben keine so direkten Vorlagen, sind aber von Liedern oder realen Personen inspiriert. So stammt Katharina aus einem Lied von Klaus Hoffmann: „Blinde Katharina gib mir Mut und halte mich, gibt’s morgen auch kein Wiedersehn. Ich bin doch der Blinde, darum führe mich, du kannst im Dunklen sehn.“

Zur Figur Patrik inspirierte mich der gelähmte Maler Mark Hicks. Vor sehr langer Zeit hatte ich einen Bericht über ihn gesehen, der mich tief beeindruckt hat. Er konnte den Bleistift nur mit dem Mund halten und zeichnete schwebende Wesen, die halb Prinzessin, halb Frosch waren.

Auch Marga Schulz, die alte Frau, wurde von einer realen Person entlehnt. Ich saß einmal in einem Park, war tierisch sauer auf meinen damaligen Freund, kaufte mir aus Trotz und Wut Bier und setzte mich damit auf eine Bank. Nichts was ich normalerweise tat. Ich grummelte vor mich hin, als eine alte Frau auf mich zukam. Ich dachte sie würde gleich über Jugend und Alkohol schimpfen, aber da hatte ich mich getäuscht. Sie fragte vielmehr, ob ich auch ein Bier für sie hätte. Später saßen wir dann in ihrem Wohnzimmer. Im Roman beschreibe ich es. Sie hatte tatsächlich eine Glasvitrine voller Froschfiguren. In der Bildergalerie meiner Website gibt es ein Foto, wo eine lebensgroße Figur des Wanderers/Wotans/Rattenfängers vor dem Eingang zu einem Mietshaus steht. In diesem Haus hat die alte Frau gelebt.

Das Buch ist meiner Meinung nach ein Highlight für etwas anspruchsvollere Leser, auch weil sich die Grenzen von Realität, Wahnvorstellungen und Mythen verwischen. Wie siehst Du das – welchen Lesern würdest Du „Rattenauge“ empfehlen?

Ja, ich weiß, Rattenauge ist „anders“. Manchmal denke ich beinahe, ich müsste mich dafür entschuldigen, weil es nicht das ist, was manche erwartet haben. Rattenauge ist für Leser, die sich darauf einlassen können, verwirrt zu werden und am Ende des Buches nicht alle Antworten zu erhalten, sondern ihre eigenen finden dürfen. Es ist ja nicht so, dass ich nicht alles aufklären könnte, oder, weil es eben mehr als nur eine mögliche Auflösung gibt, drei, vier, fünf, sechs alternative Enden hätte schreiben können. Aber das passt nicht zu dieser Geschichte.
Ich glaube wer Bücher wie „Das Experiment“ und „Die Schnecke am Hang“ von den Strugatzki Brüdern mag, oder Gustav Meyrinks „Walpurgisnacht“, „Der Golem“ oder Alfred Kubins „Die andere Seite“, dem könnte auch Rattenauge gefallen.

Wenn Du den Roman mit drei Stichworten beschreiben müsstest, welche wären das – und warum?

Bei drei müsste ich überlegen, bei einem Stichwort nicht: Erlösung!
Nicht im christlichen Sinne, aber genauso tiefgreifend.
Patrik, der eigentlich die positivste Figur des Romans ist, die, die am ehesten mit sich selbst im Reinen ist (okay, außer Irina), überwindet am Ende seine letzten Ängste, sein letztes Festhalten an Hoffnungen, die ihn hindern, in Frieden zu gehen.

Heinrich Lyth, der den Tod seiner Tochter verschuldet hat, wurde von seinen Schuldgefühlen in einen Abgrund gestürzt, er schlägt auf dem Boden auf und zerbricht daran. Aber es stellt sich heraus, dass was zerbrochen ist, war nur sein Gefängnis.
Auch Iris Lyth, seine Frau, wird am Ende aus ihrem Gefängnis erlöst, aus ihrem Wahn befreit und in die Realität zurückgeholt werden.
Bei Henrietta ist es anders herum, sie wird aus der Realität erlöst und findet Frieden in ihren Wahnvorstellungen.

Rattenauge © Jacqueline Spieweg

Hat Dich während des Schreibens eine bestimmte Musik begleitet oder brauchst Du dazu eher Ruhe?

Zum Schreiben brauche ich tatsächlich Ruhe. Es stört mich zwar nicht, wenn sich Leute neben mir unterhalten, doch Musik lenkt mich ab, weil ich da anfange zuzuhören.

In der Geschichte gibt es viele Verbindungen zu Märchen und Sagen, magst Du diese allgemein recht gerne oder hast Du da bestimmte Vorlieben?

Märchen, das ist eher eine Hassliebe. Unsere gängigen Märchen, in süßen Kinderfilmen verniedlicht, sind erschreckende, blutrünstige Geschichten, die eher ein „Freigegeben ab 16 Jahren“ erhalten sollen als im Kinderprogramm zu laufen. Bei den meisten Märchen hatte ich schon als Kind ein beklemmendes Gefühl, wie zum Beispiel beim Froschkönig. Was will uns dieses Märchen weismachen? Du musst garstige Frösche in dein Bett lassen, weil sie dir einen Gefallen getan haben, der sie keine Mühe kostete? Ich dachte auch als Kind schon: „Ich hätte das auch nicht getan“.

Das Märchen von Hänsel und Gretel ist nicht viel besser. Die beiden Kinder leben am Ende mit dem Mann zusammen, der zweimal versucht hat sie umzubringen. Der redet sich zwar darauf raus, dass er es nur auf Drängen seiner inzwischen verstorbenen Frau getan hat, aber macht es das besser?

Bei der Recherche für den Roman bin ich noch auf andere Märchen der Gebrüder Grimm gestoßen, nicht so bekannt – zurecht – zum Glück. Eines handelte von einem Bauern, der seiner Tochter die Hände abhackte, dann die Augen ausstach. Ich schätze mal, aus diesem Märchen wird Disney keinen Kinderfilm machen.

Was ist Dir beim Schreiben wichtig? Was möchtest Du dem Leser vermitteln?

Mir sind in all meinen Geschichten die Figuren am wichtigsten, nicht was mit ihnen geschieht, sondern wie sie damit umgehen, wie es sie verändert, wie sie die Situationen erleben. Ich möchte dem Leser ihre emotionalen Tiefen vermitteln, ihre Abgründe aber auch die klaren, positiven Seiten, ohne als Autorin dabei zu werten, sondern einfach nur zu beschreiben. Ich würde gerne Atmosphäre, Stimmungen, Gefühle vermitteln, etwas, was jenseits der reinen Handlung liegt.

Was liest Du selbst gern?

Es gibt ein paar Bücher, die ich mehrmals lese. Eliot Pattisons Krimis über Inspektor Chan zum Beispiel, oder Jasper Fforde, dessen Bücher lese ich in deutsch (um ja nichts zu verpassen) und in englisch (weil der Wortwitz leider nicht zu übersetzen ist). Oder „Eine kurze Geschichte von fast allem“ von Bill Bryson, ich finde Naturwissenschaften unglaublich faszinierend. Ich liebe die Bücher von Arkadi und Boris Strugatzki, Gustav Meyrink, Alfred Kubin. „Keinmärchen“ von Simone Keil ist eines der Bücher, wo ich mich freue, es nochmal zu lesen. Eine Erzählung von Florian Tietgen ging mir so nahe, dass mir die Tränen kamen. Dann habe ich noch eine lange Liste von Autoren, von denen ich demnächst mehr lesen möchte, wie Paul Auster, Michail Bulgakow und das Qindie-Bücherregal wächst auch immer weiter.

Woran arbeitest Du gerade?

Ich arbeite daran, mal wieder ein Wochenende zu haben, zu wissen was Freizeit bedeutet, um zum Schreiben zu kommen. Aber davon abgesehen schreibe ich im Augenblick an einer Steampunkgeschichte für die Clockwork Cologne-Serie und am nächsten Band meiner Serie rund um den Deserteur Alexej. Aber da sind auch noch ein paar Kurzgeschichten, die darauf warten, endlich aus meinem Kopf rausgelassen zu werden.

Deserteur Alexej: Serienauftakt © Jacqueline Spieweg

Ich bedanke mich herzlich für das Interview und wünsche Dir viel Erfolg!


Meine Rezension zu „Rattenauge“ kann man hier nachlesen.

SERAPH - Literaturpreis der Phantastischen Akademie

Meine Rezensionen erscheinen auch hier:

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