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... in meiner ganz persönlichen Bücherwelt! Mein Schwerpunkt liegt bei deutschen Fantasy-Autoren, weil mich ihre Bücher begeistern und ich finde, dass sie nicht genug Aufmerksamkeit erhalten.

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Einträge mit dem Schlagwort Christoph Marzi

Interview mit Christoph Marzi

© Christoph Marzi

© Christoph Marzi

Christoph Marzi (geboren 1970 in Mayen und aufgewachsen in Obermendig) lebt heute mit seiner Familie im Saarland und denkt sich dort und woanders Geschichten aus, während der Garten, der das Haus umgibt, immer wilder und seltsamer wird.

 

Nie anzutreffen ohne: Notizbuch
Besondere Kennzeichen: Notizbuch
Motto: Geh nie ohne Notizbuch aus dem Haus.
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Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?

Sich selbst zu beschreiben ist immer ein schwieriges Unterfangen, glaube ich. Das sollten besser andere übernehmen.

Herrscht auf Deinem Schreibtisch eher Chaos oder Ordnung?

Geordnetes Chaos, würde ich sagen. Ich finde mich zurecht. Ob andere das tun würden, weiß ich nicht.

Mit „London“ kehrst Du in die Welt der Uralten Metropole zurück, wie kam es dazu? Und was hat Dich dabei inspiriert?

Der Wunsch, dorthin zurückzukehren, war eigentlich immer da gewesen. Eigentlich wusste ich nach LUMEN, dass ich Emily erneut wieder sehen würde. In SOMNIA tauchte sie nur am Rande auf. Nach London wollte ich aber erst dann zurückkehren, wenn Emily ein wenig älter geworden wäre. Es ist einiges geschehen in der Zwischenzeit. Sie ist kein Kind mehr. Sie ist erwachsen. Zu sehen, was aus ihr geworden war, machte den eigentlichen Reiz für mich aus.

Wie war für Dich die Rückkehr in diese Welt? Und könntest Du Dir vorstellen, das irgendwann noch einmal zu tun?

Es war, als sei ich nie fort gewesen. All diese Orte, sie waren noch genau dort, wo ich sie zurückgelassen hatte. Vielleicht kehre ich eines Tages erneut dorthin zurück. Emily wird sich weiter verändern, so wie wir alle es tun, wenn wir älter werden. Es gibt keine Zufälle.

Wann spielt der Roman und worum geht es?

Der Roman spielt einige Jahre nach LUMEN und ein paar Jahre nach SOMNIA. Emily lebt wieder in London. Sie hat einen Beruf, in dem sie ihre besondere Fähigkeit nutzen kann. Tristan Marlowe ist nicht mehr bei ihr. Nach dem Happy End in LUMEN hat das Leben die beiden eingeholt. Dinge wie diese passieren manchmal (mehr werde ich dazu nicht verraten). Der Roman beginnt in Cambridge. Emily wartet am Bahnsteig auf den Zug und stellt fest, dass der Zug nach London nicht kommen wird, weil es keine Stadt namens London gibt. Und nie gegeben hat. So fängt es an. Ein wenig mysteriös. Natürlich versucht sie herauszufinden, was geschehen ist. Und, soviel kann ich verraten, sie wird nach London zurückkehren. Mit Hilfe zweier alter Damen, die wirklich sehr, sehr seltsam sind.

An welchem Ort würdest Du Dich gerne eine Weile aufhalten? Und warum?

Von den Orten, die ich selbst erfunden habe? Seal`s Head, oben in Maine. Ganz klar. In Brooklyn, irgendwo in der Nachbarschaft von Faye Archer. Und den Leuchtturm, den Colin Darcy besucht, würde ich gerne sehen. In der uralten Metropole würde ich den Buchladen bevorzugen. Die Stadt unter der Stadt wäre mir zu düster und gefährlich.

Gibt es in der Geschichte eine Figur, die Dir besonders am Herzen liegt?

Emily. Wittgenstein. Micklewhite. Aurora. Ich glaube, sie liegen mir alle am Herzen. Sogar die Bösewichte.

Und in welcher Figur erkennst Du Dich am meisten wieder?

Wittgenstein. Wir teilen den Humor, glaube ich.

Die Geschichte beginnt wieder im Winter, magst Du diese Jahreszeit einfach oder hat das noch andere Gründe?

Schnee und Kälte passen zur uralten Metropole. Es ist eine Atmosphäre, die an die Märchen erinnert, die man als Kind gelesen hat. Alles ist geheimnisvoll. So still.

In den Uralte-Metropole-Büchern ging es bisher auch um Heimat und darum, seinen Platz im Leben zu finden. Ist das in „London“ auch so? Und was bedeutet Heimat für Dich?

Emily sucht noch immer ihren Platz im Leben. Den Platz, den sie zu finden geglaubt hatte, gibt es nicht mehr. Ja, es geht irgendwie immer nur darum, seine Heimat zu finden. Emily sehnt sich danach, ein gewöhnliches Leben zu leben. Was Heimat für mich bedeutet? Heimat ist da, wo das Herz schlägt. Mein Herz schlägt für meine Familie. Eine andere Heimat kann ich mir nicht vorstellen.

2004 erschien mit „Lycidas“ Dein erster Uralte-Metropole-Roman, wie sieht Dein Rückblick aus?

Ich mag jedes Buch und jede Geschichte, die ich geschrieben habe. Mit all den Mängeln, die Geschichten haben können, und allen Fehlern, die Autoren machen können. Ich habe immer die Geschichte erzählt, die ich zu eben diesem Zeitpunkt hatte erzählen wollen. Es macht Spaß, sich das alles auszudenken. Und ich bin dankbar, dass ich es tun kann.

Die Welt ist …

… wunderbar. Man muss es nur sehen.

Magst Du Mythen und Märchen allgemein recht gerne oder bevorzugst Du eine bestimmte Richtung? Vielleicht reizen Dich ja auch einzelne Legenden ganz besonders?

Ich versuche, nicht in Genres zu denken. Tatsächlich lese ich alles, was mir in die Finger gerät. Was mich an Märchen und Legenden reizt ist die Tatsache, dass sie sich in vielen Kulturkreisen so ähnlich sind.

In Deinen Geschichten gibt es auch viele literarische Andeutungen, deren eigentliche Quelle in der alten Literatur zu finden ist. Verrätst Du uns die Ursprünge einiger Anspielungen?

Alte englische Literatur. Shakespeare, Dickens, Chaucer. All die anderen auch. Stevenson ist in LONDON vertreten. Die uralte Metropole lebt von Anspielungen, ist also ein sehr postmoderner Ort, könnte man sagen.

Welche Rolle spielt Musik in Deinem Leben?

Musik ist der Herzschlag des Lebens.

Wonach wählst Du die Musik aus, zu der es in Deiner Geschichte eine Andeutung geben wird?

Ich brauche sehr lange, bis ich die passende Musik gefunden habe, die zu der Atmosphäre, die mir für die Geschichte vorschwebt, passt. Wenn es dann soweit ist, läuft alles andere wie von selbst. Die Musik muss emotional eine Bedeutung haben (oder einfach nur lustig sein, wie bei dem Radio-Orakel in FABULA).

Wo schreibst Du am liebsten? Brauchst Du dafür Ruhe oder begleitet Dich Musik?

Gewöhnlich schreibe ich an meinem Schreibtisch. Aber alle anderen Orte sind genauso gut. Ich schreibe normalerweise mit Laptop oder am PC, aber auch in Notizbücher, Hefte, auf Zettel, Bierdeckel, Servietten. Ruhe ist hilfreich, aber Unterbrechungen sind die Regel – und kein Problem. Musik höre ich meistens beim Schreiben. Laut oder Kopfhörer.

Was hältst Du von der stetig wachsenden Zahl an Subgenres, in die Literatur eingeordnet wird?

Ich mag keine Genres. Ich mag keine Subgenres. Das alles ist Marketing und Produktpolitik. Ich mag Geschichten. Ich kenne keine Geschichte, die so klein ist, dass sie Platz in einer Schublade hätte.

Wie sieht für Dich eine ideale Buchhandlung aus?

Klein. Fein. Mit vielen Büchern, die man zufällig entdeckt. Es gibt Tee oder Kaffee. Leise Musik.

Was ist Dir beim Schreiben wichtig? Was möchtest Du dem Leser vermitteln?

Die Geschichte so zu erzählen, wie sie es verdient – ich denke, dass mir das wichtig ist. Der Leser soll in sie eintauchen können und sich bei der Hand nehmen lassen. Ich schreibe niemals mit dem Ziel, eine Botschaft zu vermitteln. Ich erzähle eine Geschichte. Jeder, der sie liest, muss für sich selbst herausfinden, was sie ihm zuflüstert.

Welche Autoren-Macken hast Du?

Die Frage müsste man meiner Frau und meinen Kindern stellen.

Was war bisher Dein schönstes Erlebnis als Autor?

Zu sehen, dass das, was man sich ausdenkt, für jemanden Bedeutung hat.

Wo wird man Dich in nächster Zeit live erleben können?

Die Premierelesung zu LONDON findet im DRACHENWINKEL in Dillingen/Diefflen im Saarland statt.

Was liest Du selbst gern?

Alles, was mir in die Finger kommt. Vorwiegend englische und amerikanische Literatur. Seltsamerweise kaum fantastische Literatur. Viele Sachbücher. Comics. Was immer mich fesselt.

Woran arbeitest Du gerade?

An MITTERNACHT, einer Geistergeschichte. An einem Kinderbuch mit einem Tier. Und einem neuen Jugendbuch.

Herzlichen Dank für das Interview!

Christoph Marzi – Memory. Stadt der Träume

Erscheinungsjahr: 2011
Gelesen im Januar 2012

Diese Geschichte spielt (mal wieder) in London und handelt von Jude, der eines Tages entdeckt, dass er Geister sehen kann. So lernt er auch Miss Rathbone kennen, die über dieselbe Gabe verfügt und ihm die Geister des Highgate Cemetery vorstellt, einem der sieben großen Friedhöfe aus dem 19. Jahrhundert. Jude freundet sich mit ihnen an und verbringt so einige Zeit auf dem Friedhof. Dabei stößt er eines Nachts auf ein Mädchen, das all ihre Erinnerungen verloren hat – sie weiß nicht, wer und vor allem was sie ist. Denn seltsamerweise fühlt sie sich so durchlässig wie ein Geist aber auch so warm wie ein Mensch an…

Die Atmosphäre des herbstlichen Londons passt gut zu einer Geistergeschichte und der etwas unheimlichen aber auch faszinierenden Stimmung auf dem Highgate Cemetery. Dort gibt es sehr ungewöhnliche Geister, beispielsweise den früheren Glam-Rocker Quentin Gaskell. Aus dem geschminkten Sänger in hautengen Hosen ist nun jedoch ein freundlicher, exzentrischer älterer Herr mit einem besonderen Humor geworden.

Die Geister haben mir sehr gefallen, sie wirkten auf mich viel intensiver und „lebendiger“ als die beiden Hauptfiguren. Bei dem Mädchen ohne Gedächtnis kann ich das ja noch akzeptieren, weil es einfach zu ihrer Rolle passt. Aber bei Jude… Das wirkte auf mich dann einfach nur oberflächlich – was ich wirklich schade fand, weil ich ihn eigentlich ja „irgendwie“ mochte. Darüber konnten mich nicht einmal einzelne wunderschön poetische Stellen oder die vielen literarischen und musikalischen Anspielungen hinwegtrösten – und das, obwohl sogar einer meiner Lieblingssänger erwähnt wurde!

Ich liebe die dichte besondere Stimmung dieser Geschichte, die unheimlichen Momente, die Geister und tollen Ideen. Aber mir war sie auch zu oberflächlich – und das nicht nur wegen Jude. Ich weiß nicht einmal, ob das an mir oder dem Buch lag. Vielleicht mag ich solch einfach gestrickte Geschichten ja auch einfach nicht mehr. Oder ich brauchte in dem Moment einfach etwas tieferes, etwas sehr viel tieferes …

[Vorfreude] Christoph Marzi – Memory. Stadt der Träume

Gerade erst hier entdeckt, aber ich muss es einfach weiter erzählen: Im September 2011 erscheint bei Arena etwas neues von Christoph Marzi! Die Geschichte, die bisher den Arbeitstitel „Highgate“ trug, spielt wieder in London und verbreitet eine geheimnisvolle Stimmung… Ob mich das Buch so wie Heaven verzaubern kann? Es klingt zumindest danach, ich bin gespannt!

memory

Jude Finney hat eine besondere Fähigkeit: Er kann die Träume der Toten sehen. Auf dem Highgate Cemetery, in einer Welt zwischen Realität und Traum, begegnet er der geheimnisvollen Story, einem Mädchen, das tausend Geschichten kennt, aber sich an seine eigene nicht erinnern kann. Jude ahnt, dass Story noch lebt, irgendwo in den Straßen von London. Und dass es höchste Zeit ist, sie zu finden.

[Hörbuch] Christoph Marzi – Lycidas 1 (Laing 1)

Erscheinungsjahr: 2007 (das Buch wurde 2004 veröffentlicht)
Dauer: 679 Min. (ungekürzt exklusiv bei audible)
Sprecher: Helmut Krauss
Gehört im November 2010

Mysteriöse Gestalten huschen durch die Winternacht, Menschen verschwinden vom Angesicht der Erde und fremde Nebel suchen London die Stadt der Schornsteine heim. Als die kleine Emily eines Nachts obendrein Besuch von einer sprechenden Ratte erhält, weiß sie, dass nichts in ihrem Leben so bleiben wird, wie es einmal war. Nicht, dass sie ein gutes Leben in dem kleinen Waisenhaus in einem Armenviertel Londons führen würde. Doch dass sie auf der Suche nach dem Geheimnis ihrer Herkunft eine phantastische Stadt unter den Straßen Londons entdecken würde und schon bald von den seltsamsten Wesen verfolgt wird, das hätte sich Emily selbst in ihren kühnsten Träumen nicht ausgedacht.

Diese Geschichte entführt uns in ein viktorianisches London, und natürlich in die Stadt unter der Stadt. Noch bevor mich die Figuren in ihren Bann zogen, hatte es mir die besondere Atmosphäre angetan. Geheimnisvoll, faszinierend, ruhig und doch mitreißend. Die Ereignisse werden von Wittgenstein erzählt, dem mürrischen Alchemisten (den ich sehr in mein Herz geschlossen habe) mit einem ganz eigenen Humor (über den ich oft grinsen musste).

Genauso speziell wie der Erzähler ist auch sein Stil, denn es gibt da ein paar Eigenheiten, mit denen sich nicht jeder anfreunden kann. Beispielsweise einige kurze Sätze, die oft wiederholt werden – für mich aber ein Markenzeichen dieser Figur sind. Oder die Angewohnheit Andeutungen zu machen, die erst sehr viel später aufgelöst werden.

Es gibt literarische und musikalische Anspielungen, aber auch viele tolle (und manchmal auch unheimliche) Ideen. Und einige Geschichten innerhalb der Geschichte, die man nach und nach erfährt. Aber auch detaillierte Beschreibungen, poetische Sätze, intensive Bilder und sehr unterschiedliche Figuren. Darunter einige, die man aus Mythen kennt. Jedoch erscheinen diese oft in einem anderen Licht und sind nicht unbedingt so, wie man sie zu kennen glaubt.

Helmut Krauss war für mich durch seine klangvolle Stimme der perfekte Sprecher. Er schafft es, den Humor meiner Lieblingsfigur so eindringlich und lebendig rüberzubringen, dass ich dabei noch öfter als beim Lesen grinsen (und manchmal sogar lachen) musste. Durch die Ruhe, mit der er spricht und die seine Stimme auszeichnet, passt er meiner Meinung nach auch genau zu der Geschichte – sowohl vom Tempo als auch von der Atmosphäre her. Sozusagen als Krönung dieser wunderbaren Geschichte, die ich nun auch ungekürzt hören und genießen kann.

Die (ursprüngliche) Trilogie um die uralte Metropole gibt es als ungekürztes Hörbuch in diesen acht Teilen:

  1. Lycidas (Lycidas)
  2. Lilith (Lycidas)
  3. Licht (Lycidas)
  4. Scherben (Lilith)
  5. Spiegel (Lilith)
  6. Lüge (Lumen)
  7. Limbus (Lumen)
  8. Lumen (Lumen)

Und auch Somnia kann man ungekürzt genießen. :)

Grimm-Special bei „Heyne fliegt“!

Auf der Seite von Heyne fliegt gibt es ein Special zu Grimm von Christoph Marzi.
Dort findet sich nicht nur ein märchenhaftes Interview sondern auch ein Trailer, ein Essay über Märchen, ein Gedicht, Hintergrundinfos, die allererste handschriftliche Notiz- und Manuskriptseite von Christoph Marzi (die ich mir leider nicht herunterladen kann) und die Lieblingssongs von Vesper Gold. Es gibt also viel zu entdecken! :)

Grimm

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Christoph Marzi – Lyra

Erscheinungsjahr: 2009
Gelesen im Februar 2010
Verlagsseite

Nichts läuft mehr richtig im Leben von Danny Darcy, Sänger der Folkband »Dylan’s Dogs«. Die Songs, die sein Leben bedeuten, kann er nicht mehr schreiben. Und seine Frau Sunny will sich von ihm trennen – nach einem Anruf seiner Mutter Helen zieht sie Hals über Kopf aus dem gemeinsamen Leuchtturm aus. Danny muss feststellen, dass ihm der Fluch, der seit seiner Geburt auf ihm lastet, von seiner schottischen Heimat bis nach Minnesota gefolgt ist und nun sein Leben zu zerstören droht. Um Sunny und vor allem das Kind, das sie beide erwarten, vor den dunklen Plänen seiner Mutter, einer Sherazade, zu schützen, macht sich Danny mit seiner Gitarre im Arm und Fetzen von Liedern im Kopf, auf die Suche nach dem Ort, an dem jede Lüge einst geboren wurde. Der Weg weist nach Louisiana, in die Tiefen der Atchafalaya-Sümpfe. Doch in den Bayous warten geheimnisvolle Wesen und abgründige Sirenen auf jeden Suchenden, und als für Danny und Sunny die gefährlichste aller Lügengeschichten wahr wird, ist die einzige Hoffnung auf Rettung die Lyra…

Die Musik zieht sich diesmal nicht nur wie ein roter Faden durch die Geschichte, sie ist der Rhythmus – man ist immer von ihr umgeben, spürt sie auf jeder Seite. Auf den ersten Seiten musste ich mich erstmal an diesen Ansturm von Liedern und Interpreten gewöhnen, danach wird es aber besser und die Verweise treten nicht mehr so geballt auf – oder ich habe mich einfach schnell daran gewöhnt. Wie auch immer, jedenfalls trägt die Dichte der musikalischen Andeutungen auch zu der besonderen Stimmung dieses Buches bei.

Die Atmosphäre passt sich dem Handlungsort an und besticht in Louisiana durch Lebensfreude, Hitze, dem Gegensatz von Tradition und Exotik, die bunt gemischte Bevölkerung, Leidenschaft – brodelnd und doch auch irgendwie verträumt. Eine für mich eher ungewöhnliche Umgebung, und doch sehr intensiv und mitreißend.
Die Geschichte wirkt nicht so geradlinig wie „Fabula“, sicher auch wegen den verschlungenen Pfaden, auf die Danny seine Suche führt. Dort gibt es einige ungewöhnliche Entwicklungen, auf die man sich einfach einlassen muss – auch wenn sich der Sinn manchmal erst hinterher erschließt.

Die Geschichte ist im typischen Marzi-Stil geschrieben – mit all den Dingen, die ich so mag. Da wären beispielsweise die poetischen Beschreibungen, meine Ausgabe von „Lyra“ sah ungewohnt chaotisch aus, da gefühlte hundert Post-Its besondere Stellen markierten. Dann die Geschichten in der Geschichte – eine hat es mir da ganz besonders angetan, einfach wunderschön, und sie hat sogar etwas mit Indianern zu tun. (Ich bin wohl nicht die einzige, die von ihnen irgendwie nicht los kommt.) Natürlich treffen wir auch wieder auf einige Mythen, ganz besonders hat mir da die Darstellung der Sirenen und ihre Verbindung zu Musen und Sherazaden gefallen. Was eigentlich kein Wunder ist, da ich unter anderem eben auch eine Vorliebe für Meerwesen habe. Geheimnisvoll, gefährlich und faszinierend…
So sagt man. :)

Christoph Marzi – Phantasma

Erscheinungsjahr: 2009
Gelesen im November 2009

Giorgio Phantasma, den größten Show-Star aller Zeiten umgibt ein schreckliches Geheimnis. Hat er wirklich für den sagenhaften Erfolg sein Herz an den mysteriösen Professor Marvel verkauft? Ist er deshalb verdammt zu dauerndem Unglück und Leid? Auf einer Zeitreise zurück zu den Stationen seines außergewöhnlichen Schicksals erleben wir das mondäne Paris des Can-Can, die wilden 30er in Chicago und das Pop-New York der 70er Jahre. Auf dem Höhepunkt seines Erfolges droht Professor Marvel endgültig nach Phantasmas Herzen zu greifen…

Bei dieser kurzen Geschichte handelt es sich um eine Novelle nach Motiven des gleichnamigen Musicals von Frank Nimsgern, Aino Laos und Elmar Ottenthal, welches im November 2009 am Saarländischen Staatstheater Premiere hatte. Es geht natürlich um Musik – und um die Frage, ob es sich lohnt für den Erfolg sein Herz zu verkaufen.

Die Erzählung fesselt und bietet vieles, was mir an den Marzi-Büchern so gefällt. Gleichzeitig liest es sich aber auch ein wenig anders, irgendwie nüchterner und gefasster. Aber deshalb nicht schlechter, schließlich hat mich auch dieses Buch in eine andere Welt entführt und mich nach dem Lesen nicht gleich losgelassen.
Und nicht zuletzt macht es große Lust auf das Musical!

Buchmusik: Christoph Marzi – Heaven. Stadt der Feen

Heaven steckt voller Musik, sie zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und lässt einen nie los. Unter anderem trifft man dort auf:

Chim Chim Cher-ee
Nick Cave & the Bad Seeds
Tindersticks
Glasvegas
The Cure
Muse
The Stowaway von Yamit Mamo
The Divine Comedy
Charlotte Gainsbourg & Neil Hannon
Razorlight
The Dresden Dolls

Christoph Marzi – Heaven. Stadt der Feen

Erscheinungsjahr: 2009
Gelesen im Juli 2009

London – das ist seine Stadt. Und über den Dächern von London – dort hat David Pettyfer sein zweites Zuhause gefunden. Hier oben kann er den Schatten der Vergangenheit entfliehen. Bis er eines Tages auf ein Mädchen trifft, das alles in auf den Kopf stellt, an das er bisher geglaubt hat. Ihr Name ist Heaven. Sie ist wunderschön. Und sie behauptet, kein Herz mehr zu haben. Ehe David begreifen kann, worauf er sich einlässt, sind sie gemeinsam auf der Flucht. Und sie werden nur überleben, wenn sie Heavens Geheimnis lüften…

Es beginnt mit dem Lied „Chim Chim Cher-ee“, das einst Dick van Dyke und Julie Andrews in „Mary Poppins“ sangen. Diese Melodie, die ich zudem sehr mag, versetzte mich gleich in die passende Stimmung zu der Geschichte um Heaven und David – in der auch oft der schnellere Weg über die Dächer Londons genommen wird.

Musik begleitet uns durch das ganze Buch, ich traf sowohl auf alte Bekannte als auch auf unbekannte Namen, die meine Neugier herausforderten. Auch gab es wieder viele literarische Anspielungen: Autoren, Figuren, schweigende Bücher, Geschichten von bestimmten Titeln und ihren Lesern – und nicht zuletzt war da ein wunderbarer kleiner Buchladen namens „The Owl and the Pussycat“, der von einer liebenswerten älteren Dame geführt wurde, die ich schnell in mein Herz geschlossen habe.

Nicht fehlen dürfen natürlich auch die für Christoph Marzi so typischen poetischen Sätze, und glücklicherweise gab es hier sehr viele davon. Einige davon berühren mich einfach nur tief und auf eine ganz besondere Weise, andere vermitteln mir wunderschöne Bilder – und manche bringen mich auch noch zum Nachdenken. Da geht es dann um Erwartungen, Abgründe und alte Fotografien, die jeder mit sich herum trägt.

In der Geschichte geht es um eine junge Liebe, Überleben, Flucht, Geheimnisse, Tote, Geister – und Dinge, die ich nicht erwähnen will, die mich aber sehr begeistert haben. Und die mit der hier dargestellten Entstehung von Feen eng zusammenhängen.
Dazu kommen noch die wirklich gelungenen Figuren, auch die Nebenfiguren standen mir sehr nah und werden mich sicher noch eine Weile begleiten.

Ich hoffe, man merkt wie begeistert ich von dem Buch bin – es hat mich nämlich rundherum glücklich gemacht. Und je weiter ich kam, desto intensiver wurde dieses Gefühl. Die besondere Atmosphäre hält bei mir auch noch an, und meine Gedanken schweifen manchmal ab – zu Dingen, die ihr selber erlesen müsst… ;)

Christoph Marzi – Du glaubst doch an Feen, oder? Oder: Tagundnachtgleiche

Erscheinungsjahr: 2009
Gelesen im Juni 2009
Verlagsseite

Philippa verbringt ein paar Ferientage auf Mount Desert Island. In den schattigen Küstenwäldern trifft sie den geheimnisvollen Fox – und verliebt sich in ihn. Bei der Suche nach seiner Vergangenheit stößt sie auf eine uralte Sage: die Geschichte der Lady Nightingale. Um Fox aus den Händen der grausamen Feenkönigin zu retten, muss Philippa bis zur Tagundnachtgleiche waren. Als die Herbstnacht gekommen ist, macht sie sich auf den Weg in die Wälder am Mount Nightingale…

Diese auf 103 kleinformatigen Seiten erzählte Geschichte um Liebe auf den ersten Blick und eine einsame Fee konnte mich trotz der Kürze fesseln. Schnell fühlte ich mich der Hauptfigur Pippa nah, die durch die Trennung ihrer Eltern aufgewühlt und voller Echos ihrer Streitereien ist.

Im typischen Marzi-Stil, der geprägt ist von kurzen Sätzen und poetischen Beschreibungen, wird wieder eine besondere Atmosphäre aufgebaut. Dinge, die verarbeitet werden wollen, werden verdrängt von Dingen, die einfach so passieren. Es geht um verletzende Worte, verloren gegangenes, um alte und neue Geschichten, Erinnerungen und Gefühle.

Das Ende hat mich überrascht, war es doch ein wenig anders als die mir bekannte „übliche“ Lösung. Ich war geschockt, aber diese Entwicklung passt irgendwie auch zum Rest der berührenden Geschichte und trägt noch zu der besonderen Stimmung bei. Sehr gefallen hat mir auch die Verbindung zwischen dem ersten und letztem Satz – eine Andeutung, deren Geschichte erzählt wird, um diese dann zu vertiefen.

Und es besteht noch Hoffnung, sowohl für Pippa als auch für eine Fortsetzung – denn Christoph Marzi arbeitet an einer Rückkehr nach Mount Desert Island.

SERAPH - Literaturpreis der Phantastischen Akademie

Meine Rezensionen erscheinen auch hier:

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