Willkommen …

... in meiner ganz persönlichen Bücherwelt! Mein Schwerpunkt liegt bei deutschen Fantasy-Autoren, weil mich ihre Bücher begeistern und ich finde, dass sie nicht genug Aufmerksamkeit erhalten.

Phantastik-Autoren-Netzwerk

Blog via E-Mail abonnieren

Gib Deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Schließe dich 21 anderen Abonnenten an

Lesungen auf YouTube:

Online

Users: 8 Guests, 8 Bots

Einträge mit dem Schlagwort Boris & Olga

[Gastbeitrag] Romanfiguren in Lebensgröße – oder: Wie baut man sich einen Blauen Krieger?

Heute darf ich euch wieder einen Gastbeitrag präsentieren! Diesmal wird es sehr kreativ, denn Selma J. Spieweg zeigt uns, wie man sich eine Romanfigur in Lebensgröße bauen kann. Und auch wenn es Boris wahrscheinlich nicht so gefallen hat, musste er als Beispiel herhalten. Oder höre nur ich ihn leise grummeln? Und jetzt übergebe ich die Tastatur an Selma!

Gastbeitrag

Hallo liebe Leserinnen und Leser, ich möchte euch Boris vorstellen. Einige wissen vielleicht schon, dass ich meine Romanhelden in Lebensgröße aus Pappmaschee modelliert habe. Heute möchte ich euch erzählen, wie diese Figuren entstanden sind und vielleicht ist es für die eine oder andere eine Anregung, sich selbst an so einer Figur zu versuchen.

© Selma J. Spieweg

Ihr braucht:

  • Einen Arbeitsplatz, den ihr für ein paar Wochen in ein Chaos verwandeln könnt.
  • Abdeckplanen
  • Schüsseln, um Kleister und Papiermehl anzurühren.
  • Pinsel
  • Säge
  • Teppichmesser
  • Schleifpapier
  • Modelliergriffel (zur Not gehen auch Holzspieße und Schraubenzieher)
  • 1 Schaufensterpuppe
  • 2 bis 3 Packungen Tapetenkleister
  • 1 bis 2 Liter Holzleim
  • ca. 5 Kilo Papiermehl
  • ca. 10 Rollen Toilettenpapier
  • 500 Gramm Ton
  • Sämtliche alte Zeitungen aus der Nachbarschaft.
  • Kaninchendraht

Für den künstlichen Arm:

  • 1 PETling (aus diesen Rohformen werden PET-Flaschen hergestellt)
  • Leuchtende Schnürsenkel

Zum Bemalen und Imprägnieren:

  • ca. 1 Liter weiße Dispersionsfarbe
  • Öl- oder Acrylfarbe
  • Zwei-Komponenten Epoxidharz

Materialkosten ca. 350 Euro
Arbeitszeit ca. 4 Wochen

Als Grundgerüst bietet es sich an, eine Schaufensterpuppe zu verwenden. Das hat mehrere Vorteile, man hat einen relativ leichten und stabilen Unterbau und stimmige Proportionen. Wenn die Arm- oder Kopfhaltung nicht passt, kann man der Schaufensterpuppe mit einer Säge zuleibe rücken und die gewünschte Pose erst mit Gipsbinden und später mit vielen Lagen Zeitungspapier fixieren.

Wenn man so weit ist, wird die Schaufensterpuppe mit langen Streifen Zeitungspapier umklebt, bis sie vollständig umwickelt ist. Als Klebstoff bietet sich eine Mischung aus Tapetenkleister und Holzleim an und das Zeitungspapier sollte am Ende mehrlagig sein, damit es später auch die Aufbauten halten kann.

© Selma J. Spieweg

Nachdem das Grundgerüst vollständig mit Zeitungspapier bedeckt ist, kann man mit dem Modellieren beginnen. Schaufensterpuppen sind so dünn, dass es schon anatomisch falsch ist. Um das zu beheben, kann man ein Stützgerüst aus Pappe oder Maschendraht bauen, was dann wiederum mit Zeitungspapier beklebt werden muss.

Kleinere Formen, wie der Faltenwurf der Kleidung oder in diesem Fall auch der Kragen von Boris‘ Uniform werden aus Toilettenpapier-Pappmaschee oder Papiermehlpappmaschee vorgeformt. Was man verwendet, ist eine Kostenfrage. Toilettenpapier-Pappmaschee ist preisgünstig, braucht jedoch lange zum Trocknen und schrumpft zusammen, sodass man diesen Arbeitsschritt wiederholen muss. Papiermehl ist deutlich teurer und schrumpft leider auch etwas, doch es trocknet schneller und hat danach eine ähnliche Stabilität wie Holz.

© Selma J. Spieweg

Die Zahnräder in Boris‘ Arm sind aus Papiermehl hergestellt. Ich habe eine Mischung verwendet, in der der Kleber bereits enthalten ist und es nur noch mit Wasser angerührt werden musste. Die Zahnräder wurden einzeln angefertigt und nach dem Trocknen die Grate mit einem Teppichmesser abgeschnitten und die raue Oberfläche mit Schleifpapier geglättet. Danach habe ich die Zahnräder mit Papiermehl am Oberarm montiert.

© Selma J. Spieweg

Wenn eine Schicht Zahnräder fest und durchgetrocknet war, habe ich darauf die nächsten angebracht.

© Selma J. Spieweg

Das Gesicht ist eine besondere Herausforderung. Die feinen Formen lassen sich kaum mit Papiermehl herstellen und die Masse bleibt viel lieber an den eigenen Fingern kleben, als an den Stellen, wo sie hin soll. Und wenn man es doch geschafft hat, dann schrumpft sie über Nacht und am nächsten Morgen sieht das Gesicht ganz anders aus, als man sich vorgestellt hat. Hinzu kommt, dass auch die Streifen aus Zeitungspapier beim Trocknen etwas zusammenziehen, so entstehen beispielsweise Hohlräume um die Nase herum und in den Augenhöhlen. Diese musste ich mit dem Teppichmesser aufschneiden und zurecht schnitzen. Feinere Formen kann man sehr gut aus Ton modellieren, in Boris Fall sind es die Augenlider. Diese müssen danach aber mit kleinen Schnipseln Zeitungspapier überklebt werden, denn Ton hat den Nachteil, dass er nicht so elastisch wie Pappmaschee ist. Auch Bart, Haare und Augenbrauen sind aus Ton und einzeln Haar für Haar angeklebt. Nach einer Woche fing der Ton-Bart an, sich von den Wangen zu lösen, da das Gesicht beim Trocknen schrumpfte, der Ton jedoch nicht. Zum Glück konnte ich mit Epoxidharz verhindern, dass der Bart abfiel.

Nachdem Boris fertig modelliert war, habe ich ihn mit weißer Wandfarbe aus dem Bauhaus grundiert und konnte anschließend mit dem Bemalen beginnen. Ich habe dafür Ölfarbe genommen. Um Boris vor Spritzwasser und leichten Stößen zu schützen, habe ich ihn mit Epoxidharz eingestrichen. Man trägt es wie Klarlack auf. Die Zahnräder haben mehrere Anstriche bekommen, um sie bruchfester zu machen.

© Selma J. Spieweg

Im Roman leuchten in Boris‘ künstlichem Arm eine Energiekartusche und blaue Leitungen. Als Kartusche habe ich einen Industrie-PETling verwendet und für die Leitungen leuchtende Schnürsenkel. Die Batterien dafür sind im Unterarm und in einem Hohlraum im Nacken versteckt.

© Selma J. Spieweg

Nach vier Wochen Arbeit (und noch einmal zwei Wochen Trocknungszeit für die Ölfarbe) war Boris fertig. Und wenn er mir nicht beim Schreiben seiner Geschichte zusieht, ist er unterwegs und macht Werbung für sein Buch.

© Selma J. Spieweg

© Selma J. Spieweg

Selma J. Spieweg – Der Plan der Zeit (Boris & Olga 3, Clockwork Cologne)

Erscheinungsjahr: 2016
Gelesen im Juli 2016
Autorenseite
Qindie

Rezension

Boris träumt noch immer von einem Häuschen in Sibirien, wo er zusammen mit Olga Frieden finden kann und von der Welt vergessen wird. Doch die Zeit hat noch Pläne mit ihm! Denn sie zerbricht durch die vielen Manipulationen und braucht den Blauen Krieger, um das zu verhindern. Ausgerechnet der Zeitzwilling des Zaren scheint bei diesem Thema den Überblick zu haben, aber kann man ihm auch vertrauen? Und dann ist da noch Nikola – ein Quantenmagier, der seine Fähigkeiten keiner Regierung anbieten will, aber Boris helfen möchte …

Bereits im ersten Kapitel zeigte sich, dass dieses Buch für mich ganz besonders emotional werden würde. Boris stand mir vom ersten Band an sehr nah, aber wie intensiv das inzwischen geworden ist, zeigte sich erst jetzt. Es gab viele Stellen, an denen ich einfach weinen musste, weil sie mir so nah gegangen sind – aus verschiedenen Gründen. Durch tragischen Ereignissen oder bei Szenen zwischen Boris und Olga, die ihr inniges Verhältnis zeigen. Aber auch durch Boris‘ Gedanken über Olga – zu seinen Gefühlen für sie oder was er ihr schenkt, auch wenn er nichts besitzt.

Boris muss sich in diesem Band auch seiner Vergangenheit stellen und seine Zerrissenheit, die Ängste und Erinnerungen haben mit dazu beigetragen, dass dieses Buch so intensiv und vielschichtig auf mich gewirkt hat. Es wurden auch psychologische Betrachtungen eingestreut, die ich als bereichernd empfinde. Mein persönliches Highlight war aber Boris‘ Humor – nicht nur, dass er ihn zeigt, er passte auch so schön zu meinem eigenen!

Die verschiedenen Zeitebenen vermischen sich immer öfter und auch wenn das natürlich verwirrend ist, fand ich es doch ziemlich faszinierend. Auch die Erläuterungen dazu und zu der Zeit an sich. Das wurde so gut erklärt, dass sogar ich es verstanden habe. Oder zumindest das meiste davon.

Einige der offenen Fragen wurden beantwortet und hielten für mich überraschende Entwicklungen bereit. Mit ganz neuen Verbindungen und Zusammenhängen, wodurch die Geschichte noch komplexer wurde. Ich hatte aber auch das Gefühl, dass vieles noch mehr zusammenrückt und verknüpft wird. Das betrifft Boris‘ Familie, aber vor allem den Plan der Zeit. Als mir bewusst wurde, wieviel von diesem Plan gesteuert wurde, musste ich einen Moment inne halten und das sacken lassen.

Wassilisa spielt wieder eine größere Rolle, worüber ich mich sehr gefreut habe. Aber ich dachte auch oft an Adele und wollte wissen, was denn nun aus ihr wird – das Ende vom zweiten Band hat sich mir wohl sehr eingeprägt. Glücklicherweise taucht sie wenigstens noch kurz am Ende auf, im nächsten Band werde ich also wohl mehr von ihr haben. Dafür habe ich den Zeitzwilling des Zaren inzwischen in mein Herz geschlossen. Und Erik, der grummelig-liebenswerte Kapitän der Himmelstänzerin, war auch wieder mit dabei! Und noch mehr liebgewonnene Figuren … Außerdem gibt es da noch eine spannende neue Figur, die mir ziemlich sympathisch ist.

„Der Plan der Zeit“ war für mich eine intensive, emotionale und sehr abwechslungsreiche Lektüre, die eine große Komplexität und Figurentiefe bietet. Aber auch Humor, nicht zuletzt durch Olgas ganz eigene Logik und einige von Boris‘ Kommentaren, die direkt mein Humorzentrum treffen. Ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht und was nun aus Adele wird. Unter anderem.

(Klick aufs Cover führt zu Amazon)

Reihenfolge:

  1. Tod dem Zaren
  2. Die Zeitmaschine des Arabers
  3. Der Plan der Zeit
  4. ?

Selma J. Spieweg – Die Zeitmaschine des Arabers (Boris & Olga 2, Clockwork Cologne)

Erscheinungsjahr: 2015
Gelesen im Oktober 2015
Autorenseite
Clockwork Cologne
Qindie

Rezension

Boris ist mit Olga im tiefsten Sibirien unterwegs, um sich dort ein Häuschen zu bauen und von der Welt vergessen zu werden. Wenn nur die Zeichen nicht wären, die Boris nicht deuten kann. Als er ihnen folgt, fällt er ausgerechnet dem Wissenschaftler in die Hände, der ihn einst missbraucht hat, und erhält vom Zar einen Auftrag: Er soll die Zeitmaschine des Arabers vernichten …

Bereits nach einigen Sätzen war ich wieder ganz nah bei Boris, dem ich etwas Ruhe und Frieden mehr als gegönnt hätte. Mir ging da auch einfach das Herz auf, weil man so schön verfolgen kann, wie er langsam auftaut, Emotionen zeigt und sich immer mehr Gedanken macht. Wobei er ja felsenfest davon überzeugt ist, dass er den Verstand verloren hat und Olga eine Halluzination ist.

Wo Boris ist, ist Olga nicht fern. Auch an ihr hänge ich, wenn auch nicht ganz so intensiv. Dafür bringt sie mich öfter zum Grinsen und hat einen gewissen Einfluss auf meine Essensplanung. Die beiden entwickeln ein sehr inniges Verhältnis, trotz der so unterschiedlichen Wahrnehmung ist der eine der Anker des anderen. Der Mittelpunkt und Halt in einer oft düsteren Welt.

Die Geschichte spielt überwiegend in Cöln, einer anfangs sehr bedrückenden Stadt. Dort wird die Handlung auch mit den beiden anderen Reihen aus dem Clockwork-Cologne-Universum verbunden: „Guy Lacroix“ von Simone Keil und „Magnus“ von Susanne Gerdom. Die beiden Reihen sind keine Voraussetzung, um das Buch zu verstehen, aber man ist mit einigen Figuren und Orte dann schon vertraut. Ich kenne nur den ersten Band von „Guy Lacroix“, daher war ich in Cöln zumindest nicht ganz fremd. Und ich hatte Spaß daran, mich bei der einen oder anderen neuen Figur zu fragen, ob diese nicht eine Schöpfung von Autorin x ist.

Das Spiel mit der Zeit bzw. dem Riss im Zeitkontinuum ist großartig, die verschiedenen Zeitlinien sorgen ja für einiges Chaos. Besonders gelungen fand ich, wie sich die Ereignisse am Ende zu einem stimmigen Gesamtbild zusammensetzten – nur eben in einer anderen Reihenfolge. Seltsame Reaktionen machten auf einmal Sinn und geheimnisvolle Andeutungen wurden nachvollziehbar.

In diesem Buch gab es wieder viel Potential zum Mitleiden, aber auch eine so rührende Szene, die mich tatsächlich zum Weinen gebracht hat. Ich habe einige neue fesselnde Figuren kennengelernt, die ich in mein Herz geschlossen habe – und auf ein Wiederlesen hoffe. Auf die Begegnung mit einigen alten Bekannten hätte ich dafür gerne verzichtet, die haben mir doch ganz schön zugesetzt. Als „Trostpflaster“ gab es aber Luftschiffe, ich liebe Luftschiffe! Und heiße Schokolade.

„Die Zeitmaschine des Arabers“ war für mich eine unheimlich spannende, abwechslungsreiche und emotionale Lektüre, die viele Eindrücke hinterlässt und sogar den ein oder anderen Lachanfall verschuldet hat. Wunderbar komplex, teilweise verwirrend und mit einer großartigen Entwicklungsgeschichte. Ich bin unsagbar stolz auf Boris und hatte sehr viel Spaß mit diesem Buch!

Reihenfolge:

  1. Tod dem Zaren
  2. Die Zeitmaschine des Arabers
  3. ?

Selma J. Spieweg – Tod dem Zaren (Boris & Olga 1, Clockwork Cologne)

Erscheinungsjahr: 2014
Gelesen im März 2015
Autorenseite
Clockwork Cologne
Qindie

Rezension

Russland, 1898: Boris Sergejewitsch ist mit Leib und Seele Soldat und hat sein Leben dem Dienst am Zaren verschrieben. Ihm kommen nicht einmal Zweifel, als er einem geheimen Experiment zugeteilt wird und dort nicht nur seinen Arm sondern auch einen Teil seiner Menschlichkeit verliert. Zurück bei seiner Einheit kann er eines Tages seiner Kompanie nicht mehr folgen und während er auf den Tod wartet, erwecken seine quantenmechanischen Teile das Interesse der 12-jährigen Diebin und Revolutionärin Olga. So beginnt ein Abenteuer, das sie zu einem ungewöhnlichen Team zusammenschweißt – und in dem auch ein Flüchtling eine Rolle spielt, der Zar Nikolaus II. zum Verwechseln ähnlich sieht …

Der Einstieg in die Geschichte ist mir leicht gefallen, weil ich die Atmosphäre mochte und von der Tragik gefesselt wurde, die Boris‘ Leben begleitet. Alles fühlte sich so nah an, nicht nur die Figuren und ihre Emotionen sondern auch die beschriebenen Landschaften und Szenen. Ich war also schnell mittendrin, an der Seite von Olga und Boris.

Die erschaffene Welt hat mich sehr fasziniert, diese Mischung aus Realität und Phantasie, in der Mechanik sich manchmal wie Magie anfühlt. Es geht dort rücksichtslos und brutal zu, aber glücklicherweise wurde es für mich nie zu detailliert-blutig. Manche Szenen konnte ich einfach nur noch fassungslos miterleiden – und darauf hoffen, dass sich irgendwie ein Ausweg findet. Als Ausgleich dazu empfand ich die zwischenmenschlichen, freundschaftlichen Szenen. Außerdem gibt es rätselhafte Ereignisse und Zusammenhänge, die sich einem erst später erschließen. Also viel Stoff zum Spekulieren!

Boris ist hier meine absolute Lieblingsfigur, aber nicht nur wegen meiner Schwäche für tragische Figuren. Er hat sehr intensiv auf mich gewirkt, mit vielfältigen Empfindungen und Unsicherheiten. Außerdem hat mich seine Entwicklung sehr beeindruckt! Ihm wurde ein Teil seiner Menschlichkeit und seines Fühlens genommen, im Lauf der Geschichte entwickelt Boris sich aber wieder zu einem fühlenden Menschen und lässt auch den „einfachen“ Soldaten hinter sich.

Olga mit ihrer Klugheit und Anhänglichkeit mag ich aber auch sehr. Wie könnte man auch nicht? Genau wie Boris erzählt sie ihre Vergangenheit in Rückblenden, so dass ein facettenreiches Bild entsteht und man ihr ein glückliches Ende wünscht.

Eine Nebenfigur, die es mir sehr angetan hat, ist der Schriftsteller Lew Tolstoi. Aus Sympathie wurde schnell Interesse, denn was er zu erzählen hatte, fand ich sehr spannend. Darum habe ich mir das Glossar auch aufmerksam durchgelesen und überlege sogar, ob ich es nicht mal mit einem Buch von ihm versuche. Auch wenn ich mir bei Klassikern ja nicht soviel zutraue, die Neugier ist jetzt da …

Besonders gelungen finde ich auch die Schilderung einiger Szenen sowohl aus Boris‘ als auch aus Olgas Sicht, denn so wird deutlich, wie unterschiedlich diese von beiden wahrgenommen werden. Daran hatte ich viel Freude – und manchmal musste ich auch darüber grinsen.

„Tod dem Zaren“ war für mich eine vielschichtige und intensive Lektüre mit einer dichten Atmosphäre und so einigen Überraschungen. Ich wurde von vielen Dingen fasziniert und berührt, außerdem hat mich Boris‘ Entwicklung sehr beeindruckt. Die mitreißende Geschichte hinterlässt bei mir bleibende Eindrücke und die Vorfreude auf die Fortsetzung. Denn natürlich bin ich neugierig, wie es mit Boris & Olga weitergeht. Und mit dem einen oder anderen angeschnittenem Thema …

Neu im Clockwork-Cologne-Universum: Boris & Olga!

Neu im Clockwork-Cologne-Universum ist die Reihe Boris & Olga von Selma J. Spieweg, der erste Band „Tod dem Zaren“ ist gerade als eBook (Sammelband oder dreiteilige Serie mit kostenlosem ersten Teil) und Print (Sammelband) erschienen.

Boris & Olga: Tod dem Zaren

Boris Sergejewitsch ist Soldat, ein treuer Untertan des Zaren. Seit 45 Jahren kämpft er jede Schlacht für Nikolaus II., und es käme ihm nie in den Sinn, einen Befehl zu verweigern. Selbst dann nicht, als er einem geheimen Experiment zugeteilt wird, bei dem eine unbesiegbare Armee aus Blauen Kriegern erschaffen werden soll, Soldaten, die halb Mensch, halb Maschine sind.

Das Projekt entpuppt sich als totaler Fehlschlag. Boris verliert seinen rechten Arm, seine Gesundheit und einen Teil seiner Menschlichkeit. Man schickt ihn zurück zu seiner Einheit.

Eines Tages kann Boris seiner Kompanie nicht mehr folgen und wird zurückgelassen. Die quantenmagische Energiequelle, die den mechanischen Teil seines Körpers antreibt, erweckt das Interesse von Olga, einer 12-jährigen Diebin. Zur Bewegungsunfähigkeit verdammt muss er mitansehen, wie Olga versucht, ihn auseinanderzubauen. Der zu Tode erschöpfte und desillusionierte Boris hätte vielleicht noch akzeptieren können, auf diese Art zu sterben, nicht jedoch, dass die wertvolle Energiequelle ausgerechnet in die Hände von verräterischen Aufständischen fällt, denn Olga macht aus ihrer Gesinnung keinen Hehl. Aber „Tod dem Zaren!“ ist eine Parole, die man niemals in Boris’ Gegenwart aussprechen sollte.

Mit anderen Worten: Ihre erste Begegnung stand unter keinem guten Stern. Ebenso wenig die zweite …

In diese aufgeladene Szenerie platzt jetzt noch ein heruntergekommener Flüchtling, der Zar Nikolaus II zum Verwechseln ähnlich sieht. Nun geht das Abenteuer, das den zarentreuen Boris und die Revolutionärin Olga zu einem bizarren Team zusammenschweißt, erst richtig los.

In der Leseprobe hat mich Boris ja schon völlig erwischt, und das liegt nicht nur an der Tragik. Aber auch! Er hat eine starke Ausstrahlung und wirkt auf mich einfach ziemlich … intensiv. Ich bin schon extrem gespannt auf die Geschichte! Und jetzt kommt noch etwas mehr über die beiden Hauptfiguren, um eure Neugier zu wecken. ;)

© Selma J. Spieweg

Boris ist ein alternder Soldat, der keine Erinnerungen an eine Zeit vor dem seit 45 Jahren andauernden Krimkrieg besitzt. Im Alter von 6 Jahren zog er zum ersten Mal eine Uniform an und legte sie nie wieder ab. Kämpfen, Gehorchen und Hungern sind die einzigen Daseinszustände, die er kennt. Für ihn sind sie so natürlich wie der frühe Tod in der Schlacht … oder fast so natürlich. Denn Boris überlebt, während kaum einer seiner Kameraden das dritte Dienstjahr erreicht. So viel Glück macht unbeliebt.

Als er 48 Jahre alt ist, wählt man ihn zusammen mit hundert anderen aus, um einem Experiment als Testobjekt zur Verfügung zu stehen. Heimlich ins Land geschleuste Quantenmagier haben den Auftrag, eine unbesiegbare Armee aus Blauen Kriegern zu erschaffen – Soldaten, die halb Mensch und halb Maschine sind. Der Großteil der Versuchspersonen stirbt an den Folgen der Operationen, in denen ein Teil der Knochen durch Metallkonstruktionen ausgetauscht werden; der Rest, nachdem ihr Nervensystem mit der rätselhaften blauen Kartusche verbunden wird, die die Mechanik mit Energie versorgen soll. Doch auch diesmal überlebt Boris – als einziger. Von dem Erfolg beflügelt, amputieren die Quantenmagier seinen rechten Arm und tauschen ihn durch einen künstlichen aus.

An dem Tag, an dem das Ergebnis der Heeresführung präsentiert werden soll, offenbart sich durch Zufall der gravierende Fehler der Konstruktion: In der Strenge der russischen Winter friert das Metall fest und verdammt den Blauen Krieger zur Bewegungslosigkeit. Man gibt das Projekt auf und schickt Boris zurück zu seiner Kompanie.

Boris mag die Veränderungen nicht, die man an ihm vorgenommen hat, aber er käme nie auf die Idee, sich zu beklagen. Er war nie etwas anderes als Soldat, seine Existenz gehört dem Zaren, und Boris ist der Treueste seiner Untertanen. Müsste er das Dasein in einem Satz zusammenfassen, würde dieser lauten: „Lang lebe der Zar!“

© Selma J. Spieweg

Olga ist 12 Jahre alt. Sie kommt als Tochter rechtloser Leibeigener auf die Welt und Hungern gehört genauso zum Alltag, wie brutale Übergriffe durch die Armee. Aufgrund dieser Erfahrungen gelangt sie zu der Erkenntnis, der Diebesstand sei der einzig ehrbare Beruf, denn Diebe nehmen nur das, was sie zum Leben brauchen und bringen dabei niemanden um. In ihrem Dorf teilt man diese Ansicht nicht, und da auch ihre rebellischen Ideen auf keine Gegenliebe stoßen, jagt man sie fort.

Für kurze Zeit findet sie Unterschlupf bei einer jenen kleinen, revolutionären Zellen, die sich überall im kriegsgebeutelten Land bilden. Diese fordern Rechte für Arbeiter und Bauern, die Abschaffung der Leibeigenschaft und sogar etwas, was sie „Wahlen“ nennen. Auch, wenn Olga nicht alles von dem begreift, wofür sich ihre neuen Freunde einsetzen, so begeistert sie sich schnell für deren Ziele. Leider geht das nicht lange gut. Eines Tages sieht sie mit an, wie ihre Freunde von Soldaten umgebracht werden. Erneut heimatlos schlägt sie sich wieder als Diebin durchs Leben. Geblieben ist ihr nur der Kampfruf, der die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ausdrückt: „Tod dem Zaren!“

Quellen:
Boris & Olga auf der Autorenseite von Selma J. Spieweg
Clockwork Cologne

SERAPH - Literaturpreis der Phantastischen Akademie

Meine Rezensionen erscheinen auch hier:

Leser-Navi mit Herz: Bücherblogs

Archiv

Blog-Verzeichnis

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de
Blogverzeichnis
Bloggeramt.de
Blogverzeichnis
Blog Suche
Blog Verzeichnis
tauschen