Fantasywoche

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... in meiner ganz persönlichen Bücherwelt! Mein Schwerpunkt liegt bei deutschen Fantasy-Autoren, weil mich ihre Bücher begeistern und ich finde, dass sie nicht genug Aufmerksamkeit erhalten.

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Interview mit Manuel Charisius

Dieses Interview habe ich für die dritte Ausgabe des Qindie-Magazins geführt, darf es aber auch hier auf dem Blog veröffentlichen. Das Magazin gibt es als Download in den Formaten ePub, Mobi & PDF, man kann es aber auch online lesen. Wer zukünftige Qindie-Aktionen unterstützen möchte, kann das Magazin aber auch für einen Obolus von 1,99 Euro bei Amazon kaufen oder über Kindle-Unlimited ausleihen.


© Manuel Charisius

© Manuel Charisius

 
 
Manuel Charisius, 1979 in Stuttgart geboren, liest und schreibt seit seiner Jugend phantastische Geschichten, bevorzugt mit Mischwesen und Gestaltwandlern in den Hauptrollen. Er studierte Anglistik und Germanistik in Heidelberg und Auckland, Neuseeland.

Manuel Charisius arbeitet hauptberuflich als Autor und Texter in Heidelberg.
 

Neben dem Schreiben macht er Musik und liebt lange Fahrradtouren und Wanderungen, bei denen ihn meist ein lauffreudiger Schlittenhund begleitet. Ab und zu bastelt er auch gerne mit Software und Elektronikkram herum oder spielt Videospiele, die heutzutage als »Retro« bezeichnet werden.

Nie anzutreffen ohne: meinen Hausschlüssel
Besondere Kennzeichen: Pferdeschwanz
Motto: Was ich nicht selber kann, kann ich mir selber beibringen.
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Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?

Kind der neunziger Jahre mit unstillbarem Hunger nach guten Geschichten und schönen Liedern. Ohne großes politisches Interesse, aber als Wähler definitiv im links-grünen Spektrum zu verorten. Überzeugter Agnostiker und Skeptiker. Seit jeher Einzelkämpfer. Kein Überflieger, aber ein Pedant.

Wie sieht für Dich ein „normaler“ Tag aus?

Die Sonne geht auf, ich werde viel zu spät wach, begebe mich über diverse Zwischenstopps in Bad und Küche an den Schreibtisch, surfe viel zu lange im Internet und wundere mich über viel zu viele Dinge, die es eigentlich gar nicht wert sind. Ich bemühe mich um ein ausgewogenes Mittagessen, vertrete meine Eltern in puncto Hundebetreuung, gehe meinen Hobbies nach und produziere alles in allem viel zu wenig Text.
Aber zur Abwechslung gibt es ja immer mal wieder auch diese gewissen »unnormalen« Tage …

Herrscht auf Deinem Schreibtisch eher Chaos oder Ordnung?

Ich sage mal – kontrolliertes Chaos. Mein Arbeitsplatz ist vielleicht nicht penibel geordnet, aber auch nicht mit überflüssigem Kram beladen. Was ich nicht brauche, wird meistens gleich weggeräumt, ich muss also nie irgend etwas suchen.

Während Deines Studiums warst Du auch in Neuseeland, welche Auswirkungen hatte die Zeit in Auckland auf Dich?

Neuseeland vereint nicht nur alle Naturschönheiten, die man sonst von den verschiedensten Teilen der Welt her kennt, auf kaum mehr als zwei größeren Inseln, sondern hat mit der University of Auckland auch eine der besten und renommiertesten Bildungsstätten auf der Südhalbkugel anzubieten. Nicht zuletzt begegnen sich im »Land der langen weißen Wolke« viele Kulturen, vor allem aber die polynesische, die asiatische und die europäische. Gerade Auckland ist eine unglaublich weltoffene, internationale Stadt. Mit anderen Worten, Auckland war von Anfang an mein absolutes Traumziel, dicht gefolgt von Kanada und Südafrika. Das Bewerbungsgespräch verlief eher unglücklich, und umso überraschter und himmelhochjauchzend war ich, als ich das Stipendium erhielt. Ich verbrachte zwei Semester »down under«, und ich kostete jede Sekunde voll aus. Ohne Übertreibung kann ich heute sagen, die Zeit in Auckland war die beste Zeit meines Lebens.

Leider war sie auch die schrecklichste. Ich war noch vollständig sozial eingebettet und keineswegs bereit für eine Rückkehr, da erreichte mich die Nachricht aus der alten Heimat, dass meine ältere Schwester nach einer plötzlichen, schweren Erkrankung im Sterben läge. Natürlich buchte ich meinen Rückflug sofort um. Zwei Tage später war ich wieder zu Hause.
Seither bin ich ein anderer Mensch – zumindest fühle ich mich so. Falls ich eines Tages nach Auckland zurückkehren werde, so wird dies mit großen Schmerzen und noch größeren Ängsten verbunden sein. Also rechne ich nie mehr damit – so sehr ich mich auch nach Neuseeland zurück sehne …

© Manuel Charisius

© Manuel Charisius

Du spielst Flöte, Klavier und Gitarre – wann greifst Du zu welchem Instrument? Und wie unterschiedlich wirkt die Musik auf Dich?

Die Blockflöte war das erste Instrument, das ich überhaupt erlernt habe. Dank privatem Flötenkreis habe ich es bis in die späte Pubertät hinein auch regelmäßig gespielt, zumeist die Tenor- oder Bassstimme. Bis heute besitze ich aus jeder der fünf wichtigen Lagen ein Instrument, nur die Bassflöte fehlt. Allerdings habe ich erst in den letzten Jahren wieder öfter mal Blockflöte gespielt, meist zusammen mit Gitarren- oder Klavierbegleitung. Wie fast alle Blasinstrumente erlaubt es auch die Flöte ihrem Spieler, quasi einen großen Anteil seiner Persönlichkeit in den Klang hineinzuweben. Du gibst deinen Atem, und das Instrument wandelt ihn in Töne um. So lässt sich allein durch die Atmung eine unendliche Fülle von klanglichen Nuancen erzielen, die im Grunde nur noch von Sängern übertroffen wird.

Das Klavier kam dann gegen Ende der Grundschulzeit hinzu. An den Tasten habe ich wohl die meiste Übungspraxis. Unzählige Vorspielabende und Wettbewerbe wie Jugend Musiziert haben wir, d. h. Freunde und ich, im Zusammenspiel (Klavier vierhändig, zwei Klaviere, Klavier und Cello/Geige etc.) bestritten. Auch heute noch spiele ich regelmäßig, um meine Fingerfertigkeit weitgehend zu erhalten. Schmerzlich vermisse ich das gemeinsame Musizieren im Duo oder Trio, nachdem meine damaligen Spielpartner längst in aller Welt verstreut sind. Das Klavier ist für mich eine Art musikalisches Zuhause. Hier fühle ich mich wohl, hier kann ich mich voll entfalten. Und es ist dasjenige Instrument, bei dem ich auch heute noch den meisten Ehrgeiz verspüre. Wenn mir schon die Nachbarn beim Üben zuhören müssen, so sollen sie zumindest auch keine dilettantische Klimperei ertragen müssen.

Die Gitarre kam als letztes hinzu – autodidaktisch und ohne große Ansprüche. Ein paar Lieder begleiten zu können oder mal rasch ein paar neue Akkordfolgen auszudenken, das reicht mir schon. An der Gitarre kann ich entspannen, es ist für mich sozusagen ein reines Chill-out-Instrument. Um keine Gitarristen vor den Kopf zu stoßen: Mir ist natürlich voll bewusst, dass es jede Menge Literatur für die Gitarre gibt, darunter auch hochvirtuose Werke aller möglichen Länder und Epochen. Aber ich habe nicht den Anspruch an mich selber, diese einzustudieren – zumal ich derzeit leider nicht einmal ein eigenes Instrument besitze.

Gibt es ein Instrument, das Du gern noch spielen können würdest?

Neben der Querflöte, die mich schon als Jugendlicher gereizt hat – meine Mutter behauptete allerdings immer, dass sie den Klang nicht mag, also bekam ich auch keinen Unterricht –, würde mich prinzipiell mal ein Streichinstrument tieferer Lage interessieren, z. B. Cello oder Bratsche, zumal das Repertoire an Orchester- und kammermusikalischer Literatur ja ganze Bibliotheken füllt. Und dann ist da natürlich die »Königin der Instrumente«, die Orgel, für die man als Pianist die besten Voraussetzungen mitbringt. Vor vielen Jahren habe ich mich mal daran versucht, fühlte mich durch das zusätzliche Pedal jedoch recht schnell überfordert.

© Manuel Charisius

© Manuel Charisius

Welche Rolle spielt Musik in Deinem Leben?

Sie hat mich seit frühester Kindheit begleitet und geprägt. Sie ist nichts weniger als lebenswichtig für mich.

Welche Musik hörst Du gern?

Am liebsten höre ich Musik, die mir auf schwer beschreibbare Weise Horizonte eröffnet – allermeistens ist das klassische Musik, aber nicht nur. Am besten rede ich nicht lange drum herum und gebe stattdessen ein paar Beispiele: Bach (z. B. h-Moll-Messe), Mozart (Klavierkonzerte, Jupiter-Sinfonie), Beethovens gesamtes Klavierwerk, fast alles aus der Romantik (Chopin, Rachmaninow, Borodin, Ravel, Schumann, Clara Schumann geb. Wieck, Mendelssohn-Bartholdy, Debussy, Brahms, Grieg usw.), des weiteren Mel Bonis (Mélanie Bonis), Darius Milhaud, Jean Sibelius, Paul Hindemith, Erwin Schulhoff, Scott Joplin, George Gershwin, Andrew Lloyd Webber, die Beatles, Peter, Paul and Mary, Simon & Garfunkel, Irisches und (pseudo-)Keltisches aller Art, Erich W. Korngold, Bert Kaempfert, Vangelis, alle mögliche Filmmusik bzw. Soundtracks … um nur einige zu nennen.

Was hat Dich zu „Weltenlied“ inspiriert bzw. kannst Du Dich noch an Deine ersten Ideen dazu erinnern? War der hohe Stellenwert der Musik von Anfang an geplant?

Die allererste Idee war die: Ein Junge verwandelt sich in einen Löwen. Sie ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Da war ich gerade 16 Jahre alt. Um ganz ehrlich zu sein, habe ich diese Idee vor Weltenlied schon einmal als erzählte Geschichte zu verarbeiten versucht; und in der Rückschau bin ich daran gescheitert. Die Musik spielte bereits in der ersten Fassung eine Rolle, allerdings wurde mir erst bei der Planung von Weltenlied der wahre Stellenwert bewusst, den die Flöte und ihre Macht in Bezug auf den Plot haben würden (und seit jeher hatten).

Nachdem sich Léun vor meinem inneren Auge erst einmal manifestiert hatte, ging mir auch seine Geschichte nicht mehr aus dem Kopf. Ich wusste, dass seine Geschichte die Geschichte ist, die ich erzählen muss, koste es, was es wolle. Und mir war klar, dass mein erster Versuch misslungen war. Diese Gewisssheit war ungelogen so schmerzhaft, dass sie mir Alpträume bescherte. Also beschloss ich noch vor dem Erscheinen von Streuner – und entgegen dem Rat meines damaligen Agenten – Léuns Geschichte erneut, das heißt, von Grund auf neu zu erzählen. Für meinen Ex-Agenten wohl ein Desaster, für mich als Autor jedoch eine Art Wiederverpuppung, die mich seither und auch in Zukunft guten Gewissens anstatt Zuckerwasser meine eigene Nektarquelle anfliegen lässt.

Erzähl uns doch bitte etwas über die Welt, in der die Geschichte spielt.

Nýrdan ist eine vermeintlich abgelegene Inselgruppe, in unseren Maßstäben gemessen etwa 2,000 km östlich von Lesh-Tanár gelegen – ja, genau dem Lesh-Tanár, in dem der Streuner Wolf und seine Kumpane ihr Unwesen treiben, wobei die Handlung von Weltenlied wiederum zu einer völlig anderen Zeit spielt …
Wie auch immer – zu Léuns Zeit (und auch lange vor- und nachher) ist Nýrdan eine isolierte Inselwelt, gelegen in einer eher subtropischen Klimazone (daher die Reisfelder und die vergleichsweise milden Winter), mit einem Nachteil: Düsterland, eine wirtschaftlich eher semi-erfolgreiche Region im Südosten, deren dampfmaschinenbasierter technologischer Fortschritt sich nicht jedem erschließt, weshalb die breite Unterstützung seitens der restlichen Bevölkerung auch eher auf sich warten lässt …

Warum Gestaltwandler?

Weil sie mich seit jeher faszinieren.

Es beginnt mit einem Löwen … Was verbindet Dich mit diesen Tieren? Oder hat das rein inhaltliche Gründe?

Kleine und große Katzen, insbesondere Löwen, begleiten und faszinieren mich, solange ich denken kann. Schon als Kind und Jugendlicher sammelte ich alle Bilder und Infos zu Großkatzen, die ich nur bekommen konnte. Das Raubtierhaus in jedem beliebigen Zoo zog mich immer magisch an, trotz des oft genug beißenden Geruchs. Nicht zuletzt wirkte der Disney-Film Der König der Löwen Mitte der neunziger Jahre wie eine Offenbarung auf mich, von C. S. Lewis’ Aslan ganz zu schweigen. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis mich Léuns Geschichte eines Tages treffen würde wie ein Blitz.

Meine Faszination für Großkatzen geht übrigens über Káor und seine Wahrnehmung (bzw. wie er von anderen wahrgenommen wird) weit hinaus: In Weltenlied habe ich eine menschliche Gesellschaft, nämlich die der Steppenläufer, den heutigen Erkenntnissen vom Leben realer Löwenrudel nachgebildet, in denen der Nachwuchs des getöteten Alpha-Männchens vom übernehmenden Männchen getötet wird. Dieser Vorgang, so schrecklich er auch sein mag, findet sich praktisch unverändert (und unhinterfragt, wie in unserer Welt kein Löwe Fragen stellen würde) in der Kultur der Steppenläufer wieder.

© Manuel Charisius

© Manuel Charisius

Wenn Du Dich in ein Tier Deiner Wahl verwandeln könntest, welches würdest Du wählen und warum?

Einen (männlichen) Löwen. Und irgendwie bin ich innerlich von Geburt an einer, auch wenn ich, biologisch gesehen, zu den Trockennasenaffen zähle. Weil ich mich als Löwe geboren fühle.

Gibt es in dem Roman eine Figur, die Dir besonders am Herzen liegt?

Ja: Léun. Er ist ein wesentlicher Teil meines Alter Egos in Weltenlied (lies meinen Vornamen mal rückwärts …). Aber er ist nicht der einzige Teil. Alle Figuren im Roman sind irgendwie mit mir verbunden. Von daher schlägt auch mein Herz nicht nur für Léun, sondern für sie alle.

An welchem Ort in Nýrdan würdest Du Dich gern eine Weile aufhalten? Und warum?

Das ist leicht: Die Stadt Urtán am Großen Salzsee wäre für mich der Ort erster Wahl. Urtán ist in Nýrdan eine Art Weltstadt, ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen, fast wie Auckland in unserer Welt. Davon abgesehen würde ich jederzeit gerne Léuns Heimat Grüntal, die Geisterstadt im Zentrum von Mittwald und natürlich Schloss Larkhâ besuchen – Letzteres ist, wie ich aus sicherer Quelle weiß, für Touristen jederzeit geöffnet (auch wenn das im Roman nicht unbedingt deutlich wird)!

Gibt es Vorbilder für die Musik in „Weltenlied“?

Vorbilder nicht, vielmehr habe ich einige der Musikstücke und Lieder, von denen im Roman die Rede ist, selber auskomponiert.

Was denkst Du über die magische Kraft der Musik?

Deine Frage nimmt meine Antwort schon vorweg: Ich halte Musik – ebenso wie übrigens auch jede Geschichte und jedes Kunstwerk, ob nun mündlich, schriftlich oder bildlich überliefert – für eine real erfahrbare (wenn nicht die einzige!) Form von Magie. Ein Notenblatt mit dem Hauptthema von Smetanas Moldau, eine nordische Saga wie die um Gísli Súrsson, die Höhlenmalereien von Lascaux, ein Ballett wie Tschaikowskis Schwanensee, ein Gemälde wie die Mona Lisa, eine Statue wie Michelangelos David, die Büste der Nofretete, die Venus von Willendorf – all diesen beispielhaft genannten Meisterwerken menschlicher Schöpfungskraft wohnt ein Zauber inne, der sie die Zeiten trotz aller Widrigkeiten hat überdauern lassen. Das ist wahre Magie, finde ich.

© Manuel Charisius

© Manuel Charisius

Auf wie viele Teile ist die „Saga der Zwölf“ angelegt?

Bei der Planung schwebte mir tatsächlich ein monumentales Epos von exakt zwölf Bänden vor – jeweils ein Teilband sollte die Geschichte eines der zwölf Gestaltwandler erzählen, bis sie dann im Finale endlich zusammenfinden. Diese Idee habe ich bereits beim Schreiben von Weltenlied verwerfen müssen, da sich herausstellte, dass die Zwölf viel enger miteinander verbunden sind als gedacht. In Weltenlied kommen ja bereits vier von ihnen vor, von denen zwei mit diesem ersten Band »ihre« Geschichte erleben. Ich gehe davon aus, dass auch in zukünftigen Bänden immer mehr oder weniger kleine Gruppen der zwölf Gestaltwandler zum Zug kommen werden. Band zwei, so viel kann ich schon verraten, wird in der Zeit zurückgehen und sich der recht dramatischen Geschichte um Báss den Schwarzbären und Barúka den Schwertfisch widmen.

Wo schreibst Du am liebsten? Brauchst Du dafür Ruhe oder begleitet Dich Musik?

Der Ort spielt eigentlich keine Rolle. Ob nun am Arbeitsplatz zu Hause in meiner Dachwohnung, am Küchentisch meiner Eltern oder auf dem Balkon – wenn ich schreibe bzw. Texte für andere erstelle, verblasst die Umgebung um mich herum. Als ich noch studiert habe, bin ich öfter mal ins Uni-Rechenzentrum gegangen. Die Arbeitsatmosphäre in den Poolräumen hat mich immer sehr motiviert. Einige Kapitel aus dem vorderen Teil von Streuner sind dort entstanden. Ruhe brauche ich beim Schreiben fast nur im Hinblick auf gesprochene Sprache. Wenn sich Leute in Hörweite unterhalten oder ein Radio vor sich hin quasselt, bringt mich das aus dem Konzept. Einen semantisch neutralen Lärmpegel kann ich zu einem gewissen Grad tolerieren. Dagegen ist Musik für mich stets willkommene Inspiration und Unterstützung, um etwa die emotionale Tragweite einer Szene im Text festzuhalten. Die Stelle in Weltenlied, als Ciára in einer fremden Stadt verkleidet auf Léun wartet – eigentlich sogar fast das ganze Kapitel – ist zu zwei bestimmten Tracks von einer CD mit keltischem Folk entstanden, die in einer Endlosschleife abwechselnd liefen. Auch die Passage auf der Sturmpflug und viele der Kapitel, die aus Ríyuus Perspektive erzählt sind, hatten sozusagen ihren jeweils eigenen »Soundtrack«.

© Manuel Charisius

© Manuel Charisius

Was ist Dir beim Schreiben wichtig? Was möchtest Du dem Leser vermitteln?

In Bezug auf meine eigenen Texte wünsche ich mir, dass sie den Menschen etwas geben. Dass du als Leser nach dem letzten Satz innehältst und das Gefühl hast, etwas mitzunehmen, was dich als Individuum bereichert. Und dass du das Buch irgendwann wieder aufschlägst und es noch einmal von vorne liest. Ich will keine Bücher schreiben, die sich in einer Nacht weglesen lassen und am nächsten Tag vergessen sind (und übrigens kann ich es auch nicht – ich habe es mal versucht und bin nach zwanzig Seiten gescheitert). Was jeder Leser für sich mitnimmt, ist übrigens nicht im Text bewusst oder unbewusst angelegt. Meine Bücher haben keine »Message«. Vielmehr ist es für jeden Menschen verschieden und absolut individuell, was meine Geschichte mit dir macht.

Was war bisher Dein schönstes Erlebnis als Autor?

Hm … schwierig. Klar, es gab ein paar echte Highlights, aber die meisten Dinge, von denen praktisch jeder Autor träumt – mehrere Auflagen, die limitierte Prachtausgabe des Erstlings, ein bedeutender Literaturpreis, die Übersetzung ins Englische — sind für mich bislang Träume geblieben. Eines der schönsten Erlebnisse war sicherlich, auf der Leipziger Buchmesse vor über einhundert Fantasy-Fans aus dem Streuner-Manuskript lesen zu dürfen. Das war im Jahr 2009. Seither sind mir zwei unterzeichnete Verlagsverträge, das Heyne-Paket mit den ersten gedruckten Ausgaben von Streuner sowie jede einzelne lobende Rezension eines meiner Bücher besonders im Gedächtnis geblieben.

Welche Autoren-Macken hast Du?

Wenn ich Bücher signiere, ärgere ich mich immer über meine ungelenke Handschrift und würde das gerade signierte Exemplar am liebsten gar nicht weitergeben.

© Manuel Charisius

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Was macht Dir als Selfpublisher am meisten Freude – und was magst Du nicht so?

Am meisten schätze ich die freie, unbeschränkte Arbeitszeit, die für jedes Projekt zur Verfügung steht. Es macht mir viel Freude, eigene Texte in die Schublade zu legen und erst nach vier Wochen oder noch länger wieder anzuschauen, sie umzuarbeiten und daran zu feilen. Diese Phase der Arbeit, das umfassende Redigieren von vorhandenem Text, ist fast immer die produktivste. Erfahrungsgemäß profitiert das Endprodukt auch am meisten davon. Zudem habe ich großen Spaß an der Gestaltung von Layout und Cover, der Kapiteleinteilung, der Titelfindung, dem Verfassen von Teasern und Klappentexten und so weiter. Weniger gut dagegen bin ich in Sachen Werbung und Marketing. Sehr zurückhaltend bin ich mittlerweile auch, was den direkten Austausch mit anderen »Selfpublishern« (ich mag das Wort nicht) angeht – der immense Bücher-Output, der Eindruck allumfassender Kompetenz, das nach außen hin turmhohe Selbstbewusstsein und noch einiges mehr, was viele Autoren in diesem Bereich auszeichnet, all das wirkt auf mich einschüchternd, weckt meinen Fluchtinstinkt.

Was liest Du selbst gern? Welche Bücher, in denen Musik eine wichtige Rolle spielt, würdest Du empfehlen?

Als Leser bin ich nicht auf ein bestimmtes Genre beschränkt. Früher habe ich viel Fantasy gelesen, mit den meisten zeitgenössischen Vertretern der Sparte kann ich jedoch wenig anfangen. Heute lese ich alles, was mich interessiert, vom literarisch ambitionierten SF-Drama über den Gesellschaftsroman der sechziger Jahre bis hin zum kosmologischen Sachbuch.

Musikalisch inspirierte Bücher, die ich empfehlen würde, sind z. B. Hans Bemmanns Märchenroman Stein und Flöte, in dem ein Mensch die Sprache verliert und sich erst mit Flötenmelodien wieder zu äußern vermag; der erste Band der Narnia-Chroniken von C. S. Lewis, Das Wunder von Narnia, in dem der Löwe Aslan durch seinen Gesang die Welt erschafft; Dietmar Daths preisgekröntes Meisterwerk Die Abschaffung der Arten (der musikalische Bezug ergibt sich erst beim Lesen); Maarten ’t Harts großartige Autofiktion Das Wüten der ganzen Welt, deren halbwüchsiger Ich-Erzähler an einer Stelle angesichts eines wertvollen Klaviers, auf dem er unbedingt spielen will, eine Erektion bekommt; Hella Streichers Höhere Welten, ebenfalls ein autofiktionaler Text, der eine lesbische Liebesbeziehung, die Wende ab 1989, den Wahnsinn sowohl des Alltags der späten achtziger und frühen neunziger Jahre als auch der Lehre Rudolf Steiners, der sogenannten Anthroposophie, zum Thema hat; und nicht zuletzt Lars Vollmers pointierter, witziger Business-Ratgeber Wrong Turn, aus dem mir die Umschreibung »erster Draht, drittes Feld« (gemeint ist der Basston G auf der Gitarre) noch jetzt, nach fast zwei Jahren der Lektüre, im Gedächtnis präsent ist und mich abermals schmunzeln lässt.

Woran arbeitest Du gerade?

Daran, besser zu werden.

Herzlichen Dank für das Interview und Deine Geduld!

Ich habe zu danken!

Fröhliche Weihnachten!

kerzen

Ich wünsche euch ein fröhliches Weihnachtsfest, macht es euch schön und kommt zur Ruhe! :) Füllt eure Herzen mit Liebe, Zuneigung und Wärme. Macht das, was euch gut tut und achtet aufeinander. Habt einfach eine schöne Zeit, egal was und wie ihr feiert!

Gestern habe ich mit meiner Familie gefeiert, daher habe ich die restlichen Tage nun nur für mich Zeit. Und ich werde sie nutzen, um möglichst viel Ruhe zu tanken und einfach das zu tun, wozu ich Lust habe. Also lesen, schreiben und Filme gucken. Und Päckchen auspacken!

Dekoriert ist hier kaum, aber gestern Abend war ich noch ein wenig kreativ und habe mich an meinem ersten buchigen Weihnachtsbaum versucht. Die Idee dazu hatte ich durch einen Facebook-Beitrag von Literaturschock – und ich hatte einfach Lust, das mal auszuprobieren. Hier das Ergebnis:

buchwb_1

buchwb_2

Mir gefällt meine Version ziemlich gut. :) Habt ihr so etwas schonmal versucht?

Wintersonnenwende-Gewinnspiel

Wintersonnenwende! Ein hoffnungsvolles Fest, mit dem die Wiedergeburt des Lichts gefeiert wird … Da darf mein traditionelles Gewinnspiel einfach nicht fehlen, auch wenn es hier in den letzten Monaten aus verschiedenen Gründen sehr ruhig war.

Es gibt diese zwei Päckchen zu gewinnen:

Mondliebe

Mondliebe

Streunerwald

Streunerwald

Das Gewinnspiel läuft bis zum 27. Dezember 2016. Eine Teilnahme ist nur innerhalb von Deutschland möglich und es wird keine Haftung für den Verlust des Gewinns auf dem Postweg übernommen. Du bist mindestens 18 Jahre alt oder hast das Einverständnis deiner Erziehungsberechtigten.

Um teilzunehmen, beantwortet mir als Kommentar mit Angabe eurer eMail-Adresse (im dafür vorgesehenen Feld nur für Admins sichtbar) und der Info, für welche der Päckchen ihr in den Lostopf hüpfen wollt, folgende Frage:

Welches winterliche Buch hat euch zuletzt begeistert oder neugierig gemacht?

Ich bin gespannt auf eure Antworten und wünsche euch viel Glück! :)

Frankfurter Buchmesse 2016

ffm16_botanischergarten

Am Mittwoch hatte ich mir messefrei genommen und war dafür im Botanischen Garten, was trotz Nieselregen genau die richtige Entscheidung war. Ein wunderschöner Ort, an dem ich durchatmen konnte und auch viele für mich reizvolle Fotomotive fand.

Der nächste Tag war dann so etwas wie ein kleiner Kulturschock: Viele Menschen, Hektik, ein ständiges Drängeln und Schubsen – manchmal auch begleitet von einer gewissen Arroganz. Glücklicherweise gab es aber auch nette Menschen und Dinge, über die ich grinsen musste. Und natürlich Bücher!

Als erstes hat es mich allerdings zur Kalender-Galerie gezogen, das ging gar nicht anders. Ich konnte in wunderbaren Bildern schwelgen, von manchen konnte ich mich nur schwer trennen. Besonders reizen mich ja nordische Länder – und Island war gut vertreten. :) Meine Favoriten wurden dann aber der Polarlicht-Kalender von Palazzi und Moonlight vom Ackermann Kunstverlag. In die hatte ich mich direkt verguckt, vielleicht auch wegen der mystischen Ausstrahlung.

island-kalender

Danach bin ich ein wenig durch die Hallen geschlendert und habe mir Bücher näher angeschaut, die mich vom Titel oder Cover her angesprochen haben. Spannend fand ich die Titel „Atlas der verlorenen Städte“, „Atlas der unheimlichen Orte“ und vor allem den im Januar 2017 erscheinenden „Atlas der sagenhaften Orte“ von Frederking & Thaler. Bei den „Kompakt & Visuell“-Büchern von Dorling Kindersley bin ich dann etwas länger kleben geblieben. Das zum Thema Mythologie muss ich natürlich unbedingt haben, aber auch „Kunst“ und „Architektur“ reizen mich sehr.

mythologie

Und dann war da ja noch meine „Tagesaufgabe“: Oliver Schlick und Björn Springorum zu erwischen! Das hat sogar bei beiden geklappt, auch wenn ich nicht damit gerechnet habe (vor allem, weil ich im einfach-so-Leute-anquatschen ja nicht besonders gut bin). Wir hatten nette Treffen im Gang, über die ich mich sehr gefreut habe. Und arbeiten mussten sie auch ein wenig, ich habe also zwei frisch signierte Bücher:

signbuecher

Danach hatte ich leider noch eine ziemlich unangenehme Begegnung, die auch dafür gesorgt hat, dass ich mich beim Aufwachen am Freitag unsicher und einfach „am falschen Platz“ gefühlt habe. Aber mich vor der Messe zu drücken war keine Option, weil da zwei Veranstaltungen und ein privates Treffen auf mich gewartet haben. Also lange duschen, Koffer packen, auschecken und dann zur Messe schubsen! Dort habe ich mir erstmal Tee und Müsli gegönnt, bevor der Bereich Kunst & Design durchwandert wurde. Und was sehe ich da? Katzen und … Tentakel?!

tentakelkatzen

Alles ist besser mit Tentakeln? Hm. Bevor ich da noch Kopfkino bekam, bin ich lieber weiter – und es wurde auch so langsam Zeit für das Meet & Greet mit Bernhard Hennen und Robert Corvus. Erstaunlicherweise war nicht viel los, es blieb also genug Zeit zum Bücher signieren und Quatschen. Und für die Warnung, dass es in „Der Himmelsturm“ manchmal gruselig wird. Huuu. Das kommt jetzt ein bisschen spät, wo ich mit der Reihe schon angefangen habe und sie mir doch so gut gefällt, dass ich sie unbedingt weiterlesen will. Da muss ich mich also allein dem Grusel stellen! Wobei, so ganz allein bin ich ja nicht – da wäre ja noch Schrati. Und den dritten Band „Die Wölfin“ könnte ich sogar in der Weihnachts-Leserunde lesen, immerhin muss ich dann zumindest nicht arbeiten … Allerdings sollte ich dann davor im Horrorland gewesen sein. Wo ich doch sowieso schon die Befürchtung habe, dass meine Lieblingsfigur (mal wieder) stirbt. Jedenfalls habe ich leider vergessen, ein Foto zu machen (mal wieder). Ich habe erst daran gedacht, als es schon zu spät war … Haaa. Aber es war total nett!

signbuecher2

Danach bin ich zum Lese-Zelt gegangen, wo schon die Veranstaltung mit Ivo Pala, Julia Lange und Markus Heitz begonnen hatte. Die Diskussion fand ich spannend, abwechslungsreich und auch humorvoll. Sie hat mich auch auf „Schwarzer Horizont“ von Ivo Pala neugierig gemacht, aber bei „düster und blutig“ bin ich lieber vorsichtig. Außerdem will ich ja erstmal die Elbenthal-Saga weiter lesen …

fantasy-lesung

Nachdem meine Ausgabe von „Irrlichtfeuer“ signiert worden war, ging es weiter zu einem sehr schönen privaten Treffen. Danach bin ich dann auch nicht mehr so lange auf der Messe geblieben, ich wollte ja auch noch nach Dreieich. ;)

Diese Frankfurter Buchmesse hat mir deutlich wie noch nie gezeigt, wie anders ich bin – und wie schlecht manche Blogger, die sich für den Nabel der Welt halten, damit umgehen können. Auch wenn ich keine Verlagsbloggerin bin, was durchaus auch Nachteile hat, so haben wir doch immer noch eine Gemeinsamkeit: Unsere Begeisterung für Bücher, die wir mit anderen teilen möchten. Und ist das nicht die Hauptsache?

Glücklicherweise gab es aber auch viele schöne Momente. Trotzdem. Es gibt also tatsächlich Leute, die mit mir klarkommen. ;) Dafür bin ich wirklich dankbar, denn ich bin nun einmal so, wie ich eben bin … Und ein wenig anders zu sein, ist ja nichts Schlechtes.

Qindie-Magazin #3: Rock `n` Roll!

Die dritte Ausgabe des Qindie-Magazins ist frisch erschienen und widmet sich den Verbindungen zwischen Literatur und Musik:

Wie viel Musik steckt in Texten? Inwiefern greift ein Kunstgenre ins andere über? Kann das geschriebene Wort Musik werden? Oder liegt ihr Wechselspiel schlicht darin, sich gegenseitig zu inspirieren?
Das sind die Fragen, die wir uns in dieser Ausgabe gestellt haben. Den Antworten auf der Spur, führten wir interessante Interviews, ließen in Lyrik und Kolumnenbeiträgen unseren Gedanken freien Lauf, suchten in Romanen und bei Autoren und fragten bei Musikern, einer Konzertfotografin und einer Lektorin nach. Herausgekommen ist ein bunter, wilder Mix an Artikeln, die vielleicht nicht immer konkrete Antworten, aber doch Anregungen zum Nachdenken bieten. Rock `n` Roll eben!

Diesmal habe ich auch ein wenig mitgemischt! Ein Interview, eine Rezension – und dann war da noch eine spontane Idee für einen Artikel. Mir hat das viel Spaß gemacht, auch wenn ich mich an der einen oder anderen Stelle überwinden musste. Es ist eben ein Unterschied, ob man nur für den eigenen Blog schreibt oder für ein anderes Medium.

Das Magazin gibt es als Download in den Formaten ePub, Mobi & PDF, man kann es aber auch online lesen (mehr dazu hier). Wer zukünftige Qindie-Aktionen unterstützen möchte, kann das Magazin aber auch für einen Obolus von 1,99 Euro bei Amazon kaufen oder über Kindle-Unlimited ausleihen.

Ich bin gespannt, wie es euch gefällt! :)

~ Lebenszeichen ~

In den letzten Wochen war es hier so ruhig, weil ich mit der Entscheidung gerungen habe, ob ich mit dem Bloggen aufhöre oder doch weitermache. Es gab in den letzten Monaten einige Dinge, die mich ziemlich frustriert haben. Reaktionen, die mich verletzt oder einfach sprachlos gemacht haben. Und bevor ich meinen Blog entnervt hinschmeiße, bin ich lieber nochmal in mich gegangen: Ist meine Zeit als Bloggerin tatsächlich vorbei oder bin ich weiterhin stark genug, um so zu bloggen, wie ich es möchte?

herbstland

Mein Herbsturlaub hat für etwas Abstand gesorgt – und für genug Zeit, um mich auch mal auf mich zu konzentrieren. Was möchte ich? Welche Ziele habe ich? Was macht mir Spaß und was nicht? Dabei habe ich schnell gemerkt, dass mein Blog noch immer ein Herzensprojekt ist. Gerade weil ich so blogge, wie ich es gerne möchte. Da ist viel Leidenschaft – und auch jede Menge Spaß.

Die Frankfurter Buchmesse hat mir aber auch deutlich wie nie zuvor gezeigt, wie anders ich bin. Das muss natürlich nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein, denn es zeigt ja nur, dass ich nicht wie die Masse bin. Es ist einfach nur schwieriger. Die vielen netten Begegnungen auf Buchmesse und BuCon haben mir dagegen gut getan, es war toll so positive Reaktionen auszulösen. Als der Mensch, der man eben ist.

Einige Tage später habe ich mich dann entschieden, plötzlich war es ganz einfach. Ich würde meinen Blog einfach sehr vermissen, wo ich doch so gerne über Bücher und Autoren quatsche, die mich begeistert haben. Also werde ich einfach meinen inneren Krieger ausbuddeln und weitermachen. Es fühlt sich noch ein wenig seltsam an, aber das wird schon noch. ;)

Fabienne Siegmund & Tatjana Kirsten – Der Karussellkönig

Erscheinungsjahr: 2016
Gelesen im September 2016
Verlag: Torsten Low

Rezension

In einer vom Krieg zerrissenen Stadt wacht die 17-jährige Mina eines Morgens allein auf, ihre jüngere Freundin Lili ist verschwunden. Der einzige Mensch, der ihr noch geblieben war. Bei der Suche nach Lili begegnet sie auch einer alten Frau, die ihr sagt, dass der Karussellkönig ihre Freundin geholt hätte. Mina folgt dieser alten Legende und gelangt zu einem Karussell, das aus purem Mondlicht gegossen scheint und Schrecken und Hoffnung in sich vereint …

Diese Graphic Novel beginnt mit einem Vorwort von Christoph Marzi, in dem es auch um die Magie von Geschichten geht – und um die Bereitschaft, sich verzaubern zu lassen. Ich kenne und liebe es, wenn Dinge aus Geschichten Teil meiner ganz persönlichen Realität werden, darum hat mich das Vorwort auch direkt angesprochen.

Im Prolog erfahren wir, was das Lied der Flöte bewirkt. Wohin die Träumer, die es hören, gelockt werden: Das Karussell aus geschmolzenem Mondlicht war hungrig und wartete auf sie. Wir begegnen dem Flötenspieler, in dessen Herz Schmerz wohnt. Nur ein kurzer Moment, und doch hat er gleich mein Herz berührt.

Das erste Kapitel führt uns nicht nur zu Mina, sondern auch in eine vom Krieg gezeichnete Stadt. Es werden nicht nur die Zerstörung und die Opfer beschrieben, sondern auch das, was die Kämpfe und Verluste mit den Menschen gemacht haben. Mit ihren Seelen. Dabei hatte ich auch öfter einen dicken Kloß im Hals, weil vor allem die Emotionen so direkt bei mir ankamen. Trotz allem hatten sich Mina und Lili jedoch gefunden.

Doch das Leben war ein Dieb, der immer nur die schönsten Dinge stahl.

Die Geschichte ist aber nicht nur düster, sondern es gibt auch Hoffnung. Mina sucht nach ihrer Freundin, um sie zu retten. Sie gibt nicht auf und findet schließlich einen Weg zu ihr, aber alles hat seinen Preis. Es gibt Geheimnisse und alte Geschichten. Träume und Erinnerungen. Liebe und Schuld. Antworten, die man vielleicht gar nicht hören möchte. Und einen Helden, der selbst Hilfe braucht.

Viele der Figuren berühren mein Herz und sind mir ganz nah. Manche von ihnen sind für mich etwas Besonderes und begleiten mich nun. Neben Mina und dem Flötenspieler ist das vor allem auch die graue Dame, die mich mit ihrer Ausstrahlung und Art einfach eingefangen hat – und wegen dem, was sie ist.

Der Text und die Illustrationen ergänzen sich wunderbar, sie gehören einfach zusammen. Beides wirkt auf mich sehr eindringlich und facettenreich. Außerdem hat es mir gefallen, die Geschichte auf zwei Ebenen zu erleben, die sich verbinden und zusammen einen so starken Eindruck hinterlassen.

„Der Karussellkönig“ war für mich ein unglaublich intensives Märchen, das nah an der Realität angesiedelt ist und lebhaft in mir nachklingt. Düster und tragisch, aber auch magisch und mit einem Ende, das Hoffnung hinterlässt. Poetisch, berührend und mit einem wunderbaren Nachwort.

Astrid Rauner – Anation. Wodans Lebenshauch (Von keltischer Götterdämmerung 1)

Erscheinungsjahr: 2011
Gelesen im Februar 2016
Verlag: Acabus
Autorenseite

Rezension

Im 2. Jahrhundert v. Chr. im Land der Kelten: Der 19-jährige Aigonn wird in seiner ersten Schlacht von einer jungen Frau gerettet, die von den Toten auferstanden ist. Sie erkennt in ihm einen Seher und vertraut Aigonn an, dass in ihr eine alte Seele zurückgekehrt ist. Zusammen versuchen sie herauszufinden, warum das so ist und was es mit den rätselhaften Selbstmorden auf sich hat, die zur Zeit passieren. Dabei muss sich Aigonn nicht nur seiner Vergangenheit und seiner Gabe stellen, die Suche führt ihn auch auf den Weg eines neuen Gottes, der seine Macht erst noch zeigen wird …

Im Prolog ist der 10-jährige Aigonn auf der Suche nach dem verlorenen Jagdmesser seines Vaters und begegnet dabei einer Nebelfrau, einem aus Nebel geborenem Geist. Seitdem sucht sie ihn manchmal auf und spricht zu ihm, wenn auch selten. Die Geschichte beginnt also sehr mystisch und hat mich auch durch die stimmungsvollen Bilder schnell eingefangen.

Aigonn hat dem Schamanen Rowilan nie etwas von der Nebelfrau erzählt, weil er ihm seit dem Tod seiner Schwester misstraut. Doch der Schamane ist ein guter Beobachter und glaubt, dass Aigonn eine herausragende Fähigkeit besitzt, mit der Geisterwelt zu kommunizieren. Dieser Verdacht erhärtet sich, als die junge Frau ausgerechnet in seiner Anwesenheit von den Toten aufersteht.

Mir hat gefallen, dass der Grund für dieses Misstrauen so detailliert ausgearbeitet wurde, mehrere Blickwinkel erhielt und mich durch die Geschichte begleitet hat. Die Entwicklung der Beziehung zwischen Aigonn und Rowilan war für mich eins der wichtigen Themen dieses Romans. Meine Sicht auf den Schamanen hat sich nicht nur geändert, er ist mir auch ziemlich ans Herz gewachsen.

Die Mischung der historischen und phantastischen Anteile in dieser Geschichte fand ich sehr stimmig, da wirkte nichts aufgesetzt oder wie schmückendes Beiwerk. Natürlich sind die Überlieferungen aus jener Zeit sehr lückenhaft, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Menschen so gelebt haben. Die mystische Seite hat mich ebenfalls überzeugt, die Beschreibungen wirkten sehr intensiv auf mich – facettenreich, mit vielen Details und dem besonderen Zauber.

„Anation“ war für mich eine berührende, magische und sehr fesselnde Lektüre, mit der ich mich einfach wohl gefühlt habe. Ich mochte die dichte Atmosphäre, die Figuren, die historisch-phantastische Welt und die verschiedenen Themen, mit denen Spannung aufgebaut wurde. Ganz besonders hat mich allerdings die vielseitige mystische Ebene dieser Geschichte fasziniert. Ich bin schon gespannt, wie es mit dieser Reihe weitergeht und möchte auf jeden Fall mehr von der Autorin lesen …

Reihenfolge:

  1. Anation. Wodans Lebenshauch
  2. Völva. Wodans Seherinnen

Lesung aus „Himmel in Flammen“ von Bernhard Hennen in Braunschweig

Als ich Anfang April entdeckte, dass es hier in der Nähe endlich mal wieder eine Lesung für mich gibt, war die Vorfreude groß. Auch wenn bis dahin noch einige Zeit vergehen würde, musste ich trotzdem gleich Literaturjunkie fragen, ob sie mitkommen mag – und die Karten reservieren. Vorgestern war es dann soweit und wir hatten einen phantastischen Abend, an dem ich mal wieder viel gegrinst und gelacht habe.

Eintrittskarte

Nach der Begrüßung und Anmoderation durch eine Mitarbeiterin der Stadtbibliothek begann Bernhard Hennen den Abend mit der Warnung, dass er ein eher lesefauler Autor ist und das Gespräch mit dem Publikum viel spannender findet. Danach konnten wir abstimmen, ob wir lieber eine Szene mit (möglicherweise) schlechtem Humor oder viel Romantik hören wollten. Wie immer hat der Humor gewonnen, also wurde das Kapitel „Fremdsprachenkenntnisse“ gelesen und wir landeten in einem Luftaal, den eine Elfe dem Troll Groz und dem Kobold Che überlassen hatte. Da der Luftaal für Elfen gebaut wurde, ist das eine verdammt enge Angelegenheit. Dazu kommt noch, dass Che um die richtige Aussprache des elfischen Wortes Liuvar ringt, um so an den Ort zu kommen, an den er gerade denkt.

Himmel in Flammen_BS_2

Damit war der „Pflichtteil“ erfüllt und es ging mit der Fragerunde los. Dort ging es u.a. um den ersten Verlagsvertrag, ob „Die Elfen“ von Anfang an als Beginn einer Reihe geplant waren, um den Nuramon-Roman von James Sullivan. Darum, ob man als Autor alle seine Figuren mag und von welchen Ideen der Verlag nicht angetan war. Um die Vorliebe für tragische Liebesgeschichten, den Umgang mit näher rückenden Deadlines und Qualität, Schwertkampf und Bogenschießen. Um Erziehungsmaßnahmen vom Verlag, Inspiration und Recherche. Um Dinge, die man als Autor nicht tun sollte, die einen Roman aber viel vorhersehbarer machen.

Natürlich ging es auch um zukünftige Projekte! Im nächsten Elfenbuch spielen Emerelle und Meliander eine große Rolle. Sie waren eine Weile an einem sicheren Ort und Emerelle bricht auf, weil sie unbedingt ihre Mutter finden möchte. Meliander ist eher der Meinung, dass wenn sich seine Mutter so lange Zeit nicht für ihn interessiert hat, er sich auch nicht mehr für sie interessiert. Emerelle begegnet Falrach und Meliander erlebt eine sehr tragische Liebesgeschichte, bei der man viele Taschentücher braucht, wenn man zart besaitet ist (mit dieser Warnung wurde ich besonders angesprochen – und hilflos wie ich bin, bleibt mir da wohl nichts anderes übrig als einen großen Vorrat an Taschentüchern anzulegen). Der dunkle Bruder spielt aber auch eine Rolle und macht sehr seltsame Dinge.

Himmel in Flammen_BS

Danach gibt es eine Elfenpause für mindestens 2-3 Jahre. Unter den Elfenfiguren, die noch eine größere Rolle spielen, ist auch Alathaia. Ab 2017 erscheint bei Fischer Tor eine Reihe über eine Welt, in die die Magie zurückkehrt. Darin eingewoben sind einige Ideen aus der Gezeitenwelt-Saga.

Als der Wunsch nach der Lesung der zweiten Szene aufkam und sich niemand von einer tragischen Liebesgeschichte abschrecken ließ, wurde die Fragerunde überraschend damit beendet. Das Kapitel „Der letzte Kuss“ handelt von zwei Elfen, die auf einer untergehenden Welt festsitzen. Er ist immer den Weg des Schwertes gegangen und hält die Grenze zwischen Lehrer und Schüler für eine wichtige Regel. Auch wenn er gespürt hat, dass sie sich wünschte, diese Distanz überwinden zu können. Nun fragt er sich, ob aufrichtige Liebe über dieser Regel steht und er sich womöglich geirrt hat …

Eine sehr berührende Szene, bei der mir tatsächlich auch ein paar Tränen über die Wange liefen. Nicht wegen den beiden Elfen, sondern wegen der Anspielung auf Gonvalon. Gleichzeitig habe ich mich über die Erwähnung meiner ultimativen Lieblingsfigur aus der Drachenelfen-Reihe aber auch riesig gefreut.

Die Nacht der Schlange

Zum Signieren hatte ich diesmal „Die Nacht der Schlange“ dabei, ein aventurischer Kriminalroman, den ich noch gar nicht so lange habe – irgendwie war er mir durchgeflutscht. Dabei haben wir auch etwas über Wolfsträume gesprochen, die am 04. Oktober erscheinende Sammlung von Erzählungen. Darin enthalten sind neben (mir teilweise sogar unbekannten) bereits erschienenen Geschichten auch zwei neue Erzählungen. (Auf der Verlagsseite gibt es übrigens auch eine Leseprobe.)

Mein Bekenntnis zum Buch. #buchpassion

Janine von Kapri-ziös hat die tolle Aktion #buchpassion gestartet, auf die ich erst gestern aufmerksam geworden bin. Neben einem Lesemarathon auf Twitter wird es viele Artikel auf Webseiten und Blogs zum Thema „Mein Bekenntnis zum Buch“ geben, mehr darüber könnt ihr hier nachlesen. Glücklicherweise kann man auch noch spontan einsteigen, also los … Mal sehen, was mir so aus der Feder fließt!

Logo-buchpassion

Bücher & ich

So lange ich mich erinnern kann, waren da Bücher. Märchen, die meine Mutter uns vorgelesen hat. Bücher, die wir zusammen gelesen haben. Mein Lieblingsbuch aus dem Kindergarten – „Mein Esel Benjamin“ von Hans Limmer und Lennart Osbeck. Viele ausgeliehene Bücher – leider kann ich mich da nur an wenige Titel erinnern, als das Langzeitgedächtnis verteilt wurde, war ich wohl gerade Schiffchen gucken oder so etwas. Ronja Räubertochter, Momo, Die rote Zora, Die unendliche Geschichte, Mary Poppins. Mit Internatsgeschichten bin ich nicht warm geworden und mit Prinzessinnen meist auch nicht (außerdem fand ich Räubertöchter eben einfach viel spannender). Zu Hause hatten wir auch einige Bücher – und dann gab es ja auch noch Geschenke, besonders gut kann ich mich da an Karl May, ein Buch mit Märchen von Hans Christian Andersen, Tiergeschichten und eine Sammlung mit indianischen Legenden erinnern. :)

Ich habe immer gern gelesen, auch quer durch das Bücherregal meiner Mutter. Ich mochte die Romane von Gwen Bristow (lustigerweise stammt aus einem von ihnen ja auch mein Vorname) und Pearl S. Buck, aber auch die Geschichten, die in den Südstaaten, Australien, England, Indien und Ägypten spielten. Nur während meiner Ausbildung habe ich kaum „privat“ gelesen. Mir hat das natürlich gefehlt, aber der Druck, möglichst viel zu lernen, war einfach größer. Später hatte ich auch verschiedene Lesephasen. Es gab Zeiten, in denen ich fast nur psychologische Krimis oder Siedlerromane gelesen habe.

Fantasy ist nur was für Kerle?!

Abseits der phantastischen Geschichten aus meiner Jugendzeit hatte ich den Eindruck, dass Fantasy nur etwas für Männer ist. Bücher, in denen es fast nur um Krieg geht. Wenn ich mich doch mal in die Nähe des Fantasy-Regals im Buchladen gewagt habe, wurde ich seltsam angeschaut. In großen Kaufhäusern war das aber wieder anders … Als ich länger ins Krankenhaus musste und auf der Suche nach neuen Büchern war, mit denen ich mir dort die Zeit vertreiben könnte, habe ich spontan beschlossen, es einfach mal zu versuchen. Ich stand also ein wenig unentschlossen vor den Fantasybüchern in unserer Buchhandlung und habe mich immer mehr gewundert, denn vieles klang gar nicht so kriegerisch. Ich habe mich dann für „Die Wälder von Albion“ von Marion Zimmer Bradley entschieden, weil das nach einer mystisch-historischen Geschichte klang. Weil mich Seher reizen, und vor allem auch Kelten. Das ist noch heute so, auch wenn sich mein Geschmack in vielen Dingen verändert hat und mir das Buch auch nicht mehr so gut gefällt. Aber damals war das anders, ich war von verschiedenen Dingen fasziniert und hatte erlebt, wie viel tiefer mich Fantasygeschichten berühren können.

Danach habe ich dann weitere Bücher von Marion Zimmer Bradley gelesen, aber auch online gestöbert, was es noch so gibt. Anfangs las ich beispielsweise Diana L. Paxson, Patricia McKillip, Katya Reimann, Juliet Marillier, Sara Douglass. Und Kate Forsyth, die meinen Geschmack sehr geprägt hat. Später kamen dann auch deutsche Autoren hinzu, durch die für mich alles noch intensiver geworden ist: Das Lesen, die Figuren, das Kopfkino, die Neugier auf Lesungen und den Autor hinter der Geschichte. Und irgendwie habe ich immer darauf gewartet, dass die Fantasy-Phase zu Ende geht oder meine Buchauswahl sich wieder mehr mischt. Aber da ist kein Ende in Sicht …

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Was ist für mich ein gutes Buch?

Es muss mich einfangen, ich möchte völlig in ihm versinken. Es sollte sich anfühlen, als ob ich mittendrin stecke und die Geschichte miterlebe – nicht nur etwas darüber lese. Sie muss mich so berühren, dass ich mich auch abseits der Lesezeit mit ihr beschäftige und vielleicht sogar von ihr träumen. Die Figuren müssen mir möglichst nah stehen, ich bin ein sehr emotionaler Leser und für mich gibt es fast nichts schlimmeres, als wenn ich zu den Figuren und zu der Geschichte keine Verbindung spüre. Es darf sich nicht oberflächlich anfühlen oder so, als ob alles ganz weit weg passiert. Aber auch der Schreibstil muss meinen Geschmack treffen – und mir sollten nicht allzu viele Rechtschreibfehler auffallen, weil die mich immer ein wenig aus der Geschichte reißen (besonders wenn sie gebündelt auftauchen). Ob die Bücher nun dicker oder dünner, ein Einzelband oder eine Serie sind, ist mir relativ egal, solang mich die Geschichte überzeugen kann. Aber ich kann nicht abstreiten, dass ich es gerne episch mag.

Geschichten und ihre Auswirkungen

Jedes für mich gute Buch hinterlässt Abdrücke in meiner Seele, mal mehr und mal weniger. Kopfkino, Eindrücke, Lieblingsfiguren. Zitate, die in meinen Wortschatz übergehen (und mit denen ich mein Umfeld meistens verwirre, weil niemand die Bücher dazu kennt). Einige Geschichten berühren mich auch so intensiv, dass sie meine Realität beeinflussen – ich sehe dann beispielsweise Einhörner auf Friedhöfen oder bin felsenfest davon überzeugt, dass es auch in Hamburg eine uralte Metropole gibt. Für mich besondere Figuren oder Wesen bleiben bei mir und manche von ihnen sind in meinem Kopf ganz schön lebendig. Das klingt vielleicht schräg, aber ich liebe es und bin dadurch auch fast nie allein (die netten Männer in den weißen Anzügen haben mich bisher noch nicht gefunden). Ich mag auch musikalische oder literarische Andeutungen, die ich – je nach ausgelöster Neugier – recherchiere, wenn sie mir nichts sagen. Gerade bei der Musik entdecke ich so völlig neue Künstler für mich, zuletzt Belle and Sebastian (daran ist Christoph Marzi schuld, mal wieder). Oder dass ich Klassik manchmal eben doch mag.

Das Vorurteil vom Stubenhocker

In gewisser Weise trifft das ja auf mich zu, ich bin schüchtern und ziehe einen ruhigen Abend zu Hause jederzeit einer großen Party vor. Andererseits hat sich sehr viel verändert, wenn ich so an mein früheres Ich denke. Das war nicht nur viel zu sehr bestrebt, es allen recht zu machen (und vergaß sich dabei selbst), sondern hat auch fast nie etwas unternommen. Angefangen hat die Veränderung wohl 2005, als ich mich im Literaturschock-Forum angemeldet habe und dort nicht nur auf viele Buchtipps, sondern auch auf nette Menschen gestoßen bin. Damit habe ich mich so wohl gefühlt, dass ich mich sogar auf ein paar Treffen getraut habe. Im April 2007 war ich dann auf meiner ersten Lesung: Einer Fantasy-Nacht im Planetarium Hamburg mit Christoph Marzi und Markus Heitz, moderiert von Tom Finn. Vorher war ich schrecklich nervös, aber es stellte sich heraus, dass ich Lesungen sehr mag. So sehr, dass ich dafür meine Schüchternheit überwinden kann und dabei noch viel Spaß habe! Seitdem versuche ich, es zu so vielen Lesungen, die mich interessieren, wie möglich zu schaffen.

Im April 2008 habe ich dann meinen Blog gegründet und seitdem ist so viel passiert, auch mit mir. Natürlich bin ich immer noch schüchtern, aber ich freue mich sehr über kleine Treffen und darüber, dass mein Netzwerk langsam aber stetig wächst. Ich bin kein typischer Blogger und auch kein Selbstdarsteller, aber ich finde meinen ganz eigenen Weg. So, wie ich eben bin und wie es sich für mich richtig anfühlt. Mit meinem individuellem Lesegeschmack und meinen Zielen. Ich tue gern etwas, sowohl in Netzwerken als auch „nur“ für meinen Blog. Und ich habe noch viele Ideen, Pläne und Wünsche. Manchmal muss ich auch darüber grinsen, wie sich das alles entwickelt hat und mittlerweile zusammenhängt. Lesen, Schreiben, Bücher und Autoren sind schon so etwas wie ein Lebensmittelpunkt von mir geworden, auch wenn ich einen Job habe, der damit gar nichts zu tun hat. Was aber auch den Vorteil hat, dass ich lesen kann, was ich möchte. Gute Geschichten, unabhängig davon wie sie veröffentlicht wurden.

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Die Langsamkeit des Lesens

Ich staune ja immer, wie viele Bücher andere Blogger und Vielleser so in einem Monat schaffen, dafür brauche ich ein halbes Jahr oder noch länger. Aber warum ist das so? Und warum fühlt es sich schlecht an, wenn das bei mir eben anders ist? Ich habe nicht soviel Lesezeit, aber ich lese auch recht langsam. Natürlich könnte ich etwas schneller lesen – und sogar lernen, noch an Tempo zuzulegen. Aber ich will das einfach nicht, weil sich dann meine Art zu lesen sehr verändern würde. Sie würde oberflächlicher werden und ich könnte nicht mehr so tief in Geschichten eintauchen, wie ich es eben gerne tue. Mein Kopfkino und die Nähe, die ich so mag, würden sicher auch leiden. Auf die Frage, warum ich (als Bloggerin) so wenig Bücher lese, gibt es möglicherweise also nur diese Antwort: Fragen Sie nicht! Mal ganz davon abgesehen, dass sich die Liebe für Geschichten ja nicht unbedingt in der Anzahl der gelesenen Bücher ausdrückt, sondern darin, dass wir sie im Herzen tragen.

Mein Geschmack

Meine Ansprüche und Vorlieben haben sich natürlich mit der Zeit verändert, das kennt jeder und ist eine normale Entwicklung. Allerdings habe ich schon länger das Gefühl, dass mein Geschmack ein wenig speziell geworden ist – zumindest wenn ich ihn mit den Massen vergleiche. Also die Bücher, die in Foren besprochen werden oder in Buchläden ausliegen oder sich bei Online-Händlern gut verkaufen. Aber wisst ihr was? Ich finde immer noch sehr viel, was mich reizt – sowohl bei Verlagen als auch bei Indies. Leider nicht in Foren, dafür aber auf Cons, ausgewählten Blogs und beim Stöbern online. Und natürlich durch Buchtipps von Freunden, was ich ja immer noch die schönste Art finde, um auf ein Buch aufmerksam zu werden.

Außerdem verfolge ich natürlich auch die Neuerscheinungen der Autoren, die mich schon mit einem Buch überzeugen konnten. Ich neige da auch dazu, mir die älteren Romane anzusehen – von manchen mag ich sogar (fast) alles lesen. Und ich habe inzwischen so viele Lieblingsautoren, dass ich mich manchmal frage, wann ich das denn alles lesen will. Mal am Beispiel von meinen beiden Lieblings-Lieblingsautoren: Von Erik Kellen habe ich bis auf das eine Buch, das ich (wahrscheinlich) nicht lesen möchte, alles gelesen. Bei Bernhard Hennen sieht das ganz anders aus – da warten noch sechs ungelesene Romane und ein paar Kurzgeschichten (lustigerweise glauben aber alle, ich hätte schon alles von ihm gelesen). Ich versuche zumindest die Neuerscheinungen zu lesen, aber selbst da scheitere ich gerade. Hier ein nicht ganz aktuelles Bild meiner Bücher von den beiden:

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Es fehlt ein Nimmerherz-Band (Erik Kellen) und die beiden Phileasson-Bücher (Bernhard Hennen und Robert Corvus). Die Gezeitenwelt-Saga und die Anthologien stehen auch woanders …

SERAPH - Literaturpreis der Phantastischen Akademie

Meine Rezensionen erscheinen auch hier:

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