Erscheinungsjahr: 2015
Gelesen im Juni 2015
Verlag: bookshouse

Rezension

Der 16-jährigen Rain wurde zum ersten Mal das Herz gebrochen, denn der Junge, in den sie sich verliebt hat, erwidert ihre Gefühle nicht. Auf der Suche nach Trost streift sie durch New York und stolpert dabei fast über ein Bild aus Kreide, das lebendig wirkt. So lernt sie Christian kennen, der sie ihren Schmerz vergessen lässt und ihr ein New York zeigt, in dem alte Märchen lebendig sind. Aber er ist ein Winterkind, ein Sohn von Väterchen Frost und der Schneekönigin, und wurde mit einem Fluch belegt, der auch Rain in allergrößte Gefahr bringen kann …

Ich wurde bereits von den ersten Zeilen dieser Geschichte verzaubert, weil der melancholisch-poetische Schreibstil sehr direkt auf mich wirkt und nicht nur viele Bilder entstehen lässt, sondern auch vielfältige Emotionen auslöst. Mir gefiel auch der Gedanke, dass das Glück blind ist und einen daher oft verlässt, wenn man es am dringendsten braucht. Da waren Trauer und Verlust, aber auch Zuversicht und Verbundenheit.

Die Figuren waren mir sehr nah und haben mich sogar bis in meine Träume begleitet. Rain, die das Glück sehen kann und daran glaubt, dass in jedem Märchen etwas Wahres steckt. Christian, der sich niemals verlieben will und feststellen muss, dass man Liebe nicht beeinflussen kann. Väterchen Frost, der verhindern wollte, dass seinen Kindern jemals das Herz gebrochen wird. Caspar, der seinem ganz eigenen Stern folgt und die alten Geschichten kennt. Danny, der Rain vor dem Taubenfänger rettet und als Sommerkind ein Herz aus Feuer hat.

Ich muss ja zugeben, dass ich mit dem Sommer normalerweise kaum etwas anfangen kann und mich viel mehr dem Winter verbunden fühle. Allerdings ist das hier ein wenig anders, denn Danny habe ich schon sehr in mein Herz geschlossen. Neben Caspar ist er wohl meine Lieblings-Nebenfigur.

Die Geschichte steckt auch voller Musik und es gab immer wieder Titel, nach denen ich geforscht habe. Da ist es fast schon schade, dass ich von dem Buch so gefesselt war, dass ich völlig vergessen habe, mir einen Soundtrack zum Sommerkuss anzulegen. Ich mag sowas ja sehr. :)

Der Roman beinhaltet aber auch viele Überraschungen und beeindruckende Ideen! Beispielsweise Straßen aus Kreidestaub, Engelkrähen und natürlich Gerümpelrunen, die mich so für sich eingenommen haben, dass ich mir selbst welche zulege. Der Anfang ist gemacht und bisher erzählen sie mir auch immer, was sie für mich bedeuten. Überhaupt hat es die Autorin auch mit diesem Buch wieder geschafft, meine ganz persönliche Realität zu verändern, sie zu erweitern. Ich liebe es, wenn so etwas geschieht!

Sehr fasziniert haben mich die miteinander verwobenen Märchen, und da ganz besonders die Geschichten um Väterchen Frost. Von ihm wusste ich auch kaum etwas, während mich die Schneekönigin schon seit meiner Kindheit fesselt und mir in den letzten Jahren die verschiedenen Aspekte von Frau Holle immer mal wieder begegnet sind.

Durch all das wurde „Sommerkuss“ zu einer extrem fesselnden Lektüre, die mich emotional völlig mitgerissen und stark beeindruckt hat. Ich liebe die Geschichten, die Figuren, den poetischen Stil, die Atmosphäre und die verschiedenen Bestandteile des Romans. Und das, was er mit mir macht. Selbst wenn ich entdecke, dass meine ganz persönliche Hölle auch ein Sommerzirkus sein könnte. Ich freue mich schon riesig auf den zweiten Teil, der „Winterträne“ heißen wird!

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