Erscheinungsjahr: 2014
Gelesen im Mai 2015
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Rezension

Island, 1996: An seinem 18. Geburtstag erfährt Heiðar, dass sein Vater ein Vampir ist. Als seine Mutter dieses Geheimnis lüftet, versteht er endlich, warum er so anders ist als andere Menschen. Heiðar findet Wege, mit seinem Blutdurst und seiner Unrast umzugehen, aber er hat niemanden, mit dem er über seine unsterbliche Seite sprechen kann.

Jahre später begegnet er in einer Buchhandlung Rúna und fühlt zum ersten Mal wie ein Unsterblicher – sie ist die Eine, die er am meisten begehrt. Aufgewühlt flieht Heiðar ins Krankenhaus, um seine todkranke Mutter Kristín zu besuchen und erfährt dort von einem geheimnisvollen Besucher …

Normalerweise mache ich um Vampirgeschichten ja einen Bogen, aber manchmal ist meine Neugier einfach stärker. Bei diesem Buch konnte ich der Kombination aus Unsterblichen und Island nicht widerstehen, außerdem gefiel mir der stimmungsvolle Schreibstil. Die Atmosphäre hat mich beeindruckt, weil sie sich für mich so besonders anfühlt – dicht, intensiv, voller Bilder und Gefühle.

Es steckt so viel Island in dem Roman! Wunderbare Naturbeschreibungen, die mich zum Träumen bringen. Das Flair der Straßen und Cafés. Musiker und Schriftsteller. Eingeflochtene Erzählungen im isländischen Sagastil, die ein wichtiger Bestandteil der Geschichte sind und beispielsweise von Rúnas Vorfahren Bjálfi Grímsson berichten, der angeblich ein Abendwolf war und nach seinem gewaltsamen Tod wiedergekehrt sein soll.

Mir hat Heiðars Unsicherheit gefallen, als es darum ging, Rúna möglichst schonend beizubringen, was er ist. Seine große Angst, sie zu verlieren. Seine Liebe und Verletzlichkeit. Wie seine unsterbliche Seite erwacht, als er die Eine erkennt. Emotional und auch romantisch, aber für mich niemals kitschig.

Es geht aber auch um Heiðars Beziehung zu seinem Vater Fionn, den er erst jetzt kennenlernt. Um die Geschichte seiner Eltern. Um die Welt der Unsterblichen, in die Heiðar nun die ersten Schritte unternimmt, begleitet von seinem Vater. Auch wenn es in dem Roman viele spannende Figuren gibt, ist es doch Fionn, der mich am schlimmsten „erwischt“ hat. Er ist gefährlich, aber hat für mich eine ganz besondere Ausstrahlung und ist seinen Lieben gegenüber sehr fürsorglich. Und dann wäre da noch die Tragik …

Ruhige und actionreiche Szenen wechseln sich ab, so dass genug Zeit für die Beziehungen und Hintergründe der einzelnen Figuren bleibt. Und auch wenn die Jagd-Kapitel etwas blutiger waren, haben sie mir gut gefallen, weil sie zu den Unsterblichen gehören und in Heiðars Fall auch gezeigt haben, was er dabei empfindet bzw. darüber denkt. Ich fand es auch angenehm, dass man sich als Leser an das Blut nach und nach gewöhnen konnte und nicht zu Beginn davon erschlagen wurde.

„Silbernes Band“ war für mich eine sehr berührende und mitreißende Lektüre, die eine intensive und lang anhaltende Wirkung auf mich hat. Eine faszinierende Mischung, der man anmerkt, wie sehr die Autorin Island liebt. Tragisch, romantisch, geheimnisvoll. Mit ein paar Szenen, bei denen ich Rotz und Wasser geheult habe … Ich freue mich schon auf das Lesen der nächsten Bände und bin gespannt, wie es weitergeht!

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