Erscheinungsjahr: 2013 (bzw. als „Dragonsoul“ bereits 2011)
Gelesen im Februar 2013
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Rezension

Die 17-jährige Nilah ahnt nicht, dass sie etwas Besonderes ist. In ihrem Blut verbirgt sich eine Macht, die das größte Geheimnis aller Zeiten ist. Als sie zusammen mit ihrem Vater nach Irland reist, um der Beerdigung ihrer Großmutter beizuwohnen, geschehen Dinge, die Nilah an ihrem Verstand zweifeln lassen. Sie gerät in einen Kampf, der 2.000 Jahre geruht hat und nun wieder aufgeflammt ist. Zwischen den „Einzigen“, dessen Ziel die Vernichtung ihrer Seele ist, und Liran, einem sagenumwobenen keltischen Krieger, der sie um jeden Preis beschützen will.

Die Sprache, in der diese Geschichte erzählt wird, hat mir von Anfang an gut gefallen. Sie ist nicht nur wunderschön und teilweise poetisch, sondern „klingt“ auch und berührt etwas in mir. Sie wirkt sehr direkt auf mich, ist voller großartiger Bilder und bewegender Gedanken. Es wird eine Atmosphäre erzeugt, die mich einfach nicht mehr losgelassen hat.

Die Geschichte spielt in Hamburg und Irland, beide Orte werden sehr liebevoll und stimmungsvoll beschrieben. Ich konnte die Weite und den Zauber Irlands spüren, die alte Macht des Landes. Das Gefühl, dass dort Mythen überdauern und lebendiger sind als anderswo. Hamburg hat noch etwas intensiver auf mich gewirkt – sicherlich auch, weil ich die Stadt sehr mag und einige der erwähnten Dinge kenne. Es war ein anderes Hamburg, gefährlicher und düsterer, aber nicht weniger faszinierend. Und es gab eine wundervolle Stelle, an der beschrieben wurde, warum diese Stadt für jemanden, der sich zum Wasser hingezogen fühlt, wie ein kleiner Traum ist. Für jemanden wie mich.

Zu Nilah hatte ich schnell einen guten Zugang, sie war mir einfach sympathisch und wirkte „echt“ auf mich. Mal nachdenklich, mal wütend, mal sensibel. Und aus verschiedenen Gründen auch sehr reif – mir gefällt, dass man nach und nach erfährt, warum sie sich so entwickelt hat. Besonders gut hat mir auch die Beziehung zu ihrem Vater gefallen, diese besondere Nähe wurde sehr liebevoll beschrieben. Nilah ist Veganerin und ich fand den Umgang mit diesem Thema sehr angenehm. Kein erhobener Zeigefinger, keine Belehrungen. Stattdessen erfährt der Leser, warum sie sich dafür entschieden hat, und denkt so vielleicht eher darüber nach.

Liran hat mich irgendwie sofort „erwischt“, das ging wohl auch gar nicht anders. Mystischer Hintergrund, tragische Andeutungen, Schwertfuchtler. Hm. Dazu noch eine tolle Ausstrahlung und viele Facetten. In ihm steckt so viel mehr als ein wieder erwachter Krieger, der sich nach zwei Jahrtausenden in einer völlig neuen Welt zurecht finden muss. Er macht so einiges durch – und ich auch, weil ich wieder ganz nah bei meiner Lieblingsfigur bin, mitleide und einfach sehr emotional lese. Viele der Nebenfiguren haben auf mich auch sehr präsent und außergewöhnlich gewirkt. Individuelle Charaktere, die einen starken Eindruck hinterlassen und dazu beitragen, dass sich diese Geschichte so abwechslungsreich und lebendig anfühlt.

Die Spannung in „GezeitenZauber“ steigt stetig an und im letzten Drittel war ich fast soweit, vor Aufregung an den Nägeln zu kauen. Es gibt einige unheimliche Wesen, überraschende Ereignisse sowie viele Gelegenheiten zum Mitfiebern und Mitleiden. Diese mitreißende Geschichte bietet viele Kämpfe, aber sie ist auch mystisch und lässt sich Zeit für sensible Momente. Voller Magie und Tiefe, wunderbar illustriert, außerdem hinterlässt sie bei mir eine Vielzahl von Bildern und Emotionen. Eine bewegende Lektüre, die mich beschäftigt hat und deren Fortsetzung ich kaum erwarten kann. Und eine der Geschichten, die man mit jeder gelesenen Seite mehr liebt und einfach genießt.

Reihenfolge:

  1. GezeitenZauber
  2. SeelenZauber
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