Erscheinungsjahr: 1961 bzw. 2008
Gelesen im Juni 2012
Verlagsseite

Rezension

Das Einhorn belauscht zwei Jäger in ihrem Fliederwald, die sich erzählen, dass in der Herrschaftszeit von drei Königen nicht auch nur der Schatten eines Einhorns gesehen wurde. Nirgendwo. War es also das letzte Einhorn? Oder waren die anderen irgendwo an einem weit entfernten Ort zusammen und warteten darauf, dass es sie endlich fand? So macht sich das Einhorn auf die Suche nach seinen Artgenossen und trifft dabei nicht nur auf Freunde, sondern auch auf gefährliche Wesen und dunkle Mächte.

Dieses Buch vereint „Das letzte Einhorn“ und die 2005 entstandene Fortsetzung „Zwei Herzen“, in der es um die neunjährige Sooz geht, deren Dorf von einem gefährlichen Greif bedroht wird, der immer wieder kleine Kinder entführt. Als dieser ihre beste Freundin holt, beschließt sie, sich heimlich davonzumachen, um den alten König Lír um Hilfe zu bitten, da die von ihm entsandten Ritter den Greif nicht besiegen konnten.

Den Film „Das letzte Einhorn“ mag ich sehr, aber der Roman hat mich noch um ein Vielfaches mehr verzaubert. Mit nur wenigen Worten wird eine sehr dichte und märchenhafte Atmosphäre erzeugt, die mich tief in die Geschichte entführt. Dieser magischen Poesie kann man sich einfach nicht entziehen, sie hat sehr direkt auf mich gewirkt und mir viele lebendige Bilder mit ganz unterschiedlichen Stimmungen geschenkt. Dazu kommen noch gelungene Charaktere, mit denen man einfach mitfiebern muss, und die für mich etwas besonderes haben. Jeder hat seinen ganz eigenen Reiz, seinen ganz eigenen Zauber.

Ich mag diese wundervolle Sprache – den Humor und die Wärme, die in den Worten mitklingen. Die Gefühlstiefe, diese schönen Beschreibungen und Ideen. Beispielsweise Schmetterlinge, die sich mit Liedern und Gedichten auskennen, aber alles, was sie hören, durcheinander bringen. Oder dass ein Held nur dann ein richtiger Held ist, wenn er vom Augenblick seiner Geburt an in Schwierigkeiten steckt. Oder dass noch keine Katze jemals irgendwo irgendjemandem eine klare Antwort gegeben hat. Hach!

Die „Zwei Herzen“ begleitet eine ganz andere Atmosphäre, die für mich aber gut zu der Geschichte und der Erzählperspektive passt. Mir gefällt diese Fortsetzung, die von Mut und Freundschaft erzählt, ihre traurigen Momente hat und doch hoffnungsvoll endet. Sie ist nicht so poetisch, wirkte auf mich aber nicht weniger magisch und fesselnd.

Da mich diese Lektüre so sehr begeistert und berührt hat, muss ich natürlich ganz unbedingt mehr von Herrn Beagle lesen. Ich freue mich schon darauf!

Share: