Gelesen im Oktober 2012
Erscheinungsjahr: 2012
Verlag: Goldmann

Rezension

Dana hat sich gerade von ihrer ersten großen Liebe getrennt und will nun durch eine Reise nach Schottland wieder zu sich selbst finden. Zusammen mit ihrer Freundin Marita unternimmt sie eine Rucksacktour, bei der die beiden bald Gesellschaft von den Schotten Alec und Marc erhalten. Die Ruine des Brochs Dun Telve, eines gut erhaltenen Turms aus der Eisenzeit, fasziniert Dana bereits beim ersten Anblick. Sie wettet mit Marc, dass sie es schafft, dort ganz allein eine Nacht zu verbringen. Während dieser Nacht begegnet ihr der Geist einer Kriegerin aus dem Volk der Pikten. Rionach bittet sie, in die Vergangenheit zu reisen, um ein jahrtausendealtes Unrecht wiedergutzumachen und ihre Familie vor einem grausamen Schicksal zu bewahren.

Zeitreiseromane gehören jetzt nicht unbedingt zu den Büchern, auf die ich mich direkt stürze. Aber diesen hier musste ich ganz einfach lesen, weil er in Schottland spielt, ein Geist vorkommt und… naja, von einer meiner Lieblingsautorinnen geschrieben wurde. Und das war auch ganz gut so, denn sonst hätte ich eine wunderbar berührende und detailreiche Geschichte verpasst! Mit dem Buch habe ich mich von Anfang an sehr wohl gefühlt, die so liebevoll beschriebenen Eindrücke von der Natur, den Menschen und Geschichten Schottlands habe ich förmlich aufgesogen. Nicht gut für das Fernweh, gar nicht gut!

Anfangs hatte ich eine leicht absehbare Liebesgeschichte befürchtet, aber da wurde ich glücklicherweise überrascht. In diesem Buch spielt die Liebe zwar eine wichtige Rolle, aber sie wirkte auf mich nicht wie der Hauptbestandteil, sondern eher wie eine Facette des Romans. Es wird sich viel Zeit genommen, um das Leben in der damaligen Zeit vor dem Leser auszubreiten – mit vielen Einzelheiten, durch die ich es förmlich miterlebt habe. Man erfährt einiges über die Lebensgewohnheiten, den Glauben und den Zusammenhalt. Es gibt aber nicht nur ruhige Szenen, sondern auch kämpferische, mystische und tragische. Und auch einige romantische, bei denen einem einfach das Herz aufgehen muss!

Mir hat gefallen, dass Dana nicht „einfach so“ eine Zeitreise macht, sondern eine Aufgabe hat, aber Rionachs Worte hinterfragt und erstmal nach Verbindungen sucht. Und dass sie nicht einfach in diese Zeit fällt, sondern auf dem Weg dahin etwas lernen muss. Sie entwickelt sich, auf ganz unterschiedliche Weise. Ich hatte einige Figuren gern, aber zwei sehr unterschiedliche Männer haben es mir doch ganz besonders und intensiv angetan. Der eine ist sanft, offen und einfühlsam, während der andere hinter seiner abweisenden Art eine tragische Geschichte und viele Emotionen verbirgt.

Der Roman ist für mich eine gelungene Mischung aus historischen und phantastischen Elementen – die Magie wirkt nicht wie ein Fremdkörper, sondern wie ein Teil dieser Welt. „Der Feenturm“ war für mich eine überaus fesselnde, berührende und sehr lebendige Geschichte, zu der ich auch wundervolles Kopfkino hatte. Eine Sache empfand ich als zu leicht durchschaubar, aber ansonsten wurde ich oft überrascht und durfte mich auch über ein ungewöhnliches Ende freuen, das mich sogar mit einer Entwicklung ein wenig versöhnt hat. Ich musste nämlich ziemlich leiden, weil ich mir mal wieder die „falschen“ Lieblingsfiguren ausgesucht habe. Aber andererseits… deshalb auf sie und meine emotionale Leseweise verzichten? Niemals!

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