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Julian Frost – Last Days on Earth

Erscheinungsjahr: 2012
Gelesen im Mai 2012

Karla van Zomeren ist eine Weiße Hexe und Ermittlerin bei der MID, der Magisterischen Informationsdienststelle. Von ihrem letzten Fall, durch den ihr Partner im Krankenhaus gelandet ist, wird sie nach einem Jahr abgezogen. Sie endet jedoch nicht wie befürchtet als Aktenschubse im Innendienst, sondern erhält einen neuen Fall – inklusive neuem Partner. Zusammen mit dem Schwarzmagier Raoul Winter, einem freien Mitarbeiter der ZMA (der Zentralen Magischen Aufklärung), soll sie nun eine Reihe von Diebstählen aufklären. Hinter den entwendeten Büchern steckt so viel mehr, als anfangs ersichtlich ist. Es gibt auch eine Verbindung zu Karlas privaten Weltuntergangsalben, in denen sie Zeitungsausschnitte mit Meldungen über Super-Vulkane, Kometen, Supernova-Explosionen, UFO-Sichtungen, notgelandete Raumschiffe und natürlich dem Ende des Maya-Kalenders archiviert.

Dieser phantastische Weltuntergangs-Thriller wurde von Susanne Gerdom unter ihrem neuesten Pseudonym “Julian Frost” veröffentlicht und dürfte diejenigen, die hier einen “klassischen” Thriller erwarten, überraschen. Hoffentlich positiv. Denn in dieser Welt gibt es die verschiedensten Wesen: Daimonen, Werwesen, Drachen, Vampire, Kobolde, Banshees, Trolle, … Dazu kommen noch jede Menge Magier, die sich auf drei magische Gruppierungen verteilen und manchmal auch die Seiten wechseln.
Das Buch lässt einen nicht vor Spannung nervös an den Fingernägeln knabbern und bei ungewohnten Geräuschen zusammenzucken, es verbreitet eher eine angenehme Spannung, mit der ich mich sehr wohlgefühlt habe und die mich durch den gesamten Roman begleitet hat.

Der Einstieg in die Geschichte war für mich recht heftig und blutig, denn sie beginnt mit einem Mord. Glücklicherweise wurde dieser nicht allzu detailliert beschrieben, ich bin da wohl immer noch ein “Weichei” und habe zudem eine gut trainierte Vorstellungskraft, die sich nicht wirklich steuern lässt. Solche Szenen sind in dem Buch aber eher selten und lassen sich an einer Hand abzählen.
Die abwechslungsreiche Atmosphäre trug dazu bei, dass ich schnell mitten in der Geschichte steckte und sich mein Kopf mit Eindrücken, Spekulationen sowie Fragen füllte. Ich liebe es einfach, wenn ein Buch den Leser auch etwas fordert und dazu einlädt, die grauen Zellen anzustrengen. Mir macht es viel Spaß, auf kleine Hinweise zu achten, Verbindungen zu suchen und wild zu spekulieren.

Die gezeichnete Welt verbreitete eine besondere Stimmung, an vielen Ecken blitzte ein toller Humor durch und es gab soviel zu entdecken! Nicht nur die unterschiedlichen Wesen und ihre Lebensgewohnheiten, sondern auch soviele magische Andeutungen, die mich sehr gefesselt haben. Ich habe da zwar nicht alles bis ins letzte Detail verstanden, aber zu den meisten Dingen doch sehr klare Bilder im Kopf. In den Beschreibungen der Magie habe ich mich immer völlig verloren, weil diese nicht nur zu sehen sondern auch zu spüren waren – ganz nah und intensiv. Das kenne ich ja schon von Susanne, aber es begeistert mich jedes mal aufs Neue!

Es gab auch viele Charaktere, zu denen ich eine besondere Verbindung hatte. Karla stand mir da vielleicht am nächsten, sie hat ihren ganz eigenen Kopf und scheint voller Gegensätze zu sein. Wegen ihr habe ich ziemlich gelitten, aber sie hat mich auch sehr beeindruckt! Raoul mochte ich auch sehr, allerdings hat er da ja ein… Problem, das bei mir für einen etwas chaotischen ersten Eindruck gesorgt hat. (Halt die Klappe, Brad!) Und dann gab es da noch eine Figur, die mich einfach erwischt hat, bevor ich geschnallt habe, was das für ein Wesen ist. Puh, und das mir! Ich hätte gerne etwas mehr über ihn erfahren, aber das sollte wohl einfach nicht sein…
Mir hat auch sehr gefallen, dass die Nebenfiguren nicht oberflächlich wirkten und ihren ganz eigenen Charme hatten. Und die eine oder andere Überraschung! Die beiden Drachen, die ich dort etwas näher kennenlernen durfte, waren auch klasse. Jeder auf seine spezielle Art – dabei war mir einer von ihnen dank seines Auftritts doch zuerst ziemlich unsympathisch.

Ein echtes Wohlfühl-Buch, mit dem ich auch noch riesig viel Spaß hatte – beim und nach dem Lesen! Die hier verarbeiteten Ideen haben mich sehr beeindruckt und dafür gesorgt, dass sowohl mein Kopf als auch meine Phantasie auf Hochtouren liefen. Ich liebe die Tiefe dieser Geschichte, die überzeugenden Figuren, die wunderbaren Beschreibungen der Magie, die angenehme Spannung, die vielen Details, Andeutungen und Verwicklungen. Eine überaus gelungene Welt, die ich nur zu gerne wieder besuchen würde!
Allerdings muss ich auch eine Warnung aussprechen: Wer kein Freund von Vampiren ist und dies auch bleiben möchte, sollte dieses Buch besser nicht lesen. Die Gefahr, dass sich das (zumindest bei denen in diesem Roman) ändert, ist einfach zu groß! Ich spreche da aus eigener Erfahrung und mag nun zumindest zwei von denen sehr. Und finde den Rest auch nicht gerade zum Wegrennen – von dem spannenden internen Vampirkram mal ganz zu schweigen. Hilfe!

Last Days on Earth

Erster Satz
Der Lichtschein seiner Taschenlampe glitt über die Reihen der Bücherrücken.

4 Kommentare zu „Julian Frost – Last Days on Earth“

  • Bettina sagt:

    Jaaa, die beiden Drachen sind beide auf ihre Art besonders.

  • Cuddles sagt:

    Du und Vampire, was ist da nur passiert? ;-) Kleiner Scherz, das Buch hört sich wirklich gut an! *Wunschliste rauskram*

    Der erste Satz ist auch sehr schön.

  • Hanne sagt:

    Nun bin ich endlich dazu gekommen, deine Rezension zu lesen. Es beeindruckt mich immer wieder, mit welcher Intensivität du dich mit einem Roman auseinandersetzt bzw. auch in die Tiefe gehst.
    Aber du weißt ja, dass ich deine Rezension mag, denn sie entsprechen nicht dem Null Acht Fünfzehn oder so einfach mal zag wischi waschi… Hoffe, du weißt, was ich meine
    Liebe Grüße Hanne

  • Fantasynixe sagt:

    @Cuddles
    Du sagst es! Ich weiß ja gar nicht, wie das passieren konnte…
    *unschuldig guckt*

    @Hanne
    Ooooh, Dankeschön! Das freut mich, auch wenn ich genau zu dem Punkt gerade ein wenig im Unreinen mit mir bin. Aber der einfache Weg muss ja nicht immer der für mich richtige sein. ;)
    Diese Rezi zu schreiben, hat allerdings auch ziemlich lang gedauert. Aber ich bin – trotz allem – ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis. Und: Ja, ich weiß, was du meinst!

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