Anika Beer – Als die schwarzen Feen kamen
Erscheinungsjahr: 2012
Gelesen im April 2012
Gabriel kann die Kreaturen sehen, die sich im Schatten der Menschen verbergen. Wesen, die Ausdruck ihrer düsteren Gefühle und Ängste sind. Die meisten Menschen kennen ihre Schattenkreatur nicht, lassen sich aber von dessen Bedürfnissen lenken. Etwas an Maries Schatten, einem Schwarm unheimlicher schwarzer Feen, beunruhigt Gabriel so sehr, dass er sie warnt. Aber ihr fällt es schwer, ihm zu glauben, da sie dahinter einen schlechten Scherz einer Freundin vermutet. Erst als es ihrer Mutter schlecht geht und Marie kleine sich bewegende Schatten unter deren Haut sieht, wendet sie sich wieder an ihn. Zusammen versuchen sie das Wesen der schwarzen Feen zu ergründen. Dafür haben sie allerdings nicht viel Zeit, denn diese sind dabei, in die Realität vorzudringen.
Bereits nach den ersten Sätzen hatte mich die wunderbar dichte Atmosphäre eingefangen und dafür gesorgt, dass ich das Buch nur ungern zur Seite gelegt habe. Mir wurde mal wieder bewusst, wie sehr ich tiefgründige Geschichten mag – und dieser Roman gab mir da einiges! Allein die Idee mit den Schattenkreaturen bietet vieles, worüber man nachdenken kann. Wie fühlt es sich an, diese ständig zu sehen? Wie furchtbar sieht meine eigene aus? Wie sehr beeinflusst mich meine Schattenkreatur? Und gibt es vielleicht auch so eine Art Gegenstück, ein Lichtwesen, das alle positiven Gedanken und schönen Momente verkörpert?
Die beiden Hauptfiguren waren sympathisch und wirkten auf mich auch sehr nah, so dass ich schnell mit ihnen mitgefiebert habe. In Marie konnte ich mich leicht hinein versetzen, was auch – aber nicht nur – an ihrer zurückhaltenden Art lag. Bei Gabriel war das eher intuitiv, da er ja ein sehr rätselhafter aber für mich auch faszinierender Charakter ist, über den man nach und nach mehr erfährt. Die zarte Liebesgeschichte war ganz nach meinem Geschmack, denn die Annäherung wurde sehr liebevoll und behutsam beschrieben. Ich konnte viel Gefühl spüren, ohne dass große Worte darum gemacht wurden. Einfach schön!
“Als die schwarzen Feen kamen” ist eine Geschichte voller unheimlicher Wesen, die mir öfter eine Gänsehaut verursacht haben. Die Stimmung wird immer düsterer und es scheint so, als ob die anfängliche Hoffnung mit jeder Seite mehr schwindet. Es gibt aber auch Szenen, die einem Halt geben – und in Marie die Kraft wecken, sich ihrer Schattenkreatur zu stellen. Das Buch hat mich aufgewühlt, mir viele Bilder beschert, mich zum Weinen und Nachdenken gebracht. Eine sehr stimmungsvolle und emotionale Lektüre, die einen starken Eindruck bei mir hinterlassen hat. Und einige Dinge, über die ich immer mal wieder nachdenke, da nicht alle Ereignisse bis ins kleinste Detail aufgelöst wurden. Ich mag sowas ja, da ich als Leser auch gern etwas gefordert werde…
Erster Satz
Dick und undurchsichtig türmten sich die Nebelschwaden am rotvioletten Himmel.













Deine Rezension gefällt mir sehr gut
Liebe Grüße Hanne