Erscheinungsjahr: 2011
Gelesen im Juni 2011
Verlag: Heyne

Wie rau der Morgen war, so weiß, so kühl gegen das sanfte Violett der Nacht. So herzzerreißend licht – es ist der Morgen, an dem eine alte Frau ihrer Enkelin ein Geheimnis anvertraut. Ein Geheimnis, das die Grenzen zwischen Wirklichkeit, Märchen und Träumen verwischt und das Schicksal einer Familie für immer verändert. Denn einst, vor langer Zeit, machte sich ein Mädchen, Mina, hoch im Norden auf, ihre verschwundenen Brüder zu suchen. Sie begegnet Freunden, Feinden und seltsamen Wesen und lernt, über sich selbst hinauszuwachsen.

Rezension

In Minas Geschichte gibt es vier Stationen, die an die klassische Struktur vieler Märchen (beispielsweise Die sieben Raben der Brüder Grimm) angelehnt sind: Sonne, Mond (beide sind dem Mädchen feindlich gesinnt), Sterne (freundlich und hilfreich) und Glasberg (das Ziel, welches ein Opfer verlangt). Diese Stationen finden sich auch in den Zinken, die Minas Weg illustrieren und das Buch in Abschnitte einteilen. Anfangs fand ich diese rätselhaft, wenn auch sehr schön – aber je mehr ich von der Geschichte las, desto besser konnte ich sie deuten. Das Rätseln um die Bedeutung der Zinken und ihre Verbindung zur Geschichte wurde für mich zu einem kleinen Ritual, das ich genoss.

Die wunderbare poetische Sprache und diese besondere Stimmung haben mich schnell verzaubert. Es ist eine ruhige Geschichte mit detaillierten Beschreibungen und einer märchenhaften Atmosphäre. Aber auch mit realen Bezügen und historischen Fakten. Der Roman wirkte auf mich sehr intensiv, woran die lebendig gezeichneten Figuren und verschiedenen Wesen auch nicht unschuldig waren. Es gibt tragische Szenen, aber auch die liebevolle Gemeinschaft der Tater. Mut, Stärke, Mitleid – und eine Figur, die mich emotional ganz schön erwischt hat.

Die Geschichte fordert den Leser und lädt ihn dazu ein, sich Gedanken zu machen, eigene Schlüsse zu ziehen. Ich mag Bücher, die mich auch außerhalb der Lesezeit beschäftigen und nicht alles erklären. Sie wirken intensiver und hinterlassen deutlichere Spuren.
Das stimmige Ende passte perfekt zu der Geschichte, es war traurig und doch nicht ganz ohne Hoffnung. So war „Der siebte Schwan“ für mich ein absolutes Wohlfühlbuch, das mich verzaubert und zum Träumen verleitet hat.

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