Erscheinungsjahr: 2010
Gelesen im Juni 2010
Verlag: Klett-Cotta
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Rezension

Justine, die junge Kellnerin, der bärbeißige Wirt Alphonse und der glücklose Schriftsteller Gaspard – keiner von ihnen weiß, warum sich plötzlich ein seltsames Dämmerlicht über Paris legt. Die geheime Sociéte, die über alle Magie wacht, ist alarmiert und hat bereits ihre Vertreter entsandt, um den abtrünnigen Zauberkünstler Ravi und seine bezaubernde Assistentin Blanche zu bestrafen.
Im „Jardin“, dem kleinen Hotel am Boulevard Raspail, treffen sie schließlich aufeinander, um zu klären, was unerklärlich scheint. Der Kampf zwischen Wirklichkeit und Traum hält nicht nur Gaspard und Justine in Atem, sondern droht die gesamte Stadt zu verschlingen: Paris steht still, keine Glocke schlägt die Zeit. Das Pendel im Chor von Saint-Martin-des-Champs schwingt aus, und niemand weiß, ob sich die Welt noch dreht…

Dieses bezaubernde Buch entführt uns in das Paris der 1920er Jahre, welches mich durch seinen ganz eigenen Charme überzeugen konnte – obwohl ich noch nie in Paris war und auch keine besondere Verbindung zu dieser Stadt habe.

In einem ruhigen, detailreichen und manchmal auch poetischem Stil wird die Geschichte abwechselnd aus dem Blickwinkel von gleich sieben Figuren erzählt. Dadurch werden die Charaktere sehr genau beschrieben und es fällt leicht, einen Zugang zu ihnen zu finden – manche Szenen erlebt man so sogar aus mehreren Perspektiven.

Durch die entstandene Zeitschleife wird auch mit der Zeit gespielt – und mit Möglichkeiten, Varianten des immer selben Tages. Welche Auswirkungen haben Abweichungen vom vorherigen Tag – und durch welche Handlungen kann man dem Stillstand der Zeit möglicherweise entkommen? Ganz besonders berührt haben mich dabei immer die Begegnungen von Justine und Gaspard, daher wurde auch mein Bezug zu den beiden mit jedem Tag stärker.

Dieser Roman ist sehr rätselhaft und wirft immer neue Fragen auf. Im Verlauf der Geschichte sind stetig Andeutungen zu finden, die sich oft erst viel später zu einem Bild zusammenfügen. Manche Kapitel haben mich im ersten Moment verwirrt, bevor sich meine grauen Zellen einschalteten, um Vermutungen und mögliche Verbindungen zu schaffen.

Genau wie bei „Fairwater“ muss man es also mögen, mitzudenken und sich Lösungen zu erarbeiten. Ich habe das wieder sehr genossen, ebenso wie die zauberhafte Atmosphäre dieser Geschichte.

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