[fantastische Fragerunde] mit Susanne von Literaturschock
Nun ist es tatsächlich soweit – eine Idee, die mich seit einigen Monaten begleitet, darf nach einem kurzfristigen Aufenthalt in der vielleicht-später-Schachtel nun ans Licht der Öffentlichkeit. Und ich freue mich riesig darüber, dass Susanne von Literaturschock die fantastische Fragerunde eröffnet und sich meinen Fragen erfolgreich gestellt hat. Und jetzt geht es los, ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!
Wer steckt hinter Literaturschock, Leserunden.de und dem Klassikerforum – wie würdest du dich selbst beschreiben?
Ich bin ein freches **jähriges Mädchen ohne Sommersprossen, dessen rotes Haar nicht in zwei abstehenden Zöpfen geflochten ist. Ich habe zwei eigene Pferde, die ich nicht hochheben kann und somit bin ich zwar nicht das stärkste Mädchen der Welt, dafür habe ich in meiner Villa Kunterbunt aber Platz genug für viele Tiere und Bücher – und ich kann dort tun und lassen, was ich möchte.
Wie sah der Start von Literaturschock aus und welches Ziel hast du dabei verfolgt?
Eigentlich war ich nur genervt von der Tatsache, dass ich den Überblick über meine Bücher verloren habe. Beim ersten Doppelkauf denkt man sich “Was solls. Verschenke ich das doppelte Buch eben”. Beim zweiten Mal ist das schon weniger witzig und beim dritten Mal grübelt man über die eigene Zurechnungsfähigkeit. Da ich mich aber auch nicht mit einer einfachen Excel-Liste zufriedengeben wollte (so etwas wie Buchverwaltungssoftware gab es im Jahr 2000 wenn überhaupt nur rudimentär) und ich mich außerdem mitten im Informatikstudium befand, entschied ich mich für die Bücherverwaltung in Form einer Webseite. Nun versinken die Bücher zwar auch im Chaos – es ist aber etwas geordneter. Und irgendwann machte sich Literaturschock selbständig und fing an zu leben. Das ist mir immer noch unheimlich.
Wo siehst du dich jetzt, was zeichnet deine Seiten aus und welche Schwerpunkte gibt es?
Das wurde ich zuletzt bei einem Vorstellungsgespräch gefragt
Ich finde die Frage nach dem “Wo siehst du dich jetzt” immer sehr schwierig zu beantworten. Sie ist für mich nicht so richtig greifbar. Natürlich bin ich nicht am Ziel aller meiner Wünsche angelangt, aber ich befinde mich permanent auf dem Weg dahin. Sicher / hoffentlich werden sie nicht alle in Erfüllung gehen – dafür verändern sie sich zu oft, es erwachen neue Wünsche, für die andere wiederum sterben müssen.
Ob meine Seiten etwas auszeichnet kann ich auch nicht richtig beurteilen. Ich bin aber sehr stolz auf alle Mitglieder des Bücherforums, weil sie nicht nur Leben in die Bude bringen, sondern auch – bis auf sehr wenige Ausnahmen – einen guten Umgangston pflegen. Damit sind Literaturschock und besonders das Bücherforum zwar an manchen Orten als “Kuschelforum” verschrien, das empfinde ich aber eher als Lob, denn als Kritik.
Die Schwerpunkte liegen eigentlich auf den Rezensionen der Hauptseite, den Serienvorstellungen und Literaturverfilmungen – eigentlich, weil der größte Teil der Kommunikation über das Forum läuft und ich oft den Eindruck gewinne, dass die wenigsten auch auf die Hauptseite einen Blick werfen (die Besucherzahlen strafen diesen Eindruck zum Glück Lügen). Einen besonderen Status hat aber auch das jüngste Projekt Leserunden.de, das auf autorenbegleitete Leserunden spezialisiert ist. Und auch das Klassikerforum.de mag ich nicht unterschlagen. Es ist zwar nicht ganz so hoch frequentiert, aber mit der Spezialisierung auf Klassiker der Weltliteratur ebenfalls einzigartig im deutschsprachigen Raum.
Wo möchtest du noch hin, denkst du über bestimmte Veränderungen oder Projekte nach?
Natürlich denke ich auch immer über Veränderungen nach. Das jüngste Projekt Leserunden.de kommt in der schnellen Internetwelt auch schon in die Jahre – dabei besteht das Forum erst seit 2006. Neben Designveränderungen überlege ich mir schon ständig, wie ich Literaturschock für die Besucher attraktiver machen kann. Derzeit kooperiere ich deshalb auch vermehrt mit Marketingunternehmen, die unermüdlich Preise für Gewinnspiele spendieren. Ich habe den Eindruck, dass dies auch sehr gut bei den “Literaturschocklern” ankommt.
Was macht für dich ein gutes Buch aus?
Dass ich ganz darin versinken kann. Dass ich weinen und lachen kann. Dass ich mit den Figuren leide, liebe, lache und sterbe.
Welche Themen reizen dich?
Ich bin fast so was wie eine Buchallrounderin. Sehr gerne mag ich Fantasy (der eigentliche Grund für meine Leseleidenschaft), historische Romane und Thriller – das sind auch meine Schwerpunkte. Aber ich lese gerne auch Romane, die sich in keine Schublade pressen lassen, wie aktuell zum Beispiel “Ich, Oliver Tate”. Ein Buch, über das ich mich herzlich amüsieren kann. Gerne aber auch mal Horror oder einen Liebesroman. Erfahrungsberichte und Biografien sind dafür nicht ganz nach meinem Geschmack.
Welche Titel/Reihen liegen dir besonders am Herzen und sind stets eine Empfehlung wert?
Ganz klar: Tobias Meißners “Mammut-Saga”. Ohne wenn und aber kann ich seine Bücher empfehlen (nicht nur die Mammut-Bücher). Meine Fantasyleidenschaft begann aber mit Tad Williams (Osten Ard) und Terry Goodkind (Das Schwert der Wahrheit). Auch Terry Pratchetts Scheibenwelt gehört zu meinen All-Time-Favourites.
Wie äußert sich deine Liebe für das geschriebene Wort, über welche Lesemacken kannst du uns berichten?
Ich schlage meine Bücher grundsätzlich nicht ganz auf, stütze sie beim Lesen mit der einen Hand am Buchrücken – viele meiner Bücher sehen deshalb auch nach dem Lesen wie neu aus. Dagegen machen mir Leseknicke und Eselsohren bei Flohmarktbüchern überhaupt nichts aus. Wenn ich ein Buch zu Ende gelesen habe und ein neues auswähle, dann stehe oder sitze ich erst mal eine Weile vor meinen Regalen und schaue mir die Bücher an. Dann werden ungefähr fünf bis sieben davon ausgewählt, ich nehme sie mit aufs Sofa oder ins Bett und lese alle an. Bei einem gerate ich dann immer ganz sicher in einen Lesesog – es kann aber auch sein, dass ich zwei oder noch mehr Bücher parallel lese.
Gehst du auf Lesungen oder andere Veranstaltungen?
Früher etwas öfter, aber in den letzten Monaten / Jahren fast nicht mehr. Ich habe mir aber vorgenommen, dass sich das ändern wird. Dieses Jahr stehen auf meiner Liste Jenny-Mai Nuyen, John Irving, Petra Durst-Benning, Alfred Biolek, die Kommissare Kluftinger, die BuCon und die Buchmesse in Frankfurt. Auf Literaturschock wird dann natürlich auch wieder darüber berichtet.
Welche Seiten/Blogs besuchst du gerne?
Leider bleibt mir neben Literaturschock nicht mehr ganz so viel Zeit für andere Literaturseiten. Ich versuche aber, regelmäßig hier bei Dir reinzusehen (und meine Wunschliste wächst damit immer mehr). Ansonsten noch bei Steffis-Bücherkiste. Seitdem Parsimony sein Forenhosting aufgegeben hat, beschränkt sich mein Surfen aber ansonsten eher auf meine eigenen Seiten.
Wie würden andere deinen Lesegeschmack beschreiben?
Vermutlich als chaotisch.
Was für ein Lesetyp bist du? Erzähl uns doch etwas über dich als Leser.
Ich bin sehr launisch, was meine Lektüre betrifft und ich sage immer “Jedes Buch braucht seine Zeit”. Es kann sein, dass ich von einem Buch mal total genervt bin, das mir zu einem anderen Zeitpunkt sehr gut gefällt (oder gefallen hat). Deshalb empfinde ich die Aussage “Dieses Buch ist schlecht” als sehr anmaßend und manchmal auch verletzend. Ich sitze ungerne auf einem hohen Roß (deshalb sind meine Pferde auch nicht so groß) und urteile über Bücher und schon gar nicht über die Leser. Fantasy ist Realitätsflucht? Na bitte, dann doch gerne. Es gibt keine so gleichermaßen heldenhafte und erotische Männer wie sie in Liebesromanen vorkommen? Schade (wirklich SEHR schade), aber seis drum. Ist es nicht großartig, dass man überhaupt liest? Egal, ob es nun “Twilight” oder “Felix Krull”, “Harry Potter”, “Hamlet” oder “Der Bergdoktor” ist – Lesen ist etwas Wunderbares und ich bin mit jedem Buch fasziniert davon, wie Menschen soundsoviele Seiten mit Geschichten bereichern können.
Diesen Lobgesängen zum Trotz übe ich natürlich auch Kritik und “schlucke” nicht jede Geschichte, die mir ein Autor da vorlegt. Mit fortschreitender Leseerfahrung wurde mein Geschmack auch etwas eigenwilliger und mir fallen Mängel eher auf. Über vieles kann ich zwar hinwegsehen, wenn mich die Geschichte trotzdem mitreißt, aber es gibt durchaus einige Punkte, die mich immer wieder stören (übertriebene Wiederholungen, platter Humor usw.). Leider bin ich oft zu hartnäckig, um ein Buch mittendrin zu beenden – dafür macht mir der Verriss anschließend umso mehr Spaß.
Liebe Susanne, vielen Dank für die tollen und detaillierten Antworten! Ich freue mich auch darüber, dass du meinen Blog öfter mal besuchst – und ich manchmal tatsächlich zur Entwicklung deiner Wunschliste beitragen kann. *grins*
















Herzlichen Glückwunsch zu deiner ersten Fragerunde. Absolut Klasse, hoffe da kommen mehr davon
*knuddl*
Oh, dein Projekt geht ja los! Super!
Schönes Interview, ich hoffe es werden noch mehr folgen^^
schöne fragerunde
mehr davon bitte
*wink* Natira
Hallo ihr drei! Freue mich riesig, dass meine Idee so gut ankommt – vielen Dank! Das hat mir auch sehr viel Spaß gemacht… Und ihr wollt sogar mehr! *grins*
Tolles Projekt hast du dir aufgezogen.