Erscheinungsjahr: 2017
(vorab) Gelesen im Oktober 2017
Autorenseite

Im hohen Norden macht sich Tahni Eisschild auf den Weg zur Schatteninsel, um den Invasoren einen schweren Schlag zu versetzen. In der letzten freien Stadt Quells scheint Ribanna durch eine Belagerung in einer hoffnungslosen Position zu sein, zumal der Feind nicht nur vor den Toren der Stadt lauert. Im Königreich Idaan setzt Asha eine ganze Armada unter Segel, um Ri zu Hilfe zu eilen. Um zu ihr zu gelangen, muss er allerdings die Schwimmenden Berge überwinden – wieder einmal …

Die Geschichte schließt nahtlos an Band 3 an und bietet auch ein „Was zuvor geschah“, so dass man wieder gut in die Handlung findet, auch wenn das Lesen des letzten Teils schon eine Weile her ist. Ich wusste noch relativ viel, aber beim Lesen der Zusammenfassung sind bei mir einige Szenen „hochgeploppt“ und auch die Emotionen, die ich damals dazu hatte.

„Die Flammen des Phönix“ beginnt mit einem Kapitel aus Ashas Perspektive und zeigt auch gleich das, was für mich einen Schwerpunkt des Romans ausmacht: Seine Einsamkeit und Zerrissenheit. Seine Magie, die nicht nur mächtiger sondern auch immer unberechenbarer wird. Ich hatte das Gefühl, dadurch schon nach ein paar Seiten direkt in der Geschichte gelandet zu sein – mit all meinen Gefühlen. Wieder so nah dran und mit solch einer starken Verbindung, dass ich gar nicht anders konnte, als schon am Anfang ein wenig zu weinen.

Der poetische Schreibstil macht einen Teil der für mich ganz besonderen Nimmerherz-Atmosphäre aus, mit vielen Feinheiten zwischen den Zeilen und einem schrägen Humor, der genau meinen Geschmack trifft. Die Beschreibungen wirken sehr direkt auf mich, egal ob es um Landschaften, Figuren, Orte, Kämpfe oder Beziehungen geht.

Ich habe es genossen, wieder beim Eisschild-Clan und den Ro’Ar sein zu können, immerhin ist das mein gefühltes Zuhause. Es gab sogar einen neuen Lieblingsort, den ich da entdecken konnte. Die anderen Schauplätze und Perspektiven finde ich aber nicht weniger faszinierend – und natürlich auch nicht die anderen magischen Tiere. Eine Shin’Tai hat es sogar geschafft, sich ähnlich in mein Herz zu schleichen wie Ascheherz.

Jede der Hauptfiguren geht seinen Weg weiter und ich hatte nicht das Gefühl, dass jemand vergessen wurde. Der Schwerpunkt verlagert sich zu Asha und Ri, es geht aber nicht nur um sie. Zu meinem Glück spielt auch Lif eine Rolle – eine Figur, die ich anfangs gar nicht und inzwischen umso mehr mag. Und auch wenn ich es nicht mehr für möglich gehalten habe, hasse ich Kartak Starksegel nun noch mehr als nach dem dritten Band …

Die Geschichte bietet reichlich Überraschungen, auch was das Aufeinandertreffen von Asha und Ri betrifft. Es gibt viele tolle Szenen, die mich ganz unterschiedlich berührt und bewegt haben. Und ein Kapitel, das mich völlig fertig gemacht hat. Aber die komplexe Geschichte ist so abwechslungsreich und mitreißend, dass man einfach weitergezogen wird. Natürlich hoffe ich trotzdem, dass ein gewisser Jemand sterben wird und vorher noch ordentlich leiden muss … Mindestens!

„Die Flammen des Phönix“ war für mich eine faszinierende, epische und intensive Lektüre, die locker mit dem letzten Band mithalten kann. Ich bin von vielen Dingen beeindruckt, beispielsweise davon, dass Ashas Zerrissenheit so gezeigt wurde, dass ich jedes Mal einen dicken Kloß im Hals hatte. Oder von den Szenen, bei denen ich aus Rührung weinen musste. Von der Magie. Oder den wunderbaren maritimen Beschreibungen …

Es war so schön, mal wieder etwas von Erik Kellen zu lesen und in die Nimmerherz-Legende abzutauchen! Nächstes Jahr gibt es dann den finalen Band, bis dahin muss ich zittern, ob überhaupt jemand von den Figuren überlebt, die ich mag. Ich habe da irgendwie ganz düstere Vorahnungen … In jedem Fall bleibt aus dieser Reihe aber ganz viel bei mir – und ein nordischer Fluch aus diesem Band hat auch schon auf mich abgefärbt.

Reihenfolge:

  1. Roter Schnee wird fallen
  2. Der lange Weg des Windes
  3. Das Blut der Ro’Ar
  4. Die Flammen des Phönix
  5. Das Ende aller Pfade (erscheint 2018)
Share: