Erscheinungsjahr: 2016
Gelesen im August 2017
Verlag: Torsten Low

Scarletts sehnlichster Wunsch ist es, mit ihrem Nathan ein Kind zu bekommen. Nach einem Besuch in einer Buchhandlung erinnert sie sich an ein Märchen aus ihrer Kindheit: Wenn man in der Halloween-Nacht einen Wunsch in einer Kürbisfratzenflamme verbrennt, soll er sich erfüllen. Verzweifelt greift Scarlett bereits Ende August zu diesem alten Zauber, bricht in ihrer Ungeduld aber die wichtigste Regel und verbrennt ihren Wunsch zum falschen Zeitpunkt. Die Kürbiskönigin nimmt ihr daraufhin ihren Freund und Scarlett bricht in die Herbstlande auf, um sie um Erlösung zu bitten und Nathan zu retten …

Bereits auf der ersten Seite fühlte ich mich Scarlett nah, denn die Trauer und Verzweiflung, die sie empfindet, kam direkt bei mir an. Ganz egal, ob ich mir Kinder wünsche oder ob mir nicht gefällt, wie Nathan mit ihr umgeht: Dass Wünsche das Herz schwer machen können und die Hoffnung kleiner und kleiner wird – das kenne ich. Man wird immer weniger. Daher empfand ich Scarlett nicht als naiv, auch wenn sie ihrem Traum vom Glück alles geopfert hat.

Die Kürbiskönigin ist die Königin der Wünsche und nachdem sie die zerstörerische Macht von Wünschen erlebt hat, veränderte sich das Land – es entstanden Grenzen und die Herbstlande wurden in September, Oktober und November getrennt. Im dunkelsten der drei Länder ist ihr Palast – und dort legte sie auch die Regeln fest, wegen denen Scarlett nun durch die Herbstlande reist.

Die Herbststimmung spürt man auf jeder Seite, das Buch fängt sie sehr abwechslungsreich und intensiv ein. Durch Farben, Gerüche, Geräusche. Landschaften, Orte und Wesen. Und durch Emotionen, denn die Länder beeinflussen die Stimmung. Sehr beeindruckt haben mich auch die vielen verschiedenen Wesen – großartige Ideen, die in dieser Geschichte zum Leben erweckt wurden. Ganz besonders mag ich ja die Laubdrachen und Lygnisse – und die Merlacorna, auch wenn ich bisher nur von ihnen gehört habe. Aber es gibt noch soviel mehr!

Der Schreibstil wirkt auf mich wie „aus einem Guss“, es gibt nur feine Unterschiede, die aber auch dem Verlauf der Geschichte geschuldet sein könnten. Der September ist poetischer, im Oktober zieht die Spannung deutlich an und der November wird düsterer. Also alles sehr passend und stimmig. Dazu kommen noch die traumhaften Illustrationen von Jana Damaris Rech …

Die Geschichte handelt nicht nur vom richtigen Zeitpunkt für Wünsche, sondern auch von den richtigen Wünschen. Manchmal hält man ja die falschen Dinge für seine eigenen Wünsche, dabei kommt die Motivation aus einer ganz anderen Richtung. Scarlett muss einen mühsamen und harten Weg gehen, ehe sie erkennt, was sie sich wirklich wünscht – was wirklich wichtig ist. Aber sie hat Hilfe und findet Freunde, von denen mir einer ganz besonders ans Herz gewachsen ist.

„Herbstlande“ war für mich eine märchenhafte und fesselnde Lektüre, die mir Tiefe und ein wunderbares Ende bot. Faszinierend, aber manchmal auch unheimlich. Mit einer dichten Atmosphäre, phantastischen Ideen und ganz viel Herbst. Ein Buch, das noch länger nachwirkt und mich nicht nur über Wünsche und mich selbst nachdenken lässt, sondern auch meine ganz eigene Realität verändert. Ich liebe es, wenn eine Geschichte so etwas mit mir macht!

Wünsche sind oftmals schwere Kost. Sie nagen an der Hoffnung und füllen das Herz so sehr mit Sehnsucht, dass es vor Kummer zu platzen droht.

(Herbstlande, Seite 11)

Share: