So lange ich mich erinnern kann, waren da Bücher. Geliehene, geschenkte, selbst gekaufte – aus denen vorgelesen und gelesen wurde. Meine Mama hat uns Märchen vorgelesen, später haben wir zusammen gelesen und ich … Ich habe meinem Bruder vorgelesen, aber auch unseren Tieren und (heimlich) den Naturgeistern in unserem Garten – ich war mir nämlich völlig sicher, dass es sie gab, auch wenn man sie nicht sehen konnte. Damals schon.

Aber wie ist das heute? Was macht die Person hinter dem Blog aus? Wie lese ich, was passiert dabei mit mir? Darum soll es in diesem Beitrag gehen. Ich bin selbst gespannt, wohin er mich führen wird …

Ich habe nicht mehr soviel Lesezeit wie früher, aber ich genieße sie sehr und liebe es, mich in Geschichten fallen zu lassen. Sie nicht einfach nur zu lesen, sondern zu erleben. Ich bin eine sehr emotionale Leserin, der die Nähe zu den Figuren wichtig ist. Also nicht nur einen Zugang zu ihnen zu finden, sondern sich möglichst intensiv „mitnehmen“ zu lassen. Ich mag es, wenn die Geschichten nach dem Lesen ein Teil von mir werden und meine ganz persönliche Realität verändern. Und wenn Figuren, die mich besonders heftig „erwischt“ haben, ein Eigenleben entwickeln. Da gibt es gelegentliche Gäste, aber auch sehr anhängliche Figuren. Vielleicht klingt das jetzt ziemlich schräg, aber so ist das eben bei mir – und ich liebe es.

Stil, Atmosphäre und eine für mich stimmige Handlung sind mir aber auch wichtig. Ich mag es poetisch, vielleicht auch weil das irgendwie meine Seele zum Schwingen bringt. Ich lasse mich am Anfang gern von der Stimmung einfangen – das ist auch ein wichtiger Punkt, wenn ich in Bücher hineinlinse. Manchmal verleitet mich ein Cover dazu, mir einen Roman näher anzuschauen, aber in den meisten Fällen ist es der Titel. Eins darf ein Buch für mich auf keinen Fall sein: oberflächlich. Das ist eine von zwei Lesehöllen für mich, ich mag es gern tiefer und komplexer … Das versteht sicher nicht jede/r, weil es doch „nur“ zur Entspannung ist, aber alles andere frustriert mich einfach. Ich werde als Leser auch gern ein wenig gefordert und habe auch viel Spaß am Spekulieren.

Die Märchen aus meiner Kindheit haben natürlich dafür gesorgt, dass ich auch märchenhafte Geschichten mag – und ab und an auch noch ein Märchen lese. Noch mehr mag ich allerdings Sagen & Mythen, da halte ich auch immer die Augen nach schön illustrierten Sammlungen offen. Ganz besonders hat es mir ja die nordische Mythologie angetan, sie steht mir einfach sehr nah und reizt mich auf verschiedene Weise. Da ist soviel, was mich noch näher interessiert. Einzelne Wesen, aber auch die verschiedenen Welten und Zusammenhänge. Ich habe mich immer noch nicht an die Edda herangewagt, aber irgendwann …

Ich glaube ja, dass es überall Magie gibt, man muss sie nur sehen können. Oder wollen? Als Kind war die Welt voller Magie, aber je älter ich wurde, desto mehr wurde mir gezeigt, dass das nur Spinnereien sind und jetzt der Ernst des Lebens losgeht. Ich bin unheimlich froh, dass ich den Weg zurück zu mehr Magie wieder gefunden habe. Weil das ein Teil von mir ist, ohne den ich unvollständig wäre, und der sich auch in meiner Spiritualität spiegelt.

Und Elfen? Natürlich gibt es Elfen. Die Frage ist nur, ob man sie sehen kann oder nicht. In meiner Wohnung kann man sie aber auf jeden Fall sehen, weil ich viele Elfenfiguren habe. Eine schöne Sammlung, denn Elfen und ich gehören irgendwie zusammen … Schon sehr lange. Das merkt man natürlich auch bei meinen Büchern, allerdings überwiegen die Elfenbücher lange nicht so deutlich, wie gern angenommen wird. Vielleicht auch, weil für mich viele Klappentexte zu sehr nach romantischen Geschichten mit wenig anderer Handlung klingen. Ich mag es da lieber ausgewogener, die Liebesgeschichte und die restliche Handlung sollten gleichberechtigte Themen sein. Einmal habe ich sogar ein Buch abgebrochen, von dem alle anderen begeistert waren – wegen einer einzigen Szene, in der ein Elf heftig angeschmachtet wurde. Es war mir einfach zuviel …

Außerdem mag ich ja noch anderes – Meerwesen zum Beispiel. Und da ganz besonders Selkies, die meine ich auch immer zu sehen, sobald ich am Meer bin. Oder (nette) Hexen. Oder Kelten und Indianer, die begleiten mich schon sehr lange. Und mir tut es ja tatsächlich leid, dass ich solche Bücher fast nicht mehr lese, seitdem mich die Fantasy so böse erwischt hat. Nicht, weil mich diese Themen nicht mehr interessieren würden, sondern weil das andere immer mehr lockt. Früher war das genau andersrum, da habe ich mich nicht an die Fantasy rangetraut, weil „Männerbücher“ mit viel Krieg …

Früher dachte ich allerdings auch, dass ich humorlos und unromantisch bin. Inzwischen bin ich etwas schlauer und habe auch durch das Lesen entdeckt, dass ich sehr wohl Humor habe – nur eben nicht alles lustig finde. Auch mit der Romantik wurde es mit der Zeit, ich musste eben nur meine Art von Romantik finden, die in Büchern, Landschaften, Gemälden und Skulpturen auf mich wartete. Also doch kein hoffnungsloser Fall!

Ich komme aus Niedersachsen, bin für meinen Geschmack aber viel zu weit im Süden gelandet und wäre gern ein „echtes“ Nordlicht. ;) Meine Lieblingsstadt und gefühlte Heimat ist Hamburg, dahin versuche ich auch so oft es geht auszubüchsen. Ich reise gerne, mag die Natur, den Herbst, Mond und Sternenhimmel, Raben, Wale, Katzen, Nebel, Museen, Skulpturen, Parks – und natürlich zieht es mich immer ans Wasser. Ich liebe es, Postkarten zu bekommen, die sich inzwischen quer durch die Wohnung verteilen. Und meine Schätze rund um die Welt der Bücher – die signierten Bücher, Poster, Postkarten, Autogrammkarten und besonderen Dinge, die mein Leserherz höher schlagen lassen.

Seitdem ich mich an die deutsche Fantasy gewagt habe, lese (und träume) ich nicht nur intensiver, sondern verspüre auch ein großes Mitteilungsbedürfnis, was meine gelesenen Bücher betrifft. Das war der Auslöser dafür, mich nach einem zu mir passenden Bücherforum umzuschauen, wo ich anfing, meine Meinung zu Büchern zu verfassen. Im April 2008 habe ich dann meinen Blog gegründet, um einen Überblick über meine geschriebenen Rezensionen zu haben. Daraus hat sich sehr viel mehr entwickelt: Andere Inhalte und Aktionen, aber auch ein Schwerpunkt.

Aber auch ich habe mich verändert, trotz aller Schüchternheit bin ich deutlich mutiger und aktiver geworden. Ich stehe zu meiner Meinung, egal ob es um meine Ziele, meine Art zu schreiben oder meinen Geschmack geht. Mir geht es weniger darum, mich darzustellen oder möglichst viele Klicks und größtmögliches Ansehen zu erhalten, ich möchte einfach meiner Leidenschaft und Neugier folgen und anderen meine Bücherwelt zeigen. Egal ob Verlagsautor oder Selfpublisher, egal ob Mainstream oder nicht, egal ob ganz aktuelle oder ältere Bücher. Einfach das, was mich reizt.

Wenn man weiß, was man will, ist es manchmal schwierig – vor allem, wenn man auch mal andere Ansichten, Ziele, Lieblingsautoren hat als die „Masse“. Aber nur so funktioniert es bei mir, nur so bin ich echt. Und wenn ich mich hier so umgucke, macht mich das schon stolz: Die Inhalte, die beständige Verbesserung, die Qualität (oder zumindest das, was ich für Qualität halte). Ich habe viel von dem geschafft, was ich mir gewünscht habe. Nicht alles, manchmal stehe ich mir einfach selbst im Weg oder es geht durch andere Umstände eben nicht. Aber das meiste klappt – und das ist ein ziemlich gutes Gefühl. Gerade, wenn man kein „typischer“ Blogger ist und seine Freiheit schätzt. Außerdem ist es eine schöne Erfahrung, trotzdem überwiegend positive Reaktionen zu erhalten. Als die Person, die ich bin.

Verdammt, ist das lang geworden! Ist noch jemand da?
Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich brauche jetzt erstmal einen Tee …

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