Erscheinungsjahr: 2017
(vorab) Gelesen im August 2017
Webseite zu Götterkind

Die Nornen verweben einige Fäden im Geflecht des Schicksals erneut und verändern so den Lauf aller Neun Welten. Arawn sehnt sich danach, sich endlich mit Annora zu vermählen, zieht aber erneut in den Krieg und stellt sich dem Kampf mit einem schier unüberwindlichen Gegner. Loki sieht seine lang verfolgten Pläne scheitern, während Anderwelts Ordnung ins Chaos taumelt. Und Odin? Der ist außer sich vor Zorn und entfesselt einen nie dagewesenen Sturm, der ungebremst über Asgards Bewohner hinwegfegt …

Eröffnet wird der zweite Band von Loki, der über Arawns scheinbar ins Stocken gekommenen Eroberungsfeldzug nachdenkt – und über Odins kaum zu zügelnde Ungeduld, die durch Eiks und Lokis Berichte vor fast 6 Jahren nur vorübergehend gebändigt wurde. Bereits zu diesem Zeitpunkt war ich wieder mitten in der Geschichte und meine Eindrücke zum ersten Band wurden wieder äußerst lebendig. Ich war gespannt darauf zu erfahren, wie es mit der komplexen Geschichte und ihren Figuren weiterging.

Den Schreibstil empfinde ich als modern und klar, gleichzeitig gibt es aber auch viele poetische Stellen, die ich sehr liebe. Der Übergang ist dabei fließend, sie wirken nicht wie ein Fremdkörper auf mich, sondern wie ein Aspekt, der einfach zu bestimmten Szenen und Figuren gehört. Die dichte Atmosphäre trägt dazu bei, dass die Geschichte so eindringlich auf mich wirkt und mich auch außerhalb der Lesezeit beschäftigt.

„Götterkind 2“ hat mich im Vergleich zum ersten Band noch mehr mitgerissen, weil der Fokus auf den Figuren lag und (zur Einführung) nicht soviel erklärt werden musste. Dadurch wirkte es auf mich auch intensiver, die verschiedenen Facetten wurden deutlicher gezeigt und ich konnte mich einfach noch mehr auf alles einlassen.

Natürlich auch auf „meine“ Figuren – da gibt es viele, die mir nah stehen. Einige, die ich sehr mag. Und einen, zu dem ich so eine besondere Verbindung aufgebaut habe, dass er uneinholbar zu meiner Lieblingsfigur wurde. Gegen Tuada konnte sich niemand auch nur annähernd durchsetzen. Da Figuren, die mich so intensiv berühren, leider auch gerne mal sterben, drücke ich mir mal fest die Daumen, dass ich noch länger etwas von ihm haben werde … Ich musste ja schon in diesem Buch manchmal weinen, nur weil ich so sehr mit ihm mitleide.

Nordische Mythologie, Fantasy und historische Details vereinen sich zu einer gelungenen Mischung, die für frischen Wind sorgt und dennoch nicht „zu“ anders ist. Die mythologische Seite bietet vieles, was von dem Bekannten abweicht – es passt aber wunderbar zu der Geschichte und ist für mich persönlich auch vorstellbar. In der historischen Ebene findet sich vieles, was ich noch nicht wusste, aber als spannend empfinde – vor allem die Ulfberht-Klingen haben es mir angetan.

„Götterkind 2“ war für mich eine fesselnde und abwechslungsreiche Lektüre, die mich sehr berührt und beeindruckt hat. Eine komplexe Geschichte mit dichter Atmosphäre, wunderbaren poetischen Stellen, überraschenden Wendungen, spannenden Figuren und einer nordischen Mythologie, die ordentlich durchgeschüttelt wurde.

Ich habe mich gefreut, das Buch bereits vorab lesen zu dürfen und bin gespannt, wie es weitergeht … Klammheimlich hoffe ich ja auch auf mehr von Heimdall und Eik, ich mag beide sehr und bin daher natürlich neugierig.

»Und mit welchem Odinson hatte ich die Ehre mich zu schlagen?«
»Mit seinem ältesten …«
»Seinem Ältesten? Gebührt dieser Rang nicht Thor?«
»Seinem ältesten … Wolfssohn!«
Tuada warf einen anerkennenden Blick auf den schwarzhaarigen Riesen, dessen Schatten fast mit der Nacht verschmolz. »Seinem ältesten Wolfssohn? Das ist in der Tat eine große Ehre!«

T.S. Elin, Götterkind 2, Seite 38

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