Manchmal muss man einfach tun, was man eben tun muss. Auch wenn man unsicher ist und befürchtet, nicht die beste Wahl zu sein. Wenn es um Dinge oder Personen geht, die einem am Herzen liegen, muss man Chancen nutzen – einfach so. Als ich die Möglichkeit bekommen habe, ein Interview mit einer Figur aus der Götterkind-Reihe zu führen, ging es mir genau so. Es musste natürlich ganz unbedingt meine Lieblingsfigur sein – wann bekommt man schon einmal die Möglichkeit dazu? Es ist egal, ob ich mir unsicher bin oder manche meine Wahl vielleicht eher als Nebenfigur sehen … Ich musste tun, was ich einfach tun musste.

Aber wie konnte es passieren, dass mich Tuada so intensiv erwischt hat, dass gegen ihn niemand auch nur annähernd eine Chance hat? Ich weiß es nicht. Aber ich habe zwei Zitate rausgesucht, die das vielleicht ein klein wenig erklären können. Als erstes kommt die Szene, mit der er für mich zu einer reizvollen Figur wurde (Götterkind 1, Seite 63):

Der Hofstaat scherte ihn nicht, er brauchte ihn nur. Und solange die ängstlichen, übervorsichtigen Lakaien ihm keine Steine in den Weg legten, erlaubte er ihnen ihre lächerlichen Zeremonien, Rituale und Umständlichkeiten nicht nur, er unterwarf sich ihnen sogar.
Solange sein Ziel ungefährdet blieb.
Aber auch nur solange.

Und als zweites die Szene, mit der er mich völlig erwischt hat (Götterkind 1, Seite 70/71):

Er wollte, dass das Volk der Dunkelalben sich erinnerte. Ja, es sollte sich erinnern, an das Gute, das Schöne, das Lichte. Aber noch mehr daran, warum es nicht länger auf dieser Erde wandelte, sondern unter ihr begraben lag. Es sollte sich daran erinnern, warum Dunkelheit und Enge Licht und Weite verdrängt hatten und warum es seit Jahrhunderten, seit Jahrtausenden sein Dasein im Reich der Mythen und Legenden fristete.

Ich bin gerade ziemlich nervös – aber ist ja auch kein Wunder, wann habe ich schon mal einen Fürsten zu Gast? Und dann noch einen, den ich sehr mag? Ja, eben … Und jetzt geht es los!

Ich freue mich sehr, dass Du Dir Zeit für ein Interview nimmst. Darf ich Dir etwas zu trinken anbieten?

Danke! Ein Glas Wasser, bitte.

Was hat Dich geprägt?

Du meinst, warum bin ich der, der ich bin? Ich bin Tuada, Prinz der MagMor, Herr von Anderwelt. Ich stehe in der Reihe meiner Ahnen, die Tausende von Jahren zurückreicht, bis zum Anbeginn unseres Volkes.
Meine Schwester Tuala und ich vereinen in uns all das, was die Dunkelalben ausmacht.

Was macht für Dich einen Fürsten von Anderwelt aus?

Für mich? Was macht einen Fürsten von Anderwelt aus? So ist es richtig!
Ein Fürst von Anderwelt lebt für sein Volk. Das gilt für jeden Fürsten, der mir vorangegangen ist, das gilt für mich. Du willst, dass ich Eigenschaften aufzähle? Ich sage dir, was wirklich zählt: die Liebe zu meinem Volk; die Kampfkraft eines MagMor; die Bereitschaft, für das Überleben der Dunkelalben zu töten – und wenn nötig zu sterben; die Verbundenheit mit meiner Schwester. Das soll genug sein.

Gab es einen Moment, in dem Du Dir gewünscht hast, nicht der Fürst von Anderwelt zu sein?

Ich bin, was ich bin, und ich stelle mich den mir übertragenen Pflichten – mögen sie auch eine schwer zu tragende Bürde sein! Im Übrigen: Wäre ICH nicht der Fürst von Anderwelt – wer an meiner Stelle sollte es sein …?

Glaubst Du an ein vorbestimmtes Schicksal?

Odin hat uns unter die Erde getrieben, hat uns der Sonne beraubt, des Mondes und der Sterne. Er hat uns den Duft des Regens genommen und den Wind auf unserer Haut. Und er hat uns die Freiheit genommen auf Midgard zu leben. Das war nicht vorherbestimmtes Schicksal, sondern die Gewalt einer Macht, der unsere Ahnen nichts entgegensetzen konnten!
Doch es gibt eine Hoffnung, einen Weg zurück ans Licht: Die Prophezeiung der MorRioghain!
Sie sagt uns, wie wir Odins verfluchte Herrschaft beenden können, wie wir die Asen vernichten können! Und ist es mein vorherbestimmtes Schicksal, diese Prophezeiung zu erfüllen? Darüber grüble ich, seit ich die Prophezeiung deuten kann! Warum hat niemand vor mir, hat keiner meiner Vorfahren den wahren Sinn der Prophezeiung verstanden und sie erfüllt? Bin wirklich ich der Auserwählte? Ich weiß es nicht. Aber ich werde all mein Wollen, all meine Kraft in den Dienst der Prophezeiung stellen. Ich werde unser Volk befreien …

Kannst Du Dich noch an den Moment erinnern, in dem Du von der Prophezeiung erfahren hast?

Die Prophezeiung war immer schon da! Sie war das, was die Amme mir vor dem Schlafengehen erzählt hat, sie ist das erste, was ein zukünftiger Fürst der MagMor auswendig lernt.

Und hast Du die Prophezeiung von Anfang an so gedeutet, wie Du es nun tust?

Nein, nicht von Anfang an. Sie zu verstehen ist mehr, als ein unwissendes Kind vermag.
Aber ich wuchs und während ich wuchs, erwarb ich Wissen. Über die Asen, über die Vergangenheit, über die Vanen. Und ich dachte nach. Irgendwann wusste ich, was die Prophezeiung wirklich bedeutet. Dass ich mit meiner Deutung allein war, wurde mir schnell bewusst. War es möglich, dass ich, ein Knabe noch, ein Krieger kaum, als einziger die Prophezeiung entschlüsselt hatte? Der einzige, der verstanden hatte, dass die Prophezeiung nicht Kette ist, die uns unter die Erde fesselt, sondern Fackel, die leuchtet für ein Leben im Licht?
Ich war jung: Ich verehrte meinen Vater, wie ich es heute noch tue. Ich ehrte meine Ahnen, wie ich es heute noch tue, und das Wissen um den Sinn der Prophezeiung schloss ich in mein Herz. Meine Zeit würde kommen. Und sie kam.
Jetzt bin ich der Fürst von Anderwelt. Jetzt liegt das Schicksal der Dunkelalben in meinen Händen. Und jetzt werde ich tun, was das Richtige ist!

Was vermisst Du am meisten von der Oberfläche?

Frag einen Toten: „Was vermisst du am meisten am Leben?“ und du bekommst eine schwache Ahnung von dem Verlust, den mein Volk erleiden muss!

Was ist Deine größte Stärke?

Ich bin der Fürst von Anderwelt, von Geburt an dazu bestimmt diese Aufgabe zu erfüllen, und ich werde alles tun, um ihr gerecht zu werden.

Wie dürfen wir uns die MagMor-Ausbildung vorstellen? Wer wird in den Kriegerstamm aufgenommen und wie gestaltet sich die Ausbildung?

Die MagMor sind ein Stamm von überragenden Kämpfern, ein Stamm in den man hineingeboren wird, nicht aufgenommen. MagMor lernen von klein auf die üblichen Kampftechniken der Dunkelalben. Sie lernen schnell zu sein, leise und gewandt. Sie lernen mit dem Bogen, dem Speer und dem Schwert zu kämpfen und sie lernen mit mehreren Waffen gleichzeitig zu kämpfen: z. B. mit Schwert und Dolch oder mit zwei Schwertern. Nicht den plumpen Asen-Schwertern dieses lächerlichen Zwergs, der in Asgard lebt, und die man kaum mit zwei Händen heben kann, sondern elegante, leichte, biegsame und doch unzerbrechliche und scharfe Klingen. Und was sie an geheimen Techniken der Seele, des Herzens und des Geistes lernen, werde ich hier nicht verraten, doch unsere Feinde werden sie kennenlernen, wenn die Zeit gekommen ist.

Was ist Deine erste Erinnerung an Tuala?

Tuala ist meine Zwillingsschwester, sie ist mir nahe, von Anfang an. Das erste, woran ich mich erinnere, ist ihr Herz, das in einem Takt mit meinem schlägt.

Wie ist Dein Verhältnis zu Loidian?

Loidian? Wieso fragst du nach ihm? Mein Waffenbruder ist ein loyaler Krieger der MagMor. Mehr gibt es hier nicht zu sagen.

Und wie würde Loidian Dich beschreiben?

Ich bin sein Fürst, ich glaube kaum, dass er es sich herausnehmen würde, mich zu beschreiben.

Hast Du so etwas wie ein Motto?

Motto? Ich bin der Fürst von Anderwelt und der Fürst von Anderwelt gehorcht keinem Motto – der Fürst von Anderwelt tut, was getan werden muss. Was, glaubst du, wären die Entscheidungen des Fürsten von Anderwelt wert, wenn sie sich etwas anderem unterordnen würden, als seinem Willen?

Herzlichen Dank für Deinen Besuch und die Ausdauer beim Beantworten meiner neugierigen Fragen! :)

Neugierig, in der Tat! Aber ich hätte nichts beantwortet, was ich dir nicht hätte beantworten wollen. Daher danke ich dir für dein Interesse am Volk der Dunkelalben und ich hoffe, ich konnte deine Fragen beantworten.
Tuada, Fürst von Anderwelt.


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