Janine von Kapri-ziös hat die tolle Aktion #buchpassion gestartet, auf die ich erst gestern aufmerksam geworden bin. Neben einem Lesemarathon auf Twitter wird es viele Artikel auf Webseiten und Blogs zum Thema „Mein Bekenntnis zum Buch“ geben, mehr darüber könnt ihr hier nachlesen. Glücklicherweise kann man auch noch spontan einsteigen, also los … Mal sehen, was mir so aus der Feder fließt!

Bücher & ich

So lange ich mich erinnern kann, waren da Bücher. Märchen, die meine Mutter uns vorgelesen hat. Bücher, die wir zusammen gelesen haben. Mein Lieblingsbuch aus dem Kindergarten – „Mein Esel Benjamin“ von Hans Limmer und Lennart Osbeck. Viele ausgeliehene Bücher – leider kann ich mich da nur an wenige Titel erinnern, als das Langzeitgedächtnis verteilt wurde, war ich wohl gerade Schiffchen gucken oder so etwas. Ronja Räubertochter, Momo, Die rote Zora, Die unendliche Geschichte, Mary Poppins. Mit Internatsgeschichten bin ich nicht warm geworden und mit Prinzessinnen meist auch nicht (außerdem fand ich Räubertöchter eben einfach viel spannender). Zu Hause hatten wir auch einige Bücher – und dann gab es ja auch noch Geschenke, besonders gut kann ich mich da an Karl May, ein Buch mit Märchen von Hans Christian Andersen, Tiergeschichten und eine Sammlung mit indianischen Legenden erinnern. :)

Ich habe immer gern gelesen, auch quer durch das Bücherregal meiner Mutter. Ich mochte die Romane von Gwen Bristow (lustigerweise stammt aus einem von ihnen ja auch mein Vorname) und Pearl S. Buck, aber auch die Geschichten, die in den Südstaaten, Australien, England, Indien und Ägypten spielten. Nur während meiner Ausbildung habe ich kaum „privat“ gelesen. Mir hat das natürlich gefehlt, aber der Druck, möglichst viel zu lernen, war einfach größer. Später hatte ich auch verschiedene Lesephasen. Es gab Zeiten, in denen ich fast nur psychologische Krimis oder Siedlerromane gelesen habe.

Fantasy ist nur was für Kerle?!

Abseits der phantastischen Geschichten aus meiner Jugendzeit hatte ich den Eindruck, dass Fantasy nur etwas für Männer ist. Bücher, in denen es fast nur um Krieg geht. Wenn ich mich doch mal in die Nähe des Fantasy-Regals im Buchladen gewagt habe, wurde ich seltsam angeschaut. In großen Kaufhäusern war das aber wieder anders … Als ich länger ins Krankenhaus musste und auf der Suche nach neuen Büchern war, mit denen ich mir dort die Zeit vertreiben könnte, habe ich spontan beschlossen, es einfach mal zu versuchen. Ich stand also ein wenig unentschlossen vor den Fantasybüchern in unserer Buchhandlung und habe mich immer mehr gewundert, denn vieles klang gar nicht so kriegerisch. Ich habe mich dann für „Die Wälder von Albion“ von Marion Zimmer Bradley entschieden, weil das nach einer mystisch-historischen Geschichte klang. Weil mich Seher reizen, und vor allem auch Kelten. Das ist noch heute so, auch wenn sich mein Geschmack in vielen Dingen verändert hat und mir das Buch auch nicht mehr so gut gefällt. Aber damals war das anders, ich war von verschiedenen Dingen fasziniert und hatte erlebt, wie viel tiefer mich Fantasygeschichten berühren können.

Danach habe ich dann weitere Bücher von Marion Zimmer Bradley gelesen, aber auch online gestöbert, was es noch so gibt. Anfangs las ich beispielsweise Diana L. Paxson, Patricia McKillip, Katya Reimann, Juliet Marillier, Sara Douglass. Und Kate Forsyth, die meinen Geschmack sehr geprägt hat. Später kamen dann auch deutsche Autoren hinzu, durch die für mich alles noch intensiver geworden ist: Das Lesen, die Figuren, das Kopfkino, die Neugier auf Lesungen und den Autor hinter der Geschichte. Und irgendwie habe ich immer darauf gewartet, dass die Fantasy-Phase zu Ende geht oder meine Buchauswahl sich wieder mehr mischt. Aber da ist kein Ende in Sicht …

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Was ist für mich ein gutes Buch?

Es muss mich einfangen, ich möchte völlig in ihm versinken. Es sollte sich anfühlen, als ob ich mittendrin stecke und die Geschichte miterlebe – nicht nur etwas darüber lese. Sie muss mich so berühren, dass ich mich auch abseits der Lesezeit mit ihr beschäftige und vielleicht sogar von ihr träumen. Die Figuren müssen mir möglichst nah stehen, ich bin ein sehr emotionaler Leser und für mich gibt es fast nichts schlimmeres, als wenn ich zu den Figuren und zu der Geschichte keine Verbindung spüre. Es darf sich nicht oberflächlich anfühlen oder so, als ob alles ganz weit weg passiert. Aber auch der Schreibstil muss meinen Geschmack treffen – und mir sollten nicht allzu viele Rechtschreibfehler auffallen, weil die mich immer ein wenig aus der Geschichte reißen (besonders wenn sie gebündelt auftauchen). Ob die Bücher nun dicker oder dünner, ein Einzelband oder eine Serie sind, ist mir relativ egal, solang mich die Geschichte überzeugen kann. Aber ich kann nicht abstreiten, dass ich es gerne episch mag.

Geschichten und ihre Auswirkungen

Jedes für mich gute Buch hinterlässt Abdrücke in meiner Seele, mal mehr und mal weniger. Kopfkino, Eindrücke, Lieblingsfiguren. Zitate, die in meinen Wortschatz übergehen (und mit denen ich mein Umfeld meistens verwirre, weil niemand die Bücher dazu kennt). Einige Geschichten berühren mich auch so intensiv, dass sie meine Realität beeinflussen – ich sehe dann beispielsweise Einhörner auf Friedhöfen oder bin felsenfest davon überzeugt, dass es auch in Hamburg eine uralte Metropole gibt. Für mich besondere Figuren oder Wesen bleiben bei mir und manche von ihnen sind in meinem Kopf ganz schön lebendig. Das klingt vielleicht schräg, aber ich liebe es und bin dadurch auch fast nie allein (die netten Männer in den weißen Anzügen haben mich bisher noch nicht gefunden). Ich mag auch musikalische oder literarische Andeutungen, die ich – je nach ausgelöster Neugier – recherchiere, wenn sie mir nichts sagen. Gerade bei der Musik entdecke ich so völlig neue Künstler für mich, zuletzt Belle and Sebastian (daran ist Christoph Marzi schuld, mal wieder). Oder dass ich Klassik manchmal eben doch mag.

Das Vorurteil vom Stubenhocker

In gewisser Weise trifft das ja auf mich zu, ich bin schüchtern und ziehe einen ruhigen Abend zu Hause jederzeit einer großen Party vor. Andererseits hat sich sehr viel verändert, wenn ich so an mein früheres Ich denke. Das war nicht nur viel zu sehr bestrebt, es allen recht zu machen (und vergaß sich dabei selbst), sondern hat auch fast nie etwas unternommen. Angefangen hat die Veränderung wohl 2005, als ich mich im Literaturschock-Forum angemeldet habe und dort nicht nur auf viele Buchtipps, sondern auch auf nette Menschen gestoßen bin. Damit habe ich mich so wohl gefühlt, dass ich mich sogar auf ein paar Treffen getraut habe. Im April 2007 war ich dann auf meiner ersten Lesung: Einer Fantasy-Nacht im Planetarium Hamburg mit Christoph Marzi und Markus Heitz, moderiert von Tom Finn. Vorher war ich schrecklich nervös, aber es stellte sich heraus, dass ich Lesungen sehr mag. So sehr, dass ich dafür meine Schüchternheit überwinden kann und dabei noch viel Spaß habe! Seitdem versuche ich, es zu so vielen Lesungen, die mich interessieren, wie möglich zu schaffen.

Im April 2008 habe ich dann meinen Blog gegründet und seitdem ist so viel passiert, auch mit mir. Natürlich bin ich immer noch schüchtern, aber ich freue mich sehr über kleine Treffen und darüber, dass mein Netzwerk langsam aber stetig wächst. Ich bin kein typischer Blogger und auch kein Selbstdarsteller, aber ich finde meinen ganz eigenen Weg. So, wie ich eben bin und wie es sich für mich richtig anfühlt. Mit meinem individuellem Lesegeschmack und meinen Zielen. Ich tue gern etwas, sowohl in Netzwerken als auch „nur“ für meinen Blog. Und ich habe noch viele Ideen, Pläne und Wünsche. Manchmal muss ich auch darüber grinsen, wie sich das alles entwickelt hat und mittlerweile zusammenhängt. Lesen, Schreiben, Bücher und Autoren sind schon so etwas wie ein Lebensmittelpunkt von mir geworden, auch wenn ich einen Job habe, der damit gar nichts zu tun hat. Was aber auch den Vorteil hat, dass ich lesen kann, was ich möchte. Gute Geschichten, unabhängig davon wie sie veröffentlicht wurden.

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Die Langsamkeit des Lesens

Ich staune ja immer, wie viele Bücher andere Blogger und Vielleser so in einem Monat schaffen, dafür brauche ich ein halbes Jahr oder noch länger. Aber warum ist das so? Und warum fühlt es sich schlecht an, wenn das bei mir eben anders ist? Ich habe nicht soviel Lesezeit, aber ich lese auch recht langsam. Natürlich könnte ich etwas schneller lesen – und sogar lernen, noch an Tempo zuzulegen. Aber ich will das einfach nicht, weil sich dann meine Art zu lesen sehr verändern würde. Sie würde oberflächlicher werden und ich könnte nicht mehr so tief in Geschichten eintauchen, wie ich es eben gerne tue. Mein Kopfkino und die Nähe, die ich so mag, würden sicher auch leiden. Auf die Frage, warum ich (als Bloggerin) so wenig Bücher lese, gibt es möglicherweise also nur diese Antwort: Fragen Sie nicht! Mal ganz davon abgesehen, dass sich die Liebe für Geschichten ja nicht unbedingt in der Anzahl der gelesenen Bücher ausdrückt, sondern darin, dass wir sie im Herzen tragen.

Mein Geschmack

Meine Ansprüche und Vorlieben haben sich natürlich mit der Zeit verändert, das kennt jeder und ist eine normale Entwicklung. Allerdings habe ich schon länger das Gefühl, dass mein Geschmack ein wenig speziell geworden ist – zumindest wenn ich ihn mit den Massen vergleiche. Also die Bücher, die in Foren besprochen werden oder in Buchläden ausliegen oder sich bei Online-Händlern gut verkaufen. Aber wisst ihr was? Ich finde immer noch sehr viel, was mich reizt – sowohl bei Verlagen als auch bei Indies. Leider nicht in Foren, dafür aber auf Cons, ausgewählten Blogs und beim Stöbern online. Und natürlich durch Buchtipps von Freunden, was ich ja immer noch die schönste Art finde, um auf ein Buch aufmerksam zu werden.

Außerdem verfolge ich natürlich auch die Neuerscheinungen der Autoren, die mich schon mit einem Buch überzeugen konnten. Ich neige da auch dazu, mir die älteren Romane anzusehen – von manchen mag ich sogar (fast) alles lesen. Und ich habe inzwischen so viele Lieblingsautoren, dass ich mich manchmal frage, wann ich das denn alles lesen will. Mal am Beispiel von meinen beiden Lieblings-Lieblingsautoren: Von Erik Kellen habe ich bis auf das eine Buch, das ich (wahrscheinlich) nicht lesen möchte, alles gelesen. Bei Bernhard Hennen sieht das ganz anders aus – da warten noch sechs ungelesene Romane und ein paar Kurzgeschichten (lustigerweise glauben aber alle, ich hätte schon alles von ihm gelesen). Ich versuche zumindest die Neuerscheinungen zu lesen, aber selbst da scheitere ich gerade. Hier ein nicht ganz aktuelles Bild meiner Bücher von den beiden:

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Es fehlt ein Nimmerherz-Band (Erik Kellen) und die beiden Phileasson-Bücher (Bernhard Hennen und Robert Corvus). Die Gezeitenwelt-Saga und die Anthologien stehen auch woanders …

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