Erscheinungsjahr: 2015
Gelesen im Oktober 2015
Autorenseite
Clockwork Cologne
Qindie

Rezension

Boris ist mit Olga im tiefsten Sibirien unterwegs, um sich dort ein Häuschen zu bauen und von der Welt vergessen zu werden. Wenn nur die Zeichen nicht wären, die Boris nicht deuten kann. Als er ihnen folgt, fällt er ausgerechnet dem Wissenschaftler in die Hände, der ihn einst missbraucht hat, und erhält vom Zar einen Auftrag: Er soll die Zeitmaschine des Arabers vernichten …

Bereits nach einigen Sätzen war ich wieder ganz nah bei Boris, dem ich etwas Ruhe und Frieden mehr als gegönnt hätte. Mir ging da auch einfach das Herz auf, weil man so schön verfolgen kann, wie er langsam auftaut, Emotionen zeigt und sich immer mehr Gedanken macht. Wobei er ja felsenfest davon überzeugt ist, dass er den Verstand verloren hat und Olga eine Halluzination ist.

Wo Boris ist, ist Olga nicht fern. Auch an ihr hänge ich, wenn auch nicht ganz so intensiv. Dafür bringt sie mich öfter zum Grinsen und hat einen gewissen Einfluss auf meine Essensplanung. Die beiden entwickeln ein sehr inniges Verhältnis, trotz der so unterschiedlichen Wahrnehmung ist der eine der Anker des anderen. Der Mittelpunkt und Halt in einer oft düsteren Welt.

Die Geschichte spielt überwiegend in Cöln, einer anfangs sehr bedrückenden Stadt. Dort wird die Handlung auch mit den beiden anderen Reihen aus dem Clockwork-Cologne-Universum verbunden: „Guy Lacroix“ von Simone Keil und „Magnus“ von Susanne Gerdom. Die beiden Reihen sind keine Voraussetzung, um das Buch zu verstehen, aber man ist mit einigen Figuren und Orte dann schon vertraut. Ich kenne nur den ersten Band von „Guy Lacroix“, daher war ich in Cöln zumindest nicht ganz fremd. Und ich hatte Spaß daran, mich bei der einen oder anderen neuen Figur zu fragen, ob diese nicht eine Schöpfung von Autorin x ist.

Das Spiel mit der Zeit bzw. dem Riss im Zeitkontinuum ist großartig, die verschiedenen Zeitlinien sorgen ja für einiges Chaos. Besonders gelungen fand ich, wie sich die Ereignisse am Ende zu einem stimmigen Gesamtbild zusammensetzten – nur eben in einer anderen Reihenfolge. Seltsame Reaktionen machten auf einmal Sinn und geheimnisvolle Andeutungen wurden nachvollziehbar.

In diesem Buch gab es wieder viel Potential zum Mitleiden, aber auch eine so rührende Szene, die mich tatsächlich zum Weinen gebracht hat. Ich habe einige neue fesselnde Figuren kennengelernt, die ich in mein Herz geschlossen habe – und auf ein Wiederlesen hoffe. Auf die Begegnung mit einigen alten Bekannten hätte ich dafür gerne verzichtet, die haben mir doch ganz schön zugesetzt. Als „Trostpflaster“ gab es aber Luftschiffe, ich liebe Luftschiffe! Und heiße Schokolade.

„Die Zeitmaschine des Arabers“ war für mich eine unheimlich spannende, abwechslungsreiche und emotionale Lektüre, die viele Eindrücke hinterlässt und sogar den ein oder anderen Lachanfall verschuldet hat. Wunderbar komplex, teilweise verwirrend und mit einer großartigen Entwicklungsgeschichte. Ich bin unsagbar stolz auf Boris und hatte sehr viel Spaß mit diesem Buch!

Reihenfolge:

  1. Tod dem Zaren
  2. Die Zeitmaschine des Arabers
  3. ?
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