Heute darf ich euch im Rahmen der Blogtour zu „Die Stimmen über dem Meer“ bei mir begrüßen! :) Nachdem es gestern bei Hanne um Schauplätze, die Gegend und Zitate ging, darf ich mich heute den bretonischen Mythen widmen. Bisher habe ich mich kaum mit den Bretonen beschäftigt, aber der Roman macht eindeutig Lust auf mehr!

Blogtour "Die Stimmen über dem Meer"

Wer sind die Bretonen?

Die Kelten tauchten vor ungefähr 2500 Jahren in der westfranzösischen Bretagne auf. Während sich die Osismer im Norden des Finistére und die Curiosoliten nahe dem heutigen Saint-Brieuc niederließen, gaben die Namneten Nantes, die Redones Rennes und die Veneter Vannes den Namen. 500 Jahre später folgte eine zweite Einwanderungswelle: Als die Römer Britannien verließen, flohen viele Briten vor den Angeln und Sachsen in die Bretagne, die daher auch ihren Namen hat. In den folgenden zwei Jahrhunderten mischten sich die Flüchtlinge mit den ansässigen Kelten und es wurden drei Königreiche gegründet: Dumnonia im Norden, Cornouaille im Süden und Br Erech im alten Gebiet der Veneter.

Baie de Trépassés, die Bucht der Verstorbenen

Dort versammeln sich der Legende nach die Ertrunkenen, um noch einmal an Land zu gehen. Es heißt, an Allerseelen liefen ihre Seelen über die Wellenkämme des Meeres und in der ganzen Bucht erklängen Stimmen, Rufe und Geflüster – die Stimmen über dem Meer.
Einer anderen Sage nach treffen sich die Seelen von Liebenden, die Selbstmord begingen, weil sie nicht heiraten durften, an Allerseelen auf dem Sandstrand der Bucht. Die Flut vereint sie und die Ebbe trennt sie wieder.

Die Toten

Für die Römer war im Westen der Bretagne die Welt zu Ende, die Kelten dachten darüber jedoch anders – für sie war der Tod auch ein Neubeginn. In den „Triades de l‘ île de Bretagne“ (1560) des Llewelyn Sion heißt es:

Es gibt drei Seinzustände für beseelte Kreaturen: Der erste ist der von Annwfn (Tiefe), in der ihr Ursprung war. Der zweite ist der Abred (Sein), den sie durchqueren müssen, um zur Erkenntnis zu gelangen. Der dritte ist der von Gwynfydd (Lichte Welt), worin sie aufgehen werden.

Nachdem sich die Toten in der Baie de Trépassés versammelt hatten, wurden ihre Seelen von einem Schiff ins Paradies gebracht. Wer jedoch in das Zauberwasser fällt, vergisst alles, kann nicht mehr sprechen, schmecken und riechen. Das Ziel der Fahrt ist die Insel der untergehenden Sonne, die man an dem übernatürlichen Licht erkennt. Außerdem ist dort die Zeit angehalten, es handelt sich um das Land der ewigen Jugend.

Höllisch kaltes Fegefeuer

Le Yeun Elez, der Eingang zum bretonischen Fegefeuer, liegt in einem Torfmoor in den Monts d‘ Arrée. Man sollte ihm nicht zu nahe kommen, denn Gespenster und Dämonen treiben dort ihr Unwesen. Besonders in Sturmnächten ist ein schreckliches Heulen zu hören! Die Weißen Männer sind für die Entsorgung der unreinen Seelen zuständig, die sie überall einsammeln und ins Moor bringen. Den Lebenden gehen sie normalerweise aus dem Weg, ganz im Gegensatz zu den Wäscherinnen der Nacht, die Grabtücher waschen. Sie suchen den Kontakt – in der Hoffnung, von ihrem Fluch erlöst zu werden.

Der Zauberwald von Brocéliande

Hier sind einige Schauplätze der Artus-Legende angesiedelt. Der Wald bedeckte einst nahezu die gesamte innere Bretagne, davon ist als größtes zusammenhängendes Gebiet der Forêt de Paimpont (6.300 Hektar) übrig geblieben. Immerhin steht er unter dem Schutz von Merlin, der hier begraben liegt. Allerdings ist er ja nicht wirklich tot, sondern nur durch neun magische Kreise von unserer Welt getrennt. Gebannt von Viviane, die ihn nur für sich selbst haben will. Die Geschichte der beiden begann an der Quelle von Barenton, dem „Ort der Freuden“, deren Wasser damals heiß aus dem Boden drang. Schon ein Tropfen davon genügte, um einen Sturm oder zumindest Regen herbeizuzaubern, wenn man ihn auf einen ganz bestimmten Stein in der Umgebung goss.

Auf dem Grund des Sees von Quimper baute Merlin seiner Geliebten einen Kristallpalast, wo sie das Waisenkind Lancelot aufzog und schließlich an Artus‘ Hof schickte. Er wurde zum berühmtesten Ritter der Tafelrunde und schmiedete auch das Schwert Excalibur.
Die Fee Morgane, Schülerin Merlins und Schwester von Artus, soll im Val-sans-retour, dem Tal ohne Wiederkehr, untreue Ehemänner, die sich dorthin gewagt hatten, gefangen gehalten haben.

© Bettina Storks

© Bettina Storks

König Gradlon und Dahut

König Gradlon begegnete auf einem Feldzug der Königin des Nordens, Malgven, die ihn dazu brachte, ihren Ehemann zu töten, bevor sie mit ihm floh und auf See seine Tochter Dahut gebar. Malgven bat Gradlon, sie auf einer Insel zurückzulassen, während Dahut bei ihm blieb und ihn immer an ihre Mutter erinnern würde.

Gradlon hatte durch Überfälle und Kriege Reichtum angehäuft und erbaute in der Bucht von Douarnenez auf Wunsch von Dahut, die das Meer liebte, die Stadt Ys. Eines Tages wurde die Stadt überflutet, entweder durch ein Hochwasser oder weil der Meeresspiegel anstieg, daher baute man einen Damm, der die Flut abhielt. Die Tore im Damm wurden bei Ebbe geöffnet, damit Schiffe auslaufen konnten – der König besaß den einzigen Schlüssel dazu.

Die Stadt war voller Sünde und auch Dahut lebte zügellos. Jeder Mann, der in ihren Palast kam, erhielt eine Zaubermaske, die ihn unsichtbar machte, aber auch strangulierte, wenn er Dahut verließ. Man erzählt sich, dass die Leichen von einem Schatten gepackt wurden, der sie wie einen Sack Getreide auf seinem Pferd davontrug und über eine steile Klippe ins Meer warf. Die Stadt war so verkommen, dass Gradlons Patron, der hl. Winwaloe, vor Gottes Zorn warnte. Doch weder Dahut noch die Stadtbewohner beachteten ihn, sie wollten nur trinken und sich amüsieren.

Der Untergang der Stadt Ys

Eines Abends lud Dahut einen gut gekleideten Ritter in ihre Kammer ein, der sie darum bat, als Beweis ihrer Liebe in das Zimmer ihres Vaters zu schleichen und den Schlüssel zu den Toren im Damm zu stehlen. Der Teufel hatte sich als Ritter verkleidet und öffnete bei Flut die Tore, so dass die Wellen Ys zerschmetterten.

König Gradlon schwang sich auf sein magisches Pferd Morvarc’h, das er von Malgven erhalten hatte, und setzte Dahut hinter sich. Als ihn entweder der hl. Winwaloe oder Malgven darum baten, stieß er Dahut jedoch vom Pferd. Sie tauchte nie wieder auf, wurde jedoch die Meerjungfrau Marie-Morgane, deren unglaubliche Schönheit Seeleute auf den Grund des Meeres lockt. So lange, bis in den Kirchen der versunkenen Stadt Ys eine Karfreitagsmesse gehalten wird.

Korrigans

Kleine Geisterwesen mit schönem Haar und leuchtenden Augen. Einst waren sie Prinzessinnen oder Druidinnen, die sich weigerten, zum Christentum zu konvertieren, als die Bretagne missioniert wurde. Daher hassen sie Priester, Kirchen und die Jungfrau Maria. Sie können die Zukunft vorhersagen, ihre Gestalt verändern und blitzschnell reisen. Wie Sirenen und Meerjungfrauen singen sie und kämmen ihr Haar, während sie in Quellen lauern. Wenn sich ein Mann in sie verliebt, töten sie ihn. Sie stehlen Kinder und tauschen sie gegen Wechselbälger aus.

Quellen
Bettina Storks – Stimmen über dem Meer
Tina und Horst Herzig, Ernst-Otto Luthardt – Mythen & Legenden: Bretagne
Ian Barnes – Der große historische Atlas der Kelten
Die heidnische Bretagne, die Pointe du Raz und die Stadt Ys

Die Stimmen über dem Meer

Weiter geht es mit drei thematisch passenden Fragen, die ich Bettina stellen durfte! :)

Warum hast Du die Geschichte ausgerechnet in der Bretagne angesiedelt?

Die Geschichte spielt in der Bretagne, weil ich für einige Zeit einmal dort gelebt habe. Ich fand die Gegend, die raue Natur, die Gezeiten schon immer inspirierend und wunderschön. Außerdem liebe ich den „bretonischen“ Menschenschlag – für mich etwas ganz Besonderes.

Es gibt viele Verbindungen zu Mythen, magst Du diese allgemein recht gerne oder hast Du vielleicht bestimmte Vorlieben?

Nein, ich bin eigentlich gar kein Sagen- und Mythenfan. Ich bin eher zufällig drauf gestoßen, weil ich selbst das mit der „Baie de Trépassés angezettelt hatte und da hat mein Lektor gemeint: „Mach was draus! Das hat Tiefe und könnte als zweite Geschichte sozusagen mitlaufen und Morganas emotionale Verwicklung in ihre eigene Geschichte verstärken.“ Ja, und dann hab ich es gemacht und fand es sehr sehr spannend, was sich da auftat. Das ist so etwas ganz Typisches im Schrifststellerleben: man tut etwas unbewusst und plötzlich bekommt es Gewicht.

Gibt es eine bretonische Sage, die Dich besonders reizt?

Ja, die Sage von der Totenversammlung an der Baie de Trépassés ist meine Lieblingssage. Ich finde das eine schöne Metapher, dass man die, die man geliebt hat, nicht vergisst und mit ihnen in Verbindung bleibt.

Gewinnspiel

Im Rahmen der Blogtour könnt ihr eins von fünf Büchern gewinnen, zwei davon sind signiert. Einen kleinen geheimnisvollen Trostpreis wird es auch geben!

Die Teilnahmebedingungen:

  • Ihr seid 18 Jahre alt – ansonsten brauche ich das Einverständnis eurer Eltern zur Teilnahme am Gewinnspiel.
  • Ihr wohnt in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.
  • Für verloren gegangene Post wird keine Haftung übernommen.
  • Wenn wir innerhalb einer Woche keine Rückmeldung bzgl. der Adresse erhalten, wird neu ausgelost.

Um teilzunehmen, kommentiert bitte bis zum 18. November mit Angabe eurer eMail-Adresse diesen Beitrag. Anonyme Kommentare nehmen nicht am Gewinnspiel teil!

Ihr könnt auf jedem Blog am Gewinnspiel teilnehmen und hüpft dann mehrfach in den Lostopf. Die Verkündung der Gewinner erfolgt auf jedem Blog.

Viel Glück! :)

Morgen geht es dann bei Sabrina mit der Vorstellung der Charaktere weiter.

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