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... in meiner ganz persönlichen Bücherwelt! Mein Schwerpunkt liegt bei deutschen Fantasy-Autoren, weil mich ihre Bücher begeistern und ich finde, dass sie nicht genug Aufmerksamkeit erhalten.

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Einträge in der Kategorie Rezension: Sonstige Belletristik

Florian Tietgen – Blauer Mond

Erscheinungsjahr: 2015
Gelesen im Mai 2016
Autorenseite
Qindie

Rezension

Marcel, der vor 30 Jahren als Marc Menulis mit „Blauer Mond“ einen Sommerhit landete, kommt nach einem Sturz von der Bühne ins Krankenhaus. Dort trifft er auch seine Jugendliebe Ines wieder – noch immer versteht Marcel nicht, warum sie ihn damals verlassen hatte. Und auch der rätselhafte Junge, der sich von ihm „Blauer Mond“ nennen lässt und den sonst nur Ines sehen kann, ist wieder da. Welches Geheimnis verbindet die drei? Und gibt es eine zweite Chance für Marcel und Ines?

Die Geschichte hat mich schnell eingefangen, weil ich die schöne Sprache und die erzeugte Stimmung sehr mochte. Poetisch, direkt und berührend. Ein wenig melancholisch, voller Musik und verschiedenster Zwischentöne. Ich habe mich beim Lesen wohl gefühlt, die Atmosphäre und die unterschiedlichen Aspekte dieser Geschichte sehr genossen.

Es geht um die Liebe zwischen Marcel und Ines, um ihre Geschichte und den Grund dafür, warum sie ihn verlassen hat. Aber auch um Musik und Marcels Erfahrungen nach seiner Entdeckung und dem Sommerhit, den er nie so richtig leiden konnte. Durch den geheimnisvollen Jungen gibt es eine mystische Ebene, die immer wieder auftaucht und alles miteinander verbindet.

In den Roman eingewoben wurden Andeutungen zu Ereignissen aus Politik und Weltgeschehen, die nicht nur einen zeitlichen Rahmen schaffen, sondern auch zeigen, was Marcel bewegt. Die Kapitel wechseln zwischen Vergangenheit und Gegenwart, es gibt also zwei Zeitlinien, auf denen sich die Handlung entwickelt. Die Geschichte spielt in Hamburg und ich hatte viel Spaß daran, einige mir bekannte Orte in diesem Buch wiederzufinden.

Marcel ist eine nachdenkliche und innerlich zerrissene Figur, die mir sehr nah war. Seine verschiedenen Facetten machen ihn unsicher – er weiß nicht, wer er ist. Die traurigen Momente überwiegen jedoch nicht, es gibt auch Freude, Zusammenhalt, Begeisterung und Szenen, bei denen mich der trockene Humor zum Grinsen gebracht hat.

„Blauer Mond“ war für mich eine berührende und abwechslungsreiche Geschichte, die sensibel und poetisch erzählt wurde. Nachdenklich, voller Gefühle, Erinnerungen und Musik. Ein Buch, zu dem ich mir eine Playlist wünschen würde. Ein Roman, der mich auf unterschiedliche Weise beeindruckt und sehr begeistert zurück lässt. Und es gibt ein wunderbares Ende, das für mich perfekt zu der Geschichte passt!

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Mein Lieblingszitat:

Man sagt, etwas zu vergessen bedeutet, es wäre nicht wichtig. Aber Seelen arbeiten anders, sie schieben gerade die wichtigen Dinge ins Vergessen, wenn die uns am Leben und Weiterleben hindern.

Bettina Storks – Die Stimmen über dem Meer

Erscheinungsjahr: 2015
Gelesen im Oktober 2015
Berlin Verlag

Rezension

Die Halbfranzösin Morgane erbt von ihrer Tante ein altes Steinhaus in der Bretagne und kehrt so an den Ort zurück, an dem ihre Mutter vor langer Zeit bei einem Badeunfall verunglückte. Eigentlich will sie ihr Erbe verkaufen, aber das Haus, die Landschaft und auch die Menschen berühren ihre Seele. Morgane stellt sich ihrer Vergangenheit und beginnt ein neues Leben, das es ihr nicht leicht macht – aber sie hat auch die bretonische Sturheit geerbt …

Der Prolog fesselt und lässt mich mit Fragen, aber auch ganz unterschiedlichen Empfindungen zurück. Eine Frau ertrinkt, ohne dass wir wissen, wie genau sie in diese Situation gekommen ist. Zuletzt ist da auch etwas tröstendes, schwereloses – und sie hört ein ihr vertrautes Lied. Dadurch wurde ich neugierig auf Details rund um den Tod von Morganes Mutter, fragte mich aber auch, ob dieser Roman womöglich einen Hauch Mystik beinhalten würde.

Mich hat beeindruckt, wie intensiv ich die Landschaft und vor allem das Meer gespürt habe. Da waren nicht nur wunderbare Bilder, sondern auch Sinneseindrücke – beispielsweise konnte ich den Wind spüren, den Geruch der Luft wahrnehmen. Das ist für mich sehr wichtig, ganz besonders wenn eine Geschichte am Meer spielt, und trägt auch zu der dichten Atmosphäre bei.

Ich habe mich bisher nicht viel mit den Bretonen beschäftigt, aber dieser Roman macht eindeutig Lust auf mehr und bringt einem diesen Landstrich auf unterschiedliche Weise näher. Lebensart, Menschenschlag, Landschaft, Mythen und auch die Küche – das alles hat sich zu einem faszinierenden Eindruck verdichtet, der neugierig auf mehr macht.

Ich mag die Figuren, gerade weil sie so unterschiedlich gestrickt sind und ihre ganz eigenen Probleme dazu passen. Sie wirken echt, sind facettenreich und lassen es zu, dass man auch einen Blick hinter die Fassade werfen kann. Viele von ihnen waren mir sehr nah und haben damit auch für so einige berührende Szenen gesorgt.

In die Geschichte werden auch bretonische Mythen eingebunden – das war für mich eine besondere Ebene, die mir viel Freude gemacht hat. Ich konnte da auch viel entdecken! Sogar der Titel des Romans beruht auf einer Legende: Es heißt, dass sich an der Baie de Trépassés, der Bucht der Verstorbenen, die Ertrunkenen versammeln, um noch einmal an Land zu gehen. An Allerseelen laufen ihre Seelen über die Wellenkämme des Meeres und in der ganzen Bucht sollen Stimmen, Rufe und Geflüster erklingen – die Stimmen über dem Meer.

An diesem Roman gefällt mir aber auch die Vielfalt der Themen, da gab es für mich einige Überraschungen. Es geht eben nicht nur um ein geerbtes Haus oder die Vergangenheit oder darum, wie man mit einer gerade pausierenden Beziehung umgeht. Es ist mehr wie ein Puzzle, die Themen verweben sich und werden ein großes Ganzes. Jeder setzt da natürlich andere Schwerpunkte, ganz nach seinem individuellem Geschmack.

„Die Stimmen über dem Meer“ war eine eher leise, aber sehr fesselnde und abwechslungsreiche Lektüre, mit der ich mich einfach wohl gefühlt habe. Emotional, mit intensiven und berührenden Eindrücken. Eine Geschichte, die man mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten lesen und auch weiterspinnen kann. Es kann einem allerdings passieren, dass man danach mehr über die Bretonen lesen möchte …

Erik Kellen – Die blaue Königin

Erscheinungsjahr: 2015 bzw. 2014 als „Die letzte Muse“ unter dem Pseudonym Rebecca Vali
Gelesen im Juli 2014
Autorenseite

Rezension

Dawn Evander, die beste Agentin von Duke & Salomon Publishing, wird mit dem Spezialauftrag nach Irland geschickt, den erfolgreichen Schriftsteller Ulysses C. Darkwater dazu zu bringen, sein seit 5 Monaten überfälliges Manuskript zu vollenden. Auf Achill Island erwartet sie jedoch nicht wie erwartet ein alter Kauz, sondern ein sonderbarer, gut aussehender junger Mann, der von ihrem Eindringen in seine Privatsphäre überhaupt nicht begeistert ist. Nachdem Dawn seine bisher erschienenen Bücher gelesen hat, ist sie völlig fasziniert und gerät in den Bann des Autors und seiner Figuren. Sie beschließt, in die Rolle ihrer Lieblingsfigur zu schlüpfen und verwandelt sich in die blaue Königin, damit er diese nicht sterben lässt.

Die Geschichte ist bereits 2014 unter dem Pseudonym Rebecca Vali als „Die letzte Muse“ erschienen, in dieser Ausgabe habe ich das Buch auch gelesen. Inhaltlich hat sich aber nichts geändert.

Das Buch wird als sinnlicher Liebesroman verkauft, allerdings ist es so vielschichtig, dass die Erotik für mich gar nicht so präsent war. Es gab ein paar Szenen, bei denen ich – als bekennendes Weichei – kurz zurückgezuckt bin, aber ich habe das nicht als den Mittelpunkt empfunden. Die sinnliche Seite ist ein wichtiger Teil des Romans, der sich aber mit vielen anderen Dingen verbindet – und erst das Gesamtpaket berührt mich auf eine sehr intensive Weise.

Das Buch verbreitet eine dichte Atmosphäre, mit der ich mich gleich wohlgefühlt habe. Vielleicht auch, weil mich die Geschichte sofort „am Haken“ hatte und mir der Schreibstil so gut gefiel. Die teilweise poetische Sprache hat mich einfach verzaubert und intensive Bilder transportiert.
Die kleinen Details rund um die Buch- und Autorenwelt haben mich natürlich auch angesprochen, immerhin ist das etwas, was einfach mit zu meinem Leben gehört. Und es gab auch ein paar Anspielungen, die mich zum Schmunzeln gebracht haben.

Die Geschichte hat eine phantastische Ebene, die sich für mich vor allem bei der Verbindung zwischen Dawn und ihrer Lieblingsfigur zeigt. Ich mag diese Seite des Romans sehr, sicherlich auch, weil mir meine Lieblingsfiguren oft sehr nah sind und ich mir daher diese spezielle Verbindung gut vorstellen kann.
Es gibt aber auch eine sinnliche Szene, die mich sehr beeindruckt hat – auch weil sie einiges bewirkt, für Einsichten und Veränderung sorgt. Ich muss oft daran denken und frage mich manchmal auch, wie es mir in so einer Situation ergangen wäre, in welche Richtung meine Gedanken gegangen wären.

Ich mag die Tiefe der Geschichte, denn es geht auch darum, wie man mit den Wunden, die einem das Leben beibringt, umgeht. Wie flüchten wir? Und wie können wir Heilung finden? Die Entwicklung von Dawn hat mich da besonders begeistert, vielleicht weil sie als eher kühle Figur eingeführt wird und wir nach und nach die wahre Dawn kennenlernen, die sich öffnet und verändert.

Die Schnipsel aus den Büchern liebe ich einfach! Natürlich sprechen sie mich inhaltlich an, aber vor allem fasziniert mich der Stil. Fesselnd, stimmungsvoll und einfach in einer Sprache geschrieben, die etwas in mir zum Klingen bringt und mich sehr berührt. Ich habe mich sogar schon bei dem Gedanken erwischt, dass es wirklich schade ist, dass es diese Bücher nicht wirklich gibt. ;)

„Die blaue Königin“ war für mich eine intensive und unglaublich facettenreiche Lektüre, bei der ich mir bis zur letzten Seite nicht sicher war, wie die Geschichte enden würde. Sehr emotional und mitreißend, oft überraschend, phantasievoll und tiefgründig. Und ein Beweis dafür, dass Schubladen manchmal ein völlig falsches Bild vermitteln, auch wenn sie wohl unumgänglich sind. Also schön neugierig bleiben! :)

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Qindie (Hrsg.) – Moorgeboren

Erscheinungsjahr: 2014
Gelesen im Oktober 2014
Buchseite

Rezension

Christin reist für ein verlängertes Wochenende ins Dartmoor, um sich einen Traum zu erfüllen: Seit sie den Film „Der Hund von Baskerville“ gesehen hat, möchte sie einmal in so einem Schloss Urlaub machen. Ihr Ziel ist Bovey Castle, das sie in dichtem Nebel eingehüllt erwartet. Christin lässt sich nicht entmutigen und bricht trotzdem zu einem Spaziergang auf, bei dem sie von einem Hotelpagen begleitet wird, damit sie sich nicht im Moor verirrt. Als ihre Begleitung verschwindet, das Licht der Taschenlampe erlischt und ein unheimlicher Schrei ertönt, gerät Christin in Panik. Doch das ist erst der Anfang …

Im ersten Kapitel lernen wir Aimee kennen, die über alte Riten und ein jährliches Opfer nachdenkt. Früher haben sich die Menschen widerspruchslos gefügt, doch heute weiß kaum noch jemand von diesem Ritual. Trotzdem findet der Tod in Gestalt eines uralten Wesens jedes Jahr sein Opfer. Während Christin keine Ahnung davon hat, woran sie geraten ist, weiß die kämpferische Aimee da also mehr.

Alte Riten und ein uraltes Wesen machen mich natürlich neugierig, allerdings hat auch die dichte Atmosphäre dafür gesorgt, dass ich unbedingt weiterlesen wollte. Ich habe mich anfangs entspannt und war gleichzeitig auf der Hut, denn im Moor konnte einem ja alles mögliche begegnen … Dann wurde es mystisch und kurz darauf auch richtig unheimlich, da war es dann mit der Entspannung vorbei! Ich war ganz kribbelig und verfolgte gebannt das weitere Geschehen.

Die Geschichte hat mich nicht nur mitgerissen, sondern mir auch so einige Schauer über den Rücken gejagt. Manche Szenen waren gruselig, aber nicht blutig-Horror-gruselig, sondern mehr wie ein Schauerroman. Gut für mich, denn ich mag es schaurig, aber nicht zu blutig und detailliert-brutal. Außerdem wurde die Geschichte durch den immer wieder durchblitzenden Humor aufgelockert. Eine Einladung zu einem Spaziergang ins Moor würde ich in nächster Zeit aber doch ablehnen. ;)

Diese Geschichte ist durch ein Mitschreibprojekt von Qindie entstanden, man merkt dem Text aber nicht an, dass verschiedene Autoren beteiligt waren. Er wirkt flüssig, rund und zusammengehörend – wie aus einer Hand. Mit dem Erlös wird übrigens ein verbessertes Webdesign finanziert.

Moorgeboren war für mich eine sehr stimmungsvolle Lektüre, die mir mal wieder gezeigt hat, dass ich Schauerromane mag. Mir hat die mystische Seite mit den verschiedenen Wesen sehr gefallen, aber auch die sich stetig steigernde Spannung inkl. einiger Gänsehaut-Momente.
Und dann hat mich das Ende mit spannend-mystischen Andeutungen noch voll erwischt! Ich hätte sooo gern eine Fortsetzung …

Moorgeboren

Florian Tietgen – … wenn es Zeit ist …

Erscheinungsjahr: 2013
Gelesen im Mai 2014
Infos zum Buch
Autorenseite

Rezension

Henrik kann seinen Hang, zuzuschlagen, nicht kontrollieren. Wenn er in Wut gerät, wird er wie sein Vater, dessen Gewalt ihn geprägt hat. Aber da ist auch seine beste und einzige Freundin Michi, die fest davon überzeugt ist, dass sein Atem heilen kann. Und Jan, den er am liebsten küssen würde. Henrik ist innerlich zerrissen und fürchtet, dass er wie von seinem Vater vermutet pervers ist. Ihn tröstet die Erinnerung an seine Großmutter, die ihm ein Kästchen gab, das er erst öffnen sollte, wenn es Zeit ist. Ist der richtige Moment gekommen, als er immer öfter Farben sieht, die die Menschen wie Nieselregen umgeben?

Der Roman beginnt im Jahr 1976 mit dem 16-jährigen Henrik, führt uns kapitelweise aber auch weiter zurück in seine Vergangenheit und sogar in die Zeit vor seiner Geburt. Durch die Jahreszahlen in den Kapitelüberschriften weiß man aber immer, in welcher Zeit man sich gerade befindet. Es wird also nicht chronologisch erzählt, sondern mit vielen kurzen Rückblenden gearbeitet, die ein Stückchen seines Lebens beleuchten. Dadurch wirkt die Geschichte auf mich auch persönlicher, weil es sich so anfühlt, als ob ein Freund von seinem Leben erzählt.

Das Buch beginnt mit Gewalt und dem ungewöhnlichen Anfang einer Freundschaft, allerdings stand für mich die Neugier auf die Hintergründe im Vordergrund. Henrik hat etwas in mir berührt und ich wollte mehr über ihn wissen. Warum kann er seine Wut nicht kontrollieren? Wodurch wurde er geprägt? Welche Gewalt hat er selbst erfahren? Meine Fragen wurden im Lauf der Geschichte nicht einfach nur beantwortet, ich durfte Henrik auf einer tiefen Ebene kennenlernen, die auf mich sehr sensibel gewirkt hat.

Mir gefällt die feinfühlige und stimmungsvolle Art, in der dieser Roman geschrieben wurde. Trotz der brutalen und bedrückenden Szenen wirkt die Geschichte sanft auf mich. Ruhig erzählt, mit Blick auf die Hintergründe und Henriks Zerrissenheit. Ein vielschichtiges Portrait seiner Seele. Sehr fesselnd!

Der Roman thematisiert verschiedene Themen, die keine „leichte“ Kost sind und bedrücken können. Mir war das aber nicht zu viel, weil es nicht nur negatives gab, sondern auch positives. Szenen, die mich traurig gestimmt haben, aber auch Hoffnung. Ich hatte vor dem Lesen vermutet, dass mich die Gewalt am meisten belastet, aber da habe ich mich geirrt. Das war dann doch der damalige Umgang mit Homosexuellen und die fehlende Akzeptanz von Andersartigkeit. Mir war natürlich klar, dass das ein schwieriges Thema sein wird, ich habe nur unterschätzt, wie krass das war. Und vielleicht auch, wie sehr mir das zu Herzen geht. Ein immer noch aktuelles Thema, auch nach all den Jahren.

„… wenn es Zeit ist …“ war für mich eine tiefgründige und feinfühlig erzählte Geschichte, die mich so sehr berührt hat, dass ich oft Tränchen in den Augen hatte. Mit einem Ende, das für mich perfekt zu dem Buch passt und einen Ausblick darauf gibt, wie es weitergeht. Der Roman hinterlässt bei mir nicht nur viele Eindrücke, er macht auch nachdenklich und sorgt für so einige Reflektionen. Von dieser Geschichte hat man länger etwas und nimmt vieles mit – eine Bereicherung, die ich nicht missen möchte.

Franziska Hille – Die Englische Hochzeit (Devon Cream Tea 1)

Erscheinungsjahr: 2014
Gelesen im Februar 2014
Qindie

Rezension

Im ersten Band der Reihe „Devon Cream Tea“ geht es um die amerikanische Witwe Samantha, die zusammen mit ihrer Tochter Tess in Devon eintrifft, um ein Jahr lang in Bedington Hall zu wohnen. Zumindest wenn es nach dem letzten Willen ihres verstorbenen Mannes geht, der mit dem Earl of Bedington befreundet war. Der exzentrische Earl ist davon gar nicht begeistert, auch weil er lieber in Ruhe gelassen werden möchte und seit langem sein Anwesen nicht mehr verlässt. Samantha und Tess wirbeln das Leben in Bedington Hall tüchtig durcheinander, es kommt zu Verwicklungen und auch das eine oder andere Geheimnis lüftet sich …

Ich mag Großbritannien, daher habe ich auch auf eine schöne englische Atmosphäre mit dazu passenden Eigenheiten gehofft. Und auch bekommen! :) Der Lebensstil ist gehoben, es gibt einen wunderbar steifen Butler und – vielleicht als Ausgleich – eine ungewöhnliche Köchin. Beide waren mir übrigens sehr sympathisch. Bedington Hall wurde sehr bildhaft und stimmungsvoll beschrieben, ich hatte das Gefühl wirklich dort zu sein und durch die einzelnen Räume zu streifen.

Die Geschichte hat mich schnell mitgerissen und dafür gesorgt, dass ich alles um mich herum vergessen habe. Simon, der Earl of Bedington, ist für mich eine großartige Figur mit einer besonderen Ausstrahlung, denn trotz all der Tragik seiner Vergangenheit schlummert in ihm Leidenschaft und Romantik. Die temperamentvolle, starke und gleichzeitig sanfte Samantha habe ich als den perfekten Gegensatz zu ihm empfunden. Aber Achtung: Ihr Fluchen kann ansteckend sein! Wer weiß, vielleicht lerne ich das nun ja doch noch … Ein wenig. ;)

Ich habe mich beim Lesen aber nicht einfach nur wohl gefühlt, sondern war auch begeistert von den vielen Themen, die mit in die Geschichte eingeflossen sind. „Mein“ Earl ist nämlich Schriftsteller, so dass es dazu nicht nur einige Andeutungen gibt, sondern auch ein größeres Problem. Und ein besonderes Buch, das sich nicht gut verkauft, aber Samantha sehr für sich einnimmt. Es geht um die Vergangenheit, um Familiengeheimnisse und das seltsame Testament. Um die Frage, wie der Adel seinen Lebensunterhalt verdient – denn ein Titel bedeutet ja nicht automatisch finanzielle Sicherheit. Um die verschiedenen Schicksale, die auf Bedington Hall aufeinander treffen, und die wir in den Folgebänden begleiten dürfen.

Sehr angetan hat es mir ja auch der Park! Der war so gelungen beschrieben, dass ich die verschiedenen Blüten gerochen und die sanft hügelige Rasenfläche gefühlt und den Bachlauf gehört habe. Am liebsten hätte ich mich ja in das eine oder andere Eckchen zurückgezogen, um die Umgebung einfach nur zu genießen.
Einige Entwicklungen der Geschichte kann man sicherlich leicht erahnen, aber für mich gab es auch ein paar Überraschungen und Figuren, die mich zum Spekulieren gebracht haben. Ich bin schon gespannt, wie es beispielsweise mit Lady Margaret und Bertie weitergeht.

„Die Englische Hochzeit“ ist eine stimmungsvolle, emotionale und abwechslungsreiche Geschichte mit intensiven Bildern und wunderbaren Figuren, die mich begeistert hat. Mit soviel Wärme geschrieben, dass ich Herzchen in den Augen hatte! Ich freue mich schon riesig auf die nächsten Teile …

Margot S. Baumann – Rigantona

Erscheinungsjahr: 2008
Gelesen im Juli 2013

Rina heißt eigentlich Rigantona und verbringt ihren Urlaub in Schottland. Als die junge Schweizerin beim Steinkreis im Glen Coe beobachtet, wie acht Menschen spurlos verschwinden, stellt sie Nachforschungen an. Dabei begegnet ihr Nico, der sie für die Wiedergeburt der keltischen Göttin Rigantona hält und geheimnisvolle Andeutungen macht. Auch wenn Rina ihn erst für einen Spinner hält, lässt sie sich auf ihn ein und wird so mit mystischen Ereignissen, Clanfehden und der Geschichte Schottlands konfrontiert.

Ich bin bekennender Schottland-Fan und habe auch eine Schwäche für Steinkreise, daher konnte ich diesem Buch natürlich nicht widerstehen. Dieser Roman ist nicht „nur“ eine Liebesgeschichte, sondern beinhaltet auch mystische, spannende und historische Aspekte. Diese Mischung hat mir gut gefallen, besonders natürlich die Verflechtung der Geschichte Schottlands mit Rinas Schicksal.

Die passende Stimmung wollte sich anfangs aber so gar nicht einstellen, mir fehlte dieses Spezielle, das ich mit Schottland verbinde – oder überhaupt irgendeine Art von Atmosphäre. Auf mich wirkte alles recht glatt und kühl, glücklicherweise wurde das aber besser. Ich hatte das Gefühl, dass sich die Autorin mit der Stimmung in dieser Geschichte erst ein wenig warm laufen musste, zumindest kam diese ungefähr nach einem Drittel viel besser bei mir an. Ab dem Zeitpunkt hatte ich dann auch öfter Kopfkino und war in der Geschichte angekommen.

Mit der Liebesgeschichte zwischen Rina und Nico war ich nicht so glücklich. Sie ist nicht zu aufdringlich, was mir ja meistens gut gefällt, aber mir fehlte da einfach die emotionale Seite. Die Entwicklung von einem Flirt zur großen Liebe ist völlig an mir vorbei gegangen, zack, plötzlich war sie da. Gefühlt aus heiterem Himmel. Leider kamen da auch später keine tieferen Gefühle bei mir an. Bei einem anderen Paar war das ganz anders, ich konnte die Anziehungskraft, die Zweifel und die sich entwickelnde Liebe deutlich spüren.

Dieser Roman konnte mich leider nicht überzeugen, weil mir die emotionale Seite einfach sehr wichtig ist. Ich möchte mit den Figuren mitfiebern, ihre Emotionen spüren und nicht nur davon lesen. Dazu kommt noch die schwächelnde Atmosphäre, die mir den Einstieg in diese Geschichte sehr erschwert hat. Zu schade, denn die Handlung an sich entspricht meinem Geschmack …

Rigantona

Franziska Hille – Doppeltes Spiel

Erscheinungsjahr: 2012
Gelesen im Juni 2013

Die arbeitslose Schauspielerin Lysette lässt sich von ihrer Zwillingsschwester dazu überreden, sie auf einer Feier bei der Familie ihres Verlobten in der Provence zu vertreten. Dort trifft Lysette auch auf Nicholas, den Bruder des Verlobten, der sie vom ersten Moment an fasziniert und ihren Aufenthalt schnell zu einem doppelten Spiel werden lässt …

Mit der Stimmung dieser Geschichte habe ich mich gleich wohl gefühlt, die Begegnung der beiden vom Charakter her sehr unterschiedlichen Schwestern wurde humorvoll und mit genug Details beschrieben, um ein lebendiges Bild vor meinen Augen entstehen zu lassen. Lysette war mir schnell sympathisch, sicherlich auch wegen ihrer ruhigen und natürlichen Art.

Die Figuren standen mir nah und ich habe es genossen, in dieser Geschichte so viele Gefühle zu spüren. Es ging nicht nur um die erwachende Liebe zwischen Lysette und Nicholas, sondern auch um familiäre Zuneigung und Freundschaft. Die Charaktere haben alle ihre Ecken und Kanten, genau deswegen sind sie mir auch so ans Herz gewachsen. Ganz besonders Nicholas, aber wer kann einer Figur mit so einer Ausstrahlung und tragischer Vergangenheit schon widerstehen? Ich sicher nicht. :)

Die Geschichte bietet kaum Überraschungen, hat mich jedoch auf ihre ganz eigene Art und Weise gefesselt, weil mich die emotionale Seite und die Atmosphäre voll erwischt hat. Ich habe mich mit dem Buch sehr wohl gefühlt und auch die stimmungsvollen Beschreibungen der Natur genossen. Perfekt, um sich einzukuscheln und abzuschalten! Allerdings gab es da auch zwei Nebenfiguren, über die ich zu gerne mehr erfahren hätte. Da gäbe es sicherlich noch einiges zu erzählen …

Doppeltes Spiel

Susanne Gerdom – Das Haus am Abgrund

Erscheinungsjahr: 2013
Gelesen im Februar 2013
Verlagsseite

Adrian ist unheilbar an einem Gehirntumor erkrankt, ihn begleiten Schmerzen und auch Halluzinationen, mit denen er spricht. Oder sind diese möglicherweise etwas ganz anderes? Die Zeit, die ihm noch bleibt, verbringt er zusammen mit seinen beiden Vätern in Cornwall. Sie wohnen im Kutscherhaus, einem kleinen Cottage direkt neben Heathcote Manor. Das eigentlich leer stehende Herrenhaus fasziniert Adrian und gibt ihm Rätsel auf. Genau wie das Mädchen November, dem er immer wieder begegnet. Welche Verbindung gibt es zwischen Adrian, November und dem Haus am Abgrund?

Die erste Seite des Romans hat mich gleich mitten in die Geschichte geworfen. Da war diese wunderbar dichte und geheimnisvolle Atmosphäre. Die mysteriösen Andeutungen, die mich bereits unterbewusst zum Spekulieren gebracht haben, noch bevor ich das überhaupt so richtig mitbekam. Mein Kopf war da wohl schneller als ich. ;) Allerdings ist das auch kein Wunder, weil schon zu Beginn sehr viel in der Geschichte steckt und man auf viele Einzelheiten stößt, die etwas bedeuten könnten. So ein bisschen wie Schnitzeljagd…

Eine fesselnde Lektüre, bei der es mir auch der hohe Anteil der Halluzinationen oder Geister angetan hat. Diese wirkten real und sehr individuell auf mich. Es gab (wenige) gruselige Szenen, aber auch Momente, in denen ich grinsen musste oder versucht habe, orakelhafte Andeutungen zu entschlüsseln. Und ich habe mich oft gefragt, ob das jetzt wirklich Halluzinationen oder doch Geister waren. Einbildung oder Realität. Wie sie mit Adrian verbunden sind, wie eigenständig sie sind. So bin ich zu einem ganz eigenen Gefühl für diese „Erscheinungen“ gekommen – und ich denke, dass diese Geschichte auch mit den unterschiedlichen Sichtweisen prima funktioniert.

Adrian mag ich sehr, mir gefällt seine Art, sein Humor und die künstlerische Seite. Auch November hatte ich schnell in mein Herz geschlossen, sie ist rätselhafter und gleichzeitig voller Emotionen. Und natürlich Jonty, Adrians zweiten Vater, bei dem ich sehr viel Zuneigung und Herzenswärme spüren konnte. Es gibt noch einige Figuren, die es mir da angetan haben – aber ich möchte nicht zuviel verraten, sondern euch möglichst viel selbst entdecken lassen.

„Das Haus am Abgrund“ ist eine tiefe und detailreiche Geschichte, die auf verschiedenen Ebenen spielt. Es gibt viel zu enträtseln und ich hatte riesigen Spaß beim Spekulieren! Aber auch die Emotionen kommen bei dieser faszinierenden, stimmungsvollen Mischung nicht zu kurz. Ich hatte nicht nur massenhaft Bilder, Fragen und Vermutungen im Kopf, sondern auch Gefühle sowie intensive Eindrücke der Nähe und Verbundenheit.

Das Ende war zuerst eine kleine Herausforderung, weil für mich eine Sache nicht so richtig gepasst hat. Nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen hatte und noch ein paar Gedanken nachgegangen bin, ist mir aber aufgefallen, woran es da bei mir lag – wo ich eine „Abzweigung“ übersehen hatte. ;) Und dann hat es gepasst! Viel nachhaltigere Schäden hat da die Tatsache angerichtet, dass in dem Buch (gefühlt) ständig Tee und Kakao getrunken wurde. Und – jetzt wird es fies – oft waren da auch Muffins und sogar Scones…

Eine besondere Geschichte, bei der ich von Anfang an das Gefühl hatte, dass ich sie lieben werde. Und das hat sich mit jedem gelesenen Kapitel weiter bestätigt. Ich konnte mich etwas gruseln, wild spekulieren, glücklich seufzen und grinsen – oft auch innerhalb weniger Seiten. Eine tiefe Geschichte mit einer rätselhaften Atmosphäre, vielen Verbindungen und wunderbaren Charakteren! Und ein Roman, der meinem Lieblingsbuch von Susanne Gerdom fast noch Konkurrenz gemacht hätte. :)

Lilach Mer – Winterkind

Erscheinungsjahr: 2012
Gelesen im Januar 2013
Verlagsseite

Rezension

Was wäre passiert, wenn Schneewittchen eine Tochter gehabt hätte? Blanka von Rapp müsste glücklich sein, denn sie ist schön, wird geliebt und lebt mit ihrer Familie in einem Herrenhaus. Dennoch ist ihr Leben von Ängsten geprägt, die sich noch verstärken, als sie den Spiegel ihrer Mutter erbt. Die eskalierende Unzufriedenheit unter den Arbeitern in der Glashütte und die Abwesenheit ihres Mannes zwingen Blanka dazu, sich nicht nur der Gegenwart, sondern auch ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen.

Dieser Roman ist im Jahr 1880 angesiedelt und spielt in einem Dorf in Niedersachsen, in dem es auch eine Glasfabrik gibt, die Blankas Mann gehört. Die Details dazu haben mich gefesselt, sowohl was die Herstellung als auch die Entwicklung betrifft, die weg vom künstlerischen Anspruch hin zur Massenfertigung führt. In dieses historische Setting wurde eine sehr spannende Geschichte eingebettet, die für mich durch den Bezug zum Schneewittchen-Märchen aber auch etwas phantastisches hatte.

Das Buch hatte mich von der ersten Seite an am Haken, weil mir die dichte Atmosphäre so gut gefiel und ich auch zu den Figuren einen direkten Draht hatte. Sie waren sehr präsent, nah bei mir und haben sich schnell in mein Leserherz geschlichen. Blanka ist rätselhaft und sensibel, geprägt von ihrer Vergangenheit, voller Andeutungen und Stimmungen, hell und dunkel. Die Gouvernante Sophie, eine weitere Hauptfigur, war mir in einer viel direkteren Art sympathisch. Sie ist intelligent, bodenständig und tatkräftig.

Die wunderbare poetische Sprache hat auch dafür gesorgt, dass ich mich mit dem Buch so wohl gefühlt habe. Sie hat mir Gefühle, Stimmungen und Bilder sehr intensiv vermittelt, so dass ich mich wie ein Teil der Geschichte fühlte und nicht wie ein außen stehender Beobachter. Diese teilweise unheimliche Geschichte hat mich gefesselt, mitgerissen und auf vielfältige Weise berührt. Sie hat viele Eindrücke hinterlassen, die mich noch länger begleiten. Eine sehr spannende und stimmungsvolle Lektüre, die ich einfach nur genossen habe!

SERAPH - Literaturpreis der Phantastischen Akademie

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