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Archiv für die Kategorie „Fantasy“

Jacqueline Spieweg – Rattenauge

Erscheinungsjahr: 2013
Gelesen im Mai 2013
Infos zum Buch

Patrik sitzt im Rollstuhl und lebt in einer verlassenen Fabrik. Bei ihm sind 9 Mädchen, die sich ähneln wie Spiegelbilder und eines Tages einfach auftauchten. Er weiß nicht, woher sie kamen und fürchtet den Tag, an dem sie ihm weggenommen werden. Als eins der Kinder verschwindet, versuchen die restlichen Mädchen, es vor ihm zu verheimlichen.
Der Wissenschaftler Viktor Winter findet in seinem Büro eine Kinderleiche, welche ihn an 9 Mädchen erinnert, die ihm ihre Existenz aber auch ihren Tod zu verdanken hatten.

An dieser Geschichte hat mir als erstes die dichte und wechselhafte Atmosphäre gefallen, die mich auf eine leise Art fasziniert hat. Die Sprache ist manchmal poetisch und transportiert viele Dinge. Bilder, Gefühle, Stimmungen. Auf eine ganz eigene Art und Weise, sehr intensiv.
Es gibt unzählige Realitäten, die sich verändern und überschneiden. In diesem Ausmaß war das eine neue Erfahrung für mich, sowohl von der Anzahl als auch den unterschiedlichsten Sichtweisen her. Eine Erfahrung, die mir sehr gefallen hat, auch weil mein Kopf schön beschäftigt war und ich einfach in ganz unterschiedliche Richtungen denken konnte.

Wo es so viele verschiedene Realitäten gibt, sind natürlich auch einige Figuren zu finden. Anfangs musste ich da schon ein wenig aufpassen, um auch alle zuordnen zu können. Aber da jede ihre ganz eigene Geschichte, individuelle Gedanken und Gefühle hatte, klappte das recht gut. Da gab es zu jeder Figur eine Verbindung, keine war mir gleichgültig.
Später wechselt die Erzählperspektive dann auch öfter mal absatzweise, womit sicher nicht jeder klar kommt. Mir hat gefallen, dass dem Leser dort auch etwas zugetraut wird – und es hat Spaß gemacht, die Perspektiven so “ungeordnet” zu wechseln und manche Szenen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erleben.

In dem Roman gibt es auch viele Verbindungen und Hinweise auf Märchen. Die eingestreuten Märchen-Aspekte sind ein fester Bestandteil und tragen zum besonderen Charme dieser Geschichte bei. Dabei geht es nicht nur um den Rattenfänger, der auf der Suche nach den Kindern ist. Es geht um viele Märchen und jeder entdeckt da wohl ganz unterschiedliche Hinweise. Auch aus der nordischen Mythologie taucht eine Figur auf, diese war mir zwar etwas zu weit weg, aber ich habe die Andeutungen doch sehr genossen.

Im Verlauf der Geschichte fragt man sich immer öfter, was real und was Einbildung, Wahn oder Märchen ist. Die Grenzen verschwimmen, alles verbindet sich und wird miteinander verwoben, um es später wieder zu trennen. Das Ende kam für mich gefühlt plötzlich, aber nachdem sich mein Kopf eingeschaltet hatte und etwas sortiert hat, wirkt es auf mich dann doch rund. Nur wegen einer Figur grübele ich noch etwas…

“Rattenauge” ist sicherlich keine Geschichte für jeden, aber alle, die tiefe Geschichten mit verschiedensten Realitäten, Märchenmotiven und einem gewissen Anspruch mögen, sollten es sich auf keinen Fall entgehen lassen! Ein spannender phantastischer Roman, der mich nicht nur fasziniert sondern auch noch länger beschäftigt hat.

Rattenauge

Thomas Finn – Der silberne Traum (Die Chroniken der Nebelkriege 0)

Erscheinungsjahr: 2013
Gelesen im April 2013
Verlagsseite

Die Elfe Fi erwacht auf dem verlassenen Schiff des Klabauters Koggs Windjammer und kann sich an nichts mehr erinnern. Sie ahnt jedoch, dass sie eine wichtige Aufgabe zu erfüllen hat – nur welche? Und was ist mit ihrem Volk geschehen, dessen Heimat die Nebelkönigin Morgoya zerstört hat? Um Antworten auf ihre Fragen zu finden, muss sie als erstes die Besatzung des Schiffes befreien, welche von einer Sirene verzaubert und entführt wurde. Dabei stößt sie auch auf einen weiteren Gefangenen: Nikk, einem Vertreter des Meervolks. Zusammen nehmen sie den Kampf gegen die von Morgoya entsandten finsteren Schattenkreaturen auf…

“Der silberne Traum” ist die Vorgeschichte zu der bisherigen Trilogie “Die Chroniken der Nebelkriege” und sowohl für Neueinsteiger als auch für Kenner der Reihe geeignet. Man benötigt kein Vorwissen, sondern kann durch das Prequel auch einfach eine neue Reihe für sich entdecken und die älteren Bücher dann mit etwas mehr Hintergrundwissen lesen. Wer die Trilogie bereits kennt, erfährt hier die Vorgeschichte von einigen bekannten Figuren, entdeckt aber auch neue Charaktere und Hintergründe.

Das Buch wirkte gleich in mehrfacher Hinsicht wie für mich “gemacht”, was vielleicht auch die große Faszination erklärt, mit der ich diesen Roman gelesen habe. Es gab nicht nur Elfen sondern auch Meerwesen, für beides habe ich ja eine Schwäche. Was aber nicht heißt, dass ich jeden Vertreter dieser Wesen auch automatisch mag. Hier war es jedoch so, weil ihre Charaktere Tiefe und Ausstrahlungskraft besaßen.

Außerdem habe ich die oft maritime Atmosphäre sehr genossen – ich bin ja ein bekennendes Meerkind und war begeistert davon, wie stimmungsvoll und bildreich die Beschreibungen bei mir ankamen. Ich war dort, mitten in der Geschichte. Nicht nur an Deck eines Schiffes, sondern auch unter der Meeresoberfläche.
Dann gibt es noch Magie in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen und eine große Bandbreite an Wesen, die sehr individuell auf mich wirken und nicht einfach “aufgezählt” wurden.

Diese fesselnde Geschichte ist ziemlich temporeich, es gibt aber auch wundervolle mystische Szenen, die mich sehr berührt haben und für einen Ausgleich sorgen. Auch der Humor kam nicht zu kurz und hat meinen Geschmack genau getroffen, so dass ich häufig grinsen musste. Es gab überraschende Entwicklungen und auch eine tragische Figur, die mich gleich voll erwischt hat. Aber das kenne ich ja schon. ;)

Bisher kannte ich nur den ersten Teil (Das unendliche Licht), bei dem ich mir ein wenig mehr Tiefe gewünscht hätte. Diese Tiefe bekomme ich nun im Prequel, worüber ich wirklich glücklich bin, weil ich den Stil des Autors, seine Ideen und die erschaffenen Welten sehr mag. Eine Wohlfühlbuch, das mich verzaubert hat! Mit vielen intensiven Eindrücken, die mich noch länger begleiten…

Katharina Gerlach – Schottlands Wächter

Erscheinungsjahr: 2013
Gelesen im April 2013
Infos zum Buch

Die vierzehnjährige Bryanna lebt in Schottland und ist fasziniert davon, die Wahrheit hinter den Märchen und Legenden zu erforschen. Daher sind ihr auch die Mythen ihrer Heimat nicht fremd. Als sie jedoch eines Tages einige davon mit eigenen Augen sieht, zweifelt sie an ihrem Verstand, obwohl ihr bester Freund aus Kindertagen ein Hobgoblin war. Bevor sie mit ihrem Vater, einem Kryptozoologen, darüber sprechen kann, wird dieser von einer Frau entführt, deren Geruch Bryanna seltsam bekannt vorkommt. Anstatt die Polizei zu rufen, nimmt sie die Verfolgung auf – und beginnt so eine gefährliche und gleichzeitig magische Reise, auf der ihr viel Wissen geschenkt wird.

Das Buch wird Lesern ab 12 Jahren empfohlen, was mich ein wenig verunsichert hat, weil mir diese Altersgruppe ein bisschen zu “jung” ist. Aber da ich Schottland und Mythen nicht widerstehen kann, musste ich das einfach ausprobieren! Glücklicherweise, denn ich hätte sonst eine wunderbare Geschichte verpasst, die mich auf eine magische Reise mitgenommen hat. Meine Befürchtung überlebte nicht lang, denn bereits die ersten Seiten nahmen mich gefangen und zeigten mir, dass da kein oberflächliches Buch auf mich wartete.

Mir gefiel, wie liebevoll die Beziehung zwischen Vater und Tochter beschrieben wurde. Nicht perfekt, dafür mit sympathischen Ecken und Kanten sowie einer besonderen Nähe. Ich mochte die ruhige und doch fesselnde Erzählweise des Romans. Die Art, wie die verschiedenen Landschaften und Wesen vor meinen Augen lebendig wurden. Die unterschiedlichen Stimmungen, welche bei mir sehr direkt ankamen. Die Zusammenhänge und der Aufbau der verschiedenen Welten.

Zu Beginn gab es eine Stelle, die für mich logisch nicht ganz schlüssig war und mich mehr aus der Geschichte gerissen hat, als die wenigen Rechtschreibfehler. Und es gab die ein oder andere Andeutung, zu der ich gerne etwas mehr gewusst hätte. Keine wichtigen Szenen, mich hat die mythologische Seite von “Schottlands Wächter” einfach nur sehr fasziniert. Was mich nicht verwundern sollte…

Daher habe ich die Reise durch Schottlands Mythen auch sehr genossen! Ich bin dabei nicht nur mir bereits bekannten (und teilweise sehr geliebten) Sagen begegnet, sondern durfte auch einige neue entdecken – beispielsweise den Boobrie, Am Fear Liath Mor oder Finfolkaheem.

Das Buch hat mir eine magische Lesezeit, wundervolles Kopfkino und einen Aufenthalt in verschiedenen Welten beschert. Eine Geschichte der ruhigeren Art, deren Entwicklung mich nicht oft überraschen konnte, die mich aber trotzdem begeistert zurück lässt. Und deren letzte Worte mich glücklich gemacht haben, da meine heimliche Lieblingsfigur es dann nicht mehr ganz so eilig mit dem Sterben hatte…

Andrea Bottlinger – Aeternum

Erscheinungsjahr: 2013
Gelesen im April 2013
Verlagsseite

In Berlin stürzt eines Tages der Alexanderplatz ohne Vorwarnung ein, zurück bleibt ein riesiger Krater. Dieses Ereignis gibt auch den seit langem miteinander verfeindeten Dämonen und Engeln Rätsel auf, so dass sie jeweils einen Vertreter entsenden. Die junge Magierin Amanda, die unfreiwillig im Dienst eines Dämons steht, und der gefallene Engel Jul steigen in den Krater, wo sie sich nicht nur näher kommen, sondern auch ein Geheimnis entdecken, welches unsere Welt zu vernichten droht.

Durch den actionreichen Prolog hatte mich der Roman schnell am Haken, ich wollte einfach wissen, wie es mit Amanda weiter geht. Anfangs litt die Stimmung bei mir ein wenig unter der Action, ich hatte einfach das Gefühl, dass es vordergründig darum ging. Ein paar Kapitel später wusste ich dann aber schon etwas mehr über die Figuren und ihren Hintergrund, so dass ich auch emotional in der Geschichte ankam. Je mehr Seiten ich las, desto greifbarer und intensiver wirkte die Atmosphäre auf mich. Es wurde immer deutlicher, dass in diesem Buch trotz aller Action auch immer Zeit für ruhigere Momente und tiefgehendere Gedanken blieb. Und das ist eine Mischung, die mir gefällt!

Mit Engeln und Dämonen kann ich meist nicht soviel anfangen, aber die Darstellung hier hat mich überzeugt. Sie ist ein wenig anders und weicht von den Vorstellungen, die ich so im Kopf hatte, ab. Ich werde da allerdings keine Details nennen, weil ich euch das lieber selbst entdecken lassen möchte. Es lohnt sich! Mir gefällt der mythologische Hintergrund sehr und vor allem kann ich mir auch vorstellen, dass es so sein könnte.

Nicht so gut gefallen hat mir die Distanz zu Amanda. Ich mochte sie, aber ich wurde nicht richtig warm mit ihr. Sie war gefühlt einfach sehr weit weg von mir – und damit hatte ich zeitweise ein großes Problem, weil ich den Figuren gerne möglichst nahe bin, mit ihnen mitfiebere und mitleide. Bei Jul war das glücklicherweise völlig anders! Er gehört für mich zu der Sorte von Charakteren, die einen beim ersten Lesen direkt anspringen und nicht mehr loslassen. Außerdem hat er einen wunderbar tiefen Hintergrund und macht sich dementsprechend so seine Gedanken.

Aeternum war für mich eine spannende und fesselnde Lektüre, in der die Liebesgeschichte einen sehr passenden dezenten Platz erhalten hat. Ein Buch, durch das man einen anderen Blickwinkel auf religiöse Themen und Mythen erhalten kann, wenn man offen genug dafür ist. Ein Roman, in dem es auch um Misstrauen, Mitleid und das Gewissen geht. Eine Geschichte, in der das Zulassen der vielen Grautöne, die uns umgeben, eine Rolle spielt. Und die somit auch einige Anstöße gibt, sich Gedanken zu machen…

PHANTAST Jahrbuch 2012

Der PHANTAST ist ein von Literatopia und fictionfantasy herausgegebenes Magazin rund um die Phantastik, das vierteljährlich kostenlos als PDF veröffentlicht wird. Zusätzlich erscheint das Jahrbuch, ein Best-of mit Bonusmaterial, als Printausgabe.

Ich bin bereits um das Jahrbuch 2011 herumgeschlichen, aber irgendwie wieder davon abgekommen. Bei dem von 2012 konnte mir das nicht passieren, weil auch eine Novelle von Susanne Gerdom mit dabei ist. Und die durfte ich natürlich auf gar keinen Fall verpassen! Also musste das Jahrbuch sogar vorbestellt werden. ;)
Neben Artikeln, Rezensionen und Kurzgeschichten gibt es auch Interviews, und dort lachten mich gleich drei Lieblingsautoren an: Bernd Perplies, Susanne Gerdom und Bernhard Hennen. Die wollten natürlich auch schnell gelesen werden, es ist schon ein Fluch mit der Neugier. Gleich nach der Novelle! Viele Artikel habe ich noch nicht gelesen, ich mache das nach und nach. Blättere einfach gerne im Jahrbuch herum und entscheide spontan, welche Beiträge ich dann lesen mag. Womit wir wieder bei der Neugier wären…

Und natürlich muss ich noch etwas über die Novelle “Der fliegende Batavier” erzählen! Möglicherweise war ich da ein klitzekleines bisschen vorbelastet, weil mich Geschichten um den fliegenden Holländer sehr reizen. Dadurch war da aber auch eine gewisse Erwartungshaltung. Jedenfalls hatte mich die Novelle aufgrund der genialen Atmosphäre gleich erwischt und ich habe es sehr genossen, in eine detailliert beschriebene Welt voller Luftschiffe einzutauchen. Dazu die tragische Seite, die Faszination und düstere Ausstrahlung. Der durchblitzende Humor. Die großartigen Hauptfiguren, mit denen ich so gehofft und gebangt habe. Nicht zu vergessen mein wunderbares Kopfkino und die intensiven Eindrücke, die ich beim Lesen hatte. Eine sehr bewegende Novelle, die schnell zu meiner Lieblings-Kurzgeschichte wurde und nur einen Nachteil hatte: Sie gefiel mir so sehr, dass ich mir dazu einen Roman wünschen würde. :herz:

Birgit Otten – Falkenmagie

Erscheinungsjahr: 2012
Gelesen im März 2013
Infos zum Buch

Kyra wird nach einem Zusammenstoß im Park an einen Ort zwischen den Welten entführt, wo sie die nächste Gefährtin des dortigen Herrschers Arik werden soll. Die Wahl ist jedoch auch auf eine Bewohnerin ihrer Welt gefallen, weil in ihr der Schlüssel zur Befreiung der Burg und ihrer magischen Bewohner liegt. Und dann ist da noch Kyras Entführer Jannis, mit dem sie ein besonderes Band verbindet.

Diese Novelle verleitet zum Träumen, obwohl sie in der “realen” Welt beginnt. Ein Ort zwischen den verschiedenen magischen und nicht-magischen Welten. Die unterschiedlichsten magischen Wesen, die nicht freiwillig dort sind. Falkenmagie, Bannsprüche, Zauber. Dies alles wird nicht allzu detailliert beschrieben, hinterlässt aber intensive Bilder und Eindrücke bei mir.

Die sympathische Hauptfigur gehört zu der aktiveren Sorte und sucht schnell nach einem Ausweg, denkt über ihre Möglichkeiten nach. Dadurch steckt man mitten in der Handlung und erkundet mit ihr zusammen diesen seltsamen Ort. Mir gefällt, dass es für die Kürze der Geschichte so viele Hintergründe gibt – nichts passiert “einfach so”, sondern hat immer einen Grund.

Ich bin einfach in dieser märchenhaft-romantischen Novelle versunken, an der mir auch die beschriebene Nähe und besondere Verbundenheit sehr gefallen haben. Diese Wärme konnte ich deutlich spüren, sie berührte mich und war direkt in meinem Herzen. “Falkenmagie” ließ mich glücklich seufzend zurück und zeigte mir wieder einmal, dass die Intensität nichts mit der Länge einer Geschichte zu tun hat. :)

Falkenmagie

Erik Kellen – GezeitenZauber

Erscheinungsjahr: 2013 (bzw. als “Dragonsoul” bereits 2011)
Gelesen im Februar 2013
Infos zum Buch

Die 17-jährige Nilah ahnt nicht, dass sie etwas Besonderes ist. In ihrem Blut verbirgt sich eine Macht, die das größte Geheimnis aller Zeiten ist. Als sie zusammen mit ihrem Vater nach Irland reist, um der Beerdigung ihrer Großmutter beizuwohnen, geschehen Dinge, die Nilah an ihrem Verstand zweifeln lassen. Sie gerät in einen Kampf, der 2.000 Jahre geruht hat und nun wieder aufgeflammt ist. Zwischen den “Einzigen”, dessen Ziel die Vernichtung ihrer Seele ist, und Liran, einem sagenumwobenen keltischen Krieger, der sie um jeden Preis beschützen will.

Die Sprache, in der diese Geschichte erzählt wird, hat mir von Anfang an gut gefallen. Sie ist nicht nur wunderschön und teilweise poetisch, sondern “klingt” auch und berührt etwas in mir. Sie wirkt sehr direkt auf mich, ist voller großartiger Bilder und bewegender Gedanken. Es wird eine Atmosphäre erzeugt, die mich einfach nicht mehr losgelassen hat.

Die Geschichte spielt in Hamburg und Irland, beide Orte werden sehr liebevoll und stimmungsvoll beschrieben. Ich konnte die Weite und den Zauber Irlands spüren, die alte Macht des Landes. Das Gefühl, dass dort Mythen überdauern und lebendiger sind als anderswo. Hamburg hat noch etwas intensiver auf mich gewirkt – sicherlich auch, weil ich die Stadt sehr mag und einige der erwähnten Dinge kenne. Es war ein anderes Hamburg, gefährlicher und düsterer, aber nicht weniger faszinierend. Und es gab eine wundervolle Stelle, an der beschrieben wurde, warum diese Stadt für jemanden, der sich zum Wasser hingezogen fühlt, wie ein kleiner Traum ist. Für jemanden wie mich. :)

Zu Nilah hatte ich schnell einen guten Zugang, sie war mir einfach sympathisch und wirkte “echt” auf mich. Mal nachdenklich, mal wütend, mal sensibel. Und aus verschiedenen Gründen auch sehr reif – mir gefällt, dass man nach und nach erfährt, warum sie sich so entwickelt hat. Besonders gut hat mir auch die Beziehung zu ihrem Vater gefallen, diese besondere Nähe wurde sehr liebevoll beschrieben. Nilah ist Veganerin und ich fand den Umgang mit diesem Thema sehr angenehm. Kein erhobener Zeigefinger, keine Belehrungen. Stattdessen erfährt der Leser, warum sie sich dafür entschieden hat, und denkt so vielleicht eher darüber nach.

Liran hat mich irgendwie sofort “erwischt”, das ging wohl auch gar nicht anders. Mystischer Hintergrund, tragische Andeutungen, Schwertfuchtler. Hm. Dazu noch eine tolle Ausstrahlung und viele Facetten. In ihm steckt so viel mehr als ein wieder erwachter Krieger, der sich nach zwei Jahrtausenden in einer völlig neuen Welt zurecht finden muss. Er macht so einiges durch – und ich auch, weil ich wieder ganz nah bei meiner Lieblingsfigur bin, mitleide und einfach sehr emotional lese. Viele der Nebenfiguren haben auf mich auch sehr präsent und außergewöhnlich gewirkt. Individuelle Charaktere, die einen starken Eindruck hinterlassen und dazu beitragen, dass sich diese Geschichte so abwechslungsreich und lebendig anfühlt.

Die Spannung in “GezeitenZauber” steigt stetig an und im letzten Drittel war ich fast soweit, vor Aufregung an den Nägeln zu kauen. Es gibt einige unheimliche Wesen, überraschende Ereignisse sowie viele Gelegenheiten zum Mitfiebern und Mitleiden. Diese mitreißende Geschichte bietet viele Kämpfe, aber sie ist auch mystisch und lässt sich Zeit für sensible Momente. Voller Magie und Tiefe, wunderbar illustriert, außerdem hinterlässt sie bei mir eine Vielzahl von Bildern und Emotionen. Eine bewegende Lektüre, die mich beschäftigt hat und deren Fortsetzung ich kaum erwarten kann. Und eine der Geschichten, die man mit jeder gelesenen Seite mehr liebt und einfach genießt.

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