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... in meiner ganz persönlichen Bücherwelt! Mein Schwerpunkt liegt bei deutschen Fantasy-Autoren, weil mich ihre Bücher begeistern und ich finde, dass sie nicht genug Aufmerksamkeit erhalten.

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Einträge in der Kategorie Rezension: historischer Roman

Aileen P. Roberts – Schatten über Duntulm Castle

Erscheinungsjahr: 2014
Gelesen im Juli 2014
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Verlagsseite

Unter der Führung von Charles Edward Stuart, genannt Bonnie Prince Charlie, kämpfen die Schotten im zweiten Jakobitenaufstand um ihre Freiheit. Auf der Isle of Skye rettet ausgerechnet ein englischer Soldat Caitlin MacArthur das Leben und wird dadurch zum Verräter an seinen eigenen Leuten. Gregory Davis, so sein Name, wird vom Clan MacArthur gefangen genommen und verbringt einige Zeit in ihrem Dorf. Dabei kommen sich Gregory und Caitlin näher, jedoch steht ihre Liebe unter keinem guten Stern – auch weil Caitlin für Frieden mit dem benachbarten Clan sorgen soll, indem sie Paden MacKenzie heiratet …

Der Roman hat mich von der ersten Seite an gefesselt, weil ich mich gleich mitten in der Geschichte fühlte und mir die Atmosphäre so gut gefallen hat. Durch die so wunderbar beschriebenen Landschaften war ich gleich in Schottland angekommen – auch emotional. Alles wirkte sehr direkt auf mich, so dass ich das Gefühl hatte, mit dabei zu sein und nicht einfach „nur“ ein Buch zu lesen. Bei Fantasygeschichten passiert mir das ja öfter, bei historischen Romanen ist das in diesem Ausmaß aber eher selten.

Mit dazu beigetragen haben sicherlich auch die überzeugenden Figuren, die nah bei mir waren und mich berührt haben. Ich hing an so mancher nur kurz auftauchender Nebenfigur, aber natürlich auch an den Hauptfiguren. Manche Charaktere sind mir mit der Zeit ans Herz gewachsen, einige mochte ich gleich und eine hat mich dann irgendwie total über den Haufen gerannt. Und das wurde auch noch mit jeder Seite schlimmer! Ich schwärme also für Angus, einen älteren Mann, der ein Heilkundiger ist und das alte Wissen nicht nur bewahrt, sondern auch lebt. Als einziger MacArthur glaubt er noch an die alten Götter, feiert die alten Feste der Kelten und verehrt die Natur. Das führt zu der einen oder anderen mystischen Szene, aber auch zu tieferen Gesprächen und humorvollen, augenzwinkernden Andeutungen, bei denen ich dann kichern musste.

Noch mystischer ist allerdings der Sídhe-Hengst, zu dem Caitlin eine besondere Beziehung hat. Er kommt und geht wie der Nebel zwischen den Welten und ist den meisten Menschen unheimlich. Aber ist er wirklich ein schlechtes Omen? Vielleicht ist das Geisterpferd ja auch einfach nur anders – und wir wissen ja, was Menschen gerne mit Dingen machen, die sie nicht verstehen …

Die Auseinandersetzungen zwischen den Clans und der gemeinsame Hass auf die Engländer sind sehr gut eingefangen, sehr stimmungsvoll aber nicht zu ausschweifend. Mir haben die geschichtlichen Details gut gefallen, die sparsam aber regelmäßig eingestreut wurden, und daher sowohl für Neulinge als auch für mit dem Thema vertraute Leser geeignet sind. Manches davon hat mich emotional heftig erwischt, vor allem die Schlacht von Culloden mit ihren Folgen. Das zeigt nicht nur, wie sehr mich dieser Abschnitt der schottischen Geschichte berührt, sondern auch, wie einfühlsam und intensiv diese Szenen geschildert wurden.

Mir hat gut gefallen, dass die Liebesgeschichte nicht zuviel Platz eingenommen hat. Sie ist da und auch präsent, aber sie wird nicht über das ganze Buch ausgebreitet. Es gibt andere gleichberechtigte Themen, die auch ganz andere Emotionen ansprechen und diesen Roman abwechslungsreich machen. Die Geschichte beginnt relativ ruhig, aber schon nach ein paar Kapiteln wird das Tempo deutlich angezogen und die Spannung steigt auf jeder Seite.

„Schatten über Duntulm Castle“ ist der erste historische Roman von Aileen P. Roberts, die mich auch in diesem Genre voll überzeugen konnte. Ich mag die dichte Atmosphäre, die historischen Details, die wunderbaren Beschreibungen von Schottland und die gelungenen Figuren. Die Geschichte mit mystischen Anklängen bietet eine abwechslungsreiche Mischung und eine spannende Lektüre, aus der ich viele Eindrücke mitnehme, die mich noch länger begleiten werden. Von Angus mal ganz zu schweigen … :herz:

[alte Schätze] Viola Alvarez – Die Nebel des Morgens

Bei den “alten Schätzen” handelt es sich um Bücher, die ich vor meiner Blog-Zeit gelesen und rezensiert habe. Vieles traue ich mich nicht zu posten (und bin mehr als froh über meine Entwicklung), aber einige meiner alten Meinungen sind dann doch vorzeigbar. Und es gibt darunter ein paar Bücher, die mir sehr gefallen und einen starken Eindruck hinterlassen haben – das sind die “alten Schätze”! In leicht veränderter Form…

Im späten fünften Jahrhundert wird ein nordländischer Skalde von zwei Soldaten aus Island entführt und zu einem machtgierigen aber minderen Burgunderkönig an den Rhein gebracht. Für diesen ist der seit zwei Jahren verstummte Mann wertvoller als pures Gold, denn es handelt sich bei ihm um Bryndt Högnisson, dem einzigen Kind der längst verstorbenen Königin Brynhild und ihres Liebhabers Hagen von Tronje. Und dem Einzigen, der die Wahrheit über den durch eine verbotene Liebe ausgelösten Untergang der Nibelungen kennt…

Diese Geschichte war mein erster Roman von Viola Alvarez, ich hatte schon viel gutes über sie gehört – und doch hat mich ihr besonderer Stil überrascht. Ich fühlte mich nicht wie in einem Buch, sondern eher wie an einem Lagerfeuer, an dem ich den mündlichen Überlieferungen eines Skalden lauschte. Dieser Eindruck entstand auch durch eine persönliche Ansprache, die zu Beginn erfolgte Vorstellung der Ahnenreihen und eine beständige leicht melancholische Atmosphäre.

Die Autorin beherrscht die Kunst, manche Figuren nur durch ein paar Sätze lebendig werden zu lassen. Dazu kommt der augenzwinkernde Humor, der mich oft zum Grinsen gebracht hat – beispielsweise bei der Beschreibung der Gründe, für die ein Mann im Christentum verehrt wurde. Die Charaktere wurden sehr vielschichtig und menschlich dargestellt, gerade dadurch hatte ich auch so einen guten Zugang zu ihnen, konnte mitfiebern und mitleiden.

Es gab viele emotionale Szenen, bei denen mir das Herz aufging – und die mich gleichzeitig zum Weinen brachten. Außerdem waren da eine Menge toller Beschreibungen, die ich mehrfach lesen musste, um sie so richtig genießen und auf mich wirken lassen zu können. Weise und einfühlsame Momente genauso wie traurige Stellen, die mich sehr berührt haben. Zu dieser Geschichte gehört einfach ein tragisches Ende, das mich allerdings nicht davor bewahrt hat, mein Herz an die Figuren zu hängen – daher musste ich da auch ziemlich leiden.

Eine besonders dichte und intensive Atmosphäre hatten für mich die Szenen, in denen Bryndt im Vordergrund stand und von seiner Vergangenheit erzählte. Dabei habe ich auch seine Ausdrucksweise sehr genossen – diese besondere Art, in der er beispielsweise seinen Bezug zum Wind beschreibt. Und er hinterlässt der Welt ein großes letztes Wort – und ein Vermächtnis, welches mich zum Nachdenken gebracht hat.

Eine wunderschöne, melancholische, emotionale und tragische Geschichte, an die ich immer wieder gerne zurück denke. Ein sehr stimmungsvoller Roman, der mein Herz berührt und meinen Kopf beschäftigt hat. Und eins der beiden Bücher, die an meiner etwas anderen Sicht auf Hagen Schuld sind! :)

Brigitte Riebe – Der Kuss des Anubis

Erscheinungsjahr: 2009
Gelesen im Dezember 2009
Verlagsseite

Im zehnten und letzten Regierungsjahr von Pharao Tutanchamun: Die 15-jährige Miu, Tochter eines einflussreichen Balsamierers, glaubt ihren Ohren nicht zu trauen: Was sie da zufällig in einer Gaststätte belauscht, klingt wie ein Mordplan am Pharao, am goldenen Prinzen Tutanchamun! Doch weder weiß sie, wann die ungeheure Tat geschehen soll, noch wer dahinter steckt. Niemand will Miu glauben, und nur mit List gelingt es ihr, bei Hofe vorgelassen zu werden. Die Begegnung mit dem jungen Pharao verwirrt Miu nur noch mehr, denn beide empfinden spontan Gefühle füreinander. Darf man sich in einen Pharao verlieben? Miu bleibt keine Zeit, darüber nachzudenken, denn bald schon erweist sich, dass tatsächlich Mörder am Hof ihr Unwesen treiben – und dass Mius eigene Familie tiefer in die Verschwörung verstrickt ist, als sie ahnen konnte.

Diese Geschichte mag als Jugendbuch konzipiert worden sein, kann jedoch auch leicht erwachsene Leser von der ersten Seite an fesseln – oder zumindest mich. Es ist eine lebendige und farbenfroh beschriebene Reise ins alte Ägypten mit einer ausgewogenen Mischung aus Historie, Spannung und liebevoll gezeichneten Figuren. Mit jeder weiteren Seite tauchte ich tiefer in dieses Wohlfühlbuch ein, welches von Freundschaft, Liebe und Geheimnissen handelt.

Die Charaktere wirkten mit ihren Ecken und Kanten sehr menschlich auf mich, selbst Tutanchamun bildete da keine Ausnahme. Neben seinen „königlichen“ Zügen gab es immer wieder sehr persönliche Momente, durch die man einen Blick hinter die Maske des Pharaos werfen konnte. Mir hat ebenso die sensibel geschilderte Gefühlswelt gefallen, und dass es auch nicht gleich auf den ersten Blick zu durchschauende Figuren gab. Die Entwicklungen und Hintergründe, die nach und nach aufgedeckt werden, vermitteln einem manchmal auch einfach erst später das „Innenleben“ mancher Charaktere.

Sehr interessant und lehrreich war für mich neben den Informationen zum Handwerk der Balsamierer auch wieder das Nachwort. Einige Dinge wusste ich zwar noch grob, aber vieles war mir auch neu – besonders wenn es ins Detail ging. Nicht nur was Tutanchamun betrifft, sondern vor allem auch Echnaton und Nofretete – und die Einführung sowie den Fall der ersten monotheistischen Religion, dem Aton-Kult. Ein (wie ich finde) faszinierendes Thema, auch was die Veränderung der Namen und die Auswirkung auf den Glauben des „normalen“ Volks betrifft…

Gisa Pauly – Die Frau des Germanen

Erscheinungsjahr: 2009
Gelesen im November 2009

Thusnelda, die Tochter des mächtigen Germanenfürsten Segestes, weiß, wie ihr Leben verlaufen wird. Sie wird den Mann heiraten, den ihr Vater ausgesucht hat, und viele Kinder großziehen. Doch dann begegnet sie Arminius, dem germanischen Heerführer in den Diensten Roms. Sie verliebt sich Hals über Kopf und heiratet ihn, auch wenn sie sich dadurch ihren Vater zum Feind macht. Als Arminius sich gegen die Römer stellt, hat er wenig Rückhalt bei den Germanen. Doch seine gefährlichste Gegnerin sitzt in Rom und schmiedet Rachepläne: Die Nichte des Kaisers hat sich ebenfalls in ihn verliebt und fühlt sich durch seine Ehe mit einer Barbarin verraten…

Die Geschichte ist in einem sehr flüssigem Stil geschrieben, durch den man leicht in die Handlung eintaucht. Wir lernen die Charaktere Thusnelda, Inaja und Severina besser kennen, aus deren Sicht die Ereignisse geschildert werden. Dabei stehen die persönlichen Belange und Verwicklungen im Vordergrund, während die historischen Entwicklungen den Hintergrund bilden.
Über diesen Hintergrund hätte ich gerne ein wenig mehr erfahren, trotzdem hat mir die Darstellung der verschiedenen Kulturen gut gefallen. Es wird deutlich, wie unterschiedlich die Lebensweise von Römern und Germanen war. Durch Figuren aus beiden Völkern erhält man einen Blick auf die andere Seite, und erblickt dort nicht nur Gutes.

Leider hat mir der rechte Bezug zu den Personen gefehlt, ich fieberte nicht wirklich mit ihnen mit. Deshalb konnte ich diese ansonsten sehr fesselnde Geschichte auch nicht hunderprozentig genießen – es fehlte einfach etwas, was mir persönlich sehr wichtig ist. Möglicherweise vermisste ich auch einfach nur ein paar Details oder Gedankengänge.
Einzig die Darstellung der besonderen Beziehung zwischen Thusnelda und Arminius konnte mich da voll überzeugen, sie ist in jedem Moment der Zweisamkeit spürbar und verbreitet eine wunderbar warme Atmosphäre.

Joan Wolf – Tochter der Kelten

Erscheinungsjahr: 1989
Gelesen im September 2009

England, 555 nach Christi: Der Friede zwischen Kelten und Angelsachsen, das Lebenswerk König Arthurs, droht zu zerbrechen. Auf dem grausamen Kriegszug der Sachsen wird die keltische Prinzessin Niniane gefangengenommen und an den Hof des Sachsenkönigs Cynric gebracht. Hier wächst sie gemeinsam mit Prinz Ceawlin, dem illegitimen Sohn des Königs, auf.
Die intrigante Königin setzt alles daran, Ceawlin aus dem Weg zu räumen, um den Thron für ihren Sohn Edwin zu sichern. Aber mit der schönen Niniane an seiner Seite gelingt Ceawlin der Aufstieg zum mächtigen Herrscher über ein England, in dem alle Stämme geeint sind.

Das Buch und ich, wir hatten keinen guten Anfang. Durch den Titel hatte ich „heidnische“ Kelten erwartet, stattdessen waren diese bereits christianisiert und sahen sich selbst als „Briten“. Daran musste ich mich erst gewöhnen, vor allem mit der christlichen Sicht hatte ich so meine Schwierigkeiten.

Ich habe schnell in die Geschichte hineingefunden, Niniane war mir sympathisch und die gezeichnete Welt konnte mich überzeugen. Der fesselnde Schreibstil und die Neugier auf die weiteren Entwicklungen sorgten dafür, dass ich das Buch nur ungern zur Seite legte.

Allerdings gefiel es mir zu Beginn am besten, denn mit jeder weiteren Seite wurde klarer, dass mich ein paar Dinge störten. Den unterschiedlichen Kulturen und Religionen wurde nur sehr wenig Platz gegönnt, es ging primär um Intrigen und Feinde. Und dann die Figuren, sie wirkten auf mich oft oberflächlich und fast schon lieblos gezeichnet. Dabei gab es da durchaus Potential, vor allem denke ich da an meine tragische Lieblingsfigur Sigurd. Und Emotionen? Bis auf wenige Ausnahmen Fehlanzeige, selbst die „große“ Liebe zwischen Niniane und Ceawlin erschien mir sehr einseitig und daher schwer nachvollziehbar.

Viola Alvarez – Das Herz des Königs

Erscheinungsjahr: 2003
Gelesen im April 2009
Verlagsseite

Befallen von einer unerklärlichen Starre liegt Marke, der legendäre letzte König von Cornwall, in seiner Burg und wartet auf sein Ende. Doch die Sehnsucht des Königs ist stärker als der Tod: Noch einmal möchte Marke das Meer sehen, noch einmal die schöne Brangaene, die auf mysteriöse Weise verschwand…

In diesem Roman lernen wir Marke von Cornwall als älteren Mann kennen, der auf dem Krankenlager sein Leben an sich vorüberziehen lässt. Wir erleben mit ihm seine Vergangenheit, alles beginnt mit einem 7-jährigen Jungen, der von seiner Familie zu Zieheltern in die Bretagne geschickt wird. Zwischen den Erinnerungen tauchen immer wieder Gedanken des älteren Marke auf – über sich selbst und seine große Liebe Brangaene, aber auch eher philosophische, z.B. über die Zeit. So lernt man Marke sehr genau kennen, merkt wie er „tickt“ und warum er so handelte, wie er es getan hat.

Der Titel des Buches gibt sehr treffend wieder, worum es geht. Um Markes Herz, das für die langfristige Erhaltung seines Königtums ruhig gestellt wurde, ja fast vereiste. Nur wenigen Menschen öffnete er es, und auch seine große Liebe begegnete ihm erst spät. In einer wunderbaren und bildhaften Sprache erleben wir die Höhen und Tiefen von Markes Leben, seine Kämpfe und politischen Machtspiele ebenso wie seine wenigen Freundschaften und die tiefe Verbundenheit zum Meer.
Es fiel mir leicht, Marke zu mögen – und doch stand er mir nicht so nah, wie die Figuren aus „Die Nebel des Morgens“. Das könnte vor allem an den politischen Intrigen und Machtverhältnissen am Hof liegen, auf Dauer ist das einfach nicht so meins. Trotzdem habe ich mit ihm mitgefiebert und ihn gerne begleitet.

Das Ende war natürlich tragisch, aber auch wunderschön. Mit einer besonderen Atmosphäre und der Verbindung zum Meer, die irgendwie etwas tröstliches hatte. Und dann erst noch der Brief auf den letzten Seiten, der neben einer wunderschönen Geste eines Zurückgebliebenen an den anderen auch so passende und liebevolle Gedanken enthielt, dass ich doch noch etwas weinen musste.

Brigitte Riebe – Isis

Erscheinungsjahr: 2002
Gelesen im März 2009

Zwei tief beeindruckende Frauengestalten, schicksalhaft mit einem ungleichen Brüderpaar verbunden: Isis und Meret gleichen dem strahlenden Tag und der behütenden Nacht – warmherzig Liebende die eine, wissende Seherin die andere. Aber die mörderische Rivalität der Brüder Anu und Khay droht das Leben der beiden Frauen zu zerstören.

Der ägyptische Schöpfungsmythos um Isis, Osiris und Seth wird in diesem Buch anhand von “normalen” Personen erzählt. Wir lernen Meret, Isis, Khay und Anu als Kinder kennen und begleiten sie auf ihrem weiteren Weg. Man erfährt etwas über ihren Charakter und das sie formende Umfeld, teilt aber auch ihre Gedanken und Gefühle. Das gleiche gilt für einige historisch belegte Personen, die auf mich bei all den Intrigen und Machtspielen doch immer auch menschlich blieben. Mir fiel es dadurch auch leicht, Zugang zu den verschiedenen Figuren zu finden und ich war schnell mitten in der Geschichte.

Die Beschreibung der Gewalt bei der Eroberung Wasets wirkte auf mich sehr real und eindringlich. Überhaupt hatte dieses Buch für mich eine tragische Grundstimmung, manche Szenen waren auch beklemmend. Dabei gab es zwischendurch aber auch schöne Momente, die einen hoffen ließen – und doch nur eine kleine Pause vor den nächsten Ereignissen waren. Die Spannung steigt mit jeder Seite, man spürt förmlich wie sich der Kreis langsam schließt und alles auf das unvermeidliche tragische Ende zusteuert. So sind eben Mythen!

Durch dieses Buch habe ich auch wieder einiges gelernt. Aus dieser Zeit hatte ich noch nichts gelesen, mir waren die Eroberungen und die politische Lage also völlig fremd. Dann konnte ich noch mein nur sporadisch vorhandenes Wissen über die Schöpfungsgeschichte und einige Götter vertiefen. Dazu noch die vielen Details über Alltag, Götterkult, Grabräuber, … Mein Interesse an der ägyptischen Mythologie und Kultur wurde jedenfalls wieder geweckt, und so werde ich lesetechnisch sicher wieder einmal dorthin reisen.

Regine Leisner – Die Rabenfrau

Erscheinungsjahr: 2007
Gelesen im Dezember 2008
Autorenseite
Verlag: Ullstein

Rezension

Vor 11.500 Jahren leben die Menschen in den bewaldeten Hügeln nördlich des Mains in kleinen Sippen und verehren eine Muttergottheit, die Große Frau Udonn. Das junge Mädchen Ravan wird von den Alten Müttern zur Vogelfrau geweiht, dazu bestimmt, die spirituelle Führerin ihres Stammes zu werden. Eine ehrenvolle Aufgabe, doch bald quälen Ravan beängstigende Visionen: Ein gewaltiger Vulkanausbruch steht bevor und wird alles Leben auslöschen! Wie kann sie die Eschenleute vor den entfesselten Naturgewalten retten? Godain, der Schamane des Stammes und ihr heimlicher Geliebter, verweigert ihr die Unterstützung. Er will, dass die Männer sich endlich gegen die sanfte Herrschaft der Frauen auflehnen. Die Spannungen erreichen einen Höhepunkt, als Ravan den Schamanen aus der Sippe verstößt – doch dann setzt der Feuersturm ein, und es geht nur noch ums Überleben. Gemeinsam müssen Ravan und Godain einen Weg finden, ihr Volk zu retten …

Ravan wird in einer Zeit des Umbruchs zur Vogelfrau und damit spirituellen Führerin ihres Stammes geweiht. Sie hat den Ruf der Göttin gespürt – ist dadurch aber nicht allwissend, sondern begegnet ihrer Aufgabe unsicher und mit vielen Fragen. Mir hat gefallen, wie genau wir ihren Weg und ihre Entwicklung zu einer weisen Vogelfrau mitverfolgen konnten. Durch das Aufbegehren der Männer gegen das Matriarchat und der Katastrophe eines Vulkanausbruchs hat sie es nicht leicht – was ihre Lehrerin Imtu im Voraus ahnte, ihre Ausbildung verlief deshalb womöglich auch etwas strenger.

Beeindruckt hat mich auch die Darstellung der Männer und ihrer Gründe für das Aufbegehren gegen die Macht der Frauen. Oft ist es ja leider so, dass diese dann plump als machtgierige Wesen dargestellt werden. Hier ist das komplett anders! Die Ungerechtigkeiten gegenüber den Männern werden aufgezeigt, jedoch ohne erhobenen Zeigefinger. Und es gibt ganz bestimmte Dinge, wofür sie kämpfen – z.B. darum, auch ohne eine Frau bei ihrer Sippe bleiben zu können und nicht wandern zu müssen.

Es gibt auch viele mystische Ereignisse, Elemente aus dem Schamanismus, die meine Neugier weckten. Dabei spürte ich schnell, dass hier jemand davon schrieb, der auch wirklich Ahnung von dem Thema hat und nicht nur einfach etwas geheimnisvolles in die Geschichte bringen wollte. Ich hatte auch den Eindruck, dass diese Erlebnisse nie ohne Grund beschrieben wurden, sondern immer der Verdeutlichung von Ravans Entwicklung dienten.
Die Auseinandersetzung der Götter fand für mich dann auf einer anderen Ebene statt, in der sie durch die Körper von Ravan und Godain handelten. Es tat mir weh, die beiden als Gegner zu sehen – aber vielleicht wäre das Ende der Geschichte auch ganz anders gewesen, wenn sie sich nicht so nahe gestanden hätten.

Zum Ende hin gab es einige Kapitel, in denen die Ereignisse nur kurz zusammengefasst wurden. Mich hat das nicht gestört, da ich diese als Übergang zum Ende der Geschichte empfunden habe. Das Buch hätte schon früher zu Ende sein können, aber so begleiten wir Ravan durch ihr komplettes Leben und verfolgen ihr letztes und so wichtiges Gespräch mit dem Raben, bevor es eine etwas andere Art des Happy-Ends gibt. Dieses für mich sehr runde Ende hinterließ mich sowohl glücklich als auch nachdenklich, und ich freue mich schon sehr darauf, die Fortsetzung „Unter dem Rabenmond“ zu lesen.

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Tereza Vanek – Die Träume der Libussa

Erscheinungsjahr: 2008
Gelesen im November 2008
Verlagsseite

Libussa, die jüngste Tochter der Herrscherin der Behaimen, lernt auf dem rauschhaft gefeierten Kupala-Fest den Bauern Premysl kennen. Bald schon reitet sie regelmäßig in sein Dorf, um ihn bei seiner Familie zu treffen. Doch eine Verbindung zwischen ihnen scheint unmöglich, vor allem dann, als Libussa zur Nachfolgerin ihrer verstorbenen Mutter gewählt wird. Libussa allerdings ist entschlossen, den Geliebten trotz seiner niederen Herkunft zum Gefährten zu nehmen. Listig belebt sie ein altes Ritual wieder, und der Trick gelingt: Die Göttin zeigt Premysl als den für Libussa vorbestimmten Ehemann. Doch nach kurzem Glück beginnt eine Zeit der Gefahren, die Frankenkrieger bedrohen die neu gegründete Stadt Prag und wollen den Behaimen gewaltsam das Christentum aufzwingen.

Die Geschichte um den Mythos der Libussa spielt vor dem Hintergrund der Gründung Prags Mitte des 8. Jahrhunderts und lässt sich flüssig lesen. Es fällt leicht, sich auf das Buch einzulassen und die verschiedenen Personen kennen zu lernen. Zu den Hauptfiguren konnte ich leider keinen richtigen Bezug herstellen, obwohl diese detailliert eingeführt wurden und ich auch immer nachvollziehen konnte, warum sie wie handelten. Bei mir fehlte einfach der Funke, das Emotionale, was einen mitfiebern lässt. Dafür gab es ein paar sehr interessante Nebenfiguren, über die ich gern etwas mehr erfahren hätte.

Im 1. Teil wird die Welt der Behaimen mit ihren Sitten, Göttern und Strukturen geschildert. Die Beschreibungen fand ich sehr realitätsnah und auch menschlich, da diese alte Kultur nicht nur als friedliches Volk dargestellt wurde – es gab auch Streitigkeiten und Intrigen. Teil 2 schildert die nun bekannte Welt aus Sicht der Christen, wodurch die Unterschiede, besonders was Glauben und Macht betreffen, deutlich werden.
Besonders gefiel mir die Entstehung der Stadt Prag. Angefangen hat es mit Libussas Vision, dann musste erstmal der richtige Ort gefunden werden – und schließlich der Aufbau der Stadt selbst, die Arbeit und Mühe, aber auch die Lebendigkeit der Bewohner. Das waren auch die Momente, wo ich gefühlsmäßig tief in der Geschichte war und neugierig verfolgte, was dort so alles vor sich ging.

Die Spannung nahm zum Ende hin immer mehr zu, es gab auch ein paar dramatische Ereignisse und ich musste mich sogar von meiner Lieblingsfigur trennen. Auch durch Libussas letzte Visionen fand ich das Ende sehr rund, und das Nachwort über den Libussa-Mythos im Lauf der Zeit hat mir gut gefallen.

Brigitte Riebe – Palast der blauen Delphine

Erscheinungsjahr: 1996
Gelesen im Oktober 2008
Verlag: Diana
Autorenseite

Kreta im Jahr 1500 v. Chr.: Der Hirtenjunge Asterios begegnet der schönen Königstochter Ariadne. Beide verlieben sich ineinander, doch dunkle Schatten liegen über ihrer Beziehung: Asterios ist der Auserwählte, und bald schon muss er der großen Göttin dienen und gefahrvolle Aufgaben bewältigen. Düstere Visionen, die Asterios nachts überkommen, künden außerdem von einer Naturkatastrophe …

Rezension

Der Einstieg in diese Geschichte fiel mir nicht so leicht, wie bei anderen Büchern der Autorin. Vielleicht musste ich mich erst etwas auf diese für meine Verhältnisse sehr südlich gelegene Geschichte einstellen, auf Wärme und jugendliche Unbeschwertheit. Zudem haben mich anfangs die vielen Figuren verwirrt, auch wenn mir das Verzeichnis der Personen am Anfang des Buches sehr geholfen hat. Aber je mehr ich las, desto mehr faszinierte mich dieses Buch, in dem der bekannte Mythos um das kretische Labyrinth aus der Sicht der “Verlierer” erzählt wird.

Die Figuren wirken auf mich sehr menschlich mit ihren Stärken und Schwächen. Die Bandbreite der Charaktere war dabei sehr groß – es gab z.B. sympathische, machtgierige, geheimnisvolle, etwas nervende und auch wissbegierige Personen. Die vielschichtige Darstellung des Asterios hat mir sehr gefallen, ich hatte das Gefühl ihn wirklich zu kennen und bei seiner Entwicklung zu begleiten. Die Prüfungen fand ich dabei ebenso interessant wie seine seherischen Fähigkeiten, die Verbundenheit mit Merope und seine Freundschaft zu Ikaros. Dieser hat mich übrigens sehr berührt, seine Gespräche mit Asterios habe ich wirklich genossen. Auch wenn mir bei dem Namen natürlich klar war, dass ihm kein gutes Ende bevorsteht. Dummerweise habe ich ihn natürlich trotzdem sehr ins Herz geschlossen, ich scheine wirklich eine Schwäche für tragische Figuren zu entwickeln.

Die Landschaften, Orte, Personen und Ereignisse werden detailreich und ohne Hektik beschrieben. Angesichts dieser Zeit der Veränderung und der späteren Atmosphäre von Gefahr wirkt diese ruhige Erzählweise auf mich wie ein letztes Schwelgen in einer Kultur, die dem Untergang geweiht ist. Trotz der Zerstörung gelang es der Autorin aber, mich am Ende mit einem Gefühl von Hoffnung und Zuversicht zurückzulassen. Neben vielen anderen Emotionen, durch die ich noch länger in dieser wunderbaren Geschichte verweilen konnte …

SERAPH - Literaturpreis der Phantastischen Akademie

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