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... in meiner ganz persönlichen Bücherwelt! Ich tauche besonders gerne in deutsche Fantasywelten ab, halte mich gelegentlich aber auch im "Ausland" auf.

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Lesung aus „Himmel in Flammen“ von Bernhard Hennen in Braunschweig

Als ich Anfang April entdeckte, dass es hier in der Nähe endlich mal wieder eine Lesung für mich gibt, war die Vorfreude groß. Auch wenn bis dahin noch einige Zeit vergehen würde, musste ich trotzdem gleich Literaturjunkie fragen, ob sie mitkommen mag – und die Karten reservieren. Vorgestern war es dann soweit und wir hatten einen phantastischen Abend, an dem ich mal wieder viel gegrinst und gelacht habe.

Eintrittskarte

Nach der Begrüßung und Anmoderation durch eine Mitarbeiterin der Stadtbibliothek begann Bernhard Hennen den Abend mit der Warnung, dass er ein eher lesefauler Autor ist und das Gespräch mit dem Publikum viel spannender findet. Danach konnten wir abstimmen, ob wir lieber eine Szene mit (möglicherweise) schlechtem Humor oder viel Romantik hören wollten. Wie immer hat der Humor gewonnen, also wurde das Kapitel „Fremdsprachenkenntnisse“ gelesen und wir landeten in einem Luftaal, den eine Elfe dem Troll Groz und dem Kobold Che überlassen hatte. Da der Luftaal für Elfen gebaut wurde, ist das eine verdammt enge Angelegenheit. Dazu kommt noch, dass Che um die richtige Aussprache des elfischen Wortes Liuvar ringt, um so an den Ort zu kommen, an den er gerade denkt.

Himmel in Flammen_BS_2

Damit war der „Pflichtteil“ erfüllt und es ging mit der Fragerunde los. Dort ging es u.a. um den ersten Verlagsvertrag, ob „Die Elfen“ von Anfang an als Beginn einer Reihe geplant waren, um den Nuramon-Roman von James Sullivan. Darum, ob man als Autor alle seine Figuren mag und von welchen Ideen der Verlag nicht angetan war. Um die Vorliebe für tragische Liebesgeschichten, den Umgang mit näher rückenden Deadlines und Qualität, Schwertkampf und Bogenschießen. Um Erziehungsmaßnahmen vom Verlag, Inspiration und Recherche. Um Dinge, die man als Autor nicht tun sollte, die einen Roman aber viel vorhersehbarer machen.

Natürlich ging es auch um zukünftige Projekte! Im nächsten Elfenbuch spielen Emerelle und Meliander eine große Rolle. Sie waren eine Weile an einem sicheren Ort und Emerelle bricht auf, weil sie unbedingt ihre Mutter finden möchte. Meliander ist eher der Meinung, dass wenn sich seine Mutter so lange Zeit nicht für ihn interessiert hat, er sich auch nicht mehr für sie interessiert. Emerelle begegnet Falrach und Meliander erlebt eine sehr tragische Liebesgeschichte, bei der man viele Taschentücher braucht, wenn man zart besaitet ist (mit dieser Warnung wurde ich besonders angesprochen – und hilflos wie ich bin, bleibt mir da wohl nichts anderes übrig als einen großen Vorrat an Taschentüchern anzulegen). Der dunkle Bruder spielt aber auch eine Rolle und macht sehr seltsame Dinge.

Himmel in Flammen_BS

Danach gibt es eine Elfenpause für mindestens 2-3 Jahre. Unter den Elfenfiguren, die noch eine größere Rolle spielen, ist auch Alathaia. Ab 2017 erscheint bei Fischer Tor eine Reihe über eine Welt, in die die Magie zurückkehrt. Darin eingewoben sind einige Ideen aus der Gezeitenwelt-Saga.

Als der Wunsch nach der Lesung der zweiten Szene aufkam und sich niemand von einer tragischen Liebesgeschichte abschrecken ließ, wurde die Fragerunde überraschend damit beendet. Das Kapitel „Der letzte Kuss“ handelt von zwei Elfen, die auf einer untergehenden Welt festsitzen. Er ist immer den Weg des Schwertes gegangen und hält die Grenze zwischen Lehrer und Schüler für eine wichtige Regel. Auch wenn er gespürt hat, dass sie sich wünschte, diese Distanz überwinden zu können. Nun fragt er sich, ob aufrichtige Liebe über dieser Regel steht und er sich womöglich geirrt hat …

Eine sehr berührende Szene, bei der mir tatsächlich auch ein paar Tränen über die Wange liefen. Nicht wegen den beiden Elfen, sondern wegen der Anspielung auf Gonvalon. Gleichzeitig habe ich mich über die Erwähnung meiner ultimativen Lieblingsfigur aus der Drachenelfen-Reihe aber auch riesig gefreut.

Die Nacht der Schlange

Zum Signieren hatte ich diesmal „Die Nacht der Schlange“ dabei, ein aventurischer Kriminalroman, den ich noch gar nicht so lange habe – irgendwie war er mir durchgeflutscht. Dabei haben wir auch etwas über Wolfsträume gesprochen, die am 04. Oktober erscheinende Sammlung von Erzählungen. Darin enthalten sind neben (mir teilweise sogar unbekannten) bereits erschienenen Geschichten auch zwei neue Erzählungen. (Auf der Verlagsseite gibt es übrigens auch eine Leseprobe.)

Mein Bekenntnis zum Buch. #buchpassion

Janine von Kapri-ziös hat die tolle Aktion #buchpassion gestartet, auf die ich erst gestern aufmerksam geworden bin. Neben einem Lesemarathon auf Twitter wird es viele Artikel auf Webseiten und Blogs zum Thema „Mein Bekenntnis zum Buch“ geben, mehr darüber könnt ihr hier nachlesen. Glücklicherweise kann man auch noch spontan einsteigen, also los … Mal sehen, was mir so aus der Feder fließt!

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Bücher & ich

So lange ich mich erinnern kann, waren da Bücher. Märchen, die meine Mutter uns vorgelesen hat. Bücher, die wir zusammen gelesen haben. Mein Lieblingsbuch aus dem Kindergarten – „Mein Esel Benjamin“ von Hans Limmer und Lennart Osbeck. Viele ausgeliehene Bücher – leider kann ich mich da nur an wenige Titel erinnern, als das Langzeitgedächtnis verteilt wurde, war ich wohl gerade Schiffchen gucken oder so etwas. Ronja Räubertochter, Momo, Die rote Zora, Die unendliche Geschichte, Mary Poppins. Mit Internatsgeschichten bin ich nicht warm geworden und mit Prinzessinnen meist auch nicht (außerdem fand ich Räubertöchter eben einfach viel spannender). Zu Hause hatten wir auch einige Bücher – und dann gab es ja auch noch Geschenke, besonders gut kann ich mich da an Karl May, ein Buch mit Märchen von Hans Christian Andersen, Tiergeschichten und eine Sammlung mit indianischen Legenden erinnern. :)

Ich habe immer gern gelesen, auch quer durch das Bücherregal meiner Mutter. Ich mochte die Romane von Gwen Bristow (lustigerweise stammt aus einem von ihnen ja auch mein Vorname) und Pearl S. Buck, aber auch die Geschichten, die in den Südstaaten, Australien, England, Indien und Ägypten spielten. Nur während meiner Ausbildung habe ich kaum „privat“ gelesen. Mir hat das natürlich gefehlt, aber der Druck, möglichst viel zu lernen, war einfach größer. Später hatte ich auch verschiedene Lesephasen. Es gab Zeiten, in denen ich fast nur psychologische Krimis oder Siedlerromane gelesen habe.

Fantasy ist nur was für Kerle?!

Abseits der phantastischen Geschichten aus meiner Jugendzeit hatte ich den Eindruck, dass Fantasy nur etwas für Männer ist. Bücher, in denen es fast nur um Krieg geht. Wenn ich mich doch mal in die Nähe des Fantasy-Regals im Buchladen gewagt habe, wurde ich seltsam angeschaut. In großen Kaufhäusern war das aber wieder anders … Als ich länger ins Krankenhaus musste und auf der Suche nach neuen Büchern war, mit denen ich mir dort die Zeit vertreiben könnte, habe ich spontan beschlossen, es einfach mal zu versuchen. Ich stand also ein wenig unentschlossen vor den Fantasybüchern in unserer Buchhandlung und habe mich immer mehr gewundert, denn vieles klang gar nicht so kriegerisch. Ich habe mich dann für „Die Wälder von Albion“ von Marion Zimmer Bradley entschieden, weil das nach einer mystisch-historischen Geschichte klang. Weil mich Seher reizen, und vor allem auch Kelten. Das ist noch heute so, auch wenn sich mein Geschmack in vielen Dingen verändert hat und mir das Buch auch nicht mehr so gut gefällt. Aber damals war das anders, ich war von verschiedenen Dingen fasziniert und hatte erlebt, wie viel tiefer mich Fantasygeschichten berühren können.

Danach habe ich dann weitere Bücher von Marion Zimmer Bradley gelesen, aber auch online gestöbert, was es noch so gibt. Anfangs las ich beispielsweise Diana L. Paxson, Patricia McKillip, Katya Reimann, Juliet Marillier, Sara Douglass. Und Kate Forsyth, die meinen Geschmack sehr geprägt hat. Später kamen dann auch deutsche Autoren hinzu, durch die für mich alles noch intensiver geworden ist: Das Lesen, die Figuren, das Kopfkino, die Neugier auf Lesungen und den Autor hinter der Geschichte. Und irgendwie habe ich immer darauf gewartet, dass die Fantasy-Phase zu Ende geht oder meine Buchauswahl sich wieder mehr mischt. Aber da ist kein Ende in Sicht …

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Was ist für mich ein gutes Buch?

Es muss mich einfangen, ich möchte völlig in ihm versinken. Es sollte sich anfühlen, als ob ich mittendrin stecke und die Geschichte miterlebe – nicht nur etwas darüber lese. Sie muss mich so berühren, dass ich mich auch abseits der Lesezeit mit ihr beschäftige und vielleicht sogar von ihr träumen. Die Figuren müssen mir möglichst nah stehen, ich bin ein sehr emotionaler Leser und für mich gibt es fast nichts schlimmeres, als wenn ich zu den Figuren und zu der Geschichte keine Verbindung spüre. Es darf sich nicht oberflächlich anfühlen oder so, als ob alles ganz weit weg passiert. Aber auch der Schreibstil muss meinen Geschmack treffen – und mir sollten nicht allzu viele Rechtschreibfehler auffallen, weil die mich immer ein wenig aus der Geschichte reißen (besonders wenn sie gebündelt auftauchen). Ob die Bücher nun dicker oder dünner, ein Einzelband oder eine Serie sind, ist mir relativ egal, solang mich die Geschichte überzeugen kann. Aber ich kann nicht abstreiten, dass ich es gerne episch mag.

Geschichten und ihre Auswirkungen

Jedes für mich gute Buch hinterlässt Abdrücke in meiner Seele, mal mehr und mal weniger. Kopfkino, Eindrücke, Lieblingsfiguren. Zitate, die in meinen Wortschatz übergehen (und mit denen ich mein Umfeld meistens verwirre, weil niemand die Bücher dazu kennt). Einige Geschichten berühren mich auch so intensiv, dass sie meine Realität beeinflussen – ich sehe dann beispielsweise Einhörner auf Friedhöfen oder bin felsenfest davon überzeugt, dass es auch in Hamburg eine uralte Metropole gibt. Für mich besondere Figuren oder Wesen bleiben bei mir und manche von ihnen sind in meinem Kopf ganz schön lebendig. Das klingt vielleicht schräg, aber ich liebe es und bin dadurch auch fast nie allein (die netten Männer in den weißen Anzügen haben mich bisher noch nicht gefunden). Ich mag auch musikalische oder literarische Andeutungen, die ich – je nach ausgelöster Neugier – recherchiere, wenn sie mir nichts sagen. Gerade bei der Musik entdecke ich so völlig neue Künstler für mich, zuletzt Belle and Sebastian (daran ist Christoph Marzi schuld, mal wieder). Oder dass ich Klassik manchmal eben doch mag.

Das Vorurteil vom Stubenhocker

In gewisser Weise trifft das ja auf mich zu, ich bin schüchtern und ziehe einen ruhigen Abend zu Hause jederzeit einer großen Party vor. Andererseits hat sich sehr viel verändert, wenn ich so an mein früheres Ich denke. Das war nicht nur viel zu sehr bestrebt, es allen recht zu machen (und vergaß sich dabei selbst), sondern hat auch fast nie etwas unternommen. Angefangen hat die Veränderung wohl 2005, als ich mich im Literaturschock-Forum angemeldet habe und dort nicht nur auf viele Buchtipps, sondern auch auf nette Menschen gestoßen bin. Damit habe ich mich so wohl gefühlt, dass ich mich sogar auf ein paar Treffen getraut habe. Im April 2007 war ich dann auf meiner ersten Lesung: Einer Fantasy-Nacht im Planetarium Hamburg mit Christoph Marzi und Markus Heitz, moderiert von Tom Finn. Vorher war ich schrecklich nervös, aber es stellte sich heraus, dass ich Lesungen sehr mag. So sehr, dass ich dafür meine Schüchternheit überwinden kann und dabei noch viel Spaß habe! Seitdem versuche ich, es zu so vielen Lesungen, die mich interessieren, wie möglich zu schaffen.

Im April 2008 habe ich dann meinen Blog gegründet und seitdem ist so viel passiert, auch mit mir. Natürlich bin ich immer noch schüchtern, aber ich freue mich sehr über kleine Treffen und darüber, dass mein Netzwerk langsam aber stetig wächst. Ich bin kein typischer Blogger und auch kein Selbstdarsteller, aber ich finde meinen ganz eigenen Weg. So, wie ich eben bin und wie es sich für mich richtig anfühlt. Mit meinem individuellem Lesegeschmack und meinen Zielen. Ich tue gern etwas, sowohl in Netzwerken als auch „nur“ für meinen Blog. Und ich habe noch viele Ideen, Pläne und Wünsche. Manchmal muss ich auch darüber grinsen, wie sich das alles entwickelt hat und mittlerweile zusammenhängt. Lesen, Schreiben, Bücher und Autoren sind schon so etwas wie ein Lebensmittelpunkt von mir geworden, auch wenn ich einen Job habe, der damit gar nichts zu tun hat. Was aber auch den Vorteil hat, dass ich lesen kann, was ich möchte. Gute Geschichten, unabhängig davon wie sie veröffentlicht wurden.

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Die Langsamkeit des Lesens

Ich staune ja immer, wie viele Bücher andere Blogger und Vielleser so in einem Monat schaffen, dafür brauche ich ein halbes Jahr oder noch länger. Aber warum ist das so? Und warum fühlt es sich schlecht an, wenn das bei mir eben anders ist? Ich habe nicht soviel Lesezeit, aber ich lese auch recht langsam. Natürlich könnte ich etwas schneller lesen – und sogar lernen, noch an Tempo zuzulegen. Aber ich will das einfach nicht, weil sich dann meine Art zu lesen sehr verändern würde. Sie würde oberflächlicher werden und ich könnte nicht mehr so tief in Geschichten eintauchen, wie ich es eben gerne tue. Mein Kopfkino und die Nähe, die ich so mag, würden sicher auch leiden. Auf die Frage, warum ich (als Bloggerin) so wenig Bücher lese, gibt es möglicherweise also nur diese Antwort: Fragen Sie nicht! Mal ganz davon abgesehen, dass sich die Liebe für Geschichten ja nicht unbedingt in der Anzahl der gelesenen Bücher ausdrückt, sondern darin, dass wir sie im Herzen tragen.

Mein Geschmack

Meine Ansprüche und Vorlieben haben sich natürlich mit der Zeit verändert, das kennt jeder und ist eine normale Entwicklung. Allerdings habe ich schon länger das Gefühl, dass mein Geschmack ein wenig speziell geworden ist – zumindest wenn ich ihn mit den Massen vergleiche. Also die Bücher, die in Foren besprochen werden oder in Buchläden ausliegen oder sich bei Online-Händlern gut verkaufen. Aber wisst ihr was? Ich finde immer noch sehr viel, was mich reizt – sowohl bei Verlagen als auch bei Indies. Leider nicht in Foren, dafür aber auf Cons, ausgewählten Blogs und beim Stöbern online. Und natürlich durch Buchtipps von Freunden, was ich ja immer noch die schönste Art finde, um auf ein Buch aufmerksam zu werden.

Außerdem verfolge ich natürlich auch die Neuerscheinungen der Autoren, die mich schon mit einem Buch überzeugen konnten. Ich neige da auch dazu, mir die älteren Romane anzusehen – von manchen mag ich sogar (fast) alles lesen. Und ich habe inzwischen so viele Lieblingsautoren, dass ich mich manchmal frage, wann ich das denn alles lesen will. Mal am Beispiel von meinen beiden Lieblings-Lieblingsautoren: Von Erik Kellen habe ich bis auf das eine Buch, das ich (wahrscheinlich) nicht lesen möchte, alles gelesen. Bei Bernhard Hennen sieht das ganz anders aus – da warten noch sechs ungelesene Romane und ein paar Kurzgeschichten (lustigerweise glauben aber alle, ich hätte schon alles von ihm gelesen). Ich versuche zumindest die Neuerscheinungen zu lesen, aber selbst da scheitere ich gerade. Hier ein nicht ganz aktuelles Bild meiner Bücher von den beiden:

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Es fehlt ein Nimmerherz-Band (Erik Kellen) und die beiden Phileasson-Bücher (Bernhard Hennen und Robert Corvus). Die Gezeitenwelt-Saga und die Anthologien stehen auch woanders …

Interview mit Christoph Marzi

© Christoph Marzi

© Christoph Marzi

Christoph Marzi (geboren 1970 in Mayen und aufgewachsen in Obermendig) lebt heute mit seiner Familie im Saarland und denkt sich dort und woanders Geschichten aus, während der Garten, der das Haus umgibt, immer wilder und seltsamer wird.

 

Nie anzutreffen ohne: Notizbuch
Besondere Kennzeichen: Notizbuch
Motto: Geh nie ohne Notizbuch aus dem Haus.
Webseite
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Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?

Sich selbst zu beschreiben ist immer ein schwieriges Unterfangen, glaube ich. Das sollten besser andere übernehmen.

Herrscht auf Deinem Schreibtisch eher Chaos oder Ordnung?

Geordnetes Chaos, würde ich sagen. Ich finde mich zurecht. Ob andere das tun würden, weiß ich nicht.

Mit „London“ kehrst Du in die Welt der Uralten Metropole zurück, wie kam es dazu? Und was hat Dich dabei inspiriert?

Der Wunsch, dorthin zurückzukehren, war eigentlich immer da gewesen. Eigentlich wusste ich nach LUMEN, dass ich Emily erneut wieder sehen würde. In SOMNIA tauchte sie nur am Rande auf. Nach London wollte ich aber erst dann zurückkehren, wenn Emily ein wenig älter geworden wäre. Es ist einiges geschehen in der Zwischenzeit. Sie ist kein Kind mehr. Sie ist erwachsen. Zu sehen, was aus ihr geworden war, machte den eigentlichen Reiz für mich aus.

Wie war für Dich die Rückkehr in diese Welt? Und könntest Du Dir vorstellen, das irgendwann noch einmal zu tun?

Es war, als sei ich nie fort gewesen. All diese Orte, sie waren noch genau dort, wo ich sie zurückgelassen hatte. Vielleicht kehre ich eines Tages erneut dorthin zurück. Emily wird sich weiter verändern, so wie wir alle es tun, wenn wir älter werden. Es gibt keine Zufälle.

Wann spielt der Roman und worum geht es?

Der Roman spielt einige Jahre nach LUMEN und ein paar Jahre nach SOMNIA. Emily lebt wieder in London. Sie hat einen Beruf, in dem sie ihre besondere Fähigkeit nutzen kann. Tristan Marlowe ist nicht mehr bei ihr. Nach dem Happy End in LUMEN hat das Leben die beiden eingeholt. Dinge wie diese passieren manchmal (mehr werde ich dazu nicht verraten). Der Roman beginnt in Cambridge. Emily wartet am Bahnsteig auf den Zug und stellt fest, dass der Zug nach London nicht kommen wird, weil es keine Stadt namens London gibt. Und nie gegeben hat. So fängt es an. Ein wenig mysteriös. Natürlich versucht sie herauszufinden, was geschehen ist. Und, soviel kann ich verraten, sie wird nach London zurückkehren. Mit Hilfe zweier alter Damen, die wirklich sehr, sehr seltsam sind.

An welchem Ort würdest Du Dich gerne eine Weile aufhalten? Und warum?

Von den Orten, die ich selbst erfunden habe? Seal`s Head, oben in Maine. Ganz klar. In Brooklyn, irgendwo in der Nachbarschaft von Faye Archer. Und den Leuchtturm, den Colin Darcy besucht, würde ich gerne sehen. In der uralten Metropole würde ich den Buchladen bevorzugen. Die Stadt unter der Stadt wäre mir zu düster und gefährlich.

Gibt es in der Geschichte eine Figur, die Dir besonders am Herzen liegt?

Emily. Wittgenstein. Micklewhite. Aurora. Ich glaube, sie liegen mir alle am Herzen. Sogar die Bösewichte.

Und in welcher Figur erkennst Du Dich am meisten wieder?

Wittgenstein. Wir teilen den Humor, glaube ich.

Die Geschichte beginnt wieder im Winter, magst Du diese Jahreszeit einfach oder hat das noch andere Gründe?

Schnee und Kälte passen zur uralten Metropole. Es ist eine Atmosphäre, die an die Märchen erinnert, die man als Kind gelesen hat. Alles ist geheimnisvoll. So still.

In den Uralte-Metropole-Büchern ging es bisher auch um Heimat und darum, seinen Platz im Leben zu finden. Ist das in „London“ auch so? Und was bedeutet Heimat für Dich?

Emily sucht noch immer ihren Platz im Leben. Den Platz, den sie zu finden geglaubt hatte, gibt es nicht mehr. Ja, es geht irgendwie immer nur darum, seine Heimat zu finden. Emily sehnt sich danach, ein gewöhnliches Leben zu leben. Was Heimat für mich bedeutet? Heimat ist da, wo das Herz schlägt. Mein Herz schlägt für meine Familie. Eine andere Heimat kann ich mir nicht vorstellen.

2004 erschien mit „Lycidas“ Dein erster Uralte-Metropole-Roman, wie sieht Dein Rückblick aus?

Ich mag jedes Buch und jede Geschichte, die ich geschrieben habe. Mit all den Mängeln, die Geschichten haben können, und allen Fehlern, die Autoren machen können. Ich habe immer die Geschichte erzählt, die ich zu eben diesem Zeitpunkt hatte erzählen wollen. Es macht Spaß, sich das alles auszudenken. Und ich bin dankbar, dass ich es tun kann.

Die Welt ist …

… wunderbar. Man muss es nur sehen.

Magst Du Mythen und Märchen allgemein recht gerne oder bevorzugst Du eine bestimmte Richtung? Vielleicht reizen Dich ja auch einzelne Legenden ganz besonders?

Ich versuche, nicht in Genres zu denken. Tatsächlich lese ich alles, was mir in die Finger gerät. Was mich an Märchen und Legenden reizt ist die Tatsache, dass sie sich in vielen Kulturkreisen so ähnlich sind.

In Deinen Geschichten gibt es auch viele literarische Andeutungen, deren eigentliche Quelle in der alten Literatur zu finden ist. Verrätst Du uns die Ursprünge einiger Anspielungen?

Alte englische Literatur. Shakespeare, Dickens, Chaucer. All die anderen auch. Stevenson ist in LONDON vertreten. Die uralte Metropole lebt von Anspielungen, ist also ein sehr postmoderner Ort, könnte man sagen.

Welche Rolle spielt Musik in Deinem Leben?

Musik ist der Herzschlag des Lebens.

Wonach wählst Du die Musik aus, zu der es in Deiner Geschichte eine Andeutung geben wird?

Ich brauche sehr lange, bis ich die passende Musik gefunden habe, die zu der Atmosphäre, die mir für die Geschichte vorschwebt, passt. Wenn es dann soweit ist, läuft alles andere wie von selbst. Die Musik muss emotional eine Bedeutung haben (oder einfach nur lustig sein, wie bei dem Radio-Orakel in FABULA).

Wo schreibst Du am liebsten? Brauchst Du dafür Ruhe oder begleitet Dich Musik?

Gewöhnlich schreibe ich an meinem Schreibtisch. Aber alle anderen Orte sind genauso gut. Ich schreibe normalerweise mit Laptop oder am PC, aber auch in Notizbücher, Hefte, auf Zettel, Bierdeckel, Servietten. Ruhe ist hilfreich, aber Unterbrechungen sind die Regel – und kein Problem. Musik höre ich meistens beim Schreiben. Laut oder Kopfhörer.

Was hältst Du von der stetig wachsenden Zahl an Subgenres, in die Literatur eingeordnet wird?

Ich mag keine Genres. Ich mag keine Subgenres. Das alles ist Marketing und Produktpolitik. Ich mag Geschichten. Ich kenne keine Geschichte, die so klein ist, dass sie Platz in einer Schublade hätte.

Wie sieht für Dich eine ideale Buchhandlung aus?

Klein. Fein. Mit vielen Büchern, die man zufällig entdeckt. Es gibt Tee oder Kaffee. Leise Musik.

Was ist Dir beim Schreiben wichtig? Was möchtest Du dem Leser vermitteln?

Die Geschichte so zu erzählen, wie sie es verdient – ich denke, dass mir das wichtig ist. Der Leser soll in sie eintauchen können und sich bei der Hand nehmen lassen. Ich schreibe niemals mit dem Ziel, eine Botschaft zu vermitteln. Ich erzähle eine Geschichte. Jeder, der sie liest, muss für sich selbst herausfinden, was sie ihm zuflüstert.

Welche Autoren-Macken hast Du?

Die Frage müsste man meiner Frau und meinen Kindern stellen.

Was war bisher Dein schönstes Erlebnis als Autor?

Zu sehen, dass das, was man sich ausdenkt, für jemanden Bedeutung hat.

Wo wird man Dich in nächster Zeit live erleben können?

Die Premierelesung zu LONDON findet im DRACHENWINKEL in Dillingen/Diefflen im Saarland statt.

Was liest Du selbst gern?

Alles, was mir in die Finger kommt. Vorwiegend englische und amerikanische Literatur. Seltsamerweise kaum fantastische Literatur. Viele Sachbücher. Comics. Was immer mich fesselt.

Woran arbeitest Du gerade?

An MITTERNACHT, einer Geistergeschichte. An einem Kinderbuch mit einem Tier. Und einem neuen Jugendbuch.

Herzlichen Dank für das Interview!

Ähnliche Blognamen, geheimnisvolle Andeutungen & meine aktuelle Lektüre …

Vor einiger Zeit hat sich der seit 2012 bestehende Blog „Ricas Fantastische Bücherwelt“ in „Die fantastische Bücherwelt“ umgenannt, weil Ricarda nun nicht mehr allein bloggt (das kann man auch hier nachlesen). Für mich ist das dumm gelaufen, immerhin ähneln sich unsere Blognamen jetzt sehr, aber ich habe den Namen ja nicht gepachtet.

In letzter Zeit höre ich allerdings öfter den Vorwurf, dass ich eine Namensklauerin bin – und gestern war ein Tag, wo ich mich darüber sehr geärgert habe. Darum möchte ich mal klarstellen, dass es meinen Blog bereits seit 2008 gibt und er von Anfang an unter diesem Namen geführt wurde. Und überhaupt sollte man zumindest etwas recherchieren, bevor solche Vorwürfe in den Raum gestellt werden. Das versteht sich eigentlich von selbst …

Dieses Posting bringt vielleicht gar nicht so viel, aber für mich ist es wichtig, weil ich das nicht einfach auf mir sitzen lassen will. Heute bin ich mir auch sicher, dass ich einfach weitermache. Und leise hoffe, dass unsere Blogs einfach unterschiedlich genug sind, um nicht in einen Topf geschmissen zu werden.

Es gibt aber auch schöne Nachrichten. :) Im Hintergrund tut sich einiges, auf das ich mich schon sehr freue. Ich habe eine Rezension geschrieben, die außerhalb meines Blogs erscheinen wird – absolutes Neuland, darum bin ich wohl auch ziemlich nervös deswegen. Sie ist ein wenig anders als üblich, mit mehr Informationen zum Inhalt des Buches und nicht ganz so (aber immer noch) emotional. Aber ganz eindeutig immer noch ich. Im gleichen Medium wird auch ein von mir geführtes Interview erscheinen, dieses darf ich ein wenig später aber auch hier veröffentlichen.

Und wo ich gerade beim Thema Interviews bin … Da kommen noch zwei weitere, auf die ich mich riesig freue. Beide mit Autoren, die ich sehr gerne lese. Ich bin momentan also öfter mal auf der Suche nach guten Fragen, was mir aber mindestens genau so viel Spaß macht, wie selbst Fragen zu beantworten. Und wer weiß, was noch so passiert … Momentan gebe ich meinem morgendlichen Leichtsinn ja manchmal nach.

Auch dadurch habe ich gerade recht wenig Lesezeit, aber die genieße ich dafür sehr. Wenn ich allerdings weiter so langsam lese wie eine Schnecke, brauche ich für den letzten Drachenelfenband wohl Monate. Hach, aber es ist so wunderbar magisch, episch und faszinierend! Und manchmal auch sehr fies. Eine Szene hat mich ja schon böse erwischt – mein Kopfkino ist einfach zu intensiv. Aber so ist das eben … ;)

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„Die Quellen der Malicorn“ als eBook im neuen Gewand …

Bereits Ende Juni ist „Die Quellen der Malicorn“ von Ju Honisch als eBook bei hockebooks herausgekommen. In einer editierten Version und mit einem neuen Cover, das sehr viel besser zu der Geschichte passt. Das Taschenbuch ist 2013 bei Heyne erschienen, offiziell wohl aber bald nicht mehr erhältlich. Erinnert ihr euch vielleicht noch an das Cover? Hell, freundlich, rein – und mit etwas Glitzer. Kein schlechtes Cover, nur meiner Meinung nach einfach völlig unpassend. Dadurch weckt es auch falsche Erwartungen und sorgt bei denen, die davor noch nichts von Ju gelesen haben, sicher leicht für eine Enttäuschung.

Das sticht einem auch gleich ins Auge, wenn man die Bücher so nebeneinander sieht. Hier meine Sammlung:

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Es ist ja nicht so, als ob ich die lichten Einhörner nicht mögen würde, aber das passt weder zur Autorin noch zu der Geschichte. Und ich mag einfach Cover, die mit dem Inhalt harmonieren und auch etwas von der Atmosphäre zeigen. Das Cover der eBook-Ausgabe überzeugt mich da einfach und weckt sogar Erinnerungen an bestimmte Szenen:

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Kurzbeschreibung:

Ein verheerender Krieg bricht aus in der Welt Talunis – nach Jahrhunderten des Friedens. Hier herrscht das friedliebende Volk von Gestaltwandlern – Einhörner, genannt Tyrrfholyn. Im Kampf verschlägt es den unbesonnenen Kanura in die Menschenwelt, ins heutige Irland. Dort trifft er auf Una und nimmt sie mit zurück in sein Reich. Die talentierte, junge Menschenfrau mit dem ausgeprägten eigenen Willen findet sich in einer Welt wieder, in der ein grausames und gewissenloses Regime alles zu unterwerfen sucht, was es für fremd und minderwertig hält. Plötzlich ist Krieg mehr als nur Bilder aus weit entfernten Ländern. Jetzt geht es auch um Unas Leben und um das eines Mannes, der sehr viel mehr ist als – einfach nur ein Mann.

Eine Leseprobe findet ihr hier.

Vor fast drei Jahren gab es auf meinem Blog auch einen Blogtourbeitrag von Ju, in dem sie etwas über die spirituelle Seite des Romans berichtet hat. Das spannende Thema: Heilige Quellen und Kraftorte – Esoterik und Religion in „Die Quellen der Malicorn“.

Ich mochte die Geschichte sehr und hoffe, dass sie nun eine zweite Chance bekommt und zu den richtigen Lesern findet. Wen es interessiert, was ich zu dem Buch zu sagen hatte, findet hier meine Rezension.

[selbstverzapft] Musik

Töne erklingen, werden zu einer Melodie,
die mich berührt und in mir klingt, irgendwie.
Sie umspielt sanft meine Seele, begleitet mich,
weckt Gefühle und Erinnerungen, verbindet sich.

Sie kann Schmerz und Traurigkeit bringen,
aus ihr kann aber auch Trost entspringen.
Oder Freude, positive Energie, Harmonie,
Lebenslust, Sehnsucht, Stärke, Melancholie.

Musik ist vielfältig und eine Art von Magie,
in der Welt klingt fast immer eine Melodie.
Bedrückt, hoffnungsvoll, zurückhaltend,
dramatisch, aufmunternd oder mitreißend.

Sie bewegt meine Seele, bringt sie zum Fliegen,
lässt mich summen und manchmal auch singen.
Emotionen und Erinnerungen, die sich verbinden,
Töne und magische Spuren, die in mein Herz finden.

© Marny Leifers

Ein Schneeschratbaby zieht ein!

Als Sternenfrau auf ihrem Blog ein selbstgemachtes Schneeschratbaby-Unikat für einen guten Zweck versteigerte, musste ich einfach mitbieten. Immerhin war das etwas ganz Besonderes, weil es einen direkten Bezug zur Phileasson-Saga gibt. Und es war so knuffig und winterlich. Das würde doch bestimmt gut in mein Lieblingsautoren-Regal im Schlafzimmer passen … Außerdem geht der Erlös zu 100% an das Tierheim Köln-Dellbrück, man kann dabei also auch noch etwas Gutes tun. Also los!

Ich konnte es kaum glauben, aber mein Gebot hat tatsächlich gewonnen und inzwischen ist Schrati gut hier angekommen. :) Und was er alles mitgebracht hat!

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In dem Brief stand unter anderem, dass Schrati seine Verpflegung gern mit mir teilt und ich ihm ja vielleicht aus Himmelsturm vorlesen könnte. Mach ich doch gern – nur vielleicht nicht gerade die Stellen, wenn meine Lieblingsfigur … also … den schreibenden Schurken zum Opfer fällt. Möglicherweise. Der ayurvedische Tee riecht total lecker und passt ja auch prima.

Riesig gefreut habe ich mich über das Poster – da erfüllt sich ein Wunsch und ich muss jetzt nur noch gucken, wie ich es signiert bekomme. Oder besser wann. :) Wer mich ein wenig kennt, der weiß ja, dass ich eine große Schwäche für signierte Buchposter habe. Und zwei Autogrammkarten waren auch noch dabei!

Schrati habe ich dann erstmal zu den Phileasson-Büchern gestellt:

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Aber natürlich ist er dort nicht lange geblieben, das neue Umfeld musste schließlich erkundet werden. Bei Boris und Olga hat er dann Sibirien entdeckt:

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Schrati hat eine Vorliebe für winterliche Bücher – und ich habe ihn schon öfter dabei ertappt, wie er mein Bücherregal umräumt. Total motiviert – und es sieht doch so aus, als hätte er dabei verdammt viel Spaß, oder? Eine neue Freundin hat er auch schon gefunden. Inzwischen glaubt er ihr auch, dass sie nicht glitzert …

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[Gastbeitrag] Romanfiguren in Lebensgröße – oder: Wie baut man sich einen Blauen Krieger?

Heute darf ich euch wieder einen Gastbeitrag präsentieren! Diesmal wird es sehr kreativ, denn Selma J. Spieweg zeigt uns, wie man sich eine Romanfigur in Lebensgröße bauen kann. Und auch wenn es Boris wahrscheinlich nicht so gefallen hat, musste er als Beispiel herhalten. Oder höre nur ich ihn leise grummeln? Und jetzt übergebe ich die Tastatur an Selma!

Gastbeitrag

Hallo liebe Leserinnen und Leser, ich möchte euch Boris vorstellen. Einige wissen vielleicht schon, dass ich meine Romanhelden in Lebensgröße aus Pappmaschee modelliert habe. Heute möchte ich euch erzählen, wie diese Figuren entstanden sind und vielleicht ist es für die eine oder andere eine Anregung, sich selbst an so einer Figur zu versuchen.

© Selma J. Spieweg

Ihr braucht:

  • Einen Arbeitsplatz, den ihr für ein paar Wochen in ein Chaos verwandeln könnt.
  • Abdeckplanen
  • Schüsseln, um Kleister und Papiermehl anzurühren.
  • Pinsel
  • Säge
  • Teppichmesser
  • Schleifpapier
  • Modelliergriffel (zur Not gehen auch Holzspieße und Schraubenzieher)
  • 1 Schaufensterpuppe
  • 2 bis 3 Packungen Tapetenkleister
  • 1 bis 2 Liter Holzleim
  • ca. 5 Kilo Papiermehl
  • ca. 10 Rollen Toilettenpapier
  • 500 Gramm Ton
  • Sämtliche alte Zeitungen aus der Nachbarschaft.
  • Kaninchendraht

Für den künstlichen Arm:

  • 1 PETling (aus diesen Rohformen werden PET-Flaschen hergestellt)
  • Leuchtende Schnürsenkel

Zum Bemalen und Imprägnieren:

  • ca. 1 Liter weiße Dispersionsfarbe
  • Öl- oder Acrylfarbe
  • Zwei-Komponenten Epoxidharz

Materialkosten ca. 350 Euro
Arbeitszeit ca. 4 Wochen

Als Grundgerüst bietet es sich an, eine Schaufensterpuppe zu verwenden. Das hat mehrere Vorteile, man hat einen relativ leichten und stabilen Unterbau und stimmige Proportionen. Wenn die Arm- oder Kopfhaltung nicht passt, kann man der Schaufensterpuppe mit einer Säge zuleibe rücken und die gewünschte Pose erst mit Gipsbinden und später mit vielen Lagen Zeitungspapier fixieren.

Wenn man so weit ist, wird die Schaufensterpuppe mit langen Streifen Zeitungspapier umklebt, bis sie vollständig umwickelt ist. Als Klebstoff bietet sich eine Mischung aus Tapetenkleister und Holzleim an und das Zeitungspapier sollte am Ende mehrlagig sein, damit es später auch die Aufbauten halten kann.

© Selma J. Spieweg

Nachdem das Grundgerüst vollständig mit Zeitungspapier bedeckt ist, kann man mit dem Modellieren beginnen. Schaufensterpuppen sind so dünn, dass es schon anatomisch falsch ist. Um das zu beheben, kann man ein Stützgerüst aus Pappe oder Maschendraht bauen, was dann wiederum mit Zeitungspapier beklebt werden muss.

Kleinere Formen, wie der Faltenwurf der Kleidung oder in diesem Fall auch der Kragen von Boris‘ Uniform werden aus Toilettenpapier-Pappmaschee oder Papiermehlpappmaschee vorgeformt. Was man verwendet, ist eine Kostenfrage. Toilettenpapier-Pappmaschee ist preisgünstig, braucht jedoch lange zum Trocknen und schrumpft zusammen, sodass man diesen Arbeitsschritt wiederholen muss. Papiermehl ist deutlich teurer und schrumpft leider auch etwas, doch es trocknet schneller und hat danach eine ähnliche Stabilität wie Holz.

© Selma J. Spieweg

Die Zahnräder in Boris‘ Arm sind aus Papiermehl hergestellt. Ich habe eine Mischung verwendet, in der der Kleber bereits enthalten ist und es nur noch mit Wasser angerührt werden musste. Die Zahnräder wurden einzeln angefertigt und nach dem Trocknen die Grate mit einem Teppichmesser abgeschnitten und die raue Oberfläche mit Schleifpapier geglättet. Danach habe ich die Zahnräder mit Papiermehl am Oberarm montiert.

© Selma J. Spieweg

Wenn eine Schicht Zahnräder fest und durchgetrocknet war, habe ich darauf die nächsten angebracht.

© Selma J. Spieweg

Das Gesicht ist eine besondere Herausforderung. Die feinen Formen lassen sich kaum mit Papiermehl herstellen und die Masse bleibt viel lieber an den eigenen Fingern kleben, als an den Stellen, wo sie hin soll. Und wenn man es doch geschafft hat, dann schrumpft sie über Nacht und am nächsten Morgen sieht das Gesicht ganz anders aus, als man sich vorgestellt hat. Hinzu kommt, dass auch die Streifen aus Zeitungspapier beim Trocknen etwas zusammenziehen, so entstehen beispielsweise Hohlräume um die Nase herum und in den Augenhöhlen. Diese musste ich mit dem Teppichmesser aufschneiden und zurecht schnitzen. Feinere Formen kann man sehr gut aus Ton modellieren, in Boris Fall sind es die Augenlider. Diese müssen danach aber mit kleinen Schnipseln Zeitungspapier überklebt werden, denn Ton hat den Nachteil, dass er nicht so elastisch wie Pappmaschee ist. Auch Bart, Haare und Augenbrauen sind aus Ton und einzeln Haar für Haar angeklebt. Nach einer Woche fing der Ton-Bart an, sich von den Wangen zu lösen, da das Gesicht beim Trocknen schrumpfte, der Ton jedoch nicht. Zum Glück konnte ich mit Epoxidharz verhindern, dass der Bart abfiel.

Nachdem Boris fertig modelliert war, habe ich ihn mit weißer Wandfarbe aus dem Bauhaus grundiert und konnte anschließend mit dem Bemalen beginnen. Ich habe dafür Ölfarbe genommen. Um Boris vor Spritzwasser und leichten Stößen zu schützen, habe ich ihn mit Epoxidharz eingestrichen. Man trägt es wie Klarlack auf. Die Zahnräder haben mehrere Anstriche bekommen, um sie bruchfester zu machen.

© Selma J. Spieweg

Im Roman leuchten in Boris‘ künstlichem Arm eine Energiekartusche und blaue Leitungen. Als Kartusche habe ich einen Industrie-PETling verwendet und für die Leitungen leuchtende Schnürsenkel. Die Batterien dafür sind im Unterarm und in einem Hohlraum im Nacken versteckt.

© Selma J. Spieweg

Nach vier Wochen Arbeit (und noch einmal zwei Wochen Trocknungszeit für die Ölfarbe) war Boris fertig. Und wenn er mir nicht beim Schreiben seiner Geschichte zusieht, ist er unterwegs und macht Werbung für sein Buch.

© Selma J. Spieweg

© Selma J. Spieweg

#MoinMoinPhantastik

Kürzlich hat PAN (Phantastik-Autoren-Netzwerk e.V.) dazu aufgerufen, Bücher an zwei Schulbibliotheken im Hohen Norden zu spenden, die dringend ihren Bestand aufstocken müssen. Es kann jeder mitmachen, also: Habt ihr phantastische Romane für Kinder zwischen 6 – 11 Jahren oder Jugendliche, die ihr nicht mehr braucht? Macht ein Foto davon, postet es unter dem Hashtag #MoinMoinPhantastik und spendet die Bücher an die Schulbibliotheken in Hasselberg und/oder Kappeln! Details dazu gibt es auf der Webseite, also einfach mal auf das Banner klicken. :)

MoinMoinPhantastik_Banner

Ich war früher regelmäßige Besucherin unserer Bibliothek und habe dort viele Schätze entdeckt. Daher war mir auch gleich klar, dass ich bei dieser schönen Aktion unbedingt mitmachen möchte.

Mein Karma-Konto freut sich, denn ich habe einen großen Stapel passender Bücher herausgesucht, auch ohne mich von alten Schätzen trennen zu müssen … Jetzt muss der nur noch eingepackt und zur Post gebracht werden. Und so sieht meine Auswahl aus:

mmp_fertig

Eine Mischung aus gelesenen, angelesenen und auch ungelesenen Büchern, die mich aber einfach nicht mehr so sehr reizen bzw. mir inzwischen zu oberflächlich sind. Und ich hoffe, die Kai-Meyer-Fans zeigen Erbarmen und steinigen mich nicht …

Selma J. Spieweg – Der Plan der Zeit (Boris & Olga 3, Clockwork Cologne)

Erscheinungsjahr: 2016
Gelesen im Juli 2016
Autorenseite
Qindie

Rezension

Boris träumt noch immer von einem Häuschen in Sibirien, wo er zusammen mit Olga Frieden finden kann und von der Welt vergessen wird. Doch die Zeit hat noch Pläne mit ihm! Denn sie zerbricht durch die vielen Manipulationen und braucht den Blauen Krieger, um das zu verhindern. Ausgerechnet der Zeitzwilling des Zaren scheint bei diesem Thema den Überblick zu haben, aber kann man ihm auch vertrauen? Und dann ist da noch Nikola – ein Quantenmagier, der seine Fähigkeiten keiner Regierung anbieten will, aber Boris helfen möchte …

Bereits im ersten Kapitel zeigte sich, dass dieses Buch für mich ganz besonders emotional werden würde. Boris stand mir vom ersten Band an sehr nah, aber wie intensiv das inzwischen geworden ist, zeigte sich erst jetzt. Es gab viele Stellen, an denen ich einfach weinen musste, weil sie mir so nah gegangen sind – aus verschiedenen Gründen. Durch tragischen Ereignissen oder bei Szenen zwischen Boris und Olga, die ihr inniges Verhältnis zeigen. Aber auch durch Boris‘ Gedanken über Olga – zu seinen Gefühlen für sie oder was er ihr schenkt, auch wenn er nichts besitzt.

Boris muss sich in diesem Band auch seiner Vergangenheit stellen und seine Zerrissenheit, die Ängste und Erinnerungen haben mit dazu beigetragen, dass dieses Buch so intensiv und vielschichtig auf mich gewirkt hat. Es wurden auch psychologische Betrachtungen eingestreut, die ich als bereichernd empfinde. Mein persönliches Highlight war aber Boris‘ Humor – nicht nur, dass er ihn zeigt, er passte auch so schön zu meinem eigenen!

Die verschiedenen Zeitebenen vermischen sich immer öfter und auch wenn das natürlich verwirrend ist, fand ich es doch ziemlich faszinierend. Auch die Erläuterungen dazu und zu der Zeit an sich. Das wurde so gut erklärt, dass sogar ich es verstanden habe. Oder zumindest das meiste davon.

Einige der offenen Fragen wurden beantwortet und hielten für mich überraschende Entwicklungen bereit. Mit ganz neuen Verbindungen und Zusammenhängen, wodurch die Geschichte noch komplexer wurde. Ich hatte aber auch das Gefühl, dass vieles noch mehr zusammenrückt und verknüpft wird. Das betrifft Boris‘ Familie, aber vor allem den Plan der Zeit. Als mir bewusst wurde, wieviel von diesem Plan gesteuert wurde, musste ich einen Moment inne halten und das sacken lassen.

Wassilisa spielt wieder eine größere Rolle, worüber ich mich sehr gefreut habe. Aber ich dachte auch oft an Adele und wollte wissen, was denn nun aus ihr wird – das Ende vom zweiten Band hat sich mir wohl sehr eingeprägt. Glücklicherweise taucht sie wenigstens noch kurz am Ende auf, im nächsten Band werde ich also wohl mehr von ihr haben. Dafür habe ich den Zeitzwilling des Zaren inzwischen in mein Herz geschlossen. Und Erik, der grummelig-liebenswerte Kapitän der Himmelstänzerin, war auch wieder mit dabei! Und noch mehr liebgewonnene Figuren … Außerdem gibt es da noch eine spannende neue Figur, die mir ziemlich sympathisch ist.

„Der Plan der Zeit“ war für mich eine intensive, emotionale und sehr abwechslungsreiche Lektüre, die eine große Komplexität und Figurentiefe bietet. Aber auch Humor, nicht zuletzt durch Olgas ganz eigene Logik und einige von Boris‘ Kommentaren, die direkt mein Humorzentrum treffen. Ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht und was nun aus Adele wird. Unter anderem.

(Klick aufs Cover führt zu Amazon)

Reihenfolge:

  1. Tod dem Zaren
  2. Die Zeitmaschine des Arabers
  3. Der Plan der Zeit
  4. ?
SERAPH - Literaturpreis der Phantastischen Akademie

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