Willkommen in meiner ganz persönlichen Bücherwelt! Ich tauche besonders gerne in deutsche Fantasywelten ab, halte mich gelegentlich aber auch im "Ausland" auf.

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Auf dem Lesetisch:
  • Selma J. Spieweg - Boris & Olga: Tod dem Zaren (Clockwork Cologne)
  • Erik Kellen - GezeitenZauber (Reread)
  • Andrea "Nebel" Haugen - Die alten Feuer von Midgard
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[Leipziger Buchmesse 2015] Tag 2

Der zweite Messetag begann für mich mit der Lesung von Cornelia Franke aus “Jamies Quest”, die ich auch als Entscheidungshilfe nutzen wollte. Das Buch ist mir schon öfter über den Weg gelaufen, aber ich war mir einfach nicht sicher, ob das etwas für mich sein könnte oder ob es für meinen persönlichen Geschmack doch zu jugendlich ist. Das Buch wird ab 14 Jahren empfohlen und handelt von Jamie, der eigentlich nur sein neuestes Computerspiel spielen wollte und sich plötzlich in einer anderen Welt wiederfindet, wo ihn alle für den sagenumwobenen Wanderer halten, unter dessen Hand das Land erblühen wird. Leider hat mich die Lesung so gar nicht einfangen können – da war irgendwie nichts, was mich gereizt oder neugierig gemacht hat. Keine Spannung.

Cornelia Franke

Danach hat Ann-Kathrin Karschnick aus dem ersten Phoenix-Band gelesen (Tochter der Asche) und ich war schnell wieder mitten in der Geschichte! Bei Büchern, die ich schon gelesen habe und sehr mag, ist das bei mir oft unheimlich intensiv – da stürmen dann die verschiedensten Eindrücke auf mich ein. Großartig! :) Ann-Kathrin hat auch erzählt, wie es dazu kam, dass sie so unterschiedliche Sachen schreibt. Nach ihrem eher vorsichtigem Erstling, der Kara-Trilogie, wurde es mit den Feuerrittern High Fantasy, mit viel Kämpfen, Blut und Toten. Vielen Toten. Als an der Stelle dann ein “Sorry, Marny!” kam, bin ich erstmal rot geworden – und musste gleichzeitig lachen. Aber es stimmt, ich muss auch nach fast vier Jahren immer noch öfter an meine abgemurkste Lieblingsfigur denken. :rotwerd: Wenn ich der Signatur in meinem frisch aufgehübschten zweiten Band traue, sind die Überlebenschancen im Phoenix aber besser …

Ann-Kathrin Karschnick

Danach habe ich mich etwas bei WerkZeugs rumgetrieben und auch zwei Bücher entdeckt, die ich mir näher angeschaut habe: Flammenwüste von Akram El-Bahay (der Seraph-Preisträger) und “Das Herz der Harpyie” von Rebekka Pax. Zu beiden Büchern gab es auf der Messe auch Lesungen, aber ob ich es dahin auch schaffe? Wer weiß, wer weiß … Flammenwüste ist jedenfalls schon mal auf meinem Wunschzettel eingezogen, die Mischung hatte mich ja schon bei der Preisverleihung gereizt.

Dann ging es zur Lesung von Simon André Kledtke aus “Sarania”, bei der ich herausfinden wollte, ob mir die Geschichte zu dunkel ist oder nicht. Es geht um einen finsteren Hexenmeister, der seine Hände nach den Trümmern eines alten, zerfallenden Zeitalters ausstreckt und die Länder in seine Gewalt bringen will. Und um den fünfzehnjährigen Schmiedesohn Benalir, der über Nacht aus seinem behüteten Leben gerissen wird und zusammen mit seinen Gefährten versucht, das drohende Verhängnis abzuwenden. So ganz konnte mich der Text nicht überzeugen, mir fehlte Atmosphäre und auch etwas, das mich reizte. Aber ich werde wohl mal in die Leseprobe schauen … Was ich allerdings etwas seltsam fand, war seine Aussage dass er keinen 08/15-Antagonisten haben wollte, sondern mehr Tiefgang – also nicht so wie Sauron oder Lord Voldemort . Uuuups, das nenne ich Selbstbewusstsein. Ich kann nachvollziehen, was er damit ausdrücken wollte, aber der Vergleich ist dann vielleicht doch etwas unglücklich. Der Autor scheint von seinem Antagonisten auf jeden Fall sehr begeistert zu sein. ;)

Simon André Kledtke

Danach wurde es dann Zeit für meine einzige richtig feste Verabredung auf der Messe – und ich habe mich riesig gefreut, Literaturjunkie endlich mal wieder zu sehen! Wir haben uns ungefähr zwei Jahre nicht gesehen, obwohl wir in Nachbarstädten wohnen. Es gab also genug zu quatschen, über das Lesen und Bloggen und Schreiben bzw. bei mir vielleicht-schreiben. Nebenbei habe ich auch noch etwas gegessen. ;) Beim Qindie-Stand trennten sich dann unsere Wege, für sie ging es weiter zum Blogger-Treffen und ich bin ein bisschen bei Qindie hängen geblieben. Ich habe es sogar mit dem Fotografieren probiert, aber vorzeigbar ist nur das nah-dran-Foto von Boris, einer Hauptfigur aus der Clockwork-Cologne-Reihe von Selma J. Spieweg:

Boris am Qindie-Stand

Dann ging es wieder zurück in Halle 2, weil ich ja auf gar keinen Fall die Lesung von Bernd Perplies aus dem Auftaktband seiner neuen Reihe “Imperium der Drachen” verpassen wollte! Klassische Fantasy, die aber in einer fiktiven Antike angesiedelt ist. Ich war völlig gefesselt und angefixt, mein Kopfkino hat auch ordentlich zugeschlagen … Und schwupps, schon musste ich zurück in die Realität. Wenn der Verlag mitspielt (also die Verkaufszahlen stimmen), könnte daraus eine längere Reihe werden. Es gibt aber mehrere Stellen, an denen ein früherer Ausstieg möglich wäre … Aber wollen wir das? Also schön kaufen. :)

Beim Signieren hat mich dann völlig überrascht, dass aufgefallen ist, dass ich die letzte Trilogie nicht lesen mochte. Da stand ich dann also und habe versucht meine Gründe zu erklären. Ganz was Neues! Und da der für mich hauptsächlich abschreckende Grund wohl nur ein paar Kapitel im Vordergrund steht, überwiegt meine Neugier wieder deutlich und der erste Teil der Carya-Trilogie hat sich auf meinen Wunschzettel geschlichen. Vielleicht gibt es eine eBook-Preisaktion, aber so wie ich mich kenne wünsche ich mir die Print-Ausgabe zum Geburtstag oder so. ;)

Bernd Perplies

Zeitgleich zu der Lesung mit Bernd Perplies fand auch das Plauderstündchen mit Bernhard Hennen statt, also wäre jetzt ein Blick auf die Uhr nötig gewesen, um zu entscheiden ob sich das noch lohnt. Allerdings hatte inzwischen mein Handy seinen Geist aufgegeben, so dass ich einfach kurzentschlossen in Halle 3 gegangen bin. Da standen auch noch drei Leute, so dass ich mich einfach mal dazu gesellt habe – und überrascht war, wie schnell ich erkannt wurde (das mit meiner Unauffälligkeit sollte ich doch noch mal überdenken). Es kam auch noch eine ältere Dame dazu, die sich ein Autogramm geholt hat, was ich niedlich fand. Als ich dran war, war die Zeit schon rum und der nächste Termin drängte (Blogger-Treffen, war da jemand von euch?), aber für Poster-News und eine ganz kurze Frage hat es noch gereicht. Und ich könnte am nächsten Tag zum Plaudern kommen, er wäre 2-3 Stunden vor der Lesung da. Na, ob ich mich das traue? Wer weiß … ;)

Danach bin ich noch etwas durch die Hallen gelaufen und dabei irgendwie auf den mare-Stand gestoßen, wo ich in einige Bücher reingelinst habe. Das Buch, auf das ich gehofft hatte, war aber leider nicht dabei. “Leviathan oder Der Wal” von Philip Hoare wartet also noch auf seine Chance. Dann habe ich beim Qindie-Stand vorbei geschaut um herauszufinden, wie die Abendplanung aussah. Das hat etwas gedauert, so dass ich die Lesung “Mondgesang und Wolfsgeheul” leider verpasst habe, aber dafür hatte ich einen wirklich schönen Abend in kleiner Runde und wurde lecker bekocht.

Ein Interview, diesmal mit mir …

Susanne Kasper ist jeden zweiten Sonntag im Gespräch mit … BloggerInnen und stellt diese auf Literaturschock vor. Diesmal durfte ich Fragen beantworten, was mir unheimlich viel Spaß gemacht hat! :)

Ich freu mich riesig, dass ich mit dabei sein durfte – den Beitrag findet ihr hier. Schaut doch mal vorbei … ;)

[Leipziger Buchmesse 2015] Tag 1

Um ein Haar wäre die Leipziger Buchmesse für mich tatsächlich ins Wasser gefallen, irgendwann mochte ich auch einfach nicht mehr – aber irgendwie hat sich die kleine Pechmarie dann doch durchgekämpft. Aus Gründen. ;) Einer der Gründe war die WG mit lauter lieben Autoren, in die ich so nett aufgenommen wurde. Ein Teil von uns ist bereits am Mittwoch angereist und wir waren dann abends auch lecker essen – ich hatte einen Falafelteller. :)

Am Donnerstag führte mich mein erster Weg nicht auf die Messe, sondern auf die Suche nach Plastikbechern. Die fehlten nämlich noch für den Qindie-Stand, und da meine erste Lesung ja erst mittags war, hab ich da ausgeholfen, auch wenn ich nicht mehr zum Kernteam gehöre. Die Becher waren auch schnell gefunden, also auf zur Messe! Dort ist mir dann erstmal aufgefallen, dass ich überhaupt nicht nervös war – ganz untypisch. Lag bestimmt am bösen Stress davor, also wenigstens ein Vorteil! ;)

Als erstes bin ich in Halle 5 gegangen, um die Becher bei den Qindies abzuliefern – und hab mich dann prompt ein bisschen verquatscht, so dass ich dann plötzlich ganz schnell weg musste, weil ich doch meine erste Lesung nicht verpassen wollte. Also hurtig in Halle 2 zur Fantasy-Leseinsel, wo ich auch nur einen Tucken zu spät zur Lesung von Björn Springorum aus “Das Amulett der Ewigkeit” kam. Letztes Jahr hatte mir ja seine Lesung aus “Herbstbringer” sehr gefallen, und mit dem neuen Buch ging es mir nicht anders. Wieder so stimmungsvoll, dass ich direkt in der Geschichte gelandet bin und auch Kopfkino hatte. Ich freue mich schon sehr auf das Buch, neben der tollen Sprache reizt mich das Setting – und ich bin einfach unheimlich neugierig, wie es weiter geht. :) Beim Signieren wurde ich tatsächlich wiedererkannt und musste einfach fragen, ob es eine Fortsetzung von Herbstbringer geben wird. Angedacht sind zwei weitere Bände, aber der Verlag hat noch kein Interesse bekundet. Da mag ich mal ein Vampirbuch und dann verkauft es sich nicht gut genug, also wirklich … Ich drücke dann mal die Daumen, dass das noch wird!

Björn Springorum

Gleich im Anschluss war die Lesung von Daniel Illger aus “Skargat”, leider trifft die Geschichte nicht so ganz meinen Geschmack. Der Inhalt klingt reizvoll und auch der Stil gefällt mir, aber für mich ist der Horror-Anteil einfach etwas zu groß. Wer da nicht so empfindlich ist, sollte sich das Buch aber auf jeden Fall mal anschauen! ;)

Daniel Illger

Danach bin ich in Halle 4 gewechselt, um mir im Nordischen Forum eine Veranstaltung über die Literaturpreise des Nordischen Rates anzuschauen. Zwei Teilnehmer kannte ich nicht, dafür aber Kjell Westö und den Moderator Thomas Böhm (von der Frankfurter Buchmesse). Neben dem Literaturpreis gibt es auch einen Kinder- und Jugendbuchpreis. Das war eine sehr interessante Veranstaltung mit sympathischen Teilnehmern! Der Nordische Rat verleiht übrigens auch einen Filmpreis, einen Musikpreis und einen Natur- und Umweltpreis.

Literaturpreise des Nordischen Rates

Danach habe ich mich noch ein wenig bei den Büchern der nordischen Länder rumgetrieben und auch ein paar Finnland-Prospekte mitgenommen. Besonders gefreut habe ich mich da über eine große Karte von Finnland! Und ja, mein Finnland-Virus ist wohl immer noch nicht überstanden … Dann habe ich schon wieder die Halle gewechselt, nicht dass mir noch langweilig wird. ;) In Halle 5 ging es für zwei Lesungen in die eBook-Lounge, die praktischerweise schräg gegenüber vom Qindie-Stand war. Juhu, endlich ein Sitzplatz!

Die Lesung von Regina Mengel aus “Hochzeit mit Huhn” fand ich zwar amüsant, aber ChickLit ist einfach nicht mein Genre – auch wenn es sich hier mit anderen Themen vermischt. Und wenn ich so darüber nachdenke, scheinen “lustige” Bücher ganz generell nicht unbedingt meins zu sein – auch in der Fantasy. Es gibt bisher eine große Ausnahme, die hat mich dafür dann aber umso mehr erwischt, aber ansonsten … Aber ich probiere das immer mal wieder aus. Und falls ich irgendwann mal ChickLit lesen mag, wäre hier ein Kandidat. Allerdings reizt mich die lose Fortsetzung “Ein Pastor zum Verlieben” ja ein wenig mehr, vielleicht weil der Krimi-Anteil da gefühlt größer ist. Leichen auf dem Friedhof, die da nicht hingehören … Oder mit den Worten der Autorin: Romantik mit Leichen!

Nina2

Gleich danach las Asta Müller aus “Relax”, in der Geschichte geht es um ein neues Wundermittel, dass die Erfüllung des Traums von ewiger Jugend verspricht. Traum oder Albtraum? Und es gibt eine Fantasy-Ebene, die meine Neugier anstachelt … Mir persönlich hätte es besser gefallen, wenn ein klein wenig mehr gelesen worden wäre – oder zumindest eher, nicht erst gegen Ende der Veranstaltung. Denn so überwog der Interview-Teil deutlich und vor allem lässt das Interesse schneller nach, wenn man gar kein Gefühl für die Geschichte hat. Keinen Eindruck, den ein gelesener Text vermittelt. Auch wenn die Präsenz der Autorin einiges wieder wett macht …

Asta Müller

Und dann war es auch schon Zeit für die SERAPH-Verleihung, also ging es wieder in Halle 2. :) Für die Kategorie “Bestes Buch” hatte ich einen Favoriten, der aber natürlich nicht gewonnen hat – dafür wurde Kai Meyer für “Die Seiten der Welt” ausgezeichnet. Irgendwie habe ich das ja geahnt … Es ist ein reizvolles Thema, aber ich bin noch unentschlossen, ob ich es da mal wieder mit ihm versuche. Aber es ist ja nicht so, als ob seine Fans in der Minderheit sind. ;) In der Kategorie “Bestes Debüt” hat Akram El-Bahay mit “Flammenwüste” den mit 2.000 Euro dotierten Förderpreis gewonnen. Und die Geschichte macht mich neugierig, weil sie klassische High Fantasy mit orientalischen Märchenelementen verbindet. Es geht um einen Märchenerzähler, der die Gerüchte über einen Drachen für Märchen hält, bis er auf Drachenjagd geschickt wird und in der Wüste auf ein uraltes Wesen trifft, das so schwarz wie die Nacht selbst ist …

SERAPH: Bestes Debüt

Nachdem ich noch etwas gequatscht hatte, war mein erster Messetag auch (schon?) zu Ende. Und da ich ziemlich fertig war und mein Fuß geautscht hat (Pechmarie musste sich eine Ferse ja auch noch kurz vor der Messe heftiger anschlagen), habe ich mich von meiner vielleicht-Abendveranstaltung getrennt und war im Bahnhof nur noch etwas warmes essen. Nudeln mit Tofu und scharfer Mangosoße, sehr lecker! Naja, und wo ich schon mal da war, habe ich mir natürlich auch gleich meine Karte für den Fantasy-Abend am Samstag besorgt. ;)

[HomBuch-Blogtour] Interview mit Ann-Kathrin Karschnick

Anlässlich der in diesem Jahr bereits zum fünften Mal stattfindenden HomBuch wird eine Blogtour veranstaltet, die interessante Artikel rund um die saarländische Buchmesse bietet. Nachdem es in der letzten Station bei Bücher sind fliegende Teppiche ins Reich der Phantasie um Claudia und Stephan Lössl ging, darf ich euch heute Ann-Kathrin Karschnick mit einem Interview vorstellen. Wobei sie meinen regelmäßigen Lesern ja nicht ganz unbekannt sein dürfte, da ich “Die Feuerritter” und “Phoenix. Tochter der Asche” mit Begeisterung gelesen habe. ;)

HomBuch

Ann-Kathrin wird am Samstag, 28.03.15, um 15:15 zusammen mit Simon André Kledtke und Martin Ulmer in Saal 2 lesen. Es versammeln sich also die Autoren, die es im Genre Fantasy in die Endrunde des HomBuch-Preises geschafft haben!

© Ann-Kathrin Karschnick

 
 
Ann-Kathrin Karschnick ist 28 Jahre alt lebt im schönen Herzogtum Lauenburg und schreibt Fantasy- als auch Erotikromane. In ihrer Freizeit leitet sie das Jugendrotkreuz in ihrer Heimatstadt. Zudem ist sie leidenschaftlicher Serienjunkie und Geocacherin.

Ann-Kathrin ist häufig auf Buchmessen und Conventions der Fantasybranche zu finden. Wer nach einem grünen Kleid Ausschau hält und laut nach Kuddel ruft, hat gute Chancen ihr zu begegnen und einen Plausch mit ihr zu halten.
 
 
 

Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?

Oh, ich bin eine extrovertierte, durchgeknallte, fröhliche Person, die es liebt, sich mit anderen Menschen zu unterhalten und ihnen zu helfen.

Wie sieht für Dich ein „normaler“ Tag aus?

Ein normaler Tag beginnt bei mir mit einem Grummeln, denn ich bin ein ziemlicher Morgenmuffel. Danach geht es ab ins Auto und in die Bahn, wo ich ca. 1 Stunde Schreibzeit habe, ehe ich zu meinem Brotjob muss. In der Mittagspause mache ich entweder Sport oder spiele mit den Kollegen Tischkicker. Auf der Heimfahrt schreibe ich dann wieder etwa eine Stunde und bin gegen 19 Uhr zu Hause. Dann mache ich es mir entweder mit meinem Männe vor dem Fernseher gemütlich, bin beim DRK oder schreibe am Abend weiter. Irgendwann gegen 23 Uhr geht es dann ins Bett.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Ich habe Hausarrest bekommen und durfte nichts anderes als die Schreibmaschine meiner Mutter benutzen, um ihre Rezepte abzutippen. Da das auf Dauer zu langweilig wurde, habe ich angefangen, mir ein paar Geschichten auszudenken und diese aufgeschrieben. Für die Ausbildung habe ich dann aufgehört und erst bei einem Stromausfall aus Langeweile wieder angefangen. Wenn man es also genau nimmt, hat Langeweile mich zum Schreiben gebracht. :)

Wie viel planst Du, bevor es mit dem eigentlichen Schreiben los geht?

Kommt darauf an. Bei Kurzgeschichten schreib ich einfach drauflos, während ich bei Romanen tatsächlich plane. Die Figuren plane ich vorweg, ebenso wie die Welt und eine grobe Rahmenhandlung, aber vieles passiert unterwegs beim Schreiben dann noch.

Entwickeln sich Deine Figuren auch mal ganz anders als geplant oder nehmen mehr Platz ein?

Meistens bleiben die Figuren in dem Rahmen, in dem ich sie geplant habe, aber in einigen wenigen Fällen brechen die Figuren aus und nehmen mehr Platz ein. Als Beispiel war Eleazar in “Phoenix – Erbe des Feuers” nur eine kleine Nebenfigur, aber ich mochte die Figur so sehr und er scheinbar die Geschichte, so dass er mehr Raum bekam.

Die Feuerritter

Wie sieht Dein Schreibtisch aus, herrscht da eher Chaos oder Ordnung?

Mein Schreibtisch ist ein absolutes Chaos. Aber ich finde mich darauf absolut zurecht. Mein Vater sagte mal: Jedes Genie braucht sein Chaos. Ich bin zwar kein Genie, aber mein Chaos brauche ich trotzdem. :)

Für „Phoenix. Tochter der Asche“ hast Du letztes Jahr den Deutschen Phantastik Preis erhalten. Hat sich für Dich danach spürbar etwas verändert, beispielsweise was Deinen Bekanntheitsgrad betrifft?

Eine Veränderung? Mhm, schwer zu sagen. Ich werde jetzt öfter mal nach einem Interview gefragt, als früher und auf den Conventions werde ich tatsächlich eher erkannt, aber ansonsten hat sich nicht viel verändert.

Die Geschichte spielt in Hamburg – warum gerade dort?

Ich liebe die Stadt Hamburg. Seinen Aufbau, seine Ausstrahlung, den Hafen. Einfach das Flair des norddeutschen kühlen und gleichzeitig so herzlichen Charmes. Natürlich war es auch praktisch, da ich die Stadt gut kenne und die Geschichte so dort spielen lassen konnte.

War Phoenix von Anfang an als Trilogie geplant? Und schreibst Du lieber Einzelbände oder Reihen?

Phoenix war anfangs nur als Einzelband geplant, aber da das Ende ja doch etwas offen ist und mein Verleger die Idee mochte, haben wir beschlossen eine Trilogie daraus zu machen. Grundsätzlich schreibe ich beides gerne. Einzelbände sind natürlich immer mal schön, wenn man eine Geschichte zu erzählen hat, die nur einmal funktioniert, aber wenn ich eine Idee habe, die sich auf 400 Seiten nicht eindämmen lässt, dann muss ich daraus einfach manchmal eine Reihe machen. :)

Phoenix - Tochter der Asche

Warum hast Du Dich für den Teslapunk entschieden? Und musstest Du dafür viel recherchieren?

Ich habe etwas gesucht, was nicht so alltäglich war. Steampunk war zu der Zeit gerade im Kommen und ich dachte mir, warum nicht mal eine Alternative dazu. Es klang verlockend und ich mag die Gadgets, die man daraus bauen könnte. Tatsächlich habe ich relativ viele Reportagen über Tesla gesehen und mich mit seinen Erfindungen auseinandergesetzt, da ich eigentlich nicht so gut in Physik war früher. ;) Aber man lernt ja nie aus.

Welche Seiten und/oder Bücher kannst du zu dem Thema empfehlen?

Ich finde die Seite http://tesla-punk.blogspot.de/ ganz nett, auch wenn sie nicht mehr so viel Aktuelles enthält. Wikipedia zu dem Thema war auch sehr interessant.

Gab es Reaktionen, über die Du Dich besonders gefreut oder geärgert hast?

Ganz besonders gefreut hat mich die Rückmeldung einer Frau, die zuvor nie Fantasy gelesen hat und mit meinem Buch angefangen hat, weil ich sie auf einer Lesung von dem Buch überzeugen konnte.
Geärgert? Mhm, schwer zu sagen. Wenn eine schlechte Rezension reinkommt, ist man natürlich erst einmal enttäuscht, aber das ist ja das Gute an der Menschheit. Wir sind unterschiedlich und das ist gut so. Jeder hat einen anderen Geschmack. Der eine liebt die Figuren, der andere liebt die Welt, die ich erschaffen habe. So gibt es immer jemanden, der etwas an dem Buch auszusetzen hat und damit kann ich eigentlich ganz gut leben. Nur nicht in den ersten fünf Minuten nach dem Lesen der Rezension. ;)

Im Frühjahr erscheint Dein neues Buch „Sternenpfad“, kannst Du uns darüber schon etwas erzählen?

Sternenpfad ist ein Abenteuerroman mit einigen Nerd-Anspielungen. Wir haben einmal die Bestsellerautorin Stefanie Harnetz auf der einen Seite und Arváriel, eine Elfe aus der Elfenwelt, auf der anderen. Beide müssen verhindern, dass die auf die magielose Erde verbannten Dunkelelfen zurück in die Elfenwelt kommen. Dazu müssen sie das letzte verbliebene Portal schließen und das befindet sich in … nun ja, Berlin. Wo auch sonst? :)

Du bist ja auch auf vielen Cons, was reizt Dich daran?

Oh, ich liebe es, mit Menschen zu reden, zu schnacken und zu schwatzen. Der Fandom der Fantasy und Sci-Fi-Szene ist einfach das, was ich mag. Die Menschen dort haben dieselben Interessen, schauen dieselben Serien und sind genauso verrückt, wenn es um Details in ihren Büchern geht. Außerdem liebe ich den Kontakt mit meinen Lesern. Mal ganz ehrlich: Wo sonst erfährt man hautnah, wie die Leser dein Buch finden, wenn nicht auf einer Lesung? Als Autor vor einem interessierten Publikum zu sitzen und die Lacher oder das leise Schniefen zu hören in den verschiedenen Szenen ist mehr Belohnung, als man erhält, wenn man nur vor dem heimischen PC sitzt.

Was verbindest Du mit der HomBuch?

Meine erste Preisverleihung überhaupt. Wirklich, das war ein einmaliges Erlebnis. Dazu diese familiäre Atmosphäre auf der HomBuch und das wirklich interessierte Publikum ist einfach nur toll.

Dein grünes Kleid ist zu einem Markenzeichen von Dir geworden, wie kam es denn dazu?

Hehe, daran sind ein paar Fans schuld. Ich bin früher viel auf Mittelaltermärkten unterwegs gewesen und wollte mich dem Kleidungsstil anpassen, statt nur in Jeans und T-Shirt zu lesen. Also kaufte ich mir das grüne Kleid. Ich trug es zu jeder Lesung und irgendwann musste es nun mal gewaschen werden. Ich ging also zur nächsten Lesung ohne das Kleid und wurde flugs von einigen darauf angesprochen, wo denn das grüne Kleid sei. Einige meinten sogar (scherzhaft), sie würden mir nicht zuhören, wenn ich das Kleid nicht anhätte. Da war die Idee geboren, das grüne Kleid zu meinem Markenzeichen zu machen. Seither lebt es zusammen mit mir in unserem kleinen Häuschen und wird regelmäßig von mir ausgeführt. :)

Phoenix - Erbe des Feuers

Was ist Dir beim Schreiben wichtig? Was möchtest Du dem Leser vermitteln?

Meinen eigenen Spaß am Schreiben. Und ab und auch ein bisschen Wissen. Im Phoenix gibt es ein paar Erfindungen, die ich ganz nett finde und die den Menschen vielleicht auch ein bisschen Wissen vermitteln. Hauptsächlich aber möchte ich den Lesern ein paar schöne Stunden mit den Charakteren vermitteln, die immer wieder durch meinen Kopf spazieren.

Was liest Du selbst gern?

Im Moment leider viel zu wenig, aber sehr gerne lese ich Fantasy-Krimis und klassische High Fantasy. Eine gut aufgebaute Welt ist so viel wert, dass man sich darin einfach verlieren kann.

Woran arbeitest Du gerade?

Ich habe gerade meine nächste Übersetzung fertiggestellt und habe just heute angefangen Phoenix 3 zu überarbeiten. Ende Februar möchte ich ihn gerne abgeben, damit er dann ins Lektorat gehen kann. Und im Anschluss sind noch ein paar Kurzgeschichten fällig, die ich zu schreiben versprochen habe. :)

Herzlichen Dank für das Interview – ich wünsche Dir viel Erfolg!

Vielen Dank für die Fragen, Marny. :)

HomBuch-Blogtour

Die Blogtour hält als nächstes bei Lu´s Buchgeflüster, wo ihr am 2. März ein Interview mit Jennifer Jager finden werdet! :)

Finnland-Schnipsel von der Frankfurter Buchmesse

Da war ich im Herbst auf so vielen schönen Lesungen und habe es bei dem heftigen Stress einfach nicht geschafft, etwas darüber zu schreiben. Alles unter den Tisch fallen lassen möchte ich aber auch nicht – und darum versuche ich mich jetzt an ein paar Eindrücken von der Frankfurter Buchmesse. Oder genauer gesagt aus dem Finnland-Pavillon, denn dort habe ich mich die meiste Zeit herumgetrieben.

Meine erste Veranstaltung sollte eigentlich das Kalevala Frühstück mit Tilman Spreckelsen sein, eine Einführung in das finnische Nationalepos. Die Erschaffung der Welt aus einem Entenei, ein verliebter Zauberer, eine Wundermühle, die Gold und Mehl aus dem Nichts erschafft … Meine Neugier hat den Plan aber durchkreuzt, denn die Ankündigung für die parallel laufende Finnlandisierung hat mich noch mehr angesprochen. In der ersten Lektion ging es um die Sprache – um die verbale und nonverbale Kommunikation. Roman Schatz, seit fast 30 Jahren in Helsinki ansässiger Wahlfinne, hat das sehr unterhaltsam und mit viel Ironie vorgetragen. Ich musste öfter lachen, weil das meiner Art von Humor doch sehr entgegenkam …

Von der Kalevala hatte ich aber trotzdem noch etwas, denn es lagen auch ein ganzer Schwung Bücher dazu aus. Und eines davon musste ich mir unbedingt kaufen, so traumhaft wie das illustriert ist. :)

Dieser “Bücherring” rund um den großen Kreis mit Bänken war überhaupt sehr gefährlich, da habe ich einige Bücher für mich entdeckt … In “Die alte Dame, die ihren Hut nahm und untertauchte” von Leena Parkkinen geht es um die dreiundachzigjährige Karen und die hochschwangere siebzehn Jahre alte Azar, welche vergeblich versuchte, die alte Dame bei einem Überfall auszurauben. Beide fliehen vor ihrer Vergangenheit und wollen zu einer einsamen Insel im finnischen Meer, die ein Geheimnis birgt: ein fünfundsechzig Jahre zurückliegender Mord. “Pilluralli” von Mikki H. handelt von dem Rentner Yrjö, der auf dem Friedhof das ungepflegte Grab einer jungen Frau entdeckt, die bereits mit 18 Jahren sterben musste. Er pflegt nicht nur ihr Grab, sondern forscht auch nach dem Grund ihres Todes. Gemeinsam mit Satu, einer Freundin der Toten, taucht er ein in die Welt der Dorfjugend in Finnisch-Lappland.

In “Der Tag der roten Nase” von Mikko Rimminen geht es um Irma, alleinstehend, Anfang 50 und ohne Job, die eine unkonventionelle Methode wählt, um neue Freunde zu finden: Sie gibt sich als Mitarbeiterin eines Marktforschungsinstituts aus. Als die Tochter eines alten Mannes sie der Erbschleicherei verdächtigt, gerät Irma in Bedrängnis und muss fürchten, entlarvt zu werden. Dass sie mittlerweile in dem Gewohnheitstrinker Virtanen einen verlässlichen Freund gefunden hat, erweist sich in dieser Situation als sehr hilfreich …
Inzwischen bei mir eingezogen ist “Troll” von Johanna Sinisalo: Der junge Werbefotograf Angel rettet ein hilfloses Fellbündel vor einer Gruppe brutaler Jugendlicher und nimmt es mit nach Hause. Doch es ist kein Tier – es ist ein junger Troll. Schon am nächsten Morgen wird Angel klar, dass er sich ein Stück Wildnis in die Wohnung geholt hat: Der Troll ist unberechenbar, unendlich faszinierend – und gefährlich, wenn man falsch mit ihm umgeht.

Neben zwei weiteren Finnlandisierungs-Lektionen (die finnische Mentalität, die finnische Natur) war ich aber auch noch auf einigen Lesungen. :) Bei “Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm” von Selja Ahava geht es um das Erinnern und Vergessen, aber auch um die Kraft der Wörter und der Fantasie. Als es Anna immer weniger gelingt, ihre Erinnerungen festzuhalten, und ihr Gedächtnis langsam unzuverlässiger wird, klammert sie sich an Wortlisten (»Stein, Birke, Gras, Stuhl«) und erfindet Wörter für Dinge, die keinen Namen haben. Im Lauf der Jahre trotzt sie den Zumutungen des Alltags mehr und mehr mit ihrer Vorstellungskraft …

Selja Ahava

Selja Ahava (links)

“Lauras Verschwinden im Schnee” von Pasi Ilmari Jääskeläinen handelt von der jungen Lehrerin Ella, die überraschend als zehntes Mitglied in die legendäre Literarische Gesellschaft ihres Heimatortes aufgenommen wird. Auf der Begrüßungsfeier verschwindet die Gründerin und berühmte Autorin Laura Hermelin vor aller Augen in einem wirbelsturmartigen Schneegestöber. Spurlos. Ella ahnt, dass die anderen Mitglieder etwas vor ihr verbergen und gerät in ein mysteriöses Spiel um Lesen und Tod … Die Geschichte klang für mich nicht nur sehr spannend und “anders”, mir war der Autor, der die Buchmesse mit einer Viehherde verglich und lieber zurück in den Wald wollte, auch extrem sympathisch.

Pasi Ilmari Jääskeläinen (links)

“Kunkku” von Tuomas Kyrö traf meinen Geschmack nicht so, aber die Lesung hat mich trotzdem gut unterhalten. In der Geschichte wird aus dem Leben des fiktiven letzten Königs von Finnland erzählt, nebenbei wird die Geschichte des 20. Jahrhunderts umgeschrieben. Schräg und politisch unkorrekt – es wird über Monarchie, Demokratie und Weltgeschehen gespottet.

Tuomas Kyrö (rechts)

“Wir fallen nicht” von Seita Vuorela hat mir wieder besser gefallen, ein Jugendbuch mit magischen Elementen und etwas Melancholie. Es geht um die Brüder Mitja und Vladimir, die ihre Sommerferien am Meer verbringen, doch der Urlaub wird von einem Unglück überschattet: Mitjas bester Freund ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Mitja unternimmt ausgedehnte Streifzüge und freundet sich mit einigen Jungen an, die ihr Lager am Strand aufgeschlagen haben. Aber ihr kleines Reich ist nicht nur ein Abenteuerspielplatz für Vagabunden – es ist eine Welt voller Mystik und Magie, die Mitja immer stärker in ihren Bann zieht …

Seita Vuorela (links)

Die Lesung von Sabira Ståhlberg war für mich sehr spannend, weil die Autorin in vielen verschiedenen Sprachen und Kulturen zu Hause ist und sogar deutsch spricht. “Wolkenwanderer” (hier erhältlich) wurde im Original auf Schwedisch und Finnisch geschrieben – in dem Roman geht es um ein Mädchen, das zwischen mehreren Kulturen aufwächst und trotz Benachteiligung und Mobbing seinen Weg geht. Altan wandert durch die Welt wie die Wolken am Himmel. Sie ist anders als die finnischen Kinder um sie herum und sie sucht einen Ort, an dem sie sie selbst sein kann. Nur ihr Großvater hilft ihr dabei. Als Altan den Spuren seines wechselvollen Lebens folgt, beginnt für sie eine abenteuerliche Reise, die sie bis weit in den Osten an den großen Fluss Idel führt, wo alles begann.

Sabira Ståhlberg (Mitte)

“Ein flüchtiges Leuchten” von Juha Itkonen ist eine Familiensage, die fünf Jahrzehnte und drei Generationen umspannt. Der Erzähler Esa versucht seiner Tochter sich selbst und die Dynamiken innerhalb der Familie zu erklären. Beständig ändern sich die äußeren Bedingungen, das Leben wird immer fortschrittlicher – und doch müssen die Untiefen zwischenmenschlicher Beziehungen von jedem aufs Neue ausgelotet werden.
In der Lesung hat mir die Sensibilität und Nähe zu den Figuren gefallen, außerdem war deutlich spürbar, dass der Autor mit viel Leidenschaft und Begeisterung dabei ist.

Juha Itkonen (links)

Kjell Westö schreibt auf Schwedisch und hat sich insbesondere als Chronist Helsinkis einen Namen gemacht. In “Das Trugbild” kehrt er ins Jahr 1938 zurück: Als Rechtsanwalt Claes Thune an diesem Morgen zur Arbeit erscheint, ist er zunächst verärgert. Er fragt sich, wo seine Sekretärin bleibt, die stets zuverlässige Matilda Wiik – sein Anker in schwierigen Zeiten, die Frau, die er lieben könnte, hätte er den Mumm, sich über Standesdünkel und Konventionen hinwegzusetzen. Er selbst sieht die Ereignisse rund um das Dritte Reich mit Besorgnis, doch damit vertritt er in der finnischen Gesellschaft zunehmend eine Minderheitenposition. Ein wenig Rückhalt findet er im sogenannten »Mittwochsclub«, einer Gruppe von Männern, die sich regelmäßig zum Gedankenaustausch trifft. Dass einer davon ein dunkles Geheimnis hütet, kann Thune nicht wissen. Es ist Matilda Wiik, die davon betroffen ist und die Sache schließlich in die Hand nimmt …

Kjell Westö (links)

Kjell Westö (links)

Für mich viel reizvoller ist aber der Roman “Geh nicht einsam in die Nacht”, der in den bewegen 68ern spielt: Jouni, Ariel und Adriana könnten unterschiedlicher nicht sein und sind doch Freunde. Jouni kann sowohl reden als auch zuschlagen, er ist ein Mann mit einem ausgeprägten Sinn für Karriere. Ariel ist das genaue Gegenteil, ein stotternder Träumer mit musikalischem Talent. Zwischen ihnen steht Adriana: scharfsinnig, selbständig und nervös. Sie ist die treibende Kraft des Trios. Es ist ihre Idee, dass die drei eine Band gründen, eine Art finnische Variante von Peter, Paul & Mary – und für eine Weile leben sie eine ménage a trois wie im Film Jules et Jim. Aber dann trennen sich ihre Wege. Jouni geht in die Politik, Adriana wird zunehmend von Ängsten geplagt, und Ariel versinkt in seiner Drogensucht und geht nach Stockholm, wo er spurlos verschwindet.
Zwanzig Jahre später beginnt ein Mann namens Frank Loman zu recherchieren, was mit den drei Freunden geschehen ist. Es gibt Berührungspunkte, nicht zuletzt ist er rettungslos in Adrianas jüngere Schwester Eva verliebt. Doch das ist nicht alles, sein eigenes Leben ist auf ungeahnte Art in vielem eine Fortsetzung ihrer Lebenswege …

Und dann habe ich noch zwei tolle Bildbände entdeckt, von denen ich unbedingt noch berichten muss! Die Bände der multilingualen Buchreihe Camera Poetica verbinden Fotografie und Lyrik als Foto-Gedicht-Paare. 2014 erschien eine Anthologie über die Ålandinseln, vorerst in 3 Spracheditionen (Schwedisch als Originalsprache, Deutsch und Ungarisch) mit neuer Lyrik der drei åländischen Dichterinnen Carina Karlsson, Sanna Tahvanainen und Katarina Gäddnäs, die zu den selbst ausgewählten in Åland aufgenommen Fotografien von Josef Timar 83 Gedichte schrieben. Traumhaft! Hätte ich gewusst, dass das so schwer aufzutreiben ist, wäre doch eins davon mit nach Hause gekommen …

camera poetica

Zwischen den Tischen des Cafés waren auch Bücher ausgestellt, da habe ich noch ein ganz besonderes gefunden! :) “Die letzten Gäste: Das Leben in verlassenen Häusern” von Kai Fagerström, Risto Rasa und Heikki Willamo. Faszinierende Aufnahmen der letzten Gäste verfallender Gebäude, poetisch-beschreibende Texte und Gedichte werden zu einer märchenhaften Reise zusammengefügt. Ein künstlerisches Gesamtwerk, mit dem ich einige Zeit verbracht habe … Hier gibt es dazu auch einen Bericht.

Die letzten Gäste

Auch wenn ich von den Lesungen nicht mehr viele Details weiß, hoffe ich doch dass es für ein paar Eindrücke gereicht hat. Da wären ja auch noch die vielen Bilder. ;) Und da ich nicht nur drei Bücher direkt gekauft habe, sondern auch einige auf die Wunschliste gehüpft sind, würde mich natürlich brennend interessieren, ob euch eins anspricht. Jaja, immer diese Neugier …

Liebster Award

Katharina Gerlach hat mich für den “Liebster Award” nominiert, lieben Dank dafür! Den Award habe ich vor längerer Zeit schon einmal bekommen, aber bei den schönen Fragen mache ich gerne nochmal mit. :)

Die Regeln:

Liebster Award

Wer ist Dein Lieblingsautor?
Oha, da kann ich natürlich nicht nur einen nennen … Meine Lieblings-Lieblingsautoren sind Susanne Gerdom, Aileen P. Roberts, Fabienne Siegmund, Evelyn Boyd, Bernhard Hennen, Erik Kellen und Oliver Plaschka.

Wenn Du 3 Wünsche frei hättest, welche wären das?
Gesundheit für Familie und Freunde.
Ich würde gerne mal Wale sehen … Natürlich in Freiheit.
Mehr Toleranz, damit andere Einstellungen, Lebensweisen, Glaubensrichtungen, … akzeptiert werden können.

Wenn Du eine Rundfahrt nach Irgendwo machen könntest, wohin würdest Du reisen?
Finnland! :) Mein Finnland-Virus ist noch immer ganz akut, eigentlich hätte da ja Schottland stehen müssen …

Würdest Du lieber in der Nähe des Meeres, eines Waldes, der Berge oder einer vierten Option wohnen?
Am Meer, ich liebe das Meer! Gern mit ordentlich Wind und Brandung. Ich hätte aber auch nichts dagegen, wenn es in der Nähe einen Wald geben würde …

Welche Musikgenres hörst Du am liebsten?
Singer-Songwriter, Pop, Folk, Mittelalter, Easy Listening.

Flugzeug, Schiff, Zug oder Auto, womit verreist Du am liebsten?
Schiff! Aber sehr selten … Mit dem Zug verreise ich aber auch ganz gern.

Wohin fliehst Du am liebsten vor dem Alltag?
In Geschichten, fremde und eigene. In meine Phantasie. In die Natur.
Manchmal auch ganz spontan, wenn ich Dinge sehe, auf die ich durch Bücher einen anderen Blick habe. Ganz “schlimm” ist es, wenn es schneit. Dann fliegen mir nicht nur viele Ideen zu und ich habe Lust zu dichten, sondern mich besuchen dann auch immer ein paar Lieblingsfiguren. Ich nenne sie schon meine “Winterkrieger”, inzwischen sind es schon drei. :)

Was ist Deine liebste Erinnerung?
Das sind die Erinnerungen an eine Pfadfinder-Fahrt nach Norwegen oder Schweden. Es gab ein Sammellager, aber wir waren davor auch nur mit unserer kleinen Gruppe mit dem Kanu unterwegs. Meine liebste Erinnerung ist vielleicht die, als ich mich getraut habe, im Fjord zu schwimmen. Also nicht nur am Rand, sondern auch etwas weiter raus. Das hat einigen Mut erfordert, auch weil man durch das wunderbar klare Wasser sah, dass es da tiefer wurde – und schnell so tief, dass man nichts mehr sah. Das war ein sehr intensiver Moment, ich habe die klaren Formen und das kühle Wasser sehr genossen. Und ich kann mich daran möglicherweise auch so gut erinnern, weil es mir gezeigt hat, dass ich öfter mutiger bin als ich denke. ;)

Hast Du ein Hobbit? Wenn nicht, welches Hobby hättest Du gerne? ROFL @ SELF okay dieser Tipfehler war zu gut, um ihn zu korrigieren—also los, wer ist dein liebster Hobbit?
Mein liebster Hobbit *g* neben dem Lesen und Schreiben ist entweder das Reisen oder das Fotografieren. Ich verreise, um zu Lesungen gehen zu können, ans Meer zu kommen oder meine Lieblingsstadt zu besuchen – verbinde das aber auch gern mit anderen Dingen, z.B. mit Kultur (Ausstellungen, Theater, Oper, Konzerten) oder um Bekannte oder Freunde zu treffen. Es gibt immer viele neue Eindrücke, der Alltag ist weit weg und ich bringe neue Ideen mit nach Hause. Jede Reise erweitert den Horizont … Ins Ausland traue ich mich nicht alleine, aber vielleicht traue ich mir ja nächstes Jahr eine Busreise zu. Zumindest spare ich schon ein bisschen dafür. ;) Ich fotografiere besonders gerne, wenn ich unterwegs bin, aber auch hier gibt es Motive, die mich reizen. Besonders die Natur. Letztes Jahr habe ich es mit der Makro-Fotografie versucht, was mir sehr gefällt – aber es zeigten sich auch relativ schnell die Grenzen meiner kleinen Digitalkamera (auch wenn die draußen wirklich tolle Bilder macht). Ich spiele immer mal wieder mit dem Gedanken an eine digitale Spiegelreflexkamera, weil mir das Fotografieren wirklich Spaß macht und ich mich da auch drin verlieren kann. Aber der Preis … Falls es mit der Busreise nichts wird, also vielleicht mit der Kamera. ;)

Was ist das Buch, an das Du Dich am besten erinnerst (oder Film, wenn Du nicht viel liest)?
Ich kann mich noch an viele Bücher gut erinnern, weil ich mich immer so fühle, als wenn ich die Geschichten mit-erlebe. Ich träume ja auch viel von ihnen und einige werden auch irgendwie ein Teil von mir. Vielleicht sind “Elfenwinter” und “Elfenlicht” von Bernhard Hennen “die” Bücher, die Lektüre ist schon länger her und doch habe ich daran noch sehr viele intensive Erinnerungen. Die Geschichten haben mir auch gezeigt, wie erschreckend nah mir Figuren stehen können. Und wieviel Tränen da in mir stecken – alles davor war nichts dagegen. ;)

Würdest Du in 80 Tagen um die Welt reisen, wenn Du könntest?
Ehrlich gesagt wären mir da inzwischen “in 80 Tagen durch Dänemark-Norwegen-Schweden-Finnland-Schottland-Irland-Island” lieber. :) Oder in 80 Tagen um die nördliche Welt reisen!

11 random facts (Zufälliges)

  1. Ich träume viel von Büchern, aber fast nie von Filmen.
  2. Ich lese am liebsten auf dem Reader, aber viele Bücher wollen einfach ins Papierbuchregal (Lieblingsautoren und auch die Bücher, die mir sehr gefallen haben und/oder in denen ich gerne blättern würde).
  3. Meine beiden Katzen mögen auch den Reader, weil ich dann immer eine Hand zum Streicheln frei habe.
  4. Bis vor einigen Jahren habe ich mich für völlig unkreativ gehalten.
  5. Ich bin ziemlich schüchtern, aber mir hat meine erste besuchte Lesung SO gut gefallen, dass ich das immer wieder tun mag und mich sogar – trotz der Massen an Leuten – auf Büchermessen traue. Und … Übung hilft. So ein bisschen. ;)
  6. Mir wird auf dem Kinderkarussell schlecht, aber (bisher) nicht auf Schiffen. Da mag ich es sogar, wenn es schaukelt.
  7. Ich freue mich immer sehr über Postkarten und verteile sie quer durch die Wohnung.
  8. Mich kann man mit Schlangen und größeren Spinnen verscheuchen, aber unheimliche Seemonster fand ich (bisher) irgendwie auch immer faszinierend.
  9. Ich habe eigentlich durch das Literaturschock-Forum angefangen zu bloggen, denn davor habe ich nie Rezensionen geschrieben (oder auch nur daran gedacht) – und die wollten irgendwann auch mal an einem zentralen Punkt gesammelt werden …
  10. Früher habe ich nie geflucht, jetzt flutscht mir manchmal ein nordischer Fluch durch. Und natürlich ist wieder ein Buch dran schuld. ;)
  11. Ich mag keine Pauschalisierungen.

Nominierung
Zu den Vorgaben passt nur ein Blog, den ich gerne lese, also nominiere ich Planetenkrieger. :) Und da mir die Fragen so gut gefallen haben, darfst du die gleichen beantworten …

Susanne Gerdom – Queen of Clouds

Erscheinungsjahr: September 2014
Gelesen im Januar 2015
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Rezension

Die Türmer leben im Luxus der Wolkentürme, der sich auf der Ausbeutung der Schluchter gründet, die in den endlosen Wäldern um ihr Überleben kämpfen oder in den unteren Stockwerken der Wolkentürme den Türmern dienen. Als die Zukunft beider Völker bedroht ist, entsenden Om (das allwissende Prinzip und Oberhaupt der Schluchter) und der Panarch (der Herrscher der Türme) ihre Vertrauten, um gemeinsam den sagenumwobenen Turm Null zu finden. Denn laut einer alten Prophezeiung können sie diese Aufgabe nur zusammen erfüllen – und so das Fortbestehen ihrer Welt sichern.

Die Geschichte beginnt mit der Schluchterin Elster, die sich zweihundertvierzig Meter über dem Boden befindet und versucht, den Rekord im Turmklettern zu brechen. Diese Szene hat mich gleich gefesselt, weil es eine spannende und faszinierende Situation war. Eisenrebenranken, ein Unwetter, der gefahrvolle Weg zurück zum Boden und die verschlüsselte Sprache, in der Elster mit ihrem besten Freund Indigo kommuniziert. Ich war auf so vieles neugierig – und genoss auch die dichte Atmosphäre.

Winter, die Zwillingsschwester von Elster, umgibt etwas Geheimnisvolles. Sie wird einmal die Schamanin sein, die ihr Volk anführt, also die Nachfolgerin von Om. Das alles spricht meine mystische Seite natürlich sehr an, außerdem hatte Winter für mich eine besondere Ausstrahlung. Besonders heftig erwischt hat mich allerdings die Figur, die alle den Steuermann nennen. Das ging ja auch gar nicht anders, bei den tragischen Andeutungen und dem Charisma! Und dann wäre da noch Indigo, Elsters bester Freund, der mehr für sie empfindet. Ihn kann man einfach nur gern haben – ein freundlicher, loyaler und in sich ruhender Protagonist. Es ist direkt schade, dass er in dieser Geschichte für meinen Geschmack ein wenig zu kurz kam.

Die Türmer schwelgen im Luxus, aber auch in Intrigen. Es gilt das Gesetz des Stärkeren und man muss jederzeit damit rechnen, in einen Hinterhalt zu geraten. In so einer Umgebung ist Vertrauen natürlich Mangelware … Valentin, der Lieblingssohn des Panarchen, hat – genau wie sein Vater – etwas Zeit benötigt, bis er mir so richtig nahe stand. Bei seiner Cousine und einer weiteren Protagonistin war das anders, beide hatten mich schnell beeindruckt. Und dann wäre da noch Valentins Lehrer, der für mich einfach eine (im positiven Sinn) interessante Figur war.

Es wird sich Zeit genommen, um den Leser mit den beiden Völkern und den einzelnen Figuren vertraut zu machen, was mir ja immer gut gefällt, weil man so auch einiges über die Hintergründe erfährt. Bei der Einführung in diese dystopische Welt hat mir das auch genug Luft gelassen, um mir über die Details und Andeutungen Gedanken zu machen. Denn diese Welt wirkte so nah, dass man beispielsweise erahnen kann, was die Türme einst waren.

In der Geschichte mischt sich Fantasy mit Science-Fiction, und ich hätte mich – völlig untypisch – über etwas mehr SF gefreut, weil mich das sehr fasziniert hat. Mir gefiel, dass die Grenzen da immer mehr verschwommen sind und ich mich öfter gefragt habe, ob das jetzt Magie oder SF ist. Es fühlte sich magisch an, aber ich konnte mir auch vorstellen, dass das eine Technologie sein könnte. Oh, und es gibt Gleiter, Schlitten und Luftschiffe – ich liebe Luftschiffe! :herz: Da vergesse ich dann auch immer, dass ich doch Höhenangst habe … Eigentlich.

In “Queen of Clouds” konnte ich wunderbar abtauchen und hatte großartiges Kopfkino. Ich fühlte mich mit dem Buch sehr wohl, was sicherlich auch an der dichten Atmosphäre und den vielen Details lag. Man konnte wunderbar spekulieren und fand sich gleichzeitig mitten in der Geschichte wieder. Eine spannende, emotionale und überraschende Lektüre mit einer großen Bandbreite an Figuren! Und vielen Ideen, die mich wirklich beeindruckt haben. :)

Das Ende des Romans klingt stark nach einer Fortsetzung und ich hoffe, dass wir diese auch irgendwann lesen dürfen. Ich bin doch sooo neugierig!

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